| NEUIGKEITEN | ||
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Aktuell: Weitere Partner zum Klima-, Arten- und Waldschutz gesucht!!! Das Regenwald-Institut sucht Spendenpartner für den Kauf eines unberührten Regenwaldgebietes in Amazonien: Es liegt am Rio Madeira im brasiliansichen Bundesstaat Amazonas und ist 6,8km² groß. Das Grundstück ist juristisch und notariell einwandfrei dokumentiert, was in Brasilien nicht oft der Fall ist. Unsere Intention ist es, das Stück Regenwald dauerhaft unter Schutz zu stellen und ein Naturreservat zu errichten. Für dieses Grundstück müssen wir ca. 100.000.- Euro aufbringen. |
Die Bremer HACHEZ Chocolade GmbH & Co.KG unterstützt uns beim Kauf des Regenwaldgebietes. Von jeder verkauften Tafel Regenwaldschokolade ("Wild Cocoa de Amazonas") erhält das Regenwald-Institut 10 Cent für den Regenwaldkauf. Beim gemeinsamen Besuch des Regenwaldgebietes übergibt der Geschäftsführer von HACHEZ einen Scheck über € 20.000.- aus den ersten Erlösen der Verkaufsaktion. Für weitere Informationen sowie zur Lage des Grundstücks lesen Sie bitte hier weiter. | |
| Aktuell 1: Schokolade aus wild gewachsenem Kakao Zusammen mit unserem Partner, der Bremer HACHEZ Chocolade GmbH & Co.KG, verwirklichen wir eine langfristige Kooperation in Sachen "Regenwaldschutz durch nachhaltige Nutzung". Das Ergebnis: Ein eindrucksvoller Beitrag zum Schutz der Regenwälder und ein weltweit einzigartiges Produkt aus wildem Kakao. (Lesen Sie bitte hier weiter): | ![]() |
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| Aktuell 2: Zur Debatte über den Einsatz von Biotreibstoffen insbesondere aus Palmöl haben wir in unserer Reihe "Regenwald-Spezial" eine Dokumentation über die Auswirkungen der Palmölproduktion auf die Regenwälder erarbeitet. (Lesen Sie bitte hier weiter): | ||
| Aktuell 3: Regenwald-Institut zertifiziert Wildsammlungen Wildsammlung als die ökologisch mit Abstand hochwertigste Form der Ernte von Naturprodukten unterliegt bisher keiner befriedigenden Qualitätskontrolle. Das Regenwald-Institut setzt hier künftig mit einem Qualitätssiegel für eine zertifizierte Wildsammlung neue Maßstäbe. | ![]() |
(Lesen Sie bitte hier weiter): |
| Aktuell 4: Die Landesstiftung Baden-Württemberg unterstützt unser Projekt: "Nachhaltige Waldnutzung durch Agroforstsysteme und die Gewinnung von Palmöl aus Wildbeständen in den Tropenwäldern von Guanay (Bolivien)". | ![]() |
(Eine Beschreibung des Projektes lesen Sie hier): |
| Aktuell 5: BAUMPATENSCHAFTEN | Weitere außergewöhnliche und sinnvolle Geschenk-Ideen: | Möglichkeit A: Schenken Sie eine Baum-Patenschaft im bolivianischen Tipuani-Tal und helfen Sie schützen !
(Lesen Sie bitte hier weiter): |
Möglichkeit B: Werden Sie Pate von einem Rosenholzbaum-Setzling in Amazonien und helfen Sie mit, die stark gefährdeten Rosenholz-Bestände dauerhaft zu sichern.
(Lesen Sie bitte hier weiter): |
| Sie suchen Geschenke die Sinn machen und trotzdem etwas Besonderes sind? Dann empfehlen wir Ihnen den Regenwaldladen. Lassen Sie sich überraschen! |
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| 9.2.2012 | Peru: Illegale Holzfäller im Gebiet unkontaktierter Indianer festgenommen | Peru hat im Manú-Nationalpark eine Razzia gegen illegale Holzfäller durchgeführt. Die Operation folgte nur wenige Tage nachdem Fotos der dort lebenden unkontaktierten Mashco-Piro-Indianer um die Welt gingen. Survival International hatte die Nahaufnahmen des unkontaktierten Volkes veröffentlicht, um auf die Bedrohungen der Gruppe durch illegale Holzfäller aufmerksam zu machen. | Bei der Operation, die von Perus Ministerium für Schutzgebiete SERNANP geleitet wurde, entdeckten Polizei und Parkwächter illegal gerodetes Holz. SERNANPs zweitägige Operation führte auch zur Festnahme einer Gruppe von Männern und der Beschlagnahmung ihrer Werkzeuge. Den Männern drohen nun Gefängnisstrafen zwischen drei und sechs Jahren. | In den vergangenen Monaten wurden die unkontaktierten Mashco-Piro vermehrt gesichtet. Es wird vermutet, dass unter anderem illegale Holzfäller das Volk aus seiner Heimat im Wald treiben. | FENAMAD, die regionale Indigenen-Organisation, arbeitet inzwischen mit lokalen Gemeinden, um einen Wachposten in der Nähe einzurichten, der helfen soll die Mashco-Piro vor Eindringlingen zu schützen. FENAMAD hat zudem Reiseanbieter dafür kritisiert, Touristen dorthin zu bringen, wo von Sichtungen der unkontaktierten Mashco-Piro berichtet wurde. | FENAMAD begrüßte das Ergebnis der Razzia und sagte, dass man "mit nationalen und lokalen Behörden arbeitet, darunter auch SERNANP, um die Sicherheit der unkontaktierten Völker zu gewährleisten." | Quelle: Survival International |
| 24.01.2012 | Urwaldabholzung trotz richterlichen Verbots in Kamerun | In den letzten Monaten kämpften verschiedene Naturschutzorganisationen für die Rettung eines alten, besonders artenreichen Regenwalds in Kamerun. Für den Bau einer Palmölplantage sollen, so die Pläne des US-Investors Herakles Farms, 70.000 Hektar Regenwald in einem der bedeutendsten Ökosysteme der Erde gefällt werden. | Die erheblichen Anstrengungen wie internationale Protestpetitionen, eine Regenwaldkonferenz im August letzten Jahres und eine Klage durch einen internationalen Umweltanwalt zeigten durchaus Erfolg für die Naturschützer: Am 31. August 2011 verfügte ein kamerunisches Gericht den sofortigen Rodungsstopp auf einem Teilstück der Fläche und ein Verbot aller Aktivitäten auf der geplanten Plantage. | Trotz dieser richterlichen Verfügung erhielt der SAVE Wildlife Conservation Fund immer wieder Informationen von Beobachtern in Kamerun, dass das Unternehmen gegen die Verfügung verstoße. | Nun konnten diese Verstöße auch erstmalig dokumentiert werden: SAVE liegen Fotos vor, die zeigen, wie Mitarbeiter des ausführenden Unternehmens SG-SOC trotz geltender gerichtlicher Verfügung auf der Plantage weiterarbeiteten und diese nach Einschätzung von Augenzeugen auch vergrößert wurde. Diese Bilder wurden alle um den 5. Januar herum von Mitarbeitern einer örtlichen Naturschutzorganisation gemacht, dem kamerunischen Kooperationspartner des SAVE Wildlife Conservation Fund. Weiterhin zeigen diese Bilder im Vorher-Nachher-Vergleich, dass die Plantage vergrößert wurde. Außerdem ist darauf eine weitere frisch gerodete Fläche sichtbar. Andere Bilder zeigen Holzhütten, die für die Plantagenarbeiter errichtet wurden, was laut richterlichem Beschluss ebenfalls untersagt ist. | Für jeden Tag, an dem auf der Palmölplantage Verstöße stattfinden, müsste SG-SOC pro Tag umgerechnet rund 760 Euro an die Gerichtskasse zahlen, bis zum heutigen Tag also umgerechnet fast 100.000 Euro. Doch bislang hat sich das Unternehmen geweigert und stattdessen am 23.11.2011 eine Beschwerde bei einem höheren kamerunischen Gericht gegen die angeordneten Strafgeldzahlungen eingelegt. | Naturschützer sind hochgradig besorgt darüber, wie das Palmöl-Unternehmen das richterliche Urteils verletzt und sich über alle Anordnungen hinwegsetzt. | Es werden nun große Hoffnungen auf weiterführende gerichtliche Maßnahmen gesetzt, sowie auf ein Einlenken der Firma. „Mensch und Natur vor Ort“, so die Naturschützer, „müssen gleichermaßen beachtet und dürfen nicht übergangen werden“. |
| 10.01.2012 | Gota d'Água überbringt der Regierung 1,35 Mio Unterschriften gegen Belo Monte | Der Kampf gegen den Megeastaudamm am Rio Xingu geht weiter: | Mitglieder der Bewegung Gota d'Água, die in den letzten Wochen mit Videos zu einer großen Medienkampage gegen Belo Monte beigetragen haben, hatten Ende Dezember 2011 ein Treffen mit Ministern in Brasília, um das Kraftwerksprojekt am Xingu zu diskutieren. | Die Regierung war durch Staatssekretär Gilberto Carvalho, Energieminister Edison Lobão und Umweltministerin Izabella Teixeira vertreten. Die Schauspieler Sérgio Marone und Maria Paula Fernandes bedauerten, dass die Regierung am Kraftwerksprojekt Belo Monte beharrlich festhält. | Bei dieser Gelegenheit wurden den Ministern 1.350.000 Unterschriften überbracht, die die Bewegung im vergangenen Monat gegen Belo Monte gesammelt hat. | Die Minister wiederholten, dass keine Indigenen durch den Staudamm Belo Monte überfutet werden. Die Aktivisten widersprachen, dass sie durch den trockengelegten Fluss sehr wohl zu Schaden kommen werden. |
| 19.12.2011 | Waldgesetzabstimmung im Abgeordnetenhaus auf März 2012 verschoben | Der Regenwald in Brasilien bekommt noch eine Schonfrist: Das Abgeordnetenhaus wird anders als erwartet nicht mehr in diesem, sondern erst im nächsten Jahr über die umstrittene Novelle des Waldgesetzes entscheiden. | Mit dem Gesetz werden die Schutzbestimmungen für den Regenwald aufgeweicht. Der Senat hatte den Entwurf bereits vergangene Woche gebilligt. Die Abstimmung über den "Código Florestal" im Abgeordnetenhaus wurde nun auf den 6. und 7. März 2012 gelegt, wie das Unterhaus am Dienstag auf seiner Internetseite mitteilte. Nach der Entscheidung der Abgeordneten bedarf es dann noch der Unterschrift von Präsidentin Dilma Rousseff, damit das Gesetz in Kraft tritt. | Mehrere Abgeordnete kritisierten nun, dass man erst abstimmen könne, wenn klar sei, welche Auswirkungen die vom Senat beschlossenen Änderungen auf die Landwirte hätten. Umweltschützer hoffen allerdings, dass das Unterhaus mit Blick auf die im Juni 2012 in Rio stattfindende UN-Umweltkonferenz "Rio+20" den Schutz für den Regenwald nicht lockert. Die Waldzerstörung wird in Brasilien für nahezu zwei Drittel der CO2-Emissionen verantwortlich gemacht. Brasilien will seine CO2-Emissionen bis 2020 um 39 Prozent und die Waldabholzung um 80 Prozent verringern. |
| 10.12.2011 | Waldgesetzänderung passiert den brasilianischen Senat | Die Verabschiedung des neuen brasilianischen Waldgesetzes wird immer mehr zur Telenovela: Am 8.12. verabschiedete der Senat mit 59 zu acht Stimmen jene Reform, gegen die Brasiliens Umweltbewegung seit Monaten Sturm läuft. Damit wird die Zerstörung hochsensibler ökologischer Schutzgebiete im ganzen Land legalisiert. Nun muss das Abgeordentenhaus, das bereits im Mai eine noch radikalere Novelle zugunsten großer Farmer verabschiedet hatte, erneut abstimmen. | Vor der Unterzeichnung des Gesetzes hätte Präsidentin Dilma Rousseff allerdings noch die Möglichkeit, ihr Veto gegen umstrittene Passagen einzulegen. Im Wahlkampf 2010 hatte sie öffentlich gelobt, keinem Gesetz zuzustimmen, das eine Amnestie für Waldzerstörer enthalte - darauf pocht die Umweltbewegung. Denn genau dies zeichnet sich jetzt ab: Die Novelle sieht Straffreiheit für jene Landbesitzer vor, die bis Juli 2008 die gesetzlich vorgeschriebenen Schutzgebiete zerstört haben. Größere Grundstücke, im Amazonasgebiet fangen sie bei 440 Hektar an, müssen allerdings teilweise wiederaufgeforstet werden. | Um das Gesetz noch 2011 unter Dach und Fach zu bringen, hatte sich die Regierung mit den Agrariern bereits im Vorfeld geeinigt. Ausgerechnet Senator Jorge Viana von Rousseffs Arbeiterpartei PT, ein früherer Mitstreiter der Umweltikonen Chico Mendes und Marina Silva, koordinierte die Ausarbeitung der Senatsnovelle. Dank ihrer würden in den kommenden zwanzig Jahren je 20.000 Quadratkilometer wiederaufgeforstet, meint er. | Die PT hat sich mittlerweile nahezu vollständig der Agrarlobby unterworfen, nur Senator Lindbergh Farias aus Rio scherte aus. Die Präsidentin schätzt die industrielle Landwirtschaft als Devisenbringer: Agrarprodukte, allen voran Soja und Rindfleisch, machen 37 Prozent der brasilianischen Exporte aus. Führende Vertreter des Agrobusiness wie "Sojakönig" Blairo Maggi oder Kátia Abreu vom Farmerverband CNA sitzen selbst im Senat. | "Wir haben die Diktatur der Umweltschützer beendet", jubelte Abreu. 2010 hatten rund 50 Parlamentarier üppige Wahlkampfspenden von solchen Firmen erhalten, die von der künftigen Amnestie profitieren werden, berichtet die Tageszeitung Folha de São Paulo. | Während der Debatte handelten rechte Parlamentarier Dutzende zusätzliche Gesetzesänderungen aus. Ohne dass die meisten Senatoren wussten, worum es einzelnen ging, stimmten sie spätabends en bloc darüber ab. Selbst zwölf Stunden nach diesem Votum war immer noch unklar, was denn genau beschlossen worden ist. Auf der Webseite des Senats waren die Gesetzesänderungen immer noch nicht eingestellt. | Für die armen Urwaldbewohner und die Umwelt setzten sich vor allem die beiden Senatoren der linken Partei für Sozialismus und Freiheit (PSOL) ein. Randolfe Rodrigues und Marinor Brito aus dem Amazonas-Bundesstaaten Amapá und Pará stimmten "im Namen all jener, die bei der Verteidigung des Urwalds ihr Leben gelassen haben" gegen das Gesetz. | Im vergleichsweise fortschrittlich regierten Amapá, das an Französisch-Guyana grenzt, droht nun die ganz legale Zerstörung von 8.000 Quadratkilometern Primärwald. Weil über 65 Prozent seiner Fläche aus Nationalparks und Indianergebieten besteht, sollen auf Privatarealen nur noch 50 Prozent geschützt werden. Im übrigen Amazonien bleibt es bei 80 Prozent. Höhepunkt des Absurden: Die drei Senatoren aus Amapá, die diese Bestimmung übereinstimmend streichen wollten, wurden von ihren Kollegen aus den anderen Bundesstaaten überstimmt. | Die Aufweichung des Waldgesetzes betrifft aber nicht nur den Regenwald im Amazonasgebiet. Im ganzen Land sollen Schutzgebiete an Flussufern zum Teil erheblich verringert und die landwirtschaftliche Nutzung an Berghängen und Kuppen ausgeweitet werden. Schon jetzt kommt es bei heftigen Regenfällen in dicht besiedelten Gebieten regelmäßig zu großen Erdrutschen mit zahlreichen Todesopfern. | Im Hinblick auf internationale Klimaverhandlungen hatte sich Brasilien vor zwei Jahren verpflichtet, bis 2020 die Abholzung des Amazonasgebietes um 80 Prozent zu verringern. Auch weil im kommenden Juni der UN-Umweltgipfel "Rio+20" in Brasilien stattfindet, hoffen Umweltschützer nun auf das Veto der Präsidentin. | Quelle: Gerhard Dilger, klimaretter.info |
| 2.12.2011 | Neues bras. Waldgesetz nochmals verschoben | Die Abstimmung über eine Änderung des Waldgesetzes in Brasilien wurde gestern erneut verschoben. Senatoren haben das Eilverfahren angefochten, mit dem das skandalöse Gesetz durch das Parlament gedrückt werden sollte. | Bereits während der gestrigen Debatte im Senat hatten Umweltschützer und Menschenrechtler dem Senatspräsidenten Sarney und der Präsidentin des Landes Dilma Rousseff 1,5 Millionen Unterschriften übergeben. Sie fordern dazu auf, die Gesetzesinitiative abzulehnen. Diese würde Millionen Hektar bereits gerodeter Regenwaldflächen legalisieren, bis zu 76 Millionen Hektar Wald zusätzlich der Abholzung preisgeben und den Verantwortlichen für alle illegalen Abholzungen bis zum Jahr 2008 Straffreiheit garantieren. | Das Gesetz wurde von der Agrarindustrie diktiert. Diese will neue Landflächen für noch mehr Soja, Ethanol aus Zuckerrohr und Rinder für die Fleischproduktion in den Regenwaldgebieten schaffen. Nun sollen voraussichtlich am 6. Dezember die 81 Senatoren über die Gesetzesänderung abstimmen. Außerdem wären eine weitere Abstimmung im Abgeordnetenhaus und die Unterschrift der Präsidentin des Landes notwendig, um das neue Gesetz durch das parlamentarische Verfahren zu bringen und in Kraft zu setzen. |
| 14.11.2011 | Minister Niebel bleibt hart | Er verweigert die Unterstützung zum Erhalt des Yasuni-Nationalparks in Ecuador - aus unserer Sicht ein Skandal! | Das ecuadorianische Klimaschutzprojekt Yasuni-ITT wird 2012 nicht mit Mitteln aus dem deutschen Bundeshaushalt unterstützt. Bei der sogenannten Bereinigungssitzung zum Haushalt 2012 im zuständigen Bundestagsausschuss konnten sich die Befürworter der Initiative nicht durchsetzen. "Wir sind schwer enttäuscht, dass sich die Koalition nicht zu einem konkreten Beitrag für Yasuní durchringen konnte", sagte die grüne Bundestagsabgeordnete der Ute Koczy. "Die Koalition hat sich bewegt, das honorieren wir. Doch leider hat sich Minister Niebel mit seiner harten Linie gegenüber dem Treuhandfonds vorerst durchgesetzt." | Während die CDU/CSU-Fraktion wie auch die Oppositionsparteien im Bundestag Gelder für den Schutz des Regenwalds bereitstellen wollten, spricht sich die FDP und ihr Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel dagegen aus. Sven Kindler, Haushaltsberichterstatter für das Umweltministerium in der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, sagte gestern über die Verhandlungen am Donnerstag: "Bis in den Abend haben wir versucht, einen tragfähigen Kompromiss zu finden. Leider vergebens. Zu dünn war das Eis, zu wenig konkret war die Aussage, mit welcher Summe man tatsächlich rechnen kann, um auf die Angebote aus Ecuador ernsthaft reagieren zu können." | Mit dem Yasuní-ITT-Projekt hat die ecuadorianische Regierung vorgeschlagen, das im dortigen Regenwald liegende Öl nicht zu fördern, wenn dafür die internationale Gemeinschaft Kompensationszahlungen in einen UN-Fonds leistet. Mit diesen Geldern sollen nachhaltige Entwicklungsprojekte in Ecuador finanziert werden. Vor der Sitzung des Haushaltsausschusses am Donnerstag hatten Umweltverbände vor dem Bundestag auf einer Kundgebung für die deutsche Unterstützung der Initiative geworben und unter anderem 25.000 Unterschriften übergeben. |
| 12.11.2011 | Gericht weist Klage gegen Belo-Monte-Kraftwerk ab | In Brasilien hat ein Regionalgerichtshof den Kongressbeschluss zum Bau des umstrittenen Wasserkraftwerkes Belo Monte im Amazonas-Gebiet für rechtmäßig erklärt. Das Richtergremium wies eine Klage der Staatsanwaltschaft zurück, die wegen mangelnder Anhörungsverfahren vor dem Beschluss im Jahr 2005 die Verfassung verletzt sah. Zudem sei gegen die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zum Schutz indigener Gemeinschaften verstoßen worden. | Das sah Richterin Maria do Carmo Cardoso allerdings anders. Sie gab am Mittwoch mit ihrer Stimme den Ausschlag für die 2:1-Entscheidung des Gerichts. "Der Zeitpunkt der Anhörung steht nicht im Verfassungstext. ... Sie (die Anhörung) ist nicht bindend, sondern rein informativ", begründete die Juristin ihr Urteil. Es komme zudem überhaupt nicht darauf an, dass die Anhörung vor der Beschlussfassung vorgenommen werde. Vielmehr sei ausreichend, wenn dies vor der Umsetzung des Projektes geschehe. | Gegen das Milliarden-Vorhaben im Bundesstaat Para sind noch gut ein Dutzend Klagen anhängig. Belo Monte wäre mit einer Leistungskapazität von 11.233 Megawatt das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt, nach dem Drei-Schluchten- Staudamm in China und dem binationalen Itaipú-Werk an der Grenze Brasiliens zu Paraguay. Die Regierung hält das geplante Werk am Xingu-Fluss zur Energiesicherung für notwendig. Kritiker fürchten die Umsiedlung Zehntausender Menschen. Mehr als 500 Quadratkilometer Fläche sollen überflutet werden. | Quelle: (APA) |
| 20.10.2011 | Minister Niebel spürt endlich Gegenwind | Entwicklungsminister Niebel wird aus den Reihen der Unions-Entwicklungspolitikern für seine Weigerung attakiert, in den Yasuni-Regenwald-Fonds in Ecuador einzuzahlen. Wir hoffen, dass sich der Druck weiter erhöht und Deutschland endlich seinen Teil zum Schutz dieses wertvollen Regenwaldgebietes leistet. | Lesen Sie hier einen Artikel aus der taz von heute. |
| 29.9.2011 | Amazonas-Indianer bestätigen Abholzung nahe unkontaktierter Völker | Eine aktuelle Expedition im Amazonasgebiet hat bestätigt, dass illegale Abholzung in Peru weiterhin “rasend schnell voranschreitet und bis in brasilianisches Gebiet eindringt”. | Fünfzehn Indianer der Ashéninka und Asháninka Völker aus Peru und Brasilien haben gemeinsam die illegalen Abholzungsaktivitäten an der Grenze erforscht. Ihre fünftägige Expedition hat umfassende Beweise für illegale Abholzung enthüllt. In dem erforschten Gebiet gab es aktive Holzfällercamps – und Bäume waren in Brasiliens Asháninka-Gebiet zur Abholzung markiert. | Die Ausbreitung der illegalen Abholzung über Perus Grenze hinaus nach Brasilien bedroht mehrere Gruppen unkontaktierter Indianer die in der Nähe leben. Sie sind für ihre Nahrung und Unterkunft auf den Wald angewiesen; ohne können sie nicht überleben. Die unkontaktierten Indianer sind auch wegen eingeschleppter Krankheiten gefährdet, gegen die sie nicht immun sind. Kontakt zu Eindringlingen könnte sie töten. | Die Erkenntnisse der Expedition sind auf GPS-Systeme aufgezeichnet und den brasilianischen Behörden vorgelegt worden. Die Mannschaft fordert eine effizienteres Beobachtungssystem, ergänzt durch die unbeschränkte Teilnahme der lokalen Indianer. | Eine alarmierende Ausbreitung der illegalen Abholzung verwüstet die peruanische Seite der Grenze. Die Wälder der peruanischen Ashéninka werden zerstört und ihre Anführer bedroht, weil sie darum kämpfen ihr Land zu bewahren. Ein Ashéninka-Indianer sagte: “Wir machen uns die größten Sorgen darüber, dass die Behörden ihrer Verantwortungen noch nicht nachgekommen sind. Wenn sie das Problem nicht lösen, wird unser Gebiet weiterhin besetzt werden, was dazu führen wird, dass wir weiterhin Todesdrohungen erhalten.” | Im Juli wurde ein Gebiet unkontaktierten Indianer, dass sich in der Nähe des Geländes befindet, welches die Expedition erforscht hat, von Drogenhändlern überfallen. Es wird vermutet, dass die Drogenhändler sich noch immer in der Gegend befinden. Die Lage bleibt angespannt. |
| 31.8.2011 | Entwaldung in Schutzgebieten viel höher als in Gemeindewäldern | Eine neue Studie zeigt, dass der Schutz und Erhalt von Tropenwäldern, welche in Gemeindehand verwaltet werden, weit höher ist, als in staatlich ausgewiesenen und verwalteten Schutzgebieten. Dies rüttelt an dem lange Zeit in der westlichen Welt verbreiteten Glauben, dass die beste Art der Waldschutzes, das wegsperren der Natur in Schutzgebieten sei. | Die Studie, welche in der Zeitschrift Forest Ecology & Management veröffentlich wird und an welcher u.a. Forscher des Center for International Forestry Research (CIFOR) beteiligt waren, zeigt, dass die Ausweisung von Schutzgebieten verglichen mit Gemeindewäldern nicht notwendigerweise den Erhalt des Waldbestands über einen längeren Zeitraum hinweg garantiert. Es zeigt sich, dass in Schutzgebieten der Waldverlust höher ist. | In dieser Studie, welche auf einem Vergleich zahlreicher Fallstudien aus 16 verschiedenen Ländern der Tropen fußt, wird gezeigt, dass in Schutzgebieten im Durchschnitt jährlich 1,47% der Waldflächen verloren gehen, wohingegen in Gemeindewäldern der Verlust nur bei 0,24% liegt. Auch liegt die Variationsbreite der Entwaldungsraten für die Schutzgebiete weit höher, als dies für die Gemeindewälder der Fall ist. | Zusätzlich unterstreicht die Arbeit, dass eine höhere Autonomie der lokalen Regelungen / der lokalen Gesetzgebung zu einer besseren Bewirtschaftung der Waldgebiete und zu einer Verbesserung des Lebensunterhalts und der Lebensbedingungen der Lokalbevölkerung führt. | Hinsichtlich der Milliarden von Dollar, die in REDD+ Programme fließen, bei welchen Entwicklungsländer für die Erhaltung ihrer Wälder bezahlt werden, schlagen die Autoren vor, dass es weit kosteneffizienter und effektiver sein könnte, die Gemeindewaldwirtschaft zu unterstützen und so die Abholzung zu verringern und gleichzeitig die nachhaltige Bewirtschaftung und die Lokalbevölkerung zu fördern. | So liegt der Nutzen der Bewirtschaftung von Gemeinschaftswäldern langfristig in einer höheren Teilhabe am Naturschutz, einer Verringerung der Armut, einer höheren wirtschaftlichen Produktivität und dem Schutz der Waldbiodiversität. Dabei wollen die Autoren die Ausweisung von Schutzgebieten nicht als generell nutzlos darstellen, jedoch sehen sie die Bewirtschaftung von Gemeindewäldern als Schlüssel zum Waldschutz. | Die Studienergebnisse unterstreichen damit die Meinung zahlreicher Experten, dass ein Erfolg von REDD+ nur erreicht werden kann, wenn die Partizipation der Lokalbevölkerung bei Planung und Durchführung der Programme gegeben ist. Kürzlich veröffentlichte vorläufige Ergebnisse einer weiteren Studie des CIFOR zeigte, dass Gemeinschaften, welche in oder nahe von Wäldern leben, mehr als 20% ihres Haushaltseinkommens aus waldbürtigen Ressourcen erzielen. Dies lässt vermuten, dass nachhaltige Waldwirtschaft vor allem dann praktiziert wird, wenn die Gemeinschaften für ihren Unterhalt auf die Wälder angewiesen sind. | Aktuell gehen jährlich mehr als 13 Millionen Hektar Wald verloren. Von den weltweit bewirtschafteten Wäldern stehen bislang nur 8% unter Gemeindeverwaltung, in Südamerika 20%. |
| 8.8.2011 | Lebensraum indigener Völker am Amazonas wird weiterhin zerstört | Aktuelle Daten des brasilianischen Instituts für nationale Raumforschung (INPE) zeigen für Juni eine Steigerung der Waldzerstörung in Amazonien um 30 Prozent gegenüber dem gleichen Monat im Vorjahr. Über 312 Quadratkilometer wurden abgeholzt. Das entspricht der Fläche der Stadt München. | In Kopenhagen hatte Brasilien noch angekündigt, dass die Emissionen aus der Waldzerstörung um 80 Prozent bis 2020 vermindert werden sollen. Vor einigen Wochen wurde jedoch ein Gesetz im Parlament verabschiedet, dass die Schutzflächen reduziert und eine Amnestie für illegale Landnahme vorsieht. Ursache für diese Zerstörungen ist vor allem die Ausweitung von Flächen für Rinderzucht und der Anbau von Soja für den Export. Aber auch Großprojekte und Infrastrukturmaßnahmen dringen immer weiter in den Regenwald vor. | Betroffen von den Zerstörungen ihrer Lebensgebiete sind vor allem dort lebende indigene Völker und Gemeinschaften von Kautschukzapfern, Kleinbauern und Flussanwohner. Sie werden von ihren Gebieten vertrieben wie z.B. durch das geplante Staudammprojekt von Belo Monte im brasilianischen Bundesstaat Pará. Dort müssen 20.000 bis 50.000 Menschen umgesiedelt werden, weil große Flächen überflutet werden. | Die COICA, der Kooperationspartner des Klima-Bündnis, veranstaltet in Manaus im August eine internationale Konferenz zur Bedeutung der Regenwälder. Damit werden die unterschiedlichen Partnerorganisationen stärker vernetzt und die Unterstützung der indigenen Organisationen verbessert. Vor allem das Thema REDD (Instrument zur Reduktion von Emissionen aus Waldzerstörung)(*) steht auf der Agenda. Viele indigene Gemeinden werden bereits jetzt, vor der offiziellen Einführung eins REDD-Mechanismus, von Unternehmen aufgesucht. Diese versuchen mit großen Geldversprechen Verträge abzuschließen, um sich dadurch die Rechte zur Vermarktung des Kohlenstoffes in den Wäldern in den indigenen Territorien zu sichern. | (*) REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) ist ein in den internationalen Klimaverhandlungen befindliches Finanzierungsinstrument, das auf der Funktion von Wäldern als Kohlenstoffspeicher in den globalen Stoffkreisläufen basiert. Dem in den Wäldern gespeicherten Kohlenstoff wird im REDD-Modell ein monetärer Wert gegeben. Dadurch sollen Wälder bei wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen eine Gewichtung bekommen. Derzeit ist REDD ein Sammelbegriff einer Vielzahl unterschiedlicher Vorstellungen, die aber an keinen bestimmten Mechanismus gebunden sind und in ihrer detaillierten Ausgestaltung recht unterschiedlich sind. (Quelle Wikipedia) |
| 26.06.2011 | Das neue brasilianische "Waldgesetz" wird zur CO2-Bombe | Das regierungsnahe Applied Economic Research Insistute (Ipea) kommt in einer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass durch die Änderungen des Gesetzes bis zu 47 Millionen Hektar bislang formell unter Schutz stehender Waldgebiete dann schutzlos sein könnten. Das entspricht der Größe Spaniens. 60 Prozent der betroffenen Flächen liegen im Amazonas-Gebiet. | Das Gesetz, das der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung Brasiliens Rechnung tragen möchte, sieht vor, dass die Umweltauflagen für Grundbesitzer gelockert werden und dass es eine Amnestie für zurückliegende illegale Rodungen geben soll. Schon im Vorfeld der Abstimmung im Repräsentantenhaus hatte die illegale Abholzung des Regenwaldes in Brasilien dramatisch zugenommen. Treibende Kraft für die Änderungen des Gesetzes ist der Wunsch nach mehr Anbauflächen vor allem für Soja, das zu einem Großteil in unserer mitteleuropäischen Viehmast zur Produktion unseres "täglichen Schnitzels" verschwindet. Somit essen wir quasi mit jedem Stück dieses mit Soja erzeugten Fleisches ein Stück Regenwald auf. So ist die Entwaldung für den Sojaanbau in Amazonien in diesem Jahr bereits um 85 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. | Die Auswirkungen für das Weltklima wären bei der Verabschiedung des Gesetzes verheerend, wie eine Studie des Instituts Climate Observary zeigt. Demnach würden durch die zu erwartenden Abholzungen durch die Novelle 25 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre gelangen. Das entspricht dem Treibhausgasausstoß Deutschlands über einen Zeitraum von 25 Jahren. Brasilien hat sich international verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 um 38.9 Prozent um zu reduzieren. |
| 09.06.2011 | ITTO-Bericht zum Tropenwaldschutz | Weltweit werden 53% der gesamten Tropenwaldfläche bewirtschaftet. Davon werden weniger als 10% nachhaltig genutzt und effektiv geschützt. Der am 7. Juni 2011 lancierte zweite Bericht der Internationalen Tropenwaldorganisation (ITTO) kommt zum Schluss, dass trotz Fortschritten in einigen Gebieten der Tropenwald durch Entwaldung und den Raub von Holz und anderen Waldprodukten stark gefährdet bleibt. | Über 60 internationale Spezialisten haben während der letzten zwei Jahre Daten von den 33 wichtigsten Tropenwaldländern zusammengetragen und analysiert. Sie zeigen auf, dass trotz seiner enormen Bedeutung für die Artenvielfalt, seiner zentralen Rolle als Kohlenstoffspeicher sowie als Lebensraum indigener Völker der Grossteil der tropischen Regenwälder dem Landhunger und der unsachgemässen Holzwirtschaft zum Opfer fällt. | Der Bericht präsentiert aber auch Fortschritte in der nachhaltigen Tropenwaldbewirtschaftung: Zum Beispiel konnte die Sicherung von Nationalparks und Schutzwäldern verbessert und die zertifizierten Waldflächen in den Tropen seit 2005 von 10 auf 17 Millionen Hektare vergrössert werden. Erfreulich ist auch, dass sowohl eine verbesserte Transparenz in der Bewirtschaftung und Vergabe von Holzkonzessionen als auch der guten Regierungsführung im Waldsektor wahrgenommen wird. Dies ist vor allem den internationalen Anstrengungen im Rahmen der Klimaverhandlungen zu verdanken. | Dennoch bleibt das Fazit düster: Wenn der Wald als zukünftige Kohlenstoffsenke tatsächlich eine wesentliche Rolle zur Minderung der Klimaveränderung spielen soll, muss der Schutz der Wälder wesentlich verbessert werden. Ausserdem muss das grosse Defizit an quantitativer und qualitativer Informationen über den Erhalt und die nachhaltige Bewirtschaftung der Tropenwälder ausgeglichen werden. Dies ist indes nur durch enorme gemeinsame Anstrengungen der internationalen Staatengemeinschaft zu schaffen. | Der Bericht der ITTO erscheint anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Tropenholzorganisation sowie zum Internationalen Jahr des Waldes der Vereinten Nationen. Er wird in Fach-kreisen als die wichtigste Bestandesaufnahme der globalen Tropenwaldressourcen betrachtet, da die Anstrengungen der Länder hin zu einer nachhaltigeren Bewirtschaftung der Tropenwälder darin systematisch präsentiert werden. Länderprofile liefern detaillierte Informationen über die Situation von 1.4 Milliarden Hektaren tropischem Regenwald in den wichtigsten Waldländern in Afrika, Asien, Lateinamerika, der Karibik und dem Pazifikraum. | Den Originalbericht finden Sie bei ITTO. |
| 04.06.2011 | Brasilien genehmigt den bau des Megastaudammes am Rio Xingu in Amazonien | Die brasilianischen Umweltbehörden haben den Bau des drittgrößten Staudamms der Welt im brasilianischen Amazonas-Gebiet genehmigt und damit den Weg für das umstrittene Projekt endgültig frei gemacht. Das staatliche Institut für Umwelt und Naturressourcen (Ibama) teilte mit, dem Baukonsortium Norte Energia die Lizenz zum Bau des Belo-Monte-Staudamms erteilt zu haben. Die Entscheidung fuße auf einer "robusten technischen Analyse", in der geplante Ausgleichsmaßnahmen für die zu erwartenden Folgen des Staudammprojekts für Mensch und Umwelt berücksichtigt worden seien. | Mit einer Leistung von gut 11.000 Megawatt soll das Wasserkraftwerk Belo Monte am Fluss Xingú der drittgrößte Staudamm der Welt werden. Die Baukosten wurden mit elf Milliarden Dollar (7,7 Milliarden Euro) veranschlagt. Norte Energia will 2015 die erste Turbine in Betrieb nehmen, die letzte dann bis 2019. | Das Projekt hatte wütende Proteste von Umweltschützern und indianischen Ureinwohnern ausgelöst. Sie verwiesen darauf, dass amtlichen Angaben zufolge eine Fläche von 500 Quadratkilometern geflutet werden und 16.000 Menschen umgesiedelt werden müssen. Die katholische Kirche unterstützt die Ureinwohner. Die Menschenrechtskommission der Organisation Amerikanischer Staaten forderte, das Bauprojekt so lange auf Eis zu legen, bis die Ureinwohner konsultiert und über die Folgen des Baus aufgeklärt worden sind. Auch die Justiz des Bundesstaates Pará war gegen das Projekt vorgegangen und hatte es als "Affront gegen Umweltgesetze" bezeichnet. | Die brasilianische Regierung beteuert jedoch, Ländereien von Ureinwohnern seien nicht bedroht. Außerdem seien hohe Summen ausgegeben worden, um mögliche Folgen im sozialen und im Umweltbereich abzufedern. |
| 26.5.2011 | Brasiliens Parlament beschneidet Schutzregeln für den Regenwald | Das Brasilianische Parlament hat gestern eine schwerwiegende Änderung des Forstgesetzes zugunsten von Agrokonzernen beschlossen. Durch den Neuentwurf befürchten Forscher einen starken Anstieg der Abholzungsrate und eine weitere Verringerung der Waldschutzgebiete in Brasilien. Die bereits festgestellten verstärkten Abholzungen der letzten Monate seien die Vorboten für die künftige Entwicklung, so Experten. Welche Auswirkungen eine weitere intensive Entwaldung für das Ökosystem Amazonasregenwald, die Bevölkerung und das Weltklima haben können, haben deutsche Biodiversitätsforschende untersucht. Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung hat Beispiele davon in einem Themenpaket zusammengestellt. | 410 Abgeordnete stimmten für den Neuentwurf, nur 60 dagegen. Das Gesetz muss nun noch vom Senat verabschiedet werden. Bei diesem Konsens scheint die Wahrscheinlichkeit für eine Ablehnung dort jedoch gering. Die letzte Entscheidung trifft dann die Präsidentin Dilma Rousseff. | Satellitenbildauswertungen des Staatlichen Institutes für Weltraumforschung (Inpe) hatten bereits eine deutlich verstärkte Aktivität von meist illegalen Abholzungen festgestellt. Besonders betroffen sei der Bundesstaat Mato Grosso, wo die Waldzerstörung von August 2010 bis April 2011 um 43 Prozent gestiegen sei. "Diese Bilder zeigen nur, was uns in den kommenden Jahren erwarten wird." sagt Dr. Christoph Knogge, der für das Institute of Ecological Research IPE in Brasilien die Auswirkungen von Waldzerschneidung auf die Ausbreitung von Tieren untersucht hat. "Das neue Gesetz sieht auch vor, in der Vergangenheit stattgefundene illegale Rodungen im Nachhinein zu legitimieren." Bisher waren die Verantwortlichen verpflichtet, dafür einen Ausgleich zu schaffen, dies wird nun erlassen. "Man kann davon ausgehen, dass die Verantwortlichen der Rodungen in der Mato Grosso sich schon in Sicherheit fühlten." sagt Knogge. Forscher in Brasilien beschweren sich, dass das neue Gesetz mit dem Argument durchgesetzt wurde, die alten Regelungen hätten nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Dabei seien die neuen Regelungen aus Forschungssicht unvernünftig und widersprächen zudem internationalen Abkommen wie z.B. dem Übereinkommen über die Biologische Vielfalt CBD. Hier hatte die Staatengemeinschaft mit Brasilien noch letzten Herbst verstärkte Anstrengungen zum Waldschutz beschlossen. | Quelle: Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland |
| 19.5.2011 | Regenwaldzerstörung am Amazonas sprunghaft gestiegen | In Brasilien hat die Abholzung des Regenwaldes in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Das belegen Daten zweier unterschiedlicher brasilianischer Institute. Besonders betroffen ist demnach der Bundesstaat Mato Grosso. Dort stieg die Waldzerstörung nach Analysen des staatlichen Institutes für Weltraumforschung (Inpe) von August 2010 bis April 2011 um 43 Prozent. Im März dieses Jahres seien allein in dem für Soja-Anbau bekannten Bundesstaat knapp 75 Quadratkilometer Wald vernichtet worden, im April seien es gar 406 Quadratkilometer gewesen. Insgesamt seien in Brasilien in den beiden Monaten 593 Quadratkilometer Regenwald verloren gegangen. | Das Institut Imazon hatte - ebenfalls unter Berufung auf Satellitenbilder - kleinere, aber immer noch beeindruckende Zahlen gemeldet. Demnach sind in Mato Grosso im April 243 Quadratkilometer Wald abgeholzt worden - das Gebiet ist größer als etwa das Stadtgebiet von Essen. Das sei ein Anstieg um 537 Prozent im Vergleich zum April 2010. | Umweltministerin Izabella Teixeira reagierte äußerst besorgt auf die Zahlen. Sie kündigte ein rigoroses Vorgehen gegen die Verantwortlichen der illegalen Rodungen an. Wer auf den frisch gerodeten Flächen sein Vieh weiden lasse, dessen Rinder würden beschlagnahmt, warnte sie in Brasília. Gleiches gelte für Pflanzungen auf den Flächen. Unklar ist allerdings, warum die Abholzung so sprunghaft anstieg. Dies sei untypisch, sagte Teixeira. Die Ursache müsse geklärt werden. | Die brasilianische Regierung hat nun die Einsetzung einer Notfallkommission angekündigt. Sie solle sich aus Vertretern der Regierung und der Bundesstaaten zusammensetzen, sagte Umweltministerin Teixeira in Brasília. Außerdem sollen sich die Bundesstaaten beteiligen, in denen die Zerstörung der Wälder am ausgeprägtesten ist. | Die neuen Zahlen dürften die derzeit hitzig geführte Debatte über die Novelle des Waldgesetzes verschärfen. Die Agrarlobby will wichtige Punkte des sogenannten Código Florestal aufweichen und unter anderem Auflagen zur Wiederaufforstung illegal abgeholzter Flächen umgehen. Die Abstimmung über den Gesetzentwurf im Parlament wurde bereits dreimal verschoben. | Ende des letzten Jahres erst hatte die brasilianische Regierung Zahlen präsentiert, die Hoffnung machten: 2009 wurden demnach in dem Land so wenig Bäume abgeholzt wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Doch nun zeigt sich: Die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes ist keineswegs unter Kontrolle. Zudem musste der Wald 2010 eine extreme Dürre verkraften, die die Hälfte des Regenwaldes heimsuchte und viele Bäume eingehen ließ. | Quelle: Spiegel-Online |
| 30.4.2011 | Dramatische Waldverluste bis 2050 | Der Erde droht bis 2050 ein Waldverlust von 230 millionen Hektar.Dies entspräche einer Fläche von der siebenfachen Größe Deutschlands. Das Verschwinden der Wälder hätte erhebliche negative Folgen für Klima, Artenvielfalt und die weltweite wirtschaftliche Entwicklung. „Die Verantwortlichen des globalen Waldschwunds sind Politik und Wirtschaft. Sie sägen an dem Ast, auf dem wir alle sitzen“, sagt Philipp Göltenboth, Leiter des Fachbereichs Wald beim WWF Deutschland. Wichtig sei es jetzt, die Verursacher in die Pflicht zu nehmen. | Der WWF fordert ein gemeinsames Handeln von Wirtschaft und Politik, um bis 2020 die so genannte Netto-Entwaldung sowie die so genannte Walddegradation zu stoppen. Dies bedeutet, monotone, artenarme Wälder ebenso zu verhindern wie den Verlust kompletter Waldgebiete. Im Gegenzug müsse die nachhaltige Nutzung von Wäldern gefördert werden. Um die Abholzung zurückzufahren, sei es nötig, den weltweiten Konsum einzudämmen und die Verschwendung von Energie und Lebensmitteln zu stoppen. | „Wald gehört zu den wichtigsten Naturschätzen der Erde: Bäume bieten die Lebensraum für unzählige Arten. Wälder sorgen für saubere Luft, verhindern Erosionen, verbessern die Bodenqualität und filtern und speichern Trinkwasser. Sie liefern nicht nur die Lebensgrundlage für Mensch und Natur, sondern auch für viele Unternehmen. Deshalb bedroht der rasante Waldschwund auch die Wirtschaft, und deshalb ist das Ziel der Null Netto-Entwaldung nicht allein Aufgabe der Politik”, so Göltenboth. Derzeit verliert die Erde pro Minute Wald in der Größenordnung von 35 Fußballfeldern. | Die Studie belegt, dass nachhaltige, profitable Alternativen entstehen, sobald Wirtschaft und politische Entscheider das Problem gemeinsam anpacken. Ein Beispiel ist die vom WWF unterstützte Initiative „Herz von Borneo”. In dem 220 000 Quadratkilometer großen Gebiet stellen Unternehmen auf nachhaltige Waldwirtschaft um, während gleichzeitig die politischen Kriterien für die Nutzung und den Schutz von Land verschärft werden. Parallel entstehen wirtschaftliche und steuerliche Anreize für nachhaltiges Wirtschaften. Die Insel Borneo ist Teil von Indonesien und gehört zu den waldreichsten Regionen der Erde. | Die heute veröffentlichte Studie ist das erste Kapitel des breit angelegten WWF-Living Forests Reports, der anlässlich des UN-Jahres der Wälder aufgelegt wird. Das nächste Kapitel der Studie befasst sich mit dem Thema Bioenergie und Wald und erscheint am 29. Juni. | Quelle:WWF 2011 |
| 8.3.2011 | Belo Monte: Gericht hebt Baustopp für Kraftwerk wieder auf | Für Teilgenehmigung zum Baubeginn müssten noch nicht alle Umweltauflagen erfüllt sein | Die Freude der Staudammgegner währte nur kurz: In Brasilien hat ein Bundesgericht einen erst vor wenigen Tagen verhängten Baustopp für das weltweit drittgrößte Wasserkraftwerk im Amazonas-Gebiet kassiert. Bundesrichter Olindo Menezes begründete dies am 4.3.2011 damit, dass für die Teilgenehmigung zum Baubeginn noch nicht alle Umweltauflagen erfüllt sein müssten. Mit der Entscheidung können die Bauarbeiten für das umstrittene Kraftwerk Belo Monte am Xingu-Fluss im Bundesstaat Para wieder aufgenommen werden. |
| 1.3.2011 | Vorläufiger Baustopp für Belo Monte durch Gerichtsbeschluss | Plattform Belo Monte - Das Bundesgericht von Pará verfügte am Freitag (25.2.) die sofortige Aussetzung der partiellen Lizenz zur Errichtung der Baustelle für das Wasserkraftwerk Belo Monte am Rio Xingu (PA). Die Entscheidung verbietet auch, dass die Nationale Entwicklungsbank (BNDES) Gelder an das Betreiberkonsortium Norte Energia SA (Nesa) überweist. Nach Angaben des Staatsanwalts und Klägers Felicio Pontes Junior ist somit einstweilen alles gestoppt, auch die Erteilung der definitiven Lizenz, die die Regierung noch vor dem Karneval durch IBAMA ausstellen lassen wollte. | Ende Januar hatte das brasilianische Umweltinstitut noch die Rodung von 238 Hektar Wald genehmigt. Die Behörde erlaubte dem mit dem Bau betrauten Konsortium Norte Energia außerdem, Zugangsstraßen zu bauen, Areale für die Lagerung von Asphalt und Holz anzulegen sowie Einebnungsarbeiten vorzunehmen. Der Weg für die Verwirklichung des Mega-Wasserkraftwerks Belo Monte am Xingú, einem Zufluss des Amazonas im nördlichen Bundesstaat Pará, schien frei zu sein. | Für Richter Ronaldo Destêrro vom Bundesgericht in Belém wurden die von IBAMA für den Baubeginn gesetzten 40 Bedingungen nicht erfüllt. "Statt dass die Umweltbehörde IBAMA das Verfahren bestimmen würde, gibt das Betreiberkonsortium Nesa im Hinblick auf seine Interessen und den gefassten Zeitplan vor, wie IBAMA die Lizenzvergabe für Belo Monte durchzuführen habe", sagte der Richter bei der Entscheidung. | Durch diese Verfügung ist Belo Monte jedoch nicht vom Tisch. Einsprüche seitens des Betreibers sowie gerichtliche Auseinandersetzungen werden erwartet. Zehn weitere Gerichtsverfahren zum Stopp von Belo Monte sind im Laufen. |
| 7.2.2011 | Fotos von unkontaktierten Indianern im Amazonien | Die Menschenrechtsorganisation Survival International hat neue Fotos erhalten, die eine unkontaktierte indigene Gruppe in noch nie zuvor gesehenem Detail zeigen. Die abgebildeten Indianer leben in Brasilien, in der Nähe der peruanischen Grenze. | Die Bilder wurden von der brasilianischen Behörde für indigene Angelegenheiten (FUNAI) aufgenommen und Survival im Rahmen einer Kampagne zum Schutz indigener Landrechte zur Verfügung gestellt. Die Bilder zeigen eine gesunde und aktive indigene Gemeinde mit Körben voll frisch geerntetem Maniok und Papaya. | Für weitere Informationen über die Indigenen und die Fotos, besuchen Sie Survivals neue Webseite über unkontaktierte Völker:www.uncontactedtribes.org. | Die indigene Gemeinde ist durch einen Ansturm illegaler Holzfäller im benachbarten peruanischen Amazonasgebiet stark gefährdet. Brasilianische Behörden befürchten, dass die Holzfäller isolierte Völker aus Peru über die Grenze nach Brasilien treiben, wo beide Gruppen in Konflikt geraten könnten. | „Es ist notwendig nochmals zu belegen, dass diese Menschen existieren. Wir unterstützen den Gebrauch dieser Bilder zum Beleg von Fakten. Die grundlegendsten Rechte dieser Menschen, besonders ihr Recht auf Leben, wurden bisher ignoriert ... es ist daher sehr wichtig, dass wir sie schützen,“ sagte Marcos Apurinã, Koordinator der brasilianischen Amazonas-Indianer Organisation COIAB. | Der bekannte Sprecher der brasilianischen Yanomami Indianer, Davi Kopenawa Yanomami, sagte heute: „Der Ort an dem die Indianer leben, fischen, jagen und pflanzen muss geschützt werden. Deshalb ist es hilfreich die Bilder dieser unkontaktierten Indianer zu zeigen, damit die Weltöffentlichkeit weiß, dass sie dort in ihrem Wald sind und die Behörden ihr Recht schützen müssen dort zu leben.“ | Die peruanische Indigenenorganisation AIDESEP sagte in einer Erklärung: „Wir sind sehr besorgt über den Mangel an Einsatz der Behörden (...) obwohl es, aus Peru und von außerhalb, Beschwerden über illegales Abholzen gibt, wurde nichts getan.“ | Bruce Parry, Moderator der britischen TV Serie Tribe, sagte: „Das Land zu schützen auf dem unkontaktierte Indianer leben ist von globaler Bedeutung. Wir sind immer wieder dabei gescheitert, sie in unsere Welt einzuführen ohne schreckliche Traumata hervorzurufen. Sie müssen selbst entscheiden wann sie unsere Welt kennen lernen wollen. Nicht wir.“ | „Die illegalen Holzfäller werden dieses Volk zerstören. Es ist wichtig, dass die peruanische Regierung sie aufhält bevor es zu spät ist. Die Menschen in diesen Bildern sind offensichtlich gesund und wohlbehalten. Was sie von uns brauchen ist den Schutz ihres Landes, damit sie ihre eigenen Entscheidungen über ihre Zukunft treffen können. Aber das Land ist in Gefahr und wenn das illegale Abholzen nicht stoppt, nehmen wir ihnen ihre Zukunft aus den Händen. Das ist nicht nur eine Möglichkeit: es ist unwiderlegbare Geschichte der letzen fünf Jahrhunderte, geschrieben auf den Gräbern von unzähligen indigenen Völkern,“ sagte Stephen Corry, Direktor von Survival International. |
| 20.1.2011 | Belo-Monte-Aktion: Bitte um Teilnahme | Behörde genehmigt Staudamm trotzt Bedrohung für Indigene | Quelle: Survival International e.V. | Die brasilianische Behörde für indigene Angelegenheiten, FUNAI, hat eine Anordnung erlassen, die den Zugang zu einem Gebiet in der Nähe des geplanten Belo Monte Staudamms einschränkt. Dieser Schritt folgte Hinweisen auf die Existenz unkontaktierter Indianer in dem Gebiet. | Obwohl FUNAI mit der Anordnung die Existenz der unkontaktierten Gruppen anerkennt, hat die Behörde dennoch ihre Zustimmung zu dem Bau des Staudamms erteilt. FUNAI hat zudem bekannt gegeben, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre nur Mitarbeiter der Behörde selbst in dem Gebiet zugelassen sind, um die Anwesenheit unkontaktierter Gruppen zu studieren. | Der Bau von Belo Monte würde die Überflutung großer Gebiete bedeuten, Regenwald zerstören und den Fischbestand verringern, von dem die indigenen Gruppen leben. Die unkontaktierten Indianer sind besonders durch die starke Zuwanderung in das Gebiet bedroht, welche der Staudamm bringen würde, da sie kaum Abwehrkräfte gegen eingeschleppte Krankheiten (z.B. Grippe) haben. Mitglieder der Asurini Indianer, die ebenfalls in dem betroffenen Gebiet leben, haben angegeben unkontaktierte Gruppen in den Wäldern gesehen zu haben und haben vor den ernsthaften Folgen des Staudamms für deren Überleben gewarnt. | Der Präsident der brasilianischen Umweltbehörde IBAMA, Abelardo Bayma, trat letzte Woche zurück. Berichten zufolge war auf Bayma zuvor Druck ausgeübt worden, die Genehmigung für den Bau von Belo Monte trotz Bedenken über die ökologischen Folgen zu unterschreiben. Brasiliens Minister für Bergbau und Energie, Edson Lobão, hat erklärt, dass die Baugenehmigung für den Staudamm in Kürze erteilt werden wird. Es wird angenommen, dass der Bau bereits im Februar beginnen könnte. | Survival International setzt sich für den Schutz der Landrechte unkontaktierter indigener Gruppen ein. Unterschreiben Sie hier eine internationale Petition von Avaaz, in der Präsidentin Dilma Rousseff gebeten wird den Bau des Staudams zu stoppen. | Zur AKTION |
| 14.1.2011 | Amazonien und die neue brasilianische Präsidentin | Seit dem 1. Januar 2011 hat Brasilien ein neues Staatsoberhaupt: Dilma Rousseff. Unter Präsident Lula war sie zunächst Bergbau- und Energieministerin, dann Kabinettschefin. Mit leidenschaftlichem Urwaldschutz ist sie nicht in Erscheinung getreten. Wie wird ihre künftige Amazonaspolitik aussehen? | Brasilien hat sich durch seine Entwaldungsrate zum viertgrößten CO2-Emittenten der Welt entwickelt. Fast 18 Prozent seiner tropischen Regenwälder sind in den vergangenen vierzig Jahren verschwunden. Allein im Bundesstaat Amazonas sind 700.000 Quadratkilometer Wald verloren - eine Fläche so groß wie die Niederlande, Deutschland und Italien zusammen. 80 Prozent dieser Entwaldung gehen auf das Konto der Rinderzucht. | Die gewaltige Zerstörung der Wälder lässt aber auch die Brasilianer nicht kalt. Der Umweltschutz war im Wahlkampf ein heißes gesellschaftliches Thema. Kein Brasilianer will, dass der Amazonas-Regenwald, ein so bedeutendes Naturerbe des Landes, zerstört wird. | Das haben auch die Kongresswahlen 2010 gezeigt. 78 Prozent der Gewählten stehen mit Umweltschutzthemen in Verbindung. Ob ein Kandidat sich für oder gegen Urwaldschutz aussprach, trug zu Stimmengewinn oder -verlust bei. So gewann Ivan Valente von der Oppositionspartei PSOL 105.000 Stimmen hinzu. Er hatte gegen die Abschwächung des Urwaldschutzgesetzes Stellung bezogen. | Vor diesem Hintergrund sprach sich Rousseff (63) im Wahlkampf verhalten positiv zum Urwaldschutz aus. "Brasilien kann seine landwirtschaftliche Produktion ohne weitere Entwaldung ausweiten." Sie neige dazu, diese zu beenden. Auf einen völligen Entwaldungsstopp wollte sie sich allerdings nicht festlegen. | Skepsis ist angebracht. Als Kabinettschefin stellte die studierte Ökonomin 25 Projekte zurück, durch die Urwaldschutzgebiete geschaffen oder schon bestehende vergößert worden wären. Gleichzeitig nannte Ex-Präsident Lula da Silva sie die "Mutter des PAC", des nationalen Wachstumsbeschleunigungsplans. Der PAC sieht gewaltige Infrastrukturprojekte vor, die auch zu Lasten des Urwalds gehen würden. Beste Beispiele dafür sind die gigantischen Vorhaben beim Bau von Wasserkraftwerken an vielen Nebenflüssen des Amazonas (siehe unten). |
| 21.12.2010 | Film zu den Auswirkungen des Belo-Monte-Staudamms am Rio Xingu | Wenn Sie die Petition gegen den Bau von Belo Monte unterstützen wollen, können Sie dies unter folgendem link tun: International Rivers |
| 1.12.2010 | Belo Monte-Staudamm am Xingu-Fluss stoppen | Gesellschaft für bedrohte Völker reicht Beschwerde bei der Bundesanwaltschaft im Bundesstaat Pará ein | Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ist in großer Sorge um Angehörige indianischer Völker, die in Reservaten am Rio Xingu im brasilianischen Bundesstaat Pará leben und durch den geplanten Bau des Belo Monte-Staudamms akut gefährdet sind. Recherchen der GfbV-Mitarbeiterin Rebecca Sommer in Brasilien weisen nach, dass mit dem Bau des Megastaudamms eine groß angelegte Industrialisierung dieser Amazonasregion eingeleitet werden soll. Die im Einzugsgebiet des Xingu lebenden Indianervölker und insbesondere eine kleine isoliert lebende indianische Gemeinschaft in unmittelbarere Nähe des Staudamms sind damit existenziell bedroht. Außerdem wird der Stausee eine Fläche von 500 Quadratkilometer Wald und Anbauflächen der Ureinwohner mit etwa der Größe des Bodensees unter Wasser setzen. Die GfbV hat gemeinsam mit der brasilianischen Umweltorganisation KANINDE und 12 weiteren Nichtregierungsorganisationen heute eine Sammelklage bei der Bundesanwaltschaft (Ministério Publico Federal) von Pará eingereicht, damit sie den Bau des Belo Monte-Staudamms stoppt. | Die Ureinwohner der Xingu-Region leben in Unsicherheit und Angst. Sie wurden über die Konsequenzen des Belo Monte-Projekts auf ihre Lebensgrundlagen nicht umfassend informiert und nie um ihr Einverständnis zum Bau gebeten. Dazu ist Brasilien durch die Ratifizierung der Konvention 169 der Internationalen Arbeitorganisation ILO und durch die UN-Deklaration zu den Rechten indigener Völker zum Schutz der Ureinwohnerrechte jedoch verpflichtet. Seit die brasilianische Verfassung von 1988 den indigenen Völkern des Landes einen gewissen Schutz zuspricht, wurden über 20 Prozent des Amazonasregenwaldes als Reservate ausgewiesen. Nun soll dieser Auftrag der Gier nach Bodenschätzen geopfert werden. Für die noch isoliert lebenden Ureinwohner, die nur 70 km vom geplanten Staudamm entfernt gesichtet worden sind, ist diese Entwicklung besonders bedrohlich. Ihr Gebiet soll für den Holzeinschlag freigegeben werden. | Das Belo Monte Projekt weckt zudem schon jetzt Begehrlichkeiten bei Bergbauunternehmen. Geologen vermuten in der Umgebung des Staudammes große Rohstoffvorkommen. Laut Umweltverträglichkeitsbericht für den Belo Monte-Staudamm, der vom staatlichen Energiebetrieb Eletrobrás verfasst wurde, wurden über rund 63 Prozent der Gesamtfläche der Indianerreservate bereits Genehmigungen für die Suche nach Bodenschätzen beantragt. Die Indianer selbst wurden darüber bislang weder informiert, noch haben sie einem künftigen Rohstoffabbau in ihrem Siedlungsgebiet zugestimmt. | Auf der Webseite der GfbV-Schweiz - www.gfbv.ch - welche die Kampagne für die GfbV- International koordiniert, finden Sie die Beschwerde an die Bundesanwaltschaft des Bundesstaates Pará (in portugiesisch sowie deutsche Übersetzung), drei Karten, welche die Folgen der industriellen Entwicklung sowie die Anträge von Firmen zum Abbau von Bodenschätzen in Indigenenreservaten zeigen (Quelle: Umweltverträglichkeitsbericht von Eletrobrás) und eine Liste der unterzeichnenden Organisationen. |
| 26.10.2010 | Dürre im Amazonas-Gebiet: Notstand in 25 Gemeinden | Im brasilianischen Amazonas-Gebiet ist wegen anhaltender Dürre in zahlreichen Gemeinden der Notstand ausgerufen worden. Der Katastrophenalarm gilt in 25 der insgesamt 62 Gemeinden im nordwestlichen Bundesstaat Amazonas. Von den Folgen der Dürre sind inzwischen mehr als 40.000 Familien betroffen. Deshalb ist mit der Lieferung von Hilfsgütern in die betroffenen Gemeinden begonnen worden. | Die Dürre macht sich insbesondere an den Flüssen der Region bemerkbar. "Die Schiffe können nicht fahren, der Transport kann nur mit Kanus vorgenommen werden und einige Lebensmittel beginnen auszugehen", sagte ein Vertreter der Gemeindeverwaltung von Ipixuna. Der Pegelstand einiger großer Flüsse wie der Solimoes und der Rio Negro drohen den Stand im Jahr 1963 zu unterschreiten, als die Region die schlimmste Dürre in ihrer Geschichte erlebte. Die Regenzeit im Amazonas-Gebiet beginnt voraussichtlich erst im November. |
| 20.9.2010 | Trockenkatastrophe am Amazonas - Amazonien trocknet aus | Nach der verheerenden Trockenheit am Amazonas im Jahr 2005 und dem letztjährigen Jahrhunderthochwasser, reissen, die Klimaextreme am Amazonas nicht ab - im Gegenteil: In diesem Jahr verursacht eine erneute Trockenheit z.B. die niedrigsten, jemals am Rio Negro gemessenen Pegelstände, wobei selbst die im Jahr 2005 gemessenen Pegelstände noch unterboten werden. So verursacht die aktuelle Trockenheit momentan ca. 50.000 Brandherde in Amazonien mit verheerenden Folgen für das gesamte Ökosystem. Es besteht die Gefahr, dass größere Teile der Regenwälder durch diese kurzzeitige Aufeinanderfolge von Wetter-Extremen große Schäden erleiden und eine Versteppung großer Waldflächen eintritt. |
| 26.8.2010 | Ressourcen der Erde bereits am 21. August aufgebraucht | In weniger als neun Monaten hat die Menschheit in diesem Jahr bereits das ökologische Jahresbudget aufgebraucht. Nach den Berechnungen des Global Footprint Networks fiel in diesem Jahr der sogenannte ‚Earth Overshoot Day', also der Tag, an welchem die menschliche Beanspruchung der natürlichen Ressourcen deren natürliche Regenerationsfähigkeit überschritten hat, bereits auf den 21. August. Seit diesem Tag leben wir also sozusagen nicht mehr von den Zinsen, sondern von der Substanz und betreiben damit massiven Raubbau an den natürlichen Lebensgrundlagen. 2009 fiel dieser Tag noch auf den 25. September und lag damit über einen Monat später. Geschuldet ist diese extreme Veränderung innerhalb eines Jahres zwar nicht ausschließlich dem zunehmenden Ressourcenverbrauch, sondern auch der verbesserten Datengrundlage und den verfeinerten Berechnungsmethoden, an der Tatsache, dass wir weit über unseren ökologischen Verhältnissen leben, ändert dies jedoch nichts. Im Gegenteil, die neue Berechnung zeigt, dass wir schon seit Jahren deutlich stärker Raubbau betrieben hatten, als angenommen. |
| 25.8.2010 | Schwere Waldbrände in Bolivien | Im Amazonasgebiet, insbesondere in den Departmenten Beni und Pando in der Grenzregion zu Brasilien, wüten dagegen aktuell wieder immense Waldbrände, welche durch die Trockenheit begünstig werden. Mehr als 25 000 Feuer haben bereits 1,5 Millionen Hektar Wald vernichtet. Die Brände, die vor allem von Kleinbauern zur Rodung von Anbauflächen gelegt worden sind, gerieten durch die extreme Trockenheit außer Kontrolle. Zahlreiche Dörfer und kleine Städte, aber auch der Nationalpark Tonari werden ebenfalls von den Feuern bedroht, bzw. wurden bereits Opfer der Flammen. Am 19. August rief die Regierung daher den Notstand in der Amazonasregion aus. |
| 15.7.2010 | Illegales Abholzen von Regenwäldern zurückgegangen | Eine gute Nachricht im Kampf gegen den Klimawandel: Das illegale Abholzen der tropischen Regenwälder ist deutlich zurückgegangen. Das ergab eine Studie des politischen Forschungsinstituts Chatham House in London. | Die weltweite Produktion von illegalem Holz hat demnach seit 2002 um 22 Prozent abgenommen. In dem afrikanischen Land Kamerun betrug der Rückgang sogar 50 Prozent, im brasilianischen Amazonasgebiet zwischen 50 und 75 Prozent und in Indonesien 75 Prozent. Insgesamt sei dadurch 17 Millionen Hektar Regenwald gerettet worden. Das ist eine Fläche von der Größe Englands. | Die Regenwälder gelten als Lunge der Erde, weil sie das klimaschädliche CO2 aufnehmen und neutralisieren. Die Bewahrung des Regenwalds ist deshalb gleichbedeutend mit Klimaschutz. Trotz der positiven Entwicklung der vergangenen Jahre bleibt illegales Abholzen ein großes Problem, betont der Bericht von Chatham House. So kauften im Jahr 2008 Unternehmen aus den USA, Japan, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden 17 Millionen Kubikmeter illegales Holz und Holzprodukte - oft hat es sich nach Angaben der Autoren dabei um Möbel aus China gehandelt. | In den untersuchten Ländern wurden 2009 insgesamt 100 Millionen Kubikmeter Holz illegal geschlagen. «Würde man die Stämme aneinanderreihen, würden sie mehr als zehn Mal den Erdball umkreisen», erläuterte einer der Autoren, Larry MacFaul. Für die Studie, die nach Angaben des Instituts die bislang größte Untersuchung zu diesem Thema ist, wurden als Holzlieferanten neben Brasilien, Kamerun und Brasilien auch Malaysia und Ghana untersucht. Als Importländer analysierten die Experten Daten aus den USA, Japan, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden. Vietnam und China standen vor allem als Verarbeiter von illegalem Holz im Fokus der Wissenschaftler. |
| 17.6.2010 | Studie: Abholzung der Regenwälder erhöht Malaria-Risiko | Quelle: AFP | Durch die Abholzung der Regenwälder erhöht sich einer Studie zufolge das Malaria-Risiko in den betroffenen Gebieten deutlich. Die am Mittwoch veröffentlichte Studie von US-Wissenschaftlern der Universität von Wisconsin zeigt für die brasilianische Amazonas-Region einen Anstieg der Malaria-Erkrankungen um bis zu 50 Prozent. Das Ausmaß der Rodungen wurde dabei mit Satellitenfotos festgestellt und in Zusammenhang mit Malaria-Infektionen in 54 brasilianischen Gesundheitsbezirken gebracht. "Es scheint, dass Entwaldung einer der auslösenden ökologischen Faktoren für eine Malaria-Epidemie ist", sagte Sarah Olson, Ko-Autorin der Studie. | Der in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift "CDC Journal" veröffentlichten Untersuchung zufolge schafft die Urwald-Rodung gute Bedingungen für eine Verbreitung der Anopheles-Mücke, die Malaria-Erreger auf Menschen überträgt. "Die entwaldete Landschaft mit offenen Flächen und teils sonnenbeschienenen Tümpeln scheint der ideale Lebensraum für die Mücke zu sein", sagte Olson. Ein Rückgang des Regenwaldes um vier Prozent hatte den Angaben zufolge einen Anstieg des Malaria-Infektionen um 48 Prozent zur Folge. | Die Wissenschaftler untersuchten einen Streifen des Amazonas-Gebiets in der Nähe von Peru. Die Ergebnisse der Studie legen aber nahe, dass auch in anderen Regionen abgeholzte Regenwälder zu einem Malaria-Anstieg führen könnten. Zwischen 1997 und 2006 erkrankten schätzungsweise 500.000 Brasilianer jährlich an der gefährlichen Infektionskrankheit. |
| 19.5.2010 | Mega-Staudämme im Amazonas gefährden unkontaktierte Indigene | Zwei Mega-Staudämme werden im brasilianischen Teil des Amazonas errichtet und drohen, mehrere Gruppen unkontaktierter Indigener zu vernichten. Der Santo Antonio und der Jirau Damm werden entlang des Madeira Flusses gebaut, in unmittelbarer Nähe eines Gebietes isoliert lebender indigener Völker, die nichts darüber wissen, dass viel von ihrem Land zerstört werden könnte. | Eine Forschungsreise der FUNAI – der brasilianischen Behörde für indigene Angelegenheiten – bestätigte kürzlich, dass in dem betroffenen Gebiet unkontaktierte Indigene leben und jagen. Mindestens vier Gruppen isoliert lebender Indigener sind in dem Gebiet des Staudamm-Projektes beheimatet. Zwei dieser Gruppen sind bekannt als die Mujica Nava und die unkontaktierten Jacareuba / Katawixi. | Für das Staudamm-Projekt werden neue Straßen gebaut und die Zahl der Einwanderer in dem Gebiet wird stark ansteigen, wodurch der Wald der Indigenen zerstört wird. Die Einwanderer schleppen zudem Krankheiten wie Grippe und Masern ein, gegen welche die isolierten Indigenen kaum Abwehrkräfte besitzen. Jede Art von Kontakt zwischen Unkontaktierten und Außenstehenden ist extrem gefährlich für die Gesundheit der Indigenen und kann zum Tod vieler führen, wie es bereits häufig in der Vergangenheit passiert ist. | FUNAIs Bericht führt an, dass der Lärm des Baus der Dämme höchstwahrscheinlich bereits einige unkontaktierte Indigene von ihrem Land in ein Gebiet vertrieben hat, in dem illegale Minenarbeiter tätig, und Malaria und Hepatitis weit verbreitet sind. Neben der Bedrohung der unkontaktierten Indigenen beeinträchtigen die Dämme auch eine Vielzahl von anderen indigenen Völkern in der Region. Sie wurden vor dem Beginn des Dammbaus nicht angemessen konsultiert. Domingos Parintintin vom Volk der Parintintin sagte: „Unser Land ist noch unberührt. Wir hoffen, dass das Projekt nicht fortgeführt wird, weil unsere Kinder diejenigen sind, die leiden werden. Es wird nicht mehr genügend Fische oder Tiere für uns zum Jagen geben.“ | Das französische Unternehmen GDF Suez, im Teilbesitz der französischen Regierung, ist für den Bau des Jirau Damms zuständig. Eine Vereinigung von NROs bestehend aus Survival International, Kaninde, Amigos da Terra-Amazonia Brasileira, International Rivers und Amazon Watch hat sich mit Protesten an die brasilianischen Behörden und das Unternehmen GDF Suez gewandt und fordert den umgehenden Baustopp der Dämme. | Als kürzlich ein Aktionär von GDF Suez auf der Hauptversammlung des Unternehmens den Präsidenten, Gérard Mestrallet, zu den unkontaktierten Indigenen in der Nähe des Jirau Damms befragte, antwortete dieser, dass Präsident Lula den Damm unterstützt und, „wenn einer weiß, was gut für die brasilianische Bevölkerung ist und gleichzeitig den Schutz der lokalen indigenen Bevölkerung berücksichtigt, dann ist es Präsident Lula“. | Der Sprecher der Kayapó Indigenen, Megaron Txucarramãe, sagte kürzlich, dass „Lula sich selbst als größten Feind der Indigenen offenbart hat“, weil dieser den Bau des umstrittenen Belo Monte Damms am Xingu Fluss trotz großer Proteste weiterverfolgt.Survivals Direktor Stephen Corry sagte heute: „Wenn der Bau des Santo Antonio und des Jirau Damms nicht eingestellt wird, werden viele Indigene zusehen müssen, wie in ihr Land eingedrungen wird und die natürlichen Ressourcen geplündert werden. Unkontaktierte Völker könnten dezimiert oder gar ausgelöscht werden. Die brasilianische Regierung wird für solch eine Katastrophe verantwortlich gemacht werden.“ |
| 15.4.2010 | Yanomami protestieren gegen illegale Bergleute | Yanomami und Yekuana Indigene aus dem nördlichen Brasilien, haben letzte Woche gegen das illegale Eindringen von Goldgräbern in ihr Gebiet protestiert. Sie forderten die Verantwortlichen auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die Golgräber auszuweisen. | Die Demonstration fand letzten Mittwoch vor dem Gebäude von FUNAI – der brasilianischen Behörde für indigene Angelegenheiten – im Bundesstaat Roraima statt. | Die Indigenen, mit Körperfarben geschmückt, tanzten vor dem Gebäude und ließen ihre Forderungen durch Lautsprecher ertönen. Sie trugen Schilder mit der Aufschrift „FUNAI muss seinem Auftrag folgen und die Eindringlinge ausweisen“ sowie „Stoppt die Invasion! Entfernt die Viehzüchter und Bergleute“. | Davi Kopenawa, Schamane und Sprecher der Yanomami sagte: „FUNAI schläft…Es ist Zeit, dass sie den Belangen der Yanomami Aufmerksamkeit schenken. Die Bergleute bedrohen die Yanomami, sie zerstören die Natur und sie bringen immer noch Krankheiten zu unserem Volk…Wir kämpfen für unser Volk, unser Land und unseren Wald.“ | Der Demonstration gingen bereits eine Vielzahl von Warnungen seitens der Yanomami Organisation Hutukara voraus. Hutukara hatte wegen dem Eindringen der Bergleute zahlreiche Briefe an die brasilianische Regierung geschrieben. Mitglieder der Yanomami Organisation hatten zudem Treffen mit Funktionären einiger Ministerien abgehalten. Es gelang den Behörden jedoch nicht, die Bergleute, deren Anzahl stetig steigt, zum Verlassen des Gebietes zu bewegen. | Nach den Protesten kündigte die Bundespolizei an, die Ausweisung der Bergleute, die in den kommenden Monaten durchgeführt werden soll, bei einem Treffen in Brasília in dieser Woche zu thematisieren. | Die Bergleute schaden der Gesundheit der Yanomami, da sie ihre Flüsse mit Quecksilber verschmutzen und Krankheiten verbreiten, gegen die die Yanomami kaum Abwehrkräfte haben. | Die Bergleute sind zumeist bewaffnet und Konflikte mit den Yanomami, die ihr Land und ihre Gemeinschaften verteidigen wollen, könnten gewaltsam enden. Im Januar 2009 erschossen Bergleute einen Yekuana Indigenen und verletzten seinen Sohn, nachdem er sich geweigert hatte, sie in das Gebiet der Yanomami zu führen. | Vor wenigen Tagen sendete Survival International eine dringende Anfrage an James Anaya, UN Berichterstatter für die Rechte indigener Völker, mit der Bitte, die Situation mit der brasilianischen Regierung zu besprechen und sie zu drängen, alle Bergleute umgehend von dem Land der Yanomami zu entfernen. |
| 26.3.2010 | UN: Erste Erfolge im Kampf gegen Waldschwund | Trotz weiterer dramatischer Waldverluste sehen die Vereinten Nationen (UN) erstmals auch Erfolge im Kampf gegen den Raubbau. So seien in den Jahren 2000 bis 2010 jährlich etwa 13 Millionen Hektar Waldflächen verloren gegangen, berichtete die UN- Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) in den Kernergebnissen des Weltwaldberichts 2010, den sie am Donnerstag in Rom veröffentlichte. In den zehn Jahren zuvor seien es hingegen noch 16 Millionen Hektar Wald pro Jahr gewesen. | Nähere Informationen können Sie hier nachlesen. |
| 04.2.2010 | Megastaudamm im Regenwald Amazoniens genehmigt | Brasiliens Umweltminister Carlos Minc hat die Baugenehmigung für den umstrittenen Staudamm Belo Monte am Amazonas-Nebenfluss Xingu erteilt. Die beteiligten Firmen müssten allerdings 40 Auflagen mit Kosten von rund 570 Millionen Euro erfüllen. Mit einer Kapazität von 11.200 Megawatt wird Belo Monte das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt mit verheerenden Auswirkungen auf Wald und Menschen. | Bischof Erwin Kräutler von der Diözese Xingu sagte Chaos für die Region voraus: "Die Folgen für Menschen und Umwelt sind unabsehbar und können nicht ausgeglichen werden." Präsident Lula da Silva habe sein Versprechen gebrochen, das Projekt nicht um jeden Preis durchzusetzen. | 12.000 Familien würden durch Umsiedlung oder indirekt betroffen, räumte Roberto Messias Franco von der Umweltbehörde Ibama ein. Zudem dürften 100.000 Menschen durch die Bauarbeiten in das fragile Ökosystem gelockt werden. Bei den Arbeiten westlich von Altamira wird so viel Erde bewegt werden wie beim Bau des Panamakanals; geflutet werden zunächst 516 Quadratkilometer Regenwald. | Wegen vieler Ungereimtheiten beim Genehmigungsverfahren kündigte die Staatsanwaltschaft in Belém Einspruch gegen die Lizenz für das mindestens zwölf Milliarden Euro teure Vorhaben an. Ein Vorläuferprojekt hatten die Ureinwohner 1989 durch Proteste verhindert. | Der Energieexperte Célio Bermann weist darauf hin, dass es durchaus Alternativen zu Megastaudämmen wie Belo Monte gibt. Neben dem Ausbau der Wind- oder Solarenergie könne in Brasilien ein "enormes Potenzial" durch Effizienzsteigerungen bei der Stromübertragung und die Modernisierung der bereits bestehenden Dämme eingespart werden. Viel gewonnen wäre schon, wenn die Kapazität von Belo Monte um die Hälfte reduziert würde, findet Bermann: "Sonst wird wegen der saisonalen Schwankungen bei der Wasserzufuhr des Xingu mittelfristig der Bau weiterer Dämme zwingend." | Genau darauf spekuliert die Strom- und Baulobby. Die Bauriesen Odebrecht und Camargo Corrêa, die zu den größten Sponsoren von Lulas Arbeiterpartei zählen, wollen zur Ausschreibung im April mit einem Konsortium antreten. Auch der französisch-belgische Wassermulti Suez bewirbt sich. |
| 09.1.2010 | Korruption im Regenwald kostet Indonesien Milliarden | Die Idee klingt nicht schlecht: Als Ausgleich für ihren Ausstoß an Treibhausgasen bezahlen die Industrienationen waldreiche Entwicklungsländer wie Indonesien dafür, dass diese ihre Wälder nicht mehr so hemmungslos abholzen wie bisher. Der Plan eines solchen Waldschutzabkommens wird ab kommender Woche auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen beraten. Indonesien könnte damit Milliardensummen kassieren. Doch Kritiker befürchten, dass Unsummen in dunklen Kanälen versickern und der Regenwald wenig davon hat, so lange die Korruption blüht. | Korruption und Missmanagement in der Holzwirtschaft kosten Indonesien einem am Dienstag veröffentlichten Bericht von Human Rights Watch zufolge jährlich mindestens zwei Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) - so viel, wie das Land gleichzeitig für sein Gesundheitswesen ausgibt. Ein Geldsegen würde das Problem nur noch verschlimmern, glaubt der stellvertretende Programmdirektor der Menschenrechtsorganisation, Joe Saunders. «Die Hoffnung beim Kohlenstoffmarkt ist, dass endlich echtes Geld auf den Tisch kommt, das den dunklen Mächten Paroli bietet. Aber wenn man nicht aufpasst, wohin das Geld fließt, versickert es in einem löchrigen System, das keine Ergebnisse zeitigt», sagte er der AP. | «Nicht in die Hände korrupter Leute» | Die Korruptionsbekämpfung dürfe den Kampf gegen die Abholzung nicht bremsen, mahnte der Vorsitzende des indonesischen Rates für den Klimawandel, Rachmat Witoelar. «Ich stimme zu, dass das Geld nicht in die Hände korrupter Leute gelangen darf», sagte er. «Aber das ist kein Grund, dass wir den Wald nicht retten.» | Indonesien verfügt über ein Zehntel des Regenwaldes auf der Erde. Den Nachforschungen von Human Rights Watch zufolge sind dem Staat in den vier Jahren bis einschließlich 2006 durch illegalen Holzeinschlag, schöngerechnete Abgaben und Unterbewertung von Exporten an ausländische Tochterfirmen insgesamt sechs Milliarden Dollar entgangen. Mit steigender Tendenz: 2003 waren es noch 1,2 Milliarden, 2006 - dem letzten Jahr mit verfügbaren Daten - schon zwei Milliarden Dollar. | Drittgrößter Klimasünder | Und das ist noch vorsichtig gerechnet, wie es in dem Bericht heißt. So ist darin weder das geschmuggelte Holz enthalten, das weder von Indonesien noch vom Empfängerland gemeldet wird, noch die Summe entgangener Unternehmens- und Einkommensteuer. Die Korruption in der Industrie werde in dem Bericht grob unterschätzt, meinte der Leiter der Umweltorganisation Greenomics Indonesia, Elfian Effendi. Er schätzt sie mit über fünf Milliarden Dollar mehr als doppelt so hoch. | Trotz der verlorenen Summen verdiente Indonesien 2007 immer noch 6,6 Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro) mit seinen Regenwäldern. Damit ist seine Holzindustrie die lukrativste nach der Brasiliens. Die Zerstörung der Wälder vorwiegend durch Brandrodung zugunsten von Palmölplantagen, Bergbau oder Industrieansiedlung trägt dazu bei, dass Indonesien an dritter Stelle der Klimasünder steht. Mehr Treibhausgase produzieren nur noch die USA und China. |
| 11.12.2009 | Ende der Amazonas-Regenwaldabholzung möglich | São Paulo (dpa) - Ein umfassendes Programm zum Stopp der Regenwaldabholzung im Amazonas bis 2020 würde einer Studie zufolge zwischen 6,5 und 18 Milliarden US-Dollar (4,3 bis 12 Milliarden Euro) kosten. | Die 18 an der Untersuchung beteiligten internationalen Wissenschaftler sind sich aber einig: Der Nutzen würde die Kosten übertreffen. So würde etwa ein Ende der Abholzung im brasilianischen Amazonas den globalen Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) zwischen zwei und fünf Prozent verringern, schreiben sie im Fachjournal «Science» (Bd. 326, S. 1350) vom Freitag. | Hinzu kämen eine Reduzierung der Waldbrände, der Luftverschmutzung, der Überflutungen und der Landerosion. Die zusätzlichen finanziellen Kosten könnten durch den sogenannten REDD- Mechanismus aufgebracht werden, der die Tropenländer für den Schutz der Regenwälder und den damit verhinderten CO2-Ausstoß finanziell entschädigen soll. Er ist ein Hauptthema auf dem am Montag in Kopenhagen beginnenden UN-Klimagipfel. | Die brasilianische Regierung will die Abholzung im Amazonas-Gebiet bis zum Jahr 2020 um 80 Prozent verringern. Als Vergleichszeitraum dienen die Jahre 1996 bis 2005, in denen durchschnittlich eine Fläche von 19 500 Quadratkilometern Regenwald im Jahr vernichtet wurde. | Nach einer kürzlich vorgestellten Erhebung der Regierung wurden von August 2008 bis Juli 2009 im Amazonas «nur» 7000 Quadratkilometer abgeholzt und damit 45 Prozent weniger als in den zwölf Monaten zuvor. Die Forscher bestätigten den Trend: Von Juli 2005 bis Juli 2009 sei die Abholzung um 36 Prozent zurückgegangen. | Ein Grund dafür seien die in den Jahren 2005 und 2006 gesunkenen Weltmarktpreise für Soja und Rindfleisch. Die Soja-Farmer und die Rinderzüchter sind die Hauptverantwortlichen für die Abholzung im Amazonas. «Die Viehhaltung ist für annähernd vier Fünftel der Entwaldung im Amazonas verantwortlich», heißt es in dem «Science»- Bericht. Notwendig sei, die Flächen für die Rinderhaltung und den lukrativen Soja-Anbau stabil zu halten und kleine Unternehmen, die den Regenwald nachhaltig nutzten, zu unterstützen. |
| 12.11.2009 | Wald in Paraguay von unkontaktiertem Volk für Rinderzucht gerodet! | Der Wald des einzigen unkontaktierten Volkes in Südamerika außerhalb des Amazonasgebietes wird unaufhörlich und illegal von Viehzüchtern zerstört, um Platz für Rinderweiden zu schaffen. | Die Ayoreo-Totobiegosode sind das einzige unkontaktierte Volk weltweit, das derzeit Land an die Produktion von Rindfleisch verliert. | Die Tätigkeiten der Viehzüchter wurden durch Satellitenfotos vom 1. November aufgedeckt. Durch eine Radioanzeige von Survival, welche von einem bedeutenden paraguayischen Radiosender, Radio Nanduti, gebracht wird, wird die Abholzung des Waldes seit dem 2. November publik gemacht. | Die Viehzüchter des brasilianischen Unternehmens “Yaguarete Pora S.A.” arbeiten auf dem Land des Ayoreo-Totobiegosode Volkes in Paraguay, obwohl ihnen das Umweltministerium bereits im August aufgrund von früheren illegalen Abholzungen die Lizenz dafür entzogen hat. | Sie roden das Waldgebiet und damit die Heimat des Ayoreo-Totobiegosode Volkes. Die Bulldozer gehören angeblich Jacobo Kauenhowen, dem Besitzer eines großen Bulldozer-Unternehmens in einer nahegelegenen Mennonitensiedlung. | „Das ist eine ernstzunehmende Gefahr für die Totobiegosode. Die illegale Abholzung durch Yaguarete in Paraguay wird ohne jegliche Kontrolle fortgesetzt“, sagte die paraguayische Nichtregierungsorganisation GAT, welche dafür kämpft das Land der Ayoreo zu schützen. | Im letzten Jahr zerstörte Yaguarete, zusammen mit einem anderen brasilianischen Unternehmen (River Plate S.A.) , tausende Hektar von Land des indigenen Volkes. Einige der Totobiegosode wurden bereits kontaktiert. Sie haben Angehörige unter jenen Indigenen, die noch unkontaktiert im Wald leben. |
| 14.10.2009 | Alte Regenwälder trotzten offenbar einem Klimawandel | Die Regenwälder könnten flexibler auf den Klimawandel reagieren als bisher angenommen. Der Fund eines 300 Millionen Jahre alten fossilen Waldes zeigt, dass sich die Regenwälder vergangener Epochen offenbar erstaunlich schnell von katastrophalen Klimawechseln erholten. Das berichten amerikanische Forscher in der Fachzeitschrift "Geology". | Die Regenwälder weltweit schrumpfen. Eine Ursache für diesen Rückgang ist die Rodung durch den Menschen. Aber auch eine allmählich zunehmende Trockenheit, ausgelöst durch den Klimawandel, macht den grünen Lungen" der Erde zu schaffen. Wie widerstandsfähig ist der Tropenwald gegenüber solchen Entwicklungen? Wird es ihn in der heutigen Form womöglich bald nicht mehr geben? | Größter Fund eines fossilen Regenwalds | Einen ganz neuen Einblick in die Flexibilität und Widerstandsfähigkeit tropischer Wälder haben jetzt Wissenschaftler um Howard Falcon-Lang von der Universität von London sowie der Smithsonian Institution und dem Illinois Geological Survey gewonnen. Denn in Kohlenminen im amerikanischen Bundesstaat Illinois stießen sie auf gut erhaltene Relikte eines 300 Jahre alten Regenwalds aus dem Karbon. Die spektakuläre Entdeckung entpuppte sich jedoch nicht nur als das größte fossile Vorkommen dieses Typs weltweit, es zeigte auch Überraschendes über die Entwicklung dieser Wälder. | Rückkehr nach Fast-Vernichtung | Analysen der Fossilien und ihrer Umgebungsgesteine enthüllten, dass diese ersten Regenwälder der Erdgeschichte mehrere starke Klimaschwankungen überdauerten. Während extremer Kälteperioden trockneten die damaligen Tropen aus und die Regenwälder wurden an den Rand der Vernichtung getrieben. Doch schon wenig später, sobald das Klima wieder ein wenig feuchter wurde, erholten sie sich und kehrten zu ihrem früheren Ausmaß und Artenreichtum zurück. Die reichen Kohlenschichten des Karbon zeugen davon. | "Diese Entdeckungen verändern unsere Vorstellung von den ersten Regenwäldern der Erde radikal", erklärt Falcon-Lang. "Wir dachten sie wären stabile Ökosysteme, die Millionen von Jahren unverändert bleiben. Jetzt wissen wir, dass sie unglaublich dynamisch sind und ständig durch Klimawandel hin- und hergeworfen." | Widerstandsfähigkeit nicht grenzenlos | Die neuen Erkenntnisse werden auch ein neue Licht auf den Einfluss des heutigen Klimawandels auf den Amazonas-Regenwald. "Wenn wir verstehen, wie das Klima die Regenwälder der fernen Vergangenheit formte, dann können wir daraus schließen, wie sie in Zukunft reagieren werden", so der Forscher. "Wir haben gezeigt, dass Regenwälder innerhalb bestimmter Grenzen flexibel gegenüber Klimaänderungen reagieren, ein extremer Wandel allerdings könnte sie über einen Schwellenwert hinaus treiben und zum ,Umkippen' bringen." |
| 20.9.2009 | Gegen Palmölplantagen | Die Umweltorganisation ROBIN WOOD kritisiert, dass für Baumplantagen großflächig Regenwälder zerstört und Menschenrechte mit Füßen getreten werden. ROBIN WOOD unterstützt daher den vom World Rainforest Movement ausgerufenen internationalen Protesttag gegen Baum-Monokulturen. Der heutige Protesttag soll die öffentliche Aufmerksamkeit darauf lenken, dass Plantagen keine Wälder sind, sondern eine "grüne Wüste", für die Wälder vernichtet und Menschen vertrieben werden. Die Rohstoffe aus den Plantagen landen in großem Stil in Form von Konsumartikeln auch auf dem deutschen Markt. | Besonders dramatisch ist die Situation in Indonesien, wo für riesige Palmölplantagen die letzten Regenwälder platt gemacht werden. Profiteure dieser Entwicklung sind Konzerne wie Unilever, die in großen Mengen Palmöl einkaufen - trotz gewaltsamen Landkonflikten und Naturzerstörung durch die Plantagen, aus denen der Rohstoff stammt. | "Der Handel mit Palmöl aus Indonesien ist ein schmieriges Geschäft auf Kosten der Regenwälder", sagt ROBIN WOOD-Tropenwaldreferent Peter Gerhardt. "Die weltweite Expansion der Großplantagen muss gestoppt werden. Der Druck auf Großabnehmer des Palmöls wie Unilever in Deutschland muss wachsen." | Unter dem Motto "Bei Rama ist nichts in Butter" waren Aktivistinnen von ROBIN WOOD kürzlich der Zentrale von Unilever Deutschland in Hamburg aufs Dach gestiegen und hatten dort gegen die Verwendung von Palmöl aus Indonesien demonstriert. | Unilever, Produzent von Rama, Langnese-Eiscreme und Knorr-Tütensuppen, versucht, die Kritik zu mit dem Versprechen zu entkräften, künftig mehr RSPO-zertifiziertes Palmöl einzukaufen. Mit dem RSPO-Siegel - die Abkürzung steht für Roundtable on Sustainable Palmoil (Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl) - soll Palmöl gekennzeichnet werden, das angeblich nachhaltig produziert wurde. Da aber beim RSPO Lebensmittelkonzerne, Palmölfirmen und Chemiemultis den Ton angeben - Unilever hat den Vorsitz - zertifiziert sich die Raubbau-Branche dort gewissermaßen selbst. Dementsprechend lax sind die Standards. Für neue Plantagen dürfen weiterhin Wälder zerstört werden. Selbst hochgiftige Totalherbizide dürfen in RSPO-zertifizierten Plantagen eingesetzt werden. "Die Industrie hängt sich ein grünes Deckmäntelchen um, bescheinigt sich selbst, wie ökologisch sie ist und macht weiter, wie gehabt", sagt Gerhardt. | Die Anlage von Plantagen schadet außerdem dem Klima. Natürliche Wälder speichern viel mehr Kohlenstoff als Baum-Monokulturen und sorgen deshalb dafür, dass weniger Klimagas Kohlendioxid in der Luft ist. Ein großer Teil des Kohlenstoffs ist in den Waldböden gespeichert. Wird der Wald durch Plantagen ersetzt, wird die organische Substanz des Bodens mineralisiert. Klimagase werden freigesetzt. Indonesien ist so zum drittgrößten Kohlendioxid-Emittenten der Welt geworden. Wenn dort für Plantagen Waldgebiete zerstört und trockengelegt werden, gelangt Kohlenstoff aus meterdicken Torfschichten in die Luft. |
| 25.8.2009 | Waldbrände in Indonesien | Der Indonesische Regenwald wächst auf Torfmooren. Diese Böden speichern enorme Mengen an Kohlendioxid (CO2) - so lange sich auf ihm eine intakte Vegetation befindet. Wird diese niedergebrannt, entschwindet das CO2 in die Atmosphäre. Und genau das passiert gerade in vielen Regionen Indonesiens. Die Wälder werden zerstört für billiges Sperrholz und wetterfeste Gartenmöbel, für Papier- oder Palmölplantagen. | Um die Wälder abbrennen zu können, müssen zunächst die Torfmoore trocken gelegt werden. Dafür werden ständig neue Entwässerungsgräben durch den Wald gezogen. Im Forest Defenders Camp wurden verschiedene Methoden ausprobiert, wie die Lebensgrundlage der Indonesier erhalten bleiben kann. Die Aktivisten zeigten Einwohnern aus der Provinz Riau damals, wie sie Waldbrände selbst löschen können und setzten zum Schutz vor Austrocknung Dämme in frisch ausgehobene Entwässerungsgräben. | Jetzt brennt es wieder. Allein in der Province Riau gab es in diesem Juli 2800 Brandherde. Nun beginnt die Trockenzeit, und es werden noch etliche Feuer mehr erwartet. Das Greenpeace-Team, das die Wälder zu retten versucht, besteht aus gerade einmal 15 Personen. Doch trotzdem konnten sie das Feuer in einem etwa 10 Hektar großen Waldstück unter Kontrolle bringen. Dieses Stück Land liegt nahe eines Gebietes für geplante Palmöl-Plantagen, wo kürzlich 1000 Hektar Land vernichtet wurden. Dort hat ein Palmöl-Könzern dafür gesorgt, dass die Feuer nicht gelöscht wurden. | Die Vernichtung des Regenwaldes mit seinen Torfmooren hat zur Folge, dass Indonesien nach China und den USA beim Ausstoß von Treibhausgasen auf Platz drei steht. Unzähligen Pflanzen- und Tierarten wird der Lebensraum genommen. Dabei dürfte Indonesiens Regenwald eigentlich gar nicht mehr abgeholzt werden. Nach starken Waldbränden in den Jahren 1997/98 wurde 1998 ein Gesetz verabschiedet, das die Brandrodung verbietet. Es sieht bei einem Verstoß Strafen von bis zu 10 Jahren Haft und einer Milliarde US Dollar vor. Dieses Gesetz gibt es aber nur auf dem Papier - zu viele korrupte Beamte und komplizierte gesetzliche Prozesse machen seine Umsetzung kaum möglich. | Überdies war 2007 von Riaus damaligem Gouverneur Wan Abu Bakar ein Moratorium auf die Abholzung vereinbart worden. Doch der aktuelle Gouverneur, Rusli Zainal, hat verhindert, dass es Inkraft tritt. Nun müsste eigentlich Indonesiens Präsident Yudhoyono handeln und sich an sein Versprechen von Anfang 2009 erinnern, als er sich zur Halbierung der indonesischen CO2-Emissionen verpflichtete. Doch die Aussichten für eine andere Waldpolitik sind düster. Hat doch sein Forstwirtschaftsminister erst kürzlich die Umwandlung vieler Waldgebiete zu Palmöl- und Papierplantagen genehmigt. |
| 27.7.2009 | Kahlschlag auf Borneo | Weil Malaysias Regierung auf der Insel Borneo für 63 Millionen Euro einen Staudamm bauen möchte, sollen der Regenwald abgeholzt und die Ureinwohner vertrieben werden. Zwar wehren sich die Betroffenen gegen das Projekt, doch machen ihnen bereits Palmöl-Plantagen im Süden des Landes zu schaffen. Die Abholzung des Regenwaldes auf ganz Borneo bedroht auch die einzigartige Tierwelt der Insel. | Die Ureinwohner der Insel Borneo, Dayaks genannt, leben vom Regenwald. "Der Regenwald ist unsere Heimat, er spendet uns das Baumaterial für unsere Hütten, gibt uns Essen und Trinken und sogar die Medizin", erzählten Dayaks Reportern der Tagesthemen, als diese den malaysischen Teil der Insel bereisten. Doch den Ureinwohnern droht die Vertreibung: Mit Hilfe chinesischer Firmen plant Malaysias Regierung, die einen Teil des Nordens der Insel beherrscht, für 63 Millionen Euro einen Staudamm zur Stromproduktion zu errichten. Die Baustelle ist bereits eröffnet und schwere Bagger fressen sich in den Regenwald. | Die Dayaks wollen sich nun gegen die Pläne wehren und vor Gericht ziehen. Erfahrung damit haben sie bereits: Nicht nur Staudämme bedrohen ihre Heimat, sondern auch die gigantischen Palmöl-Plantagen, für die Malaysia als weltgrößter Exporteur des Rohstoffs überall auf der Insel den Urwald roden lässt. Der Oberste Gerichtshof des Landes hatte den Ureinwohnern im Mai bei einer Klage dagegen bereits Recht gegeben. | Im wesentlich größeren und von Indonesien beherrschten Teil im Süden der Insel sieht es nicht viel besser aus: Indonesien rangiert auf der Weltrangliste der Palmölexporteure auf Platz zwei und beteiligt sich ebenso an der Abholzung Borneos - alle 20 Minuten verschwindet wertvoller Regenwald von der Größe eines Fußballfeldes. Das bleibt für die einzigartige Tierwelt nicht folgenlos, so findet die Borneo Orangutan Survival Foundation (BOS) kaum noch sichere Gebiete, in denen sie die mühsam aufgepäppelten und großgezogenen Affen aussetzen kann. | Der Holländer kämpft seit 17 Jahren für das Überleben der Orangutans, die ständig in der Gefahr schweben, getötet oder von Tierhändlern gefangen zu werden. Die Situation hat sich durch die Dezimierung des Waldbestandes noch verschärft, denn immer weniger Lebensraum steht zur Verfügung. Mit mehr als 900 Orang-Utans quellen die beiden BOS-Rehabilitationszentren Nyaru Menteng und Samboja im Zentrum und im Osten Kalimantans mittlerweile über. "Viele sind schon seit Jahren hier und längst für die Auswilderung bereit. Doch es gibt kaum noch Wälder, in denen wir sie gefahrlos frei lassen können", so Smits. |
| 22.6.2009 | Jahrhundertflut am Amazonas | Von den hiesigen Medien fast völlig ignoriert, hat die Jahrhundertflut Amazonien weiter fest im Griff. Im Hafen von Manaus wurde nun der zweithöchste Pegelstand der Geschichte registriert. In der kommenden Woche könnte zudem die Rekordmarke des Rio Negro von 1953 übertroffen werden - eine Flutkatastrophe bedroht die Region. | Die Jahrhundertflut am Amazonas in Brasilien ist noch nicht vorüber. Der Rio Negro bei Manaus ist erneut gestiegen und hat am Samstagmorgen die zweithöchste Marke in der Geschichte geknackt. Mit 29.62 Meter liegt er nun im Hafen der Amazonasmetropole ein Zentimeter über dem Wert der Flut von 1976 und nur noch sieben Zentimeter unter der Rekormarke von 1953. Damals wurde mit 29.69 Meter bislang höchste Stand in der Geschichte des gewaltigen Flusses gemessen. | Sollten die Vorhersagen des Zivilschutzes zutreffen, so wird der Pegel des Rio Negro in den kommenden Tagen weiter ansteigen. Am Freitag wurde eine entsprechende Warnmeldung herausgegeben, nachdem die Wetterdienste im Norden und Nordwesten des Bundesstaates massive Niederschläge registrierten. Die Meteorologen wollen weitere Regenfälle nicht ausschliessen, die Sicherheitsbehörden warnen zudem vor der Gefahr von grossflächigen Stromausfällen. | Auch steigt stündlich die Gefahr von Flutschäden entlang der Flüsse der Region im Herzen Amazoniens. Besonders völlig durchweichte Uferbegrenzungen könnten wegbrechen, Mauern und Dämme zerstört werden. Weitere katastrophale Überschwemmungen wären die Folge. Die Bewohner der Region wurden über TV und Radio aufgefordert, nun schnellstmöglich alle Bereiche zu verlassen, die nicht genügend Schutz gegen Gewitter und Sturmböen bieten oder in tieferen Lagen gelegen von den Wassermassen überflutet werden könnten. | In den vergangenen Monaten wurden im Norden und Nordosten Brasiliens durch endlose Regenfälle Zehntausende obdachlos, Hunderttausende mussten zumindest zeitweise ihre Häuser verlassen. Die Schäden gehen in die Milliarden, durch Dammbrüche und reissende Fluten kamen dutzende Menschen ums Leben. In mehreren Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen, die brasilianische Regierung stellte finanzielle Notfallhilfe bereit, das Militär lieferte Lebensmittel und andere Hilfsgüter in die betroffenen Regionen. |
| 27.5.2009 | Landnahme im Amazonasgebiet gegen den Widerstand von Umweltschützern rückwirkend legalisiert | Das brasilianische Abgeordnetenhaus hat am Donnerstag einem Gesetzentwurf zugestimmt, der die Inbesitznahme von Land im geschützten Regenwald des Amazonas-Gebiets vor Dezember 2004 nachträglich legalisiert. Die Regierung hatte vorgesehen, 300.000 Titel über insgesamt 600.000 Quadratkilometer Land zuzuteilen, überwiegend an das staatliche Institut für die Agrarreform. | Doch die einflussreiche Farmerlobby setzte gegen den Widerstand von Umweltschützern durch, dass die Zahl der Landtitel um 100.000 erhöht und die Frist zur Wiederaufforstung des abgeholzten Regenwaldes von ursprünglich zehn Jahren auf 30 Jahre heraufgesetzt wurde. | Der brasilianische Umweltminister Carlos Minc verteidigte die nunmehr verabschiedete Regelung, die noch den Senat passieren muss. Er warnte allerdings vor Verstößen gegen die Umweltschutzgesetze des Landes, die zu massiver Abholzung und einer "enormen Umweltkatastrophe" führen könnten. Gemäß den derzeitigen Bestimmungen müssen Grundbesitzer 80 Prozent ihres Landes im ursprünglichen Zustand belassen. |
| 14.4.2009 | Klimawandel bedroht Motor des weltweiten Wetters | Selbst wenn es gelingt, die Klimaziele von Kyoto sofort umzusetzen, wird der Regenwald langfristig geschädigt. 600 Milliarden Tonnen Kohlendioxid sind im Amazonas-Regenwald gespeichert. | Bei einem wahrscheinlichen globalen Temperaturanstieg um vier Grad Celsius in diesem Jahrhundert werden 85 Prozent des Regenwaldes vernichtet - zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der britischen Forschungsgesellschaft "Met Office". Auch wenn die globale Erwärmung unter einer durchschnittlichen Temperaturerhöhung von zwei Grad gehalten werden kann, würden noch immer 20 bis 40 Prozent des Regenwaldes innerhalb der nächsten 100 Jahre irreversibel geschädigt werden. | Selbst wenn es gelingt, die Klimaziele von Kyoto sofort umzusetzen, wird der Regenwald trotzdem langfristig leiden, befürchtet die Studie. Es handle sich um ein sehr empfindliches Ökosystem. Wissenschaftliche Simulationen prognostizieren einen Kippeffekt bei einer Schädigung des Waldes über einen bestimmten Prozentsatz hinaus. Dann brechen die restlichen Teile des Feuchtigkeitskreislaufs zusammen. Damit wäre die Artenvielfalt am Amazonas verschwunden - mit heute noch unvorstellbaren Auswirkungen auf alle Kontinente. Denn die tropischen Wälder sind die Motoren des weltweiten Wetters. | Wenn Regenwälder wie jener am Amazonas von der Erde verschwinden, ändert sich das Wetter extrem. Überschwemmungen, Hitze- und Frostperioden, rasche Umschwünge, Ernteausfälle und Wasser- sowie Energiekrisen wären auch in Mitteleuropa vorprogrammiert. Außerdem tragen die sterbenden Regenwälder selbst auch massiv zur globalen Erwärmung bei. 600 Milliarden Tonnen Kohlendioxid (etwa 170 Milliarden Tonnen Kohlenstoff) sind laut neuen Forschungsergebnissen des Schweizer IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) allein im Amazonas-Regenwald gespeichert. Ein sterbender oder brennender Wald gibt den Kohlenstoff wieder frei. |
| 5.3.2009 | Klimafaktor Regenwald - Trockenheit schwächt das Amazonasgebiet als Kohlendioxidpuffer | Der Amazonas-Regenwald ist in Trockenzeiten überraschend empfindlich: In der extremen Trockenperiode des Jahres 2005 gab der Regenwald erstmals mehr Kohlendioxid an die Atmosphäre ab als er in Form von Biomasse binden konnte. Das hat ein internationales Forscherteam zum Oliver Phillips von der Universität in Leeds herausgefunden. Bislang galt das Amazonasgebiet als sichere Bank für die Klimaforschung: In durchschnittlichen Jahren fixierte er zwei Milliarden Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid und trug damit wesentlich zu einer Abschwächung des globalen Klimawandels bei. Da Trockenzeiten in Zukunft vermutlich häufiger auftreten, könnte der Amazonasregenwald den Klimawandel sogar beschleunigen, schreiben die Forscher. | Rund 70 Wissenschaftler aus insgesamt 13 Ländern arbeiten im Projekt Rainfor zusammen und beobachten die Entwicklung des Regenwaldes auf 136 weit verteilten Waldparzellen. Die Aufzeichnungen reichen 25 Jahre zurück. Nach der ausgedehnten Trockenperiode im Jahr 2005 unternahmen die Forscher eine besonders genaue Inventarisierung der Parzellen. Die Bäume wuchsen langsamer und es starben deutlich mehr Bäume ab als im langjährigen Durchschnitt, stellen sie fest. Besonders die schnell wachsenden Baumarten mit geringer Holzdichte waren vom Absterben betroffen. Das schränkt die Regenerationsfähigkeit des Waldes ein, sollten sich die Trockenperioden häufen, berichten die Forscher. | Im Jahr 2005 verzeichneten Wetterforscher eine der schwersten Trockenperioden der vergangenen hundert Jahre im Amazonas-Regenwald. "Äußerlich ist das dem Wald kaum anzusehen, doch unsere Daten zeigen eine beschleunigtes Absterben bei den Bäumen", erklärt Oliver Phillips. Aufsummiert über die riesige Fläche des Regenwaldes führen schon kleine Änderungen zu riesigen Auswirkungen auf dem Kohlenstoffkreislauf. In normalen Jahren absorbiert der Regenwald rund zwei Milliarden Tonnen Kohlendioxid. Für das Jahr 2005 deuten die Daten daraufhin, dass die bisherige Kohlenstoffsenke hingegen drei Milliarden Tonnen Kohlendioxid verlor. | Insgesamt sorgte die Trockenzeit für fünf Milliarden Extratonnen Kohlendioxid in der Atmosphäre. Zum Vergleich: Die Kohlendioxid-Emissionen aller Verbraucher in Deutschland liegen bei etwas unter einer Milliarde Tonnen Kohlendioxid. Wenn sich solche Trockenzeiten wiederholen - und davon gehen einige Klimamodelle aus -, könnte der Amazonas-Regenwald seine Pufferwirkung verlieren und sogar den Klimawandel beschleunigen, konstatieren die Forscher. | Quelle: Oliver Phillips (Universität in Leeds ) et al.: Science, Bd. 323, S. 1344 |
| 18.2.2009 | EU sagt illegaler Waldzerstörung den Kampf an | Mit einem mutigen Gesetzentwurf hat der Umweltausschuss des EU-Parlaments der illegalen Ausplünderung der Wälder den Kampf angesagt. Ein komplexes Prüfsystem soll nach dem Willen des Ausschusses künftig verhindern, dass in Europa Holz aus illegalen Quellen gehandelt und verarbeitet wird. Zu diesem Zweck sollen Europäische Unternehmen unter anderem verpflichtet werden, genau zu dokumentieren, woher ihr Holz stammt. Nationale Behörden sollen zudem mit der notwendigen Macht ausgestattet werden, Verstöße zu ermitteln und Sanktionen zu verhängen. Umweltverbände begrüßen die Entscheidung und sehen in ihr ein starkes Signal gegen die massiv fortschreitende Waldzerstörung weltweit. | Der Entwurf geht weit über den Kommissionsvorschlag vom 17. Oktober 2008 hinaus. Es besteht nun die berechtigte Hoffnung, dass nun die zähen Verhandlungen auf EU-Ebene über ein Gesetz zur Unterbindung des illegalen Holzhandels zu einem Ende kommen. Dabei vor allem die deutsche Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner in der Pflicht. Seit fünf Jahren wird über ein solches Gesetz in Brüssel gestritten. In Deutschland wurde unter der rot-grünen Bundesregierung eine ähnliche Initiative unter dem Begriff "Urwaldschutzgesetz" gestartet, von der Koalition dann jedoch mit Verweis auf die kommende europäische Regelung gestoppt. | Dabei ist es eines der wichtigsten Gesetzesvorhaben auf umweltpolitischer Ebene und zum Schutz des Klimas. Fast 20 Prozent der weltweiten CO2-Emmissionen werden durch die Vernichtung von Wäldern verursacht. Als einer der weltweiten Hauptimportregionen für Holz kommt der EU hier eine besondere Verantwortung zu. Mit besonderem Interesse wird daher die endgültige Entscheidung des EU-Parlaments am 23. April 2009 erwartet. |
| 13.1.2009 | Computer-Hacker helfen bei der Regenwaldzerstörung | Zahlreiche Holzfirmen in Brasilien werden beschuldigt, sich mit der Hilfe von Computerkriminellen illegale Abholzgenehmigungen besorgt zu haben. Auf diese Weise haben mindestens 1,7 Millionen Kubikmeter Holz den Amazonas illegal verlassen. Wie die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Brasilien erfuhr, sollen 107 größere und kleinere Firmen beteiligt gewesen sein. | Eigentlich verstand sich der brasilianische Bundesstaat Pará als gut gerüstet gegen illegalen Einschlag und unerlaubtem Handel mit Regenwaldholz: Mithilfe eines Computersystems wurden die Waldwirtschaftsgenehmigungen seit zwei Jahren zentral erstellt und mit der Gesamtmenge des ausgelieferten Holzes abgeglichen. Sobald die staatlichen Vorgaben erreicht sind, stoppt die Ausgabe der Genehmigungen. Auf diese Weise sollte sicher gestellt werden, dass nicht mehr Regenwald abgeholzt wird, als durch Aufforstungsmaßnahmen nachwachsen wird. | Allerdings ließ sich das System offenbar von den Behörden unbemerkt austricksen. Durch die kriminelle Manipulation des Genehmigungssystems haben diese Firmen ihre Holzlieferungen legal und in Einklang mit den Waldmanagement-Plänen aussehen lassen. In Wirklichkeit aber handelten sie mit illegalem Holz, was das Problem der Regenwaldzerstörung noch verschlimmert. | Die Angst vor Strafverfolgung scheint nicht sonderlich groß zu sein. Brasilien gilt als Hauptstadt des Hackings und hat schon in der Vergangenheit durch Hacker-Skandale auf sich aufmerksam gemacht. Und etwa die Hälfte der jetzt betroffenen Unternehmen sind bereits in Strafverfahren verwickelt. | Doch nun will der brasilianische Staat, der seit 2007 ermittelt, die betroffenen Firmen auf etwa 820 Millionen US Dollar Schadensersatz verklagen. Es geht immerhin um die enorme Menge von 1,7 Millionen Kubikmeter Holz von illegal gefällten Bäumen (zum Vergleich: das entspricht der Füllmenge von 780 olympischen Schwimmbecken). Ein dringend notwendiges Zeichen auch angesichts der Pläne des brasilianischen Parlamentes, mittels einer Änderung des Forstgesetzes die legalen Abholzungsquoten zu erhöhen. Das Einzige jedoch, was wirklich gegen illegale Abholzung hilft, ist ein eindeutiges Verbot, das keinerlei Spielräume offen lässt. |
| 19.12.2008 | Deutschland unterstützt Brasilien im Kampf gegen den Klimawandel | Deutschland und Brasilien schützen gemeinsam den brasilianischen Regenwald. Der Regenwald mit seinen unschätzbaren genetischen Ressourcen hat eine besondere Bedeutung für das Weltklima. Die beiden Länder leisten somit einen Beitrag im Kampf gegen den globalen Klimawandel. Deutschland sagt Brasilien 18 Millionen Euro für den Amazonien-Fonds zu. Dieser Fonds ist eine Initiative der brasilianischen Regierung, um die Entwaldung in Amazonien zu bekämpfen. Über den Fonds werden zum Beispiel Maßnahmen der nachhaltigen Waldbewirtschaftung, der Besitz- und Eigentumsregelung, des Biodiversitätsschutzes und der Wiederherstellung entwaldeter Flächen finanziert. Der Fonds soll dazu beitragen, dass die Entwaldung bis zum Jahr 2017 auf 5.000 qkm jährlich (2008: fast 12.000 qkm) zurückgeführt werden kann. | Deutschland unterstreicht mit seinem finanziellen Beitrag zum Amazonien-Fonds seine Bereitschaft, ein innovatives und von der brasilianischen Regierung getragenes Programm zum Waldschutz im brasilianischen Amazonas zu unterstützen. Darüber hinaus würdigt die Bundesregierung mit diesem Schritt die Klimapolitik der brasilianischen Regierung - der brasilianische Präsident Lula hatte am 1. Dezember den ersten Nationalen Plan zum Klimawandel verkündet. Mit diesem Plan setzt Brasilien freiwillige Ziele zur Minderung der Treibhausgasemissionen fest. | Das deutsche Engagement im Amazonien-Fonds ist eingebettet in die Entwicklungszusammenarbeit mit Brasilien. Schwerpunkt der deutsch-brasilianischen Entwicklungszusammenarbeit ist der Klimaschutz sowohl im Waldschutz als auch bei der Einführung alternativer Energien. Weitere Beiträge der Entwicklungspolitik für den Klimaschutz im Jahre 2008 sind eine Zusage an den brasilianischen Bundesstaat Amazonas für Maßnahmen für den Walderhalt und ein Kredit an die brasilianische Entwicklungsbank BNDES zur Finanzierung von Windparks. |
| 19.11.2008 | Abholzung am Amazonas bald gesetzlich legalisiert? | Gesetzesnovelle soll Waldbesitzern die Ausweitung ihrer Agrarflächen erlauben | Brasiliens Kongressabgeordnete entscheiden am 19. November über die Zukunft des Amazonasregenwaldes. Stimmen sie einer Änderung des bestehenden Waldnutzungsgesetzes zu, besiegeln sie die großflächige Zerstörung eines der letzten großen Regenwaldgebiete. | Dem Kongress liegt eine Gesetzesnovelle vor, nach der private Waldbesitzer zukünftig bis zu 50 Prozent statt wie bisher 20 Prozent ihres Grundstücks abholzen dürfen. Die zusätzlichen 30 Prozent würden mit der geplanten Änderung des Forstgesetzes zur Rodung für Ölpalm- oder Eukalyptusplantagen freigegeben werden. Nach Schätzungen von Greenpeace wären dadurch über 30 Millionen Hektar des Amazonaswaldes, eine Fläche fast so groß wie Deutschland, unmittelbar bedroht. | Der jetzt vorliegende Gesetzentwurf wurde bereits vom brasilianischen Senat gebilligt und liegt nun zur Abstimmung im Umweltausschuss des Abgeordnetenhauses vor. Sollte dieser den Entwurf billigen, kann ihn nur noch Präsident Lula durch ein Veto verhindern. "Die brasilianische Regierung muss diesen Gesetzentwurf stoppen", fordert Riedl. Präsident Lula könne nicht für einen internationalen Urwaldschutzfonds werben und gleichzeitig die großflächige Zerstörung des Urwaldes genehmigen. | Unterstützung für den Regenwaldschutz erhielt Brasilien bisher auch aus Deutschland. Die Bundesregierung hat dem Land dafür seit 1992 rund 300 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Auf der Konvention zur biologischen Vielfalt (CBD) in Bonn versprach Bundeskanzlerin Merkel im Mai, bis 2012 zusätzlich 500 Millionen Euro für den Urwaldschutz bereitzustellen. Ein schnelles Handeln beim Waldschutz ist besonders wichtig, da 70 Prozent der brasilianischen Treibhausgasemissionen aus der Zerstörung des Amazonasregenwaldes stammen. Dadurch ist Brasilien der weltweit viertgrößte Erzeuger von Kohlendioxid. | Trotz der andauernden Bedrohung seiner Waldflächen hat es Brasilien bisher nicht geschafft, den Umgang mit dem Regenwald klar zu regeln. Nachdem im Jahr 1996 der Höhepunkt der Abholzungen erreicht war, führte der damalige Präsident Cardoso ein Dekret ein, das die maximale Umwandlung von Wald in Agrarflächen auf 20 Prozent beschränkte. Dieses Dekret ist seitdem als Provisorium gültig, es wurde aber nie in die Forstgesetzgebung überführt. Aufgrund der steigenden Preise für Agrargüter und der zunehmenden Nachfrage nach Agrosprit fordert die brasilianische Agrar- und Agrospritlobby nun eine Ausweitung der Rodungen. |
| 8.10.2008 | Tropenwälder rücken ins Visier der Klimaschützer | Barcelona (AP) - Im Kampf gegen die Erderwärmung sollte nach Ansicht von Umweltschützern die Rolle der Tropenwälder stärker in den Mittelpunkt rücken. Das Problem der Vernichtung riesiger Waldflächen dulde keinen Aufschub, sagte der Vizepräsident der Internationalen Naturschutzunion (IUCN), Glenn Prickett, am Mittwoch in Barcelona. Die Brandrodung und Abholzung der Regenwälder ist nach Schätzungen für ein Fünftel aller Treibhausgasemissionen verantwortlich. | Bäume absorbieren Kohlendioxid, gleichzeitig wird das Treibhausgas aber freigesetzt, wenn Wälder abgeforstet werden. «Damit müssen wir uns jetzt befassen», forderte Prickett in einem Interview am Rande des Weltnaturschutzkongresses in Barcelona. Dort beraten mehrere tausend Vertreter von Naturschutzorganisationen und 84 Staaten bis kommende Woche über Artenschutz und Klimawandel. | Länder mit großen Tropenwäldern, wie beispielsweise Indonesien, könnten dem Vorschlag zufolge Ausgleichszahlungen für den Schutz dieser Wälder erhalten. Das Geld soll als Anreiz dienen, die Bäume zu erhalten und nicht abzuholzen. Die Wälder seien aus Sicht der Entwicklungsländer, eine Art freies Gut, das sie der Welt zur Verfügung stellen, erläuterte Prickett. «Sie zahlen den Preis, indem sie ihre eigene wirtschaftliche Entwicklung bremsen, während wir alle davon profitieren.» | Die Rolle der Tropenwälder ist auch Gegenstand in den Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, das im Jahr 2012 ausläuft. Der neue Vertrag soll bis zu einem Gipfeltreffen in Kopenhagen im Dezember 2009 unter Dach und Fach sein. |
| 23.9.2008 | Norwegen sagt Milliardenspende für Regenwaldschutz zu | Statistisch gesehen wird im Amazonas Wald von der Größe von anderthalb Fußballfeldern abgeholzt - pro Minute. Norwegen verspricht eine Milliardenspende, um den brasilianischen Regenwald besser zu schützen. | Brasilia (AP) - Es ist eine eindrucksvolle Zusage, die der norwegische Präsident Jens Stoltenberg in der brasilianischen Hauptstadt gemacht hat: Norwegen, reich geworden durch die Ausbeutung seiner Öl- und Gasfelder in der Nordsee, will mit einer Milliarde Dollar die Abholzung des Amazonas in Brasilien stoppen. Das Geld, so stellte Stoltenberg in Aussicht, soll bis zum Jahr 2015 in mehreren Runden fließen. Nutznießer ist ein spezieller Fonds, den die brasilianische Regierung vor kurzem aufgelegt hat. Sie hofft, dass eines Tages insgesamt 21 Milliarden für die Rettung des Amazonas zur Verfügung stehen. Verwaltet wird der Fonds von der Nationalen Entwicklungsbank BNDES. Ein Gremium, in dem sowohl die Regierung als auch die brasilianischen Amazonas-Staaten und sogar Bürger vertreten sind, muss einstimmig darüber entscheiden, wohin die Mittel fließen. | "Anstrengungen gegen die Abholzung könnten für die größten, schnellsten und billigsten Reduktionen beim Ausstoß von Treibhausgasen sorgen", sagte Stoltenberg. Der Amazonas ist in doppeltem Sinne wichtig für das Weltklima: Zum einen kann seine Pflanzenwelt eine riesige Menge CO2 binden, zum anderen sorgt seine großflächige Abholzung für einen Großteil des brasilianischen Treibhausgasausstoßes. Geschätzt 400 Millionen Tonnen Treibhausgas, etwa 80 Prozent des Gesamtausstoßes Brasiliens, kommen so pro Jahr zusammen. | Statistisch gesehen wird im Amazonas Wald von der Größe von anderthalb Fußballfeldern abgeholzt - pro Minute. Zwischen 2005 und 2007 hatte die Abholzung des Regenwaldes etwas an Geschwindigkeit verloren, doch Umweltschützer befürchten, dass sich dieser Trend wieder umkehren könnte: Um Weideland für Rinder zu schaffen werden wieder verstärkt Bäume gerodet - und um an ihrer Stelle Sojaplantagen für den Biotreibstoffhunger der Industrieländer anzulegen. | In diesem Jahr wollen die Norweger mit 21 Millionen Euro die Unterstützung starten. Das weitere Geld soll dann aber erst fließen, wenn die Brasilianer Fortschritte beim Waldschutz dokumentieren können. Nach Angaben der Brasilianer wollen sich auch Japan, Schweden, Südkorea, die Schweiz und Deutschland an dem Fonds beteiligen. |
| 20.8.2008 | Der Amazonas-Regenwald wird durch die Suche nach Rohstoffen unwiederbringlich zerstört | Rio de Janeiro (dpa) - Die Erdöl- und Gasförderung im Nordwesten und Westen Südamerikas zerstört einer Studie zufolge den Amazonas-Regenwald und bedroht außerdem zahlreiche Indio-Stämme. | Betroffen sei ein etwa 688 000 Quadratkilometer großes Gebiet, auf dem 180 Förderungsprojekte betrieben würden, heißt es im Online-Journal «PLoS ONE» vom Mittwoch. Die Region ist fast doppelt so groß wie Deutschland. Das westliche Amazonas-Gebiet, das den weltweit intaktesten und artenreichsten Regenwald beherberge, werde in Brasilien, Bolivien, Peru, Kolumbien und Ecuador bald ganz von Förderanlagen und Pipelines bedeckt sein. | Die Studie der US-amerikanischen Umweltschutzorganisationen Save Americas Forests und Land Is Life sowie der Duke University in Durham dauerte den Angaben zufolge drei Jahre. Die Wissenschaftler seien dabei zu alarmierenden Ergebnissen gekommen. «Wir haben ermittelt, dass die Öl- und Gasanlagen sich mit den Gebieten mit der größten Biodiversität der Vögel, Säugetiere und Amphibien genau überdecken», erklärt Studien-Koautor Clinton Jenkins von der Duke University. Sorgen lösten vor allem die Gefahren für die Amphibien aus, da diese die weltweit am stärkten bedrohten Wirbeltiere seien. | Sogar in Naturschutzparks wie dem Yasuní in Ecuador oder dem Madidi in Bolivien werde gebohrt, heißt es. Am stärksten bedroht sei allerdings der peruanische Teil des Amazonas-Regenwaldes, meinen die Wissenschaftler. Dort bedecken laut Studie 64 Energieprojekte rund 72 Prozent des gesamten Urwalds. Die meisten «Blocks» stammten aus der Zeit nach 2003, als die Regierung in Lima ein großes Entwicklungsprogramm für das Amazonasgebiet gestartet habe. Der mit den Energieprojekten verbundene Straßenbau führe daneben zu Entwaldung, illegalen Ansiedlungen und exzessiven Jagdaktivitäten. | Aber nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt ist bedroht. Viele Förderungsgebiete reichten nicht nur in Peru in Indioschutzgebiete hinein oder bedrohten isoliert lebende Indiostämme, heißt es. «Die Art und Weise, wie die Ölprojekte im West-Amazonas durchgeführt werden, stellt eine grobe Verletzung der Rechte der indigenen Bevölkerung in der Region dar», klagt Brian Keane von Land is Life. Die Ausbeutung von Ressourcen ohne Einverständnis der Ureinwohner werde von internationalen Abkommen und den interamerikanischen Menschenrechtsgesetzen ausdrücklich verboten. | Verantwortlich sind allerdings nach Meinung der Wissenschaftler nicht nur die Behörden und Unternehmen der betroffenen südamerikanische Länder. Die weltweit zunehmende Energienachfrage nähre die Suche nach immer mehr Öl und Gas im Amazonasgebiet, die unter anderem von Unternehmen aus den USA, Kanada, Europa und China betrieben werde. |
| 3.8.2008 | Holzkonzern plündert Urwald und Staatkasse | + Fast acht Millionen Euro sind eine Menge Geld - vor allem im Kongo. Um diese Summe hat der deutsch-schweizerische Holzkonzern Danzer die Demokratische Republik Kongo und die Republik Kongo betrogen.+ | Der aktuelle Greenpeace-Report Steuertricks im Kongo zeigt, wie der Konzern Gelder aus dem Geschäft mit Urwaldholz verschiebt und dadurch massiv Steuern hinterzieht. Und Danzer will noch mehr: deutsche Enwicklungshilfegelder - für den Einschalg im kongolesischen Regenwald. | Das System der Reutlinger Familie Danzer mit Firmensitz in der Steueroase Zug/Schweiz ist ausgefeilt. Siforco, die afrikanische Tochterfirma von Danzer, verkauft Tropenholz unter seinem Marktwert an Interholco, die schweizerische Handelsfirma von Danzer. Die Differenz gleicht Interholco durch inoffizielle Zahlungen auf Bankkonten in europäischen Niedrigsteuerländern aus. So vermeidet Danzer eine Reihe kongolesischer Steuern. | Auf diese Weise sind den Kongostaaten zwischen 2000 und 2006 mindestens 7,8 Millionen Euro Steuereinnahmen entgangen. Das sind zum Beispiel 700.000 nötige Schutzimpfungen für Kinder unter fünf Jahren. | "Während die Weltbank und ihre Geldgeber im Namen der Armutsbekämpfung Milliarden von Dollar in die Länder des Kongo-Beckens fließen lassen, brechen Holzkonzerne wie Danzer Gesetze und zerstören die Lebensgrundlagen der Bevölkerung", sagt Corinna Hölzel, Waldexpertin von Greenpeace. | Gleichzeitig versucht das Unternehmen, von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Entwicklungshilfegelder für den Holzeinschlag im kongolesischen Regenwald zu erhalten. Hölzel dazu: "Wir fordern die deutsche Regierung auf, jegliche finanzielle Unterstützung für Danzer zu unterlassen." | Nur vier europäischen Firmen kontrollieren etwa drei Viertel der Holzausfuhr in der Demokratischen Republik Kongo. 40 Prozent davon exportierte Danzer im Jahr 2006. Schon frühere Berichte von Greenpeace belegen, dass Danzer für den Einschlag von seltenen Edelhölzern die Korruption im Kongo fördert. | Doch nicht nur die Geldgeschäfte sind von zweifelhafter Moral: Das Kongobecken ist nach Amazonien der zweitgrößte Regenwald der Erde. Es hat eine wesentliche Bedeutung für die Biodiversität und das Klima. Die weltweite Waldzerstörung ist bereits für 20 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. | Quelle: Greenpeace | Anja Franzenburg 2008 |
| 24.7.2008 | Wieder einmal: Brasilien geht härter gegen Umweltsünder vor | Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hat am Dienstag zwei neue Dekrete unterzeichnet, die das illegale Abholzen des tropischen Regenwaldes am Amazonas stoppen sollen. So erhalten staatliche Inspektoren das Recht, Eigentum und Waren von Leuten zu beschlagnahmen, bei denen illegal gefälltes Holz entdeckt wird. Außerdem wird die Zahl der Polizeibeamten im Amazonasbecken aufgestockt. Die genaue Zahl steht noch nicht fest. | Eine neue Behörde soll die Überwachung der wichtigsten Nationalparks Brasiliens sicherstellen und dafür sorgen, dass die Abholzung des Regenwaldes eingedämmt wird. Brasiliens neuer Umweltminister Carlos Minc erklärte, die Neuerungen setzten der Straffreiheit von Umweltsündern ein Ende. "Wer die Behörden herausfordert, wird die starke Hand des Staates zu spüren bekommen." Bis zu 60 Prozent der verhängten Strafgelder können künftig durch gemeinnützige Arbeit in Umweltschutzprojekten abgegolten werden, bisher galt eine Obergrenze von 90 Prozent. | Brasilien hat zwar einige der schärfsten Umweltgesetze der Welt - ihre Durchsetzung erfolgt aber oft nur lückenhaft. So kritisieren Umweltschützer, dass im vergangenen Jahr nur ein Prozent der verhängten Bußgelder gegen Umweltsünder am Amazonas auch tatsächlich eingetrieben worden seien. Rund 20 Prozent des für das Weltklima wichtigen Regenwaldes am Amazonas wurden bereits abgeholzt. |
| 8.7.2008 | Verstärkter Kahlschlag in Schutzgebieten am Amazonas | Jeder fünfte im brasilianischen Regenwald gefällte Baum kommt aus Schutzgebieten, in denen Rodungen illegal oder zumindest erheblich eingeschränkt sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle brasilianische Studie. | Aufgrund der Auswertung von Satellitenbildern ermittelte die brasilianische Umweltbehörde, dass 22 Prozent aller Rodungen des vergangenen Jahres in Indianerreservaten oder anderen Schutzgebieten erfolgten. | «Schutzgebiete auf dem Papier reichen nicht» | «Das zeigt, dass unsere Reservate nicht gut geschützt sind», sagte Umweltminister Carlos Minc der Zeitung «O Globo». «Es reicht nicht aus, ein Schutzgebiet auf dem Papier einzurichten, um die Erhaltung des Waldes zu sichern.» | Der Studie zufolge nahmen die Rodungen in Schutzgebieten 2007 binnen Jahresfrist um 6,4 Prozent zu. Das gesamte Ausmass der Rodungen im Amazonas-Becken ging hingegen um 20 Prozent zurück, was von der Regierung als Erfolg gefeiert wurde. | Neue Naturreservate | Erst im Juni hat Präsident Luiz Inacio Lula da Silva drei neue Naturreservate im Amazonas-Becken eingerichtet, in denen Rodungen verboten sind. In zwei weiteren Gebieten dürfen nur die Bewohner Nüsse, Früchte und Kautschuk aus dem Wald beziehen. | Der Amazonas-Regenwald erstreckt sich über 6,2 Millionen Quadratkilometer. Davon befinden sich 63 Prozent in Brasilien. Etwa 20 Prozent des ursprünglichen Waldes ist bei Rodungen, durch die Landwirtschaft oder andere Erschliessungen zerstört worden. | Quelle: AP |
| 15.5.2008 | Brasilianische Umweltministerin Marina Silva ist zurückgetreten! | Brasilia/Berlin - Noch vor zwei Wochen schwärmte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel bei seinem Brasilien-Besuch in den höchsten Tönen: "Eine phantastische Frau ist das". Mit Marina Silva würde er auch ohne offizielle Tagesordnung gern reden - stundenlang. Bei den offiziellen Gesprächen zu Themen wie Bioethanol oder Amazonas-Schutz lobte der Minister dann auch immer wieder die "extrem hohe Glaubwürdigkeit" seiner brasilianischen Kollegin. | Politikerin Silva: "Zunehmender Widerstand bei wichtigen Sektoren der Regierung und der Gesellschaft" Doch mit dieser Glaubwürdigkeit hat sich die 50 Jahre alte Silva nun selbst um ihr Amt gebracht. Am Dienstag trat sie zurück, weil sie sich mit ihren Plänen für den Schutz der amazonischen und atlantischen Regenwälder nicht durchsetzen konnte. Bei Präsident Lula da Silva vermisste sie zuletzt den Rückhalt für ihre Politik der nachhaltigen Entwicklung. Ihr Team sei "auf zunehmenden Widerstand bei wichtigen Sektoren der Regierung und der Gesellschaft gestoßen", beklagte Silva in ihrem Rücktrittsschreiben, aus dem brasilianische Medien zitieren. | Die Ikone der südamerikanischen Umweltbewegung verlässt die Regierung zu einem kritischen Zeitpunkt: Nach neuen Analysen steigt das Abholzungstempo im Regenwald nach mehreren Jahren der Stagnation derzeit wieder an. Das würde drastische Schritte nötig machen, um die Entwicklung wieder umzudrehen. Und der Plan Lula da Silvas, Brasilien zu einer Energiegroßmacht aufzubauen, die fünf Prozent des Benzinbedarfs aus Zuckerrohr deckt, wirft Umweltprobleme von neuer Dimension auf. | Mit Silva geht eine Ikone der Waldschutzbewegung, die in der internationalen Umwelt-Community großen Respekt erhielt, die mit Ehrungen überhäuft wurde und als Schutzpatronin des Waldes galt. Aufgewachsen ist Marina Silva mitten im Amazonas-Waldes als Tochter eines Kautschukzapfers. Sie hat sich mit 16 Jahren das Lesen und Schreiben in kürzester Zeit selbst beigebracht. Mit dem später von der Holzmafia ermordeten Chico Mendes leitete sie eine Waldschutzbewegung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellte, besonders die Menschen, die von intakten Regenwäldern leben. Ihr Aufstieg ins Ministeramt im Jahr 2003 galt vielen als Symbol der Hoffnung, dass die brasilianische Regierung es endlich ernst meint damit, die Weltklimaanlage und Naturschatzkammer in Amazonien zu bewahren. | Bis 2007 konnte Marina Silva schon auf erste Erfolge einer strengeren Naturschutzpolitik verweisen: Die Entwaldung des Amazonas war von 28.000 Quadratkilometer im Zeitraum Juli 2003 bis Juli 2004 auf 12.000 Quadratkilometer im Zeitraum Juli 2006 bis Juli 2007 gesunken - obwohl die brasilianische Volkswirtschaft brummte wie selten zuvor. Doch offenbar haben steigende Erlöse für Soja und Fleisch die Waldzerstörung wieder sehr lukrativ gemacht. Aufgeschreckt von vorläufigen Prognosen, denen zufolge die Entwaldung zwischen Juli 2007 und Juli 2008 wieder deutlich zunimmt, griff Silva kürzlich zu wirklich drastischen Maßnahmen. | Erfolg bei der "Operation Feuerbogen" | In einer "Operation Feuerbogen" haben Umweltbeamte, Polizei und Militär in den 36 Gemeinden mit der höchsten Entwaldungsrate in den vergangenen Monaten hart zugeschlagen. Grundstück für Grundstück im "Feuerbogen" am Südrand des Amazonas, wo der Wald in Flammen aufgeht, haben sie die Verantwortlichen dingfest gemacht. Und jetzt sollte es den Holz-, Vieh- und Sojabaronen an den Kragen gehen: Im Internet sind ihre Namen veröffentlicht, samt den betroffenen Flächen, die "unter Embargo" gestellt sind. "Wer diesen Leuten künftig einen Kredit gibt oder ihnen Fleisch abkauft, macht sich selbst strafbar", sagte Silvas Staatssekretär Capobianco. "Wir wollen die große Fleischwirtschaft dazu bringen, nicht länger von illegalem Holzeinschlag zu profitieren." Schließlich handle es sich um kein Kavaliersdelikt. | Der elektronische Pranger funktionierte offenbar bereits: "Wir verzeichnen Zehntausende Klicks von besorgten Holz-, Soja und Fleischkäufern, die Angst haben, Probleme zu bekommen", berichteten Mitarbeiter der Umweltministerin. Als nächstes wollte Silva die "Operation Grüner Bogen" anpacken, den Aufbau ökonomischer Alternativen für die 24 Millionen Menschen im brasilianischen Amazonas-Gebiet. Mitarbeiter des Amazonas-Schutzprogramms "Arpa" hatten bereits Pläne entwickelt, stolze 60 Prozent des Amazonas-Waldes bis 2020 unter strengen Schutz zu stellen und durch Wiederaufforstung zu einer Walddecke von 80 Prozent zu gelangen. In den letzten Jahren hatte Arpa bereits neue Schutzgebiete von der Größe Spaniens geschaffen. In diesem Tempo sollte es nun weitergehen. | Doch mit dieser Strategie hat Silva mächtige Gegner mobilisiert. Nachdem sie bereits den Bau einer neuen Straße durch den Amazonas und zwei Wasserkraftwerke im Regenwald nicht verhindern konnte, wurde der Gegenwind nun offenbar zu stark. Im Norden des Landes haben zuletzt Großgrundbesitzer gemeinsam mit der Regierung des Bundesstaates Roraima gegen ein bereits ausgewiesenes Ureinwohner-Reservat namens Raposa Serra do Sol geklagt. Die Großgrundbesitzer wollen vor dem Obersten Gericht Brasiliens durchsetzen, dass die 1,7 Millionen Hektar große Fläche weiter für den Reisanbau freigegeben wird. | Erst am 8. Mai hatte Silva den Konflikt zur Schicksalsfrage für den ganzen Wald erhoben - nur um eine Woche später ganz aufzugeben. In Zukunft wolle sie sich wieder ihrer Arbeit im brasilianischen Senat konzentrieren, erklärte sie nun. | Der Rücktritt der brasilianischen Umweltministerin bringt nicht nur Präsident Lula da Silva, sondern auch die deutsche Bundesregierung in eine schwierige Situation. Gerade ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Brasilien zu Gast, um ein Energieabkommen zu unterzeichnen, das auch den fortgesetzten Import von brasilianischem Biosprit nach Deutschland erleichtern soll. | Das Abkommen beruht aber ganz darauf, dass Marina Silva beim deutschen Umweltminister Gabriel vor zwei Wochen ihre persönliche Glaubwürdigkeit in die Waagschale geworfen hatte. Ihre Aussage, die Biosprit-Expansion gefährde die brasilianische Natur nicht, erscheint durch den Rücktritt in einem anderen Licht. Zudem braucht die Bundesregierung Brasilien, damit die Uno-Naturschutzkonferenz, die kommenden Montag in Bonn beginnt, ein Erfolg wird. | Nun kommt alles darauf an, ob Präsident Lula da Silva den Abgang seiner Ministerin zu einem umweltpolitischen Rückfall nutzt oder einen starken neuen Umweltminister inthronisiert, der in Silvas Fußstapfen treten kann. Nach bisherigem Kenntnisstand könnte Carlos Minc das Amt übernehmen. Er arbeitet bisher als Chef der Umweltbehörde in Rio und gehört zu den Gründern der Grünen-Partei in Brasilien. | Sigmar Gabriel jedenfalls, der zu den größten Fans von Marina Silva zählte, schlug am Mittwoch bei einer Pressekonferenz zum Uno-Naturschutzgipfel gegenüber Brasilien viel härtere Töne an als noch bei seinem Brasilia-Besuch: "Ich hoffe, dass die Brasilianer mehr Flexibilität im Rahmen der Konferenz zeigen" als sich derzeit abzeichne, sagte Gabriel - und warnte vor einem "Scheitern" des Gipfels. | Quelle: Christian Schwägerl, SPIEGEL-Online, 14.5.08 |
| 6.3.2008 | Wirtschaft und Regenwald - Geht das zusammen? |
Von Torsten Arndt, freier Journalist. Ein völliger Stopp der Abholzung des Regenwaldes ist unmöglich und gehört auch nicht zu den Zielen der brasilianischen Regierung. Diese nüchterne Feststellung von Umweltrechtler José Benatti vom Institut für Landfragen Pará stellte sich zum Abschluss des Entwicklungspolitischen Forums am Freitag als ein Leitmotiv des Vormittags heraus. Denn eines wurde in der Diskussion über "Politische Steuerungsoptionen für Amazonien" sehr schnell deutlich: Ein effektiver Schutz des Regenwaldes wird ohne Richtlinien für dessen Bewirtschaftung kaum zu erreichen sein. |
Kontrolle, Bestrafung und Landreform | Entwaldung ist nicht gleich Entwaldung. Der Vertreter des brasilianischen Umweltministeriums Jorg Zimmermann stellte klar, dass seine Regierung mit ihren Maßnahmen zum Schutz des Regenwaldes in erster Linie die illegale Abholzung ins Visier nehme. Der Erfolg dieser Strategie hänge davon ab, ob es dem Staat gelingen wird, im Amazonasgebiet wirksame Überwachungs- und Sanktionsmechanismen zu etablieren. | Neben der Verfolgung von Umweltverbrechen will Brasilien eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes durch die bisher vernachlässigte traditionelle Bevölkerung fördern. Genau zugeschnittene Nutzungslizenzen und die Vergabe von langfristigen Krediten sollen wichtige Werkzeuge dieser Politik werden. Im Bundesstaat Pará verpflichtet bereits heute ein Gesetz die Käufer von Waldgebieten dazu, 80 Prozent des erworbenen Landes nur nachhaltig zu bewirtschaften. | Die Regulierung des Landbesitzes ist in Brasilien angesichts der regelmäßigen Vertreibung von ansässigenKleinbauern und Pächtern zugleich ein Kampf für Umweltschutz, Demokratie und Menschenrechte. Leticia Tura beklagte, dass die bisherigen Gesetze es der traditionellen Bevölkerung im Amazonasgebiet erschweren, eigene Landrechte geltend zu machen. Darüber hinaus gebe es mittlerweile eine Art "grünen Kolonialismus", bei dem Unternehmen sich großer Waldgebiete bemächtigen, um Handel mit Umweltprodukten zu betreiben oder sich für den internationalen CO2-Markt zu rüsten. | Was kann Deutschland tun? | Offenbar eine ganze Menge. Die Bundesregierung setzt sich auf multilateraler und bilateraler Ebene gegen die Entwaldung im Amazonasgebiet ein. Bei den internationalen Verhandlungen über das Übereinkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt (CBD) spielt Deutschland Jochen Flasbarth vom Bundesumweltministerium zufolge eine Vorreiterrolle. Dabei sei die deutsche Delegation allerdings regelmäßig von zahlreichen "Blockierern" umgeben, zu denen leider auch Brasilien gehöre. | Die direkte Zusammenarbeit zwischen der deutschen und brasilianischen Regierung ist anscheinend positiver geprägt. Dorothea Groth vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung lobte das "Pilotprogramm zur Bewahrung der tropischen Regenwälder Brasiliens" (PPG7) das in diesem Jahr ausläuft. Bei einem Folgeprogramm müsse darauf geachtet werden, dass die Kooperation mit den anderen Staaten Amazoniens und den engagierten Nichtregierungsorganisationen verstärkt wird. Auch mit den vermeintlichen "Feinden" des Regenwaldes müsse verhandelt werden. Dazu gehören beispielsweise die Weltbank und das brasilianische Agrobusiness. | Groth appellierte auch an die deutschen Verbraucher. Damit rückte das Problem der Nachfrage nach den Produkten der Entwaldungsindustrie in den Vordergrund. Die riesigen Rinderfarmen Amazoniens sind letztlich nur deshalb profitabel, weil das billige Fleisch in aller Welt gekauft wird. Appelle an ein verantwortungsbewusstes Kaufverhalten werden allerdings angesichts der komplexen Zusammenhänge kaum ausreichen. Regine Rehaag vom Kölner Institut für angewandte Umweltforschung "Katalyse" war überzeugt, dass es niemandem zuzumuten sei, vor dem Kauf von Lebensmitteln aufwändige Nachforschungen für eine "private Masterarbeit" über deren Herstellung anzustellen. Die Einführung überzeugender Label und konsequente Informationskampagnen seien effektivere Mittel, die allerdings auch entsprechend finanziert werden müssten. |
| 4.2.2008 | Illegale Rodung zerstört den Amazonas | Der Regenwald in Brasilien wird bis zum Jahr 2030 um fast 20 Prozent schrumpfen. Die Folgen für das Weltklima sind irreversibel. | (apa) - Wissenschaftern aus Brasilien zufolge wird der Regenwald am Amazonas bis zum Jahr 2030 um 20 Prozent schrumpfen. Durch illegale Rodungen und Baumaßnahmen könnten rund 670.000 Quadratkilometer Fläche in den kommenden Jahren zerstört werden. Dies bedeute einen irreparablen Schaden für den Amazonas und den gesamten Planeten Erde. | Die illegale Rodung des Waldes schreitet unaufhörlich voran, zudem warnen Umweltschützer davor, dass Bauern wegen der steigenden Nachfrage nach Soja und Rindfleisch ihre Felder vergrößern und dafür ehemalige Waldstücke nutzen. Der Regenwald am Amazonas umfasst 4,1 Millionen Quadratkilometer und bedeckt fast 60 Prozent der Fläche Brasiliens. Etwa ein Fünftel des Waldes ist bereits zerstört. Zwischen August und Dezember des vergangenen Jahres waren 7.000 Quadratkilometer Urwald gerodet worden. Seit 1970 verlor der Amazonasurwald bereits knapp 700.000 Quadratkilometer. Das entspricht nahezu der zweifachen Ausdehnung Deutschlands. Der Wald gilt als einer der artenreichsten Lebensräume der Erde. | Auswirkungen auf das Klima | Die wichtige Rolle des Regenwaldes im Klimawandel hatte der World Wide Fund for Nature bereits im Dezember 2007 hervorgehoben: Demnach könnte bis 2030 mehr als die Hälfte des Amazonas-Waldes zerstört sein, was drastische Folgen für den Kohlenstoffhaushalt hätte. Der Autor Dan Nepstad vom Woods Hole Research Center in Massachusetts rechnete damit, dass in so einem Fall von heute bis 2030 55,5 bis 96,9 Mrd. Tonnen CO2 zusätzlich freigesetzt würden. Letztere Zahl wäre mehr als das doppelte der jährlichen weltweiten Kohlendioxid-Emissionen von heute. | "Die Wichtigkeit des Amazonaswaldes für das Weltklima darf nicht heruntergespielt werden", warnte Nepstad. Als Grundlage für das Szenario dienen Berechnungen über die Trends in Landwirtschaft und Viehzüchtung, Feuer, Dürre und Abholzung. Insgesamt könnten den Berechnungen des Wissenschafters zufolge bis 2030 55 Prozent des Amazonas-Regenwaldes zerstört werden, wenn es so weiter geht wie bisher. Wenn dann zusätzlich noch die Niederschläge zurückgehen, wie dies von Wissenschaftern angenommen wird, könnten zusätzliche vier Prozent des Waldes auf der Strecke bleiben. |
| 28.1.2008 | Regenwaldzerstörung in Brasilien immer dramatischer | Brasilia (dpa) - Die Zerstörung des brasilianischen Amazonas-Regenwaldes hat nach einer zweijährigen «Verschnaufpause» in den vergangenen Monaten wieder drastisch zugenommen. Die die monatliche Zerstörungsrate wuchs von 234 Quadratkilometern im August 2007 auf 948 Quadratkilometer im Dezember. | Das gab die Regierung am Mittwochabend (Ortszeit) in Brasilia bekannt. Die in nur einem Monat vernichtete Fläche der «grünen Lunge der Erde» ist damit größer als Hamburg. | «Nie zuvor hatten wir zu dieser Jahreszeit solch eine große Zerstörungsrate festgestellt», staunte Gilberto Camara, Leiter des für die offiziellen Messungen zuständigen «Nationalen Instituts für Weltraumforschungen» (INPE), dessen Satellitenbilder das Ausmass der Zerstörung zeigen. | Von «extrem Besorgnis erregenden Zahlen» sprach der Exekutivsekretär im Umweltministerium, José Capobianco. Allein zwischen August und Dezember 2007 seien 3235 Quadratkilometer Urwald abgeholzt worden. Das sei aber lediglich eine vorläufige Zahl, die sich noch ohne weiteres verdoppeln könne, da man die Satellitenbilder mit Hochauflösung noch genauer analysieren müsse. | Erst vor wenigen Monaten hatte die Regierung von Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva die Abnahme der Regenwaldzerstörung um 50 Prozent zwischen Juli 2005 und Juli 2007 gefeiert. Der Erfolg wurde auf schärfere Kontrollen zurückgeführt. Umweltministerin Marina Silva, die bis zum 18. Lebensjahr als Gummischneiderin im Urwald arbeitete, versicherte, sie werde mit Lula und Ministern noch im Laufe des Donnerstags weitere Maßnahmen zum Schutz des Urwalds erörtern. «Wir werden nicht tatenlos zuschauen», meinte sie. | Seit 1970 verlor der Amazonasurwald bereits knapp 700 000 Quadratkilometer. Das entspricht nahezu der zweifachen Ausdehnung Deutschlands. Das größte Urwaldgebiet der Erde im Tiefland des Amazonas umfasst heute noch rund sechs Millionen Quadratkilometer. Der Wald gilt als einer der artenreichsten Lebensräume der Erde. |
| 7.12.2007 | Ausbau der Bioenergie bedroht Mensch und Umwelt - Beispiel Kolumbien | In ihrem Klimaschutzpaket setzt die Bundesregierung auf einen steigenden Anteil der Energiegewinnung aus Biomasse. Da die Agrarflächen in Deutschland knapp sind, werden nachwachsende Rohstoffe verstärkt importiert. Doch die Gewinnung von Palmöl auf Monokulturen bringt ökologische Folgeschäden mit sich und entzieht vielen Menschen die Lebensgrundlage. Besonders schlimm ist die Situation in Kolumbien. | »Schon 1997 hat eine Militäroperation unter dem Vorwand, gegen die Guerilla vorzugehen, die Gemeinden am Flussbecken Curvarado gewaltsam von ihrem Land vertrieben«, erzählt Henry Ramirez Soler, Aktivist aus der nordkolumbianischen Region Choco. Seither seien hunderte Menschen getötet und viele Hektar Wald zerstört worden. Dort wüchsen heute Ölpalmen. Soler und zwei weitere Kolumbianer machen gerade eine Europatour, um die Verbrechen ihres Staates und der Unternehmen bekannt zu machen. Immerhin sind die Hauptimporteure von kolumbianischen Palmöl Deutschland, Holland und Großbritannien. | Immer häufiger kommt es nun auch in anderen Regionen des Landes zu Zwangsumsiedlungen und der Zerstörung von kostbarem Regenwald. »In den letzten Jahren sind bis zu 3,8 Millionen Menschen von ihrem Land vertrieben worden«, zieht Liodoro Hurtado traurige Bilanz. Er kommt aus dem Bundesstaat Nariño im Süden Kolumbiens, ist dort Gemeinderat und Vertreter des »Prozesses schwarzer Gemeinden« (PCN), die ihre eigene Strategie gegen die Vertreibung entwickelt haben. »Normalerweise läuft es so: Sie kommen und vertreiben die Menschen von ihrem Land und legen riesige Plantagen an. Die Menschen haben die Wahl, in die Städte abzuwandern oder unter den neuen Besitzern zu arbeiten«, erzählt Hurtado. Obwohl die Regierung teilweise sogar anerkennt, dass das Land rechtmäßig den Gemeinden und nicht den Plantagenbesitzern gehört, tue sie nichts. »Wir wollen nicht unter den selbsternannten Besitzern arbeiten oder sie gar anerkennen. Deshalb kehren wir zurück und gehen unseren traditionellen Tätigkeiten nach.« | Im Norden der Region Choco sind sogenannte humanitäre Zonen gegründet worden. Die Idee: Die Vertriebenen kehren in Begleitung der kolumbianischen Nichtregierungsorganisation »Justicia y Paz« oder auch internationaler Unterstützer wie den »Peace Brigades International« zurück und leben auf den Plantagen - aber ohne Arbeitsverhältnis und Zustimmung des neuen »Eigentümers«. | Palmöl ist für engagierte Kolumbianer wie Hurtado oder Soler keine Alternative. Selbst wenn sie die Möglichkeit bekämen, auf ihrem Land Plantagen anzulegen, würden sie dies aus sozialen und ökologischen Gründen nicht tun, betonen sie. »Die Plantagen vernichten tropischen Regenwald, während wir im Einklang mit der Natur leben«, erklärt Diego Alejandro Cardona von »Censat Agua Viva«, der kolumbianischen Sektion von »Friends of the Earth«. Um eine Plantage zu bewirtschaften, müssten große Flächen trockengelegt werden. Das führe zu Erosion und Unfruchtbarkeit der Böden. | Trotz des Widerstandes der lokalen Bevölkerung habe sich die kolumbianische Regierung gerade entschlossen, ein Energiepflanzenprogramm aufzulegen, berichtete der Umweltaktivist Cardona. Damit soll die Palmölproduktion von derzeit 350 000 Hektar auf 3,5 Millionen Hektar ausgeweitet sowie der Anbau von Zuckerrohr und der Yucca-Pflanze gefördert werden. | Dies dürfte die deutschen Importeure freuen, denn hier steht die Biomasseproduktion erst am Anfang: Bis 2020 soll der Anteil der Erneuerbaren am Stromverbrauch auf 25 bis 30 Prozent steigen; davon würden 70 Prozent aus Biomasse stammen, so die Prognosen. Liegt der Anteil von Biomasse bei Strom, Wärme und Kraftstoffen heute bei 5,8 Prozent, könnte er laut Zahlen des Bundeslandwirtschaftsministeriums 2030 schon bei über 17 Prozent liegen. »Zahlen über die konkrete Verwendung von Palmöl sind aber schwer zu bekommen«, sagt Jan Dunkhorst vom Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika in Berlin. Er schätzt, dass schon heute in Deutschland über 1,3 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Palmöl erzeugt werden. Die Importe werden angesichts der geplanten Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes noch steigen, meint Dunkhorst. Wirkungsvolle Nachhaltigkeitskriterien, die die Verwendung von derart »schmutzigen« Importen mindern könnten, gebe es bis jetzt nicht. | Quelle: Susanne Götze, Neues Deutschland |
| 17.11.2007 | UN-Generalsekretär in Amazonien | Ban Ki Moon verspricht Hilfe für brasilianischen Regenwald | Belem (AP) Bei einem Besuch im Amazonas-Becken hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon der brasilianischen Regierung Unterstützung für den Schutz des tropischen Regenwalds zugesagt. Ban beendete am Dienstag eine einwöchige Südamerika-Reise mit einer Bootsfahrt und der Besichtigung der abgelegenen Amazonas-Insel Combu. Dort sprach er mit Umweltministerin Marina Silva über Schutzmaßnahmen für den Regenwald, wie das Ministerium mitteilte. | Silva stellte Ban Pläne vor, wonach Unternehmen, die die Rohstoffe im Amazonas-Becken nutzen, die örtlichen Dorfgemeinschaften dafür entschädigen sollen. Ban bezeichnete Brasilien als den «stillen grünen Giganten» und würdigte die Bewohner der Amazonas-Region als Pioniere für den Naturschutz. Präsident Luiz Inacio Lula da Silva sicherte Ban zu, dass im Amazonas-Becken keine zusätzlichen Flächen für die Produktion von Biokraftstoff bereitgestellt werden sollen. | Angesichts der schädlichen Emission von Treibhausgasen durch die Verbrennung fossiler Energieträger und steigender Ölpreise forciert Brasilien die Herstellung von Ethanol auf der Grundlage von Zuckerrohr. Ban wollte sich aus erster Hand über diese Projekte informieren, um sich auf die bevorstehende Weltklimakonferenz in Indonesien vorzubereiten. Am Freitag besuchte er die Antarktis, um den Einfluss des Klimawandels auf die dortigen Gletscher zu beobachten. |
| 26.9.2007 | Dürre ließ Amazonaswald ergrünen | Von Norbert Suchanek. Die Abholzung der Regenwälder beschleunigt die globale Erwärmung. Aber umgekehrt muss der Klimawandel die Wälder nicht unbedingt schädigen. Ohnehin ist das Hauptproblem am Amazonas die Rodung aus wirtschaftlichen Interessen. | Vor einigen Monaten schlugen brasilianische Klimaforscher des Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais (INPE) Alarm: Ihre Computermodelle hatten gezeigt, dass sich die Regenwälder des Amazonasbeckens aufgrund der globalen Erwärmung und häufigerer Dürren in semiaride Savannen (Cerrados) verwandeln könnten. Doch nun hat eine internationale Untersuchung von Forschern der Universitäten von Arizona und São Paulo ergeben: Der Amazonasregenwald könnte viel dürreresistenter sein als bisher angenommen. | Die Wissenschaftler Scott R. Saleska, Kamel Didan, Alfredo R. Huete und Humberto R. da Rocha ermittelten mit Hilfe von Satellitenaufnahmen die Veränderung der Baumkronen während der extremen Trockenperiode in Südwest- und Zentralamazonien im Jahr 2005. Ihre These: Wenn Trockenheit einen negativen Einfluss auf den Regenwald hat, dann müsste dies während dieser Dürre die Photosynthese in den Baumkronen entsprechend verändern. Doch zur Überraschung der Forscher stellten sie bei der Auswertung der Satellitendaten fest: Die grüne Blattmasse nahm in den untersuchten intakten Regenwaldgebieten nicht ab, sondern signifikant zu. Der Regenwald »ergrünte« regelrecht. | Intakte Wälder sind widerstandsfähig | »Diese Beobachtungen legen nahe, dass intakte Amazonaswälder widerstandsfähiger sein können, als viele Ökosystemmodelle annehmen - zumindest in Bezug auf kurzzeitige Klima-Anomalien«, resümiert das Wissenschaftlerteam. Entwarnung sei aber nicht angesagt. Denn eine gewisse Dürreresistenz heißt natürlich nicht, dass die Amazonasregenwälder auch gegen Feuer und Motorsägen resistent sind. Und die seien das eigentliche Problem. Die jährlich mehr oder weniger stark auftretenden Dürren würden lediglich die von Infrastrukturprojekten, Großgrundbesitzern, Rinderzüchtern, Bodenspekulanten, Agroindustrie und Weltmarkt-Soja- sowie Biotreibstoff-Preisen angetriebene Abholzung unterstützen. So brennt es seit Einsetzen der Trockenperiode im Juli in diesem Jahr wieder an allen Ecken und Enden, und zwar nicht nur in den brasilianischen Amazonas-Bundesstaaten, sondern auch im bolivianischen Amazonasgebiet. | Anfang September meldeten brasilianische Medien in Rondonópolis (Bundesstaat Mato Grosso) die größten Brände in der Geschichte dieser Region. Und die Tageszeitung »Folha de São Paulo« berichtete vor wenigen Tagen, dass sich die Abholzungsrate in Mato Grosso von Mai bis Juli um 200 Prozent gegenüber derselben Periode 2006 erhöht habe. Einen Tag später berichtete der INPE-Wissenschaftler Alberto Setzer, dass sich die Anzahl der per Satellit registrierten Brände in diesem August gegenüber August 2006 auf 16 592 mehr als verdoppelte. Die Situation sei am schlimmsten in den Amazonasstaaten Pará (5020 Feuer), Mato Grosso (4665) und Rondônia (1663). | Besonders bedenklich ist, dass die Feuer nicht vor den Naturschutzgebieten halt machen. So nahmen die Brände in diesen gesetzlich geschützten Zonen zwischen Januar und August um 43 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode zu. Allein im Juli und August registrierten die Satelliten 6500 Brände in Naturreservaten, wo Feuer keinesfalls auftreten dürften, so der Wissenschaftler. So seien bereits 15 Prozent des Nationalparks Chapada dos Guimarães im Bundesstaat Mato Grosso in Rauch aufgegangen. | Die Brandperiode hat erst begonnen | Auch wenn diese Ereignisse schon Schlimmes erahnen lassen, können noch keine Aussagen über die Waldbrand- und Abholzungsbilanz für das Gesamtjahr getroffen werden. Die meisten Brände treten nämlich laut Alberto Setzer zwischen August und November auf. |
| 28.8.2007 | Bundesregierung versagt beim Schutz der Wälder | Zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/Die Grünen zur Bekämpfung des illegalen Holzhandels erklärt Cornelia Behm, agrarpolitische Sprecherin: | Ein EU-Importverbot für illegal geschlagenes Holz liegt in weiter Ferne. Dies muss man angesichts der Antworten der Bundesregierung auf unsere Fragen zum illegalen Holzhandel annehmen. Denn die Bundesregierung hält ein Importverbot für ungeeignet, um den illegalen Holzeinschlag zu bekämpfen. Damit versperrt sie trotz aller Lippenbekenntnisse den Weg zu einem wirksamen Urwaldschutz in der EU, während es selbst im US-Senat Initiativen für ein Importverbot für illegales Holz gibt. | In der Debatte um ein nationales Besitz- und Handelsverbot für illegales Holz verwies die Bundesregierung noch auf die EU-Hoheit in dieser Frage. Nunmehr erweist sich, dass dies offensichtlich nur ein Ablenkungsmanöver war, das verdecken sollte, dass sie nie vorhatte, ein Importverbot für illegal geschlagenes Holz zu erlassen. Jeder, der das Tempo der Entwaldung in bestimmten Weltregionen betrachtet, schüttelt den Kopf. Bald brauchen wir über den Schutz der Urwälder und die sinnvollen Instrumente dafür nicht mehr nachzudenken. Den Wald gibt es dann nicht mehr. | Die Fortschritte in der EU sind bescheiden - eine europäische Vorreiterrolle wird nicht sichtbar. Denn die EU kommt mit ihren Verhandlungen über die sogenannte FLEGT-Partnerschaftsabkommen zur Verhinderung des Handels mit illegal geschlagenem Holz nur sehr langsam voran. Schlimmer noch: Sie verhandelt immer noch mit nur fünf Ländern (Malaysia, Indonesien, Ghana, Kongo-Brazzaville und Kamerun) über den Abschluss solcher Abkommen. Damit wird allenfalls ein Bruchteil der Holzimporte aus Urwäldern in die EU von der FLEGT-Verordnung erfasst. Das bedeutet, dass die EU weitere Maßnahmen ergreifen muss. Notwendig wäre ein generelles Importverbot für illegales Holz. | Anstatt den vollmundigen Äußerungen zur Notwendigkeit des Urwaldschutzes nun Taten folgen zu lassen, tritt die Bundesregierung nicht als treibende Kraft auf, sondern will die Vorschläge der EU-Kommission zur Fortentwicklung von FLEGT abwarten und sich erst danach eine Meinung bilden. Vorschläge hat die EU allerdings erst für 2008 angekündigt. | In der Debatte um ein nationales Besitz- und Handelsverbot für illegales Holz - das sogenannte Urwaldschutzgesetz - hatten die Koalitionsfraktionen noch angekündigt, sich in der EU für eine Verschärfung und Fortentwicklung der EU-Maßnahmen einzusetzen. Bundesumweltminister Gabriel sprach sich dafür aus, die europäische FLEGT-Verordnung in den nächsten Jahren deutlich zu verbessern. Davon will die Bundesregierung heute nichts mehr wissen. | Mit Verweis auf die noch nicht gefassten EU-Beschlüsse lehnt es die Bundesregierung auch ab, zur 9. Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über die biologische Vielfalt, die im Mai 2008 in Bonn stattfinden wird, Maßnahmen zur multilateralen Regelung des Handels mit illegalen Holzprodukten initiieren. Auch damit setzt sich die Bundesregierung über die Ankündigungen der Koalitionsfraktionen hinweg, die diese in der Debatte zum Urwaldschutz gemacht hatten. Sie hatten angekündigt, den Urwaldschutz im Rahmen der 9. Vertragsstaatenkonferenz zu einem Schwerpunktthema zu machen. | Wer seine Hoffnung in Sachen Urwaldschutz auf die schwarz-rote Bundesregierung gesetzt hatte, wird angesichts der in der Antwort auf die Kleine Anfrage der Grünen ein weiteres mal tief enttäuscht. |
| 12.7.2007 | Brasilien genehmigt umstrittene Amazonas-Staudämme | (APA) - Die brasilianische Regierung hat grünes Licht für den Bau eines umstrittenen Staudamm-Projekts im Amazonas-Gebiet gegeben. Die Entscheidung der Umweltbehörde Ibama vom Montag macht den Weg frei für die Ausschreibung. Umweltschützer und die indigene Bevölkerung haben gegen das Vorhaben protestiert. | Die Regierung hofft, den Jirau- und den Santo-Antonio-Staudamm am Rio Madeira bis zum Jahr 2012 fertig stellen zu können. Die Wasserkraftwerke sollen 6.450 Megawatt Energie liefern und damit acht Prozent des gesamten brasilianischen Bedarfs abdecken. Die amtliche Nachrichtenagentur Agencia Brasil berichtete, Ibama habe mehr als 30 Auflagen gemacht, um die Auswirkungen des Großprojekts auf die Umwelt zu reduzieren. | Dennoch müssen für das Projekt mehrere hundert Quadratkilometer Regenwald überflutet werden. Außerdem wird von Umweltschützern und der indigenen Bevölkerung befürchtet, dass Fische durch die Staudämme daran gehindert werden, zu ihren angestammten Laichplätzen zu schwimmen. |
| 21.06.2007 | Google Earth schützt Amazonas-Indianer | (pte) - Surui setzen im Kampf gegen Holzfäller auf Weltöffentlichkeit Die von illegalen Holzfällern und Bergbauarbeitern bedrohten Surui-Indianer aus dem brasilianischen Amazonas-Gebiet haben einen ungewöhnlichen Verbündeten gefunden. Nachdem die brasilianische Regierung die seit Jahren anhaltende Gewalt nicht stoppen konnte, setzt der 1.200 Mitglieder zählende Stamm seine Hoffnung nun in Google Earth, berichtet der San Francisco Chronicle. Die Bilder der Erderkundungs-Software sollen den Surui nun helfen, die Aktivitäten der Holzfäller besser zu überwachen. | Mit seiner Anfrage lief er offene Türen ein | Häuptling Almir Surui - der erste Surui, der über einen College-Abschluss verfügt - war im Mai nach Kalifornien aufgebrochen, um bei Google um Satellitenaufnahmen zu bitten, die das 243.000 Hektar große Stammesgebiet zeigen. Mit seiner Anfrage lief er offene Türen ein. Google arbeitet nun bereits an einem Plan, der es den Surui ermöglichen soll, die Google-Earth-Technologie einzusetzen, um mit Hilfe von Satellitenanbietern auf die Notlage des Stammes aufmerksam zu machen. Bereits elf Häuptlinge sollen dem Kampf gegen die Eindringlinge zum Opfer gefallen sein. | Weltaufmerksamkeit | Das Projekt könne die Weltaufmerksamkeit auf den Kampf der Surui um den Schutz ihres Landes und der Kultur lenken, indem es 200 Mio. Google-Earth-User rund um den Globus erreiche, zitiert der San Francisco Chronicle die Google-Sprecherin Megan Quinn. Von der Verfügbarkeit hochauflösender Satellitenbilder erhofft sich Almir Surui aber nicht nur eine bessere Überwachung von Holzfällern sondern auch die Stärkung der Surui-Kultur durch eine Katalogisierung von medizinischen Pflanzen, Jagdgründen, Friedhöfen und Heiligtümern. Das Surui-Projekt soll Google zufolge andere Amazonas-Stämme inspirieren. | Nicht das erste Projekt | Das geplante Projekt ist aber nicht das erste, bei dem Google Earth für Umwelt- oder humanitäre Zwecke verwendet wird. So hat Google in Zusammenarbeit mit dem Holocaust Memorial Museum ein Projekt gestartet, das den Bürgerkrieg in der sudanesischen Krisenregion Darfur in den Blickpunkt der Öffentlichkeit stellen soll. Nach Einbindung des Layers "Crisis in Darfur" findet der User mit Flammen markiert die Standorte von 1.600 Dörfern, die von den arabischen Reitermilizen zerstört worden sind. Dahinter verbergen sich Fotos und Daten, die über das Ausmaß der Zerstörung informieren sollen. | Keine Real-Time Infos | Allerdings finden sich auf Google Earth keine Real-Time-Informationen, wie Google-Sprecher Kay Oberbeck gegenüber pressetext betont. "Die entsprechenden Bilder sind von Satellitenbildern und Luftaufnahmen abhängig." Derzeit finden sich in dem Programm Bilder aus den Jahren 1996 bis 2007. Über regelmäßige Updates wird die Software mit besseren Daten, also aktuelleren Bildern mit höherer Auflösung versorgt. |
| 08.06.2007 | Satelliten entlarven Riesen-Raubbau an Afrikas Urwäldern | Washington (dpa) - Satellitenbilder haben erstmals das volle Ausmaß des Raubbaus an den zentralafrikanischen Wäldern zu erkennen gegeben. Der Urwald galt bislang als eines der unberührtesten und besterhaltenen Waldgebiete der Erde. | Doch die Holzindustrie hat mit ihren Baumsägen tiefe Schneisen in die einst verschlossenen Wälder gezogen, weisen Nadine Laporte und Kollegen vom Woods Hole Research Center in Falmouth (US-Bundesstaat Massachusetts) jetzt nach. Im Wissenschaftsjournal «Science» (Bd. 316, Bd. 1451) vom Freitag berichtet das Team, dass jede dritte jetzt benutzbare Straße (38 Prozent) durch den Urwald einmal als Schneise von industriellen Holzfällern geschlagen worden war. | Die US-Forscher verschafften sich anhand von 300 Landsat-Satellitenaufnahmen einen Überblick über drei Jahrzehnte Raubbau an einem Urwaldgebiet von vier Millionen Quadratkilometern. | Prozentual am meisten zerfurcht sind dieser Auswertung nach die tropischen Wälder von Kamerun und Äquatorialguinea. Am schnellsten aber veränderte die Holzindustrie das Urwaldgebiet im Norden der Republik Kongo (Brazzaville), wo das Straßennetz durch Kahlschlag innerhalb eines Jahrzehnts um das Vierfache wuchs. | Außer in den Okoumé Wäldern von Gabun wählte die Industrie selektiv Baumbestände mit dem wertvollsten Holz wie afrikanischem Mahagoni, bedauerten die Autoren. Ihrer Schätzung nach fielen bisher etwa fünf Prozent des zentralafrikanischen Urwaldgebietes den Holzfällern zum Opfer. Vor allem aber machten die neu geschlagenen Wege etwa ein Drittel dieses Urwalds für Wilddiebe und andere Eindringlinge zugänglich. Durch die Holzfäller-Siedlungen entstanden gleichzeitig neue Märkte, die die Nachfrage nach Wild und anderen Produkten aus dem Urwald weiter ankurbelten, heißt es in «Science». |
| 26.5.2007 | Urwaldzerstörung mitverantwortlich für Klimawandel | Von Sigrid Totz | Klimaschutz und Urwaldschutz sind nicht zu trennen. Jahr für Jahr, das zeigt eine neue internationale Studie, gelangen 1,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxid allein durch die Vernichtung der tropischen Wälder in die Atmosphäre. Das sind fast 20 Prozent der CO2-Menge, die der Mensch jährlich durch seine Aktivitäten freisetzt. | Die Wissenschaftler des internationalen Global Carbon Project und der australischen Commonwealth Scientific and Industrial Research Organization (CSIRO) werteten für eine aktuelle Studie Daten der Neunzigerjahre aus. Auf dieser Basis errechneten sie, dass die Entwaldung der Tropen bis zum Jahr 2100 zwischen 87 und 130 Milliarden Tonnen Kohlendioxid verursachen wird. | Würde die Urwaldzerstörung bis 2050 auch nur um fünfzig Prozent reduziert, sagen die Forscher, so würden damit fünfzig Milliarden Tonnen Kohlendioxid vermieden. Die tropischen Regenwälder zu erhalten, sei also besonders wichtig, um die CO2-Konzentration in der Atmosphäre zu stabilisieren. | Die Bedeutung der Urwälder für das Klima ist in den letzten Jahren immer deutlicher geworden. Wälder sind wichtige Kohlendioxidspeicher. Durch die rasante Entwaldung riesiger Flächen in Südostasien, Brasilien und Zentralafrika geht nicht nur dieser Speicher verloren. Die Brandrodung sorgt für eine erhebliche zusätzliche CO2-Bildung. | Vor allem in Indonesien und Amazonien werden Wälder, die in Jahrtausenden entstanden sind, großflächig für die Landwirtschaft niedergebrannt. Auf den kahlen Flächen entstehen Soja- beziehungsweise Palmölplantagen - nicht zuletzt für den Export in die Industrieländer. Die wiederum sind hauptverantwortlich für den Klimawandel. Einen traurigen Rekord kann sich Indonesien auf die Fahnen schreiben. Das Land hat es mittlerweile ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft - als schnellster Urwaldvernichter der Welt. | Die neue Studie bestätigt auch Greenpeace-Untersuchungen. Im Report "Carving Up The Congo" vom April 2007 warnt Greenpeace unter anderem vor den Folgen der Urwaldzerstörung für das Weltklima. Allein die Entwaldung in der Demokratischen Republik Kongo könnte bis 2050 fast 35 Millionen Tonnen CO2 verursachen. Das entspricht etwa dem CO2-Ausstoß Großbritanniens innerhalb der letzten sechs Jahrzehnte. |
| 16.5.2007 | Haftstrafe für Auftraggeber von Mord an US-Missionarin Stang | (AFP) - Einer der Auftraggeber des Mordes an der US-Missionarin Dorothy Stang ist von einem brasilianischen Gericht zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Dies teilte das Gericht in Belem, der Hauptstadt des Bundesstaats Para, mit. Die sieben Richter seien zu dem Schluss gekommen, dass der Großgrundbesitzer Vitalmiro Bastos de Moura einer der Auftraggeber des Mordes gewesen sei. Ein weiterer Großgrundbesitzer war bereits verurteilt worden, ein dritter wartet in Frei heit auf den Beginn seines Prozess. | Die Missionarin Stang, die 27 Jahre lang in Brasilien lebte und die brasilianische Staatsbürgerschaft hatte, setzte sich für die Rechte von landlosen Bauern ein, wofür sie sich den Unmut von Großgrundbesitzern zuzog. Wegen ihres Einsatzes für den Erhalt des Regenwaldes war sie mehrfach ausgezeichnet worden. Die 74-Jährige war am 12. Februar 2005 in Anapu im Bundesstaat Para ermordet worden, als sie von einer Versammlung mit Landlosen kam. | Zwei Männer, die die Tat gestanden hatten, wurden bereits zu Strafen von 27 beziehungsweise 17 Jahren Gefängnis verurteilt. Die drei örtlichen Großgrundbesitzer sollen den beiden Männern für die Tat umgerechnet 20.000 Euro bezahlt haben. | Der nordbrasilianische Bundesstaat Para ist Schauplatz eines erbitterten Kampfes um Land. Skrupellose Händler eignen sich mit kriminellen Methoden Grundbesitz an und nutzen ihn für den illegalen Handel mit Tropenholz. Den einheimischen Bauern wird dadurch vielfach ihre Lebensgrundlage entzogen. Von 1971 bis 2004 wurden dort 772 Bauern ermordet. |
| 10.5.2007 | Zur Abholzung der Wälder in Indonesien | In Indonesien geht nach Darstellung von Greenpeace so viel Wald verloren wie in keinem anderen Land weltweit. Jede Stunde würden dort Waldgebiete in einer Größenordnung von 300 Fußballfeldern zerstört, erklärte die Umweltorganisation am Donnerstag. Das Guinness-Buch der Rekorde werde das südostasiatische Land in seiner neuen Ausgabe als «schnellster Waldzerstörer der Welt» aufführen. Zwischen 2000 und 2005 seien jährlich etwa 1,8 Millionen Hektar Wald gerodet worden, erklärte Greenpeace-Aktivist Hapsoro. | Das Forstministerium bestritt diese Zahlen nicht, unterstrich aber, man bemühe sich darum, das Tempo der Waldzerstörung zu bremsen. «Wir sind sehr besorgt», sagte ein Ministeriumssprecher. Neben der kommerziellen Abholzung werden die Wälder in Indonesien auch durch Brandrodung dezimiert, um Platz für Palmölplantagen zu machen. |
| 21.03.2007 | Klimawandel erreicht Rio Negro Notstand durch Trockenheit in Amazonien ausgerufen |
oekonews.at | Verringerte Niederschläge und gleichzeitiger Temperaturanstieg gefährden den Regenwald und dessen BewohnerInnen. Klimabündnis-PartnerInnen am Rio Negro hoffen auf wirksame Maßnahmen für den Klimaschutz. | Vergangenen Februar fiel im Gebiet des Rio Negro (Amazonien) nur etwa die Hälfte der durchschnittlichen Regenmenge dieser Jahreszeit - dadurch sank der Wasserspiegel um drei Meter. Der Bootsverkehr musste eingestellt werden, die Versorgung der Orte São Gabriel da Cachoeira und Santa Isabel ist nicht mehr möglich. Über 400 Dörfer sind bereits von der Außenwelt abgeschnitten. Am 3. März wurde daher der Notstand in der Region ausgerufen. | Laut Domingos Barreto, Präsident der Klimabündnispartnerorganisation FOIRN, ist die Situation in den Dörfern noch nicht dramatisch, weil sie sich selbst mit Nahrungsmittel versorgen. Aber in den Städten und größeren Orten fehlen bereits Lebensmittel und die Preise dafür sind stark gestiegen. Das Dieselöl für die Stromaggregate geht zu Ende und damit bricht die Energieversorgung zusammen. | Die Indigenen beobachten schon seit Jahren, dass sich die Niederschläge verringern und immer öfter ausbleiben, während die Temperatur steigt. Ende Februar veröffentlichte die brasilianische Umweltministerin Marina da Silva eine Studie, die einen Temperaturanstieg um bis zu 8Grad für Amazonien prognostiziert. Gleichzeitig werden sich die Niederschläge verringern, was zur Schwächung und zum Absterben vieler Pflanzen führen wird. Sollte der Klimawandel ungehemmt weiter gehen wird der Großteil des Regenwaldes absterben. Welche globalen Auswirkungen das Verschwinden des letzten großen Regenwaldgebietes der Erde, in dem sich auch ein Fünftel der weltweiten Süßwassermenge (!) befindet, haben wird kann niemand wirklich voraussagen. Aber nach Meinung der Schamanen ist dasÜberleben der Menschheit stark an das Schicksal der Wälder geknüpft. | "Wir indigene Völker haben immer die Natur mit Respekt und Verantwortung behandelt und den Regenwald erhalten. Aber jetzt leiden wir unter den Folgen des Klimawandels, der letztlich durch die Profitgier und Verantwortungslosigkeit von Unternehmern und Politikern, die nur ihre eigenen Interessen verfolgen, verursacht wird" stellt Domingos Barreto fest. "Wir hoffen, dass jene, die sich schon seit langem für den Klimaschutz einsetzen, viel mehr Gehör finden und dass wirksame Maßnahmen ergriffen werden!" |
| 13.03.2007 | Klimakiller Palmöl - das schmutzige Geschäft mit den Blockheizkraftwerken. Von Mike Lingenfelser und Frank Brendel, BR Bayerischer Rundfunk | München - Während in Deutschland die Nachfrage nach Palmöl wächst, müssen in Südostasien immer mehr Urwaldfläche neuen Palmölplantagen weichen. Nach Recherchen des ARD-Politmagazins Report München sind nahezu alle deutschen Betreiber größerer Blockheizkraftwerke mittlerweile vom heimischen Raps- auf billigeres Palmöl aus Übersee umgestiegen. Die eigentlich klima-freundlichen Blockheizkraftwerke zur Erzeugung erneuerbarer Energie geraten dadurch ins Zwielicht, weil die nachhaltige Herstellung von Palmöl in Ländern wie Indonesien völlig ungesichert ist. Der Brennstoff aus der Ölpalme wird auch noch über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) subventioniert - mit Geld, das auf die Stromrechnung der Verbraucher umgelegt wird. | Wie Report München in seiner Sendung am Montag (12.3.07) berichtet, liegt die Stromerzeugung deutscher Blockheizkraftwerke mittels Palmöl in diesem Jahr bei rund 1,3 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Das entspricht beispielsweise der gesamten Stromerzeugung aus Solarenergie des Jahres 2005. Die Betreiber von Blockheizkraftwerken nützen eine Lücke im Gesetz: Unabhängig von der fragwürdigen Herkunft des verwendeten Palmöls bekommen sie allein 2007 mindestens 200 Millionen Euro aus der im Strompreis enthaltenen EEG-Umlage vergütet. Denn formal betrachtet, ist Palmöl genau wie Raps ein nachwachsender Rohstoff aus landwirtschaftlicher Produktion - unabhängig davon, wo er hergestellt wird. | Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sieht angesichts der paradoxen Entwicklung sogar die Wende zu mehr erneuerbaren Energien in Gefahr. Gabriel gegenüber Report München: "Das ist schon besorgniserregend: Jeder, der EEG-Strom benutzt, denkt er tut etwas Gutes, und wenn er das zum Teil durch die Zerstörung des Regenwaldes gemacht hat, dann sind wir kurz davor, den Sinn dieses Erneuerbare-Energien-Gesetzes zu diskreditieren." | Die Kraftwerksbetreiber rechtfertigen den Einsatz von preiswertem Palmöl damit, dass sich Rapsöl als Brennstoff wegen des gestiegenen Marktpreises nicht mehr lohne. Außerdem verweisen einige darauf, das von ihnen verwendete Palmöl komme aus Altplantagen und erfülle Kriterien für nachhaltige Produktion, wie sie etwa von der Arbeitsgemeinschaft RSPO (Round Table on Sustainable Palmoil) entwickelt werden. Doch solche Rechtfertigungen lässt Axel Friedrich vom Bundesumweltamt zum jetzigen Zeitpunkt nicht gelten: "Wenn hier jemand behauptet, er hat Palmöl von alten, bestehenden Plantagen gekauft, nimmt er aus dem System Palmöl heraus und erhöht den Druck, neue Palmölplantagen anzulegen zu Lasten des Urwaldes. Wer so etwas macht, macht Urwald kaputt. Jede zusätzliche Nachfrage nach Palmöl führt zu neuen Abholzungen." | Obwohl die Ölpalme grundsätzlich ein nachhaltiger und sehr ertragreicher Rohstoff ist, fällt wegen der aggressiven Flächennutzung in den tropischen Anbauländern die Klimabilanz von Palmölplantagen oftmals vernichtend aus - besonders dann, wenn Plantagen auf Torfböden angelegt werden. Denn in den Urwäldern und Torfsümpfen ist besonders viel Kohlenstoff gespeichert. "Durch unkontrollierte Brände im Vorfeld der Errichtung von Palmölplantagen entweicht um ein Vielfaches mehr CO2 aus den Torfböden und Urwäldern, als durch Palmölplantagen und durch den Einsatz von Palmöl als Brennstoff später überhaupt wieder eingespart werden kann", warnt Professor Florian Siegert von der Uni München. | Der Druck auf den Bundesumweltminister wächst. Er prüfe derzeit sogar ein Importverbot. Dies habe aber wenig Aussicht auf Erfolg. Aus Gabriels Umfeld verlautet, dass eine geplante Novellierung des EEG darauf abziele, nur noch "nachweislich nachhaltiges Palmöl" zur Stromerzeugung zuzulassen. | Doch dafür braucht es ein Zertifizierungssystem, mit dem die Nachhaltigkeit kontrolliert werden kann - ein System, das nur im Verbund mit der EU und Palmölerzeugerländern wie Indonesien oder Malaysia und den Plantagenbetreibern funktionieren kann. Dieses Vorhaben bezeichnet Axel Friedrich vom Bundesumweltamt als "eine der schwierigsten Aufgaben, die das Amt hier in den letzten Jahrzehnten begonnen hat, weil viele Interessen und sehr viel Geld damit verbunden sind." | Erste Vorschläge waren eigentlich für Juni dieses Jahres angekündigt. Doch bereits dieses Ziel wird nicht erreicht werden, so Friedrich. |
| 24.01.2007 | Der Holzweg zum besseren Klima | UNO-Umweltprogramm möchte durch globale Aufforstungskampagne Reduktion von Treibhausgasen bewirken | Wien (APA) - Über den Holzweg zum besseren Klima: Das UNO-Umweltprogramm UNEP hat eine Kampagne gestartet, in deren Rahmen in diesem Jahr weltweit eine Milliarde Bäume gepflanzt werden soll. Die Idee dazu stammt von der kenianischen Umweltaktivistin Wangari Maathai, die 2004 mit dem Friedensnobelpreis auszeichnet worden war. Sie und der monegassische Fürst Albert haben den Ehrenschutz über die Kampagne übernommen. | Ein durchschnittlicher Baum absorbiert, wie aus der UNEP-Homepage zu der Aktion unter dem Titel "Plant for the Planet" hervorgeht, pro Jahr zwölf Kilogramm Kohlendioxid (CO2) - anteilsmäßig das bei weitem bedeutendste der Treibhausgase, die für die globale Erwärmung zumindest mitverantwortlich gemacht werden. Ein Baum produziert zugleich genug Sauerstoff, um den Jahresbedarf von vier Menschen zu decken. | Ein ein Hektar großer Wald schluckt pro Jahr sechs Tonnen Kohlendioxid. Zum Vergleich: 2004 lag die pro-Kopf-Emission von CO2-Äquivalenten innerhalb der EU-15 bei elf Millionen Tonnen. Die weltweit größten Verursacher von CO2-Emissionen sind mit etwa 21 Prozent die USA. Auf Europa entfällt weniger als ein Fünftel. Für jeweils nur vier Prozent sind Lateinamerika und Afrika verantwortlich. | Wälder nehmen rund 30 Prozent der Landflächen der Erde ein, in ihrer Biomasse sind schätzungsweise 283 Gigatonnen Kohlenstoff (CO) gespeichert. Die CO-Menge, die darin sowie in Totholz und Böden enthalten ist, macht um die Hälfte mehr aus als jene in der Atmosphäre. Aber: Von 1990 bis 2005 sind die Kohlenstoff-Reserven der Wälder pro Jahr um 1,1 Gigatonnen zurückgegangen. "Der weltweite Verlust an natürlichen Wäldern trägt jedes Jahr mehr zu den globalen Emissionen bei als der Transportsektor", warnt die UNEP. | Regenwälder machen nur sieben Prozent der Landflächen aus, enthalten aber fast die Hälfte des weltweiten Baumbestandes. Dementsprechend groß ist ihre Sauerstoff-Produktion: Von ihnen kommen 40 Prozent der weltweit vorhandenen Menge. | 13 Millionen Hektar oder 130.000 Quadratkilometer Wald werden den UNEP-Angaben zufolge jedes Jahr abgeholzt. Das entspricht der Fläche von Griechenland oder Nicaragua. Afrika und Südamerika haben den höchsten Rückgang an Waldflächen, in Europa nehmen sie zu. In der vergangenen Dekade ist eine Fläche von der Größe Perus abgeholzt worden. Um dieses Areal aufzuforsten, müssten pro Jahr 14 Milliarden Bäume gesetzt werden - zehn Jahre lang. |
| 8.01.2007 | Saharastaub düngt den Amazonas | Mehr als die Hälfte des mineralhaltigen Staubes, der für die notwendige Düngung des brasilianischen Regenwaldes sorgt, stammt aus einem Gebiet im Norden Tschads. Das hat eine internationale Forschergruppe um Ilan Koren vom Weizmann-Institut in Rehovot (Israel) herausgefunden. Schon seit mehr als einem Jahrzehnt ist bekannt, dass Mineralstoffe, die bei Regenfällen aus Böden der Sahara gelöst und mit dem Wind über den Atlantik verfrachtet werden, zur Düngung des Amazonas-Regenwaldes beitragen. | Die israelischen Forscher und ihre Kollegen aus Brasilien, Großbritannien und den Vereinigten Staaten haben nun mit Hilfe verschiedener Satellitendaten die transportierten Staubmengen berechnet. Ihren Ergebnissen zufolge gelangen jährlich ungefähr 50 Millionen Tonnen von Afrika in das Amazonasgebiet. Bei früheren Schätzungen war man auf nur 13 Millionen Tonnen gekommen. | Wie die Forscher weiter herausgefunden haben, stammen rund 56 Prozent des Staubes aus einem einzigen Gebiet Afrikas, nämlich der Bodele-Niederung in Tschad. Diese Region wird von Basaltbergen flankiert, die nach Ansicht der Wissenschaftler für eine Art Trichtereffekt sorgen. Es komme zu hohen Windgeschwindigkeiten, und der aufgewirbelte Staub werde zum Meer hin geblasen und so auf den Weg nach Südamerika gebracht. |
| 18.12.2006 | Abholzung des Regenwaldes führt zu gesundheitlichen Problemen bei den Bewohnern | Dass Schneisen, die zum Straßenbau durch den Regenwald geschlagen werden, für diesen selbst schädliche Folgen haben, ist verständlich: ist erst einmal eine Straße gebaut, kommen die Holzfäller, Brandroder oder Rinderbarone im Eiltempo hinterher. Amerikanische Wissenschaftler haben jetzt jedoch untersucht, dass neben menschlichen Invasoren auch Krankheitserreger dankbar für die Schnellstraße zu ihren Opfern sind. | Wird der Regenwald von Straßen oder Pipelines ( Droht dem Amazonas eine Ölkatastrophe? (1)) erschlossen und damit durchschnitten, so hat dies umfassende ökologische Folgen. Das größte Problem sind dabei Glücksritter, die nun entlang der neu freigeschlagenen Pfade in den Urwald eindringen und dort Unheil anrichten. Doch die Eindringlinge müssen nicht unbedingt böse Absichten haben, allein ihre Anwesenheit sorgt bereits für Probleme und bringt das Ökosystemen des Urwalds und auch seiner menschlichen Bewohner durcheinander. | An sich kennt man das Phänomen bereits aus dem 15. Jahrhundert, als die spanischen Eroberer nach Amerika kamen und die Indianer mit ihren Krankheiten wie Erkältungen und Pocken ansteckten - zunächst versehentlich, später absichtlich, um sie auszurotten. Dieses Problem ist auch heute noch akut, ein halbes Jahrtausend später, denn im Urwald des Amazonas gibt es noch viele Gebiete, die keine Verbindung mit der Rest der Welt haben und in denen die Menschen abgeschieden leben. Doch nun werden immer mehr Schneisen in den Urwald geschlagen und es ist vorbei mit der Abgeschiedenheit. | Joseph Eisenberg von der Public Health School der University of Michigan hat mit einigen Kollegen insgesamt 21 Dörfer in Ecuador von 2003 bis 2005 jeweils dreimal für je 15 Tage besucht, die in unterschiedlichen Abständen von einer von 1996 bis 2001 neu angelegten asphaltierten Schnellstraße an der nördlichen Küste des Landes liegen. Von dieser gehen weitere, kleinere Straßen ab, hauptsächlich zum Holzeinschlag, die bis 2003 angelegt wurden. Dabei haben die Forscher speziell untersucht, welchen Effekt die neue Straße auf die Verbreitung von schweren, für Kinder unter fünf Jahren oft tödlichen, Durchfallerkrankungen hat. | Die Ergebnisse erscheinen in Kürze in den Proceedings of the National Academy of Sciences. Sie bestätigen die Befürchtungen der Wissenschaftler: Diejenigen Ortschaften, die am nächsten an der Schnellstraße liegen (vier von den 21 Orten lagen direkt an ihr), haben ein 18,4-fach größeres Risiko, an Magenbeschwerden durch das Bakterium Escherichia coli zu erkranken, als die mit der höchsten Entfernung von der Schnellstraße. Auch mit zwei anderen Durchfall erzeugenden Krankheitserregern kombiniert ist es immer noch dreimal wahrscheinlich, an der Straße an Durchfall zu erkranken als im Hinterland. | Einer der möglichen Gründe, so vermutet Karin Levy von der University of California, Berkeley, Mitautorin der Studie, im aktuellen New Scientist, sei die Auflösung dörflicher geschlossener Wohngebiete zu Gunsten von losen Siedlungen mit weniger sesshaften Zuwanderern. Zudem herrscht in den Bautrupps und anderen neu entstehenden Siedlungen zunächst einmal eine sehr provisorische sanitäre Versorgung. In Afrika, aber auch im Amazon-Regenwald in Peru und in Indien soll alleine das Abholzen bereits dazu führen, dass sich Dengue-Fieber und Malaria stärker verbreiten. Doch auch bislang völlig ortsfremde Krankheiten schleichen sich über die neugebauten Straßen schneller ein. | Und natürlich können auch die Bauaktivitäten direkt zu Problemen führen: So führte der Bau des Trans-Amazon Highway zu einem Ausbreitung der Malaria, weil die Bautätigkeit zu vermehrter Pfützenbildung Anlass gegeben hatte - und in diesen können sich die Malaria verbreitenden Stichmücken besser vermehren. Ebenso konnte in Uganda nachgewiesen werden, dass die Verbindungsstraße zwischen Kenia und Kampala die Ausbreitung von Aids gefördert hat. | Quelle: Wolf-Dieter Roth, heise.de |
| 6.12.2006 | Brasilien schafft weltweit größtes Naturschutzgebiet | Rio de Janeiro (dpa) - Brasilien hat im Amazonas-Regenwald nach Regierungsangaben das größte Naturschutzgebiet der Erde geschaffen. Sieben neue Nationalparks mit einer Gesamtfläche von 160 000 Quadratkilometern - knapp halb so groß wie Deutschland - ergänzen die bereits bestehenden Schutzgebiete. | «Das ist das größte Naturschutzgebiet des Planeten», jubelte der Gouverneur des nördlichen Bundeslandes Pará, Simao Jatene, am späten Montagabend (Ortszeit) vor Journalisten. | Die neuen Parks verbinden mehrere bereits geschützte Regionen. Auf diese Weise solle Tieren ein möglichst zusammenhängender Lebensraum geboten werden, betonte die Umweltorganisation Conservation International. In den Schutzgebieten wimmele es vor wilden Tierarten wie Jaguaren, Ameisenbären und farbenprächtigen Aras. Die Tiere erhielten nun die Möglichkeit, über lange Strecken zu wandern. Dies sichert einen regen Gen-Austausch - Voraussetzung für das langfristige Überleben vieler Arten. | Das Gebiet soll nach Jatenes Worten nachhaltig genutzt werden. Landwirtschaftliche Betriebe würden erlaubt, aber nur unter strikter Kontrolle des Staates. In einigen Regionen wird der Eingriff des Menschen allerdings ganz untersagt. «In einer Zeit, in der das größte Problem der Erde Klima ist, macht so eine Maßnahme Riesenhoffnung», sagte der Präsident der Grünen Partei in Brasilien, Jose Luis Pena. | Mit den neuen Parks seien im Amazonas-Regenwald 42 Prozent der «grünen Lunge der Erde» in irgendeiner Form geschützt, betonte Adalberto Veríssimo, Sprecher des staatlichen Umweltinstituts für Amazonien (Imazon). Die nachhaltige Entwicklung biete große Chancen für «gute und rechtmäßige Industrieunternehmer». Die positiven Auswirkungen des Projekts würden global zu spüren sein. | Das Amazonasgebiet und besonders der Bundesstaat Pará werden seit Jahrzehnten von Konflikten erschüttert. Kleinbauern werden im Landstreit von «Pistoleiros» der Großgrundbesitzer oder der Holzmafia ermordet. Indios werden unter sklavenähnlichen Bedingungen zum Abholzen wertvoller Bäume gezwungen. Zudem drängen Viehzüchter und Sojabauern in die Region. Brasilien ist zweitgrößter Sojaproduzent. | Nach Angaben von Conservation International ist in der Region seit 1970 eine Waldfläche der Größe Frankreichs vernichtet worden. In diesem Jahr hat die Urwaldzerstörung in Brasilien nach einer Hochrechnung des Umweltministeriums von September zum zweiten Mal in Folge aber deutlich abgenommen. 2006 werde demnach eine Fläche von rund 16 700 Quadratkilometern abgeholzt. Das seien zwar immer noch rund 6700 Fußballfelder pro Tag, bedeute aber eine Abnahme um 11 Prozent im Vergleich zu 2005 (18 790 Quadratkilometer). 2005 war die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes um 31 Prozent im Vergleich zum Jahr 2004 zurückgegangen. | Das größte Urwaldgebiet der Erde im Tiefland des Amazonas umfasst heute noch rund sechs Millionen Quadratkilometer. Der Wald gilt als einer der artenreichsten Lebensräume. Viele Tier- und Pflanzenarten sind noch gar nicht beschrieben. |
| 4.12.2006 | Bio-Diesel-Boom zerstört Regenwälder | Das Europaparlament stimmt in der Woche ab dem 11. Dezember 2006 über die Novellierung der so genannten EU-Biodiesel-Richtlinie ab. Sie war ursprünglich als Umweltschutz-Maßnahme gedacht, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu bremsen. Die Realität sieht so aus, dass in der EU ausreichend Platz fehlt zum Anbau von Energiepflanzen und diese ohnehin nicht mit tropischen Importen konkurrieren können. Die Ausdehnung solcher Importe zerstört Regenwälder und andere Ökosysteme, führt wegen praktizierter Brandrodungen zu einem gigantischen CO2-Ausstoß und ist mit Menschenrechtsverletzungen verbunden. | Palmöl, die "billigste" Energiepflanze, benötigt feucht-tropische Wachstumsbedingungen. Die Anlage neuer Plantagen findet daher sowohl in Lateinamerika als auch in Afrika und Südostasien häufig auf Kosten von Regenwäldern statt. Nach Untersuchungen von Friends of the Earth sind Palmöl-Plantagen in Indonesien und Malaysia für 10 Millionen Hektar Waldzerstörung verantwortlich. Friends of the Earth Indonesia haben Europas steigenden Bedarf an Biodiesel als eine von zwei Schlüsselursachen für die Regenwaldvernichtung auf Borneo ausgemacht. | Wissenschaftler um Florian Siegert vom Geo-Bio-Center der Ludwig-Maximilians-Universität München haben gerade Satellitenbilder von Bränden auf Borneo ausgewertet und kommen zu dramatischen Schlussfolgerungen. Ein Teil der Regenwälder in Südostasien wächst auf Torf, der sich in Jahrtausenden gebildet hat. Diese Schichten, die bis zu 18 Meter dick sein können, speichern große Mengen Kohlenstoff. Siegert zufolge tragen die Torfwaldbrände in Indonesien maßgeblich zum Anstieg der Kohlendioxidkonzentration in der Erdatmosphäre bei. "Unsere Zahlen für 1997 zeigen, dass die Kohlendioxidmenge aus verbrannten Torfwäldern Indonesiens damals rund ein Viertel der globalen CO2-Emissionen ausmachte", sagt Siegert. 2006 betrage dieser Anteil bisher hochgerechnet 5 bis 15 Prozent. Die Zahlen führen die angeblich neutrale Klimabilanz von Treibstoffen oder Strom aus Palmöl ad absurdum. | Auch die steigende Produktion von Soja und Zuckerrohr in den Tropen, um Biodiesel bzw. Ehtanol zu produzieren, führt zur Vernichtung von Regenwald - etwa im brasilianischen Amazonas - und anderen, wertvollen Ökosystemen wie dem Atlantischen Regenwald und der Cerrado (Savanne) in Brasilien sowie zur Bedrohung des Pantanal, dem größten Feuchtgebiet der Erde. Diese Ökosysteme sind sämtlich wichtige globale CO2-Speicher und Garanten für Biodiversität. | Unsere Kollegen von "Rettet den Regenwald" haben dazu eine Protestaktion initiiert, an der Sie sich hier beteiligen können. |
| 8.11.2006 | Katastrophale Waldbrände in Indonesien | Menschen tragen Atemschutzmasken, zahlreiche Flüge werden wegen fehlender Sicht abgesagt, Autofahrer müssen auch am Tage das Licht anschalten. In den Regenwäldern Indonesiens verschmutzen tausende Feuer die Luft. Der Smog zieht auch über das Meer und belastet die Nachbarländer Singapur und Malaysia. | In diesem Jahr sind die Waldbrände besonders katastrophal. Das haben Wissenschaftler um Florian Siegert vom Geo-Bio-Center der Ludwig-Maximilians-Universität München bei der Auswertung von Satellitenbildern herausgefunden. Demnach gab es in diesem Jahr bis Mitte Oktober bereits 75 000 Feuer auf Sumatra und Kalimantan, dem indonesischen Teil der Insel Borneo. Die Flammen vernichteten mehr als fünf Millionen Hektar Regenwald, Busch- und Grasland. "Die meisten Brände werden gelegt, um Platz für Plantagen zu schaffen", sagt Siegert. "Oft geraten diese Brände dann außer Kontrolle, weil die Wälder durch illegalen Holzeinschlag ohnehin geschädigt sind." | Besonders groß sind die Schäden in solchen Jahren, in denen das Klimaphänomen El Niño die Trockenzeit in Indonesien verlängert. So verwüsteten die Feuer zwischen Juli 1997 und April 1998 in Indonesien zehn Millionen Hektar Land. Auch 2006 ist ein El-Niño-Jahr. Und die Zahl der Feuer in Siegerts Aufzeichnungen steigt jeden Monat: Im Juli waren es 5 000, im August 20 000, im September 25 000, in der ersten Oktoberhälfte 24 000 Brände. | Dramatisch sei, dass die Feuer auch viele Torfwälder vernichten. Ein Teil der Regenwälder wächst nämlich auf Torf, der sich in Jahrtausenden gebildet hat. Diese Schichten, die bis zu 18 Meter dick sein können, speichern große Mengen Kohlenstoff. Siegert zufolge tragen die Torfwaldbrände in Indonesien maßgeblich zum Anstieg der Kohlendioxidkonzentration in der Erdatmosphäre bei. "Unsere Zahlen für 1997 zeigen, dass die Kohlendioxidmenge aus verbrannten Torfwäldern Indonesiens damals rund ein Viertel der globalen CO2-Emissionen ausmachte", sagt Siegert. 2006 betrage dieser Anteil bisher hochgerechnet 5 bis 15 Prozent. | Diese Tragweite werde Siegert zufolge hierzulande nicht erkannt. "Es ist doch Wahnsinn, wenn in Deutschland Autos aus ökologischen Gründen mit Biodiesel betankt werden sollen, der auch von Plantagen im indonesischen Regenwald kommt", sagt Siegert. |
| 25.09.2006 | Tropenholz: Umweltgruppen protestieren gegen FSC-Zertifikate für Monokulturen | (epo.de)-Umweltorganisationen aus acht Ländern haben den Forest Stewardship Council (FSC) aufgefordert, Zertifikate für Konzerne in Brasilien, Kolumbien, Chile, Ecuador, Irland, Südafrika, Spanien und Uruguay zu widerrufen. In allen Fällen handele es sich um große Holzplantagen, die nach Auffassung der Organisationen die FSC-Selbstverpflichtung verletzen, nur Waldmanagement zu unterstützen, das ökologisch verträglich ist, der lokalen Bevölkerung soziale Vorteile bringt und wirtschaftlich überlebensfähig ist. | "In Südafrika hätte der FSC keine einzige Plantage zertifizieren dürfen, weil es sich nicht um Wälder handelt und weil sie schwere Umwelt- und Sozialprobleme anrichten", erklärte Wally Menne von der Timberwatch Coalition. Im Fall Ecuador forderte Nathalia Bonilla von Acción Ecológica die Rücknahme von Zertifikaten für 20.000 Hektar Pinien- und Eukalyptuswälder in den Anden sowie für 8000 Hektar, die Endesa/Botrosa gehören, einem ecuadorianischen Unternehmen, das für "skrupellose Geschäftspraktiken" bekannt sei. "Wir haben die negativen Auswirkungen der Plantagen auf die betroffene indigene Bevölkerung detailliert dokumentiert. Jetzt muss der FSC die Zertifikate wieder aberkennen." | Marcelo Calazans, Mitglied der brasilianischen "Bewegung gegen die Ausbreitung der grünen Wüsten", forderte die Rücknahme der Zertifikate in drei Fällen: für Suzano-Bahia Sul, Vallourec & Mannesmann und Plantar. "Die sozialen und ökologischen Schäden, die diese drei Konzerne anrichten, sind so gravierend und im Detail nachgewiesen, dass der FSC seine Zertifikate sofort zurück nehmen muss." | In Kolumbien habe der transnationale Konzern Smurfit Kappa eine lange, unrühmliche Geschichte, insbesondere, was Konflikte mit der Bevölkerung betrifft. "Wir verstehen nicht, dass das Unternehmen seine Produkte mit dem FSC-Logo verkaufen darf", kommentierte Diego Alejandro Cardona von der kolumbischen Sektion der Friends of the Earth. "Der Konzern arbeitet vermutlich profitabel, aber nicht ansatzweise ökologisch und sozial verantwortlich. Der FSC verspielt seine Glaubwürdigkeit, wenn er dem Unternehmen erlaubt, weiter das FSC-Label zu nutzen." | In Spanien fordern verschiedene Organisationen bereits seit mehr als einem Jahr, dem Plantagenkonzern Norfor die FSC-Anerkennung wieder zu kündigen. Antón Masa, Vertreter der Association for the Defence of the Ria of Pontevedra, erklärte: "Im Zertifizierungsbericht gibt es gravierende Mängel. Es gibt klare Verstöße durch das Norfor-Managementsystem gegen die FSC-Leitlinien." | Auch in Irland protestieren mehrere Umweltorganisationen gegen die Zertifizierungspraxis des FSC. Dort geht es um 438.000 Hektar Plantagen des Unternehmens Coillte. Nach Angaben von Ciaran Hughes von der Woodland League verstößt Coillte gegen die FSC-Kriterien. In Chile betrifft die Kritik von Umweltgruppen Unternehmen, die traditionelle Landtitel der indigenen Mapuche missachteten. Dazu gehörten Forestal Monte Aguila und Forestal Bio Bio (Forestal Arauco). Der FSC habe die Landkonflikte genauso ignoriert wie die Umweltschäden, die von den Holzfirmen angerichtet werden, sagte Alfredo Seguel, Mitglied der Coordination of Mapuche Territorial Identities. | In Uruguay verlangen lokale Umweltgruppen die Rücknahme der FSC-Zertifikate für zwei nationale Firmen, Cofusa und Fymnsa, sowie für zwei internationale, Cofosa aus Finnland und Eufores aus Spanien. In allen vier Fällen gehe es um große, industriell gemanagte Monokulturen, die mit nachhaltiger Waldwirtschaft nichts zu tun hätten. | Inzwischen haben die beteiligten Umweltorganisationen aus den genannten acht Ländern von der FSC-Geschäftsführung die sofortige Rücknahme der FSC-Zertifikate verlangt. Nicht eines der Unternehmen erfülle das FSC-Mandat, nur nachhaltige Forstwirtschaft zu unterstützen, heißt es in der Begründung. |
| 08.09.2006 | Sojabohne gegen Regenwald | aus der FAZ vom 5.9.2006 | Seit es die BR-163-Piste gibt, herrscht im brasilianischen Bundesstaat Para Goldgräberstimmung. Immer mehr wohlhabende Leute und Glückssucher aus dem Süden Brasiliens kommen in den Staat im Nordwesten des Amazonasbeckens, um billig Land zu erwerben, es zu roden und mit dem Anbau von Sojabohnen reich zu werden. Zu beiden Seiten der sogenannten Soja-Straße Brasiliens, die das Amazonasbecken von Südost nach Nordwest bis zum Zusammenfluß des Amazonas mit dem Topo durchquert, weiten sich die Soja-Plantagen unerbittlich aus - auf Flächen, die vorher Regenwald waren. | Seit dem Jahr 2003, dem Beginn der Amtszeit von Präsident Lula da Silva, sind nahezu 70.000 Quadratkilometer Regenwald - das entspricht zweieinhalbmal der Größe Belgiens - dem unersättlichen Hunger der Welt nach der proteinreichen Sojabohne zum Opfer gefallen. Im vergangenen Jahr hat Brasilien 20 Millionen Tonnen Sojabohnen exportiert und die Vereinigten Staaten vom ersten Platz als größter Soja-Exporteur der Welt verdrängt. Mehr als 5 Prozent der Weltproduktion stammt aus dem 1,2 Millionen Hektar großen, aber stetig wachsenden Anbaugebiet im Amazonasbecken. Etwas mehr als 50 Prozent der Produktion aus dem Amazonasbecken geht als Futtermittel nach Europa. | Landwirtschaft soll verdreifacht werden | In Mato Grosso im Südosten des Amazonas-Gebietes hat die Sojabohne den Regenwald schon besiegt. Gouverneur Blairo Maggi, Brasiliens größter Soja-Produzent und ungekrönter Soja-König, hat dort 2003 sein Amt mit dem Ziel angetreten, die landwirtschaftliche Produktion in Mato Grosso innerhalb von zehn Jahren zu verdreifachen. Er ist auf gutem Weg, dieses Ziel zu erreichen. | Im benachbarten Rondonia an der Grenze zu Bolivien sind nach Aussagen der staatlichen Stellen bereits mehr als 30 Prozent des Regenwaldes in landwirtschaftliche Felder umgewandelt worden. Da Land in Mato Grosso und Rondonia inzwischen teuer geworden ist, drängen die Soja-Farmer immer stärker nach Norden in die Staaten Para, Roraima und Tocantins. | Versteppung bald nicht mehr aufzuhalten? | In Para agieren die Soja-Bauern mit Unterstützung des amerikanischen Getreide-Großhändlers Cargill. Der soll nicht nur den Landkauf und die Rodung weitgehend finanziert haben, wie Greenpeace in seiner Studie "Eating up the Amazon" schreibt. Das Unternehmen hat überdies mit einem 20 Millionen Dollar teuren Getreide-Terminal in der Hafenstadt Santarem den Grundstein für den Ausbau der Exportroute nach Nordamerika, China und Europa gelegt. Sobald die BR 163 asphaltiert sei, werde Santarem jährlich 2 bis 3 Millionen Tonnen Soja umschlagen, schätzt das Unternehmen. | Noch sind die letzten 90 Kilometer bis Santarem nicht geteert. Greenpeace und andere Nichtregierungsorganisationen, aber auch zahlreiche Indianerstämme warnen, daß sich mit jedem Meter Asphalt die Zerstörung des Waldes beschleunigen und die sich bereits sichtbaren Klimaveränderungen noch verstärken werden. 17 Prozent des größten zusammenhängenden Regenwaldgebiets der Erde ist nach Aussagen brasilianischer Wissenschaftler bereits zerstört. Sobald 40 Prozent des Regenwaldes der Landwirtschaft oder anderen wirtschaftlichen Interessen zum Opfer gefallen seien, sei die Versteppung des Amazonas nicht mehr aufzuhalten. | Umweltministerium machtlos | Schon heute gibt es Warnsignale: Flüsse trocknen aus, Sandbänke werden sichtbar, es regnet weniger. Im Staat Acre an der Grenze zu Peru hat es in diesem Jahr während 40 Tagen nicht ein einziges Mal geregnet. Viele fürchten bereits, daß sich die verheerende Dürre des vergangenen Jahres wiederholen könnte. | Marina Silva, die brasilianische Umweltministerin, betont zwar immer wieder, Brasilien dürfe auf keinen Fall seine langfristigen Ressourcen für kurzfristigen Profit verschleudern. Gegen die Interessen der Wirtschaft, deren Verbindungen bis in die höchsten Amtsstuben reichen, kann ihr Ministerium aber nur wenig ausrichten. Für eine wirkungsvolle Überwachung und Durchsetzung der Gesetzesvorschriften fehlen die Mittel. Kaum jemand wird bestraft, obwohl gut 75 Prozent aller Feuerrodungen illegal sind. Indianer werden von ihren Feldern verjagt, ermordet oder in die Sklaverei getrieben, ohne daß dies gerichtliche Folgen nach sich zieht. Selbst Cargill hat seine Hafenanlage ohne die gesetzliche Umweltuntersuchung errichtet. | Bauern roden lieber, anstatt zu düngen | Brasilien habe schon jetzt genug Anbaufläche für den Soja-Anbau; weitere Rodungen seien bei effizienter Nutzung gar nicht mehr nötig, betonen die Agrarwissenschaftler. Dies setzt allerdings voraus, daß die Bauern die kargen Böden des Regenwaldes bereits im dritten Jahr nach der Rodung mit Nährstoffen zum Preis für 800 Dollar pro Hektar anreichern müßten. Da die Feuerrodung von Neuland aber höchstens 300 Dollar je Hektar kostet, sehen die Bauern keinerlei Veranlassung für die intensive Bearbeitung. | Die Umweltschützer führen somit einen nahezu ausweglosen Kampf gegen die Wirtschaftsinteressen. Gleichwohl haben sie kürzlich einen kleinen Sieg errungen. Ende Juli unterzeichneten die großen internationalen Getreidehandelsfirmen Cargill, Bunge, ADM und Amaggi eine Verpflichtung, von Oktober 2006 an keine Sojabohnen aus illegalem Anbau zu kaufen. Den Stein des Anstoßes gab die amerikanische Fast-Food Chain McDonald's, einer der größten Kunden Cargills. McDonald's liefen die Kunden weg, nachdem Greenpeace in einer großangelegten Kampagne viele Kunden in Europa und Amerika überzeugt hatte, McDonald's zerstöre den brasilianischen Regenwald, weil es seine Hühner mit Sojabohnen aus illegalem Anbau füttere. |
| 03.08.2006 | 2006 - Wieder ein Dürrejahr am Amazonas?? | Paris, London und Berlin melden in diesen Tagen höhere Temperaturen als Bangkok, Hongkong oder Neu Delhi. In England fangen die Hochmoore Feuer, Atomkraftwerke werden runtergefahren, weil das Kühlwasser nicht mehr kühlt, und mancherorts wie in Kalifornien und der Tschechischen Republik brechen die Stromnetze zusammen, weil zu viele Klimaanlagen angeworfen werden. Ganz Europa und große Teile Nordamerikas stöhnen unter einer rekordverdächtigen Hitzewelle. Der hiesige Städter mag es noch von der sonnigen Seite sehen und den Badeurlaub an Nord- und Ostsee statt auf Mallorca buchen. Doch auf den Stirnen der Landwirte werden die Furchen mit jedem Sonnentag tiefer, und aus dem tiefen Süden, vom brasilianischen Äquator, kommen Nachrichten, die Experten eine Gänsehaut über den Rücken jagen. | Versteppung | Am Amazonas zeichnet sich eine Wiederholung der extremen Trockenheit ab, die in der zweiten Jahreshälfte 2005 den größten tropischen Regenwald der Erde heimgesucht hatte. Um vier bis fünf Meter war 2005 der Wasserspiegel des Amazonas und seiner Nebenflüsse unter das übliche Maß gefallen. Viele Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten, weil sie auf den Flüssen nicht mehr erreichbar waren. Mächtige Ströme wurden zu schmalen Rinnsalen, deren Oberflächen mit toten Fischen bedeckt waren. Und der ungewöhnlich trockene Wald fing Feuer wie selten zuvor. Im September 2005 registrierten Satelliten rund 73000 Brandherde gleichzeitig. Für die Menschen, die vom Wald und Fluß leben, waren das einige sehr schwere Monate, für die Umweltschützer allerdings noch kein Grund für Alarmmeldungen: Der Regenwald kann bisher Trockenperioden ganz gut überstehen. | Doch immerhin war die Trockenheit schlimmer als alles, was man an dem wasserreichsten Strom der Erde seit mindestens 40 Jahren gesehen hatte. Einige sprachen gar von der schlimmsten Dürre seit Menschengedenken. - Die sich in diesem Jahr zu wiederholen scheint: Die jährliche Trockenzeit hat gerade erst begonnen, aber im brasilianischen Bundesstaat Acre, ganz im Westen des Landes, hat es schon seit Mitte Juni nicht mehr geregnet. Dabei ist dort für gewöhnlich die Trockenzeit geringer ausgeprägt als weiter im Osten. Schon jetzt, so zitiert die britische Zeitung The Independent einen Umweltschützer aus der Region, falle das Wasser der Flüsse schneller als im Vorjahr. | Das ist um so alarmierender, als brasilianische und US-amerikanische Wissenschaftler gerade in einem Großversuch gezeigt hatten, daß zwei Jahre Wasserentzug reichen, um den Wald dauerhaft zu schädigen. Nun hat es seit der letzten Trockenheit natürlich wieder geregnet, aber offenbar reichen bereits wenige trockene Jahre wie 2005, um die Baumriesen, die den Wald beschatten und so für sein feuchtes Klima verantwortlich sind, großflächig zum Absterben zu bringen. | Die Folge wäre nicht nur eine Versteppung des Amazonasbeckens und der Verlust von etwa 25 Prozent aller pflanzlichen und tierischen Arten der Welt. Ein Absterben des Amazonas-Regenwaldes würde auch die globale Erwärmung beschleunigen. Verbrennt oder vermodert sein Holz nämlich, dann würde etwa zehnmal soviel vom Treibhausgas Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen, wie derzeit von Autos, Kraftwerken, Zentralheizungen und Industriebetrieben jährlich an die Umwelt abgegeben wird. | Globale Erwärmung | Doch was ist die Ursache der Amazonas-Dürre? Trockenzeiten sind über weiten Teilen des Amazonasbeckens eine jährliche Erscheinung, auch das Absinken der Pegelstände in den Flüssen. Das Ausbleiben des Regens ist ein Ergebnis der jährlichen Schwankungen in den großräumigen Luftbewegungen. Während des nordhemisphärischen Winters und Frühlings steigt die warme Luft über dem Amazonasbecken auf und zieht die Passatwinde aus dem tropischen Nordatlantik an, die zusätzliche Feuchtigkeit vom Meer heranbringen. In der aufsteigenden Luft über dem Wald bilden sich mächtige Wolken, die vor Ort abregnen. Weiter im Norden über der Karibik und dem Atlantik sinkt die Luft hingegen ab. Später im Jahr, wenn die Meeresoberfläche wärmer wird, kehrt sich der Prozeß um. Nun steigt die Luft bereits über dem warmen Meer auf. Zum Ausgleich sinkt die Luft über dem Amazonasbecken ab. Dort herrscht entsprechend von Juni bis November überwiegend Hochdruck, in dem sich keine Wolken bilden können. | Etwas vereinfacht läßt sich sagen, daß die Trockenheit um so drastischer ausfällt, je stärker sich das benachbarte Meer erwärmt. Und genau das ist der Fall. Die Oberflächentemperatur der tropischen Ozeane hat sich seit 1970 im Mittel um 0,5 Grad erhöht. Im tropischen Teil des Atlantik, das heißt in der Nachbarschaft des Amazonas, war sie in den vergangenen Jahren besonders hoch. Darin ist übrigens auch der Grund für die besonders heftige Hurrikan-Saison 2005 zu sehen. Noch im November 2005 lag die Wassertemperatur in weiten Teilen der Karibik und im angrenzenden Atlantik zwischen 28 und 30 Grad. | Eine Ursache der Dürre ist also die globale Erwärmung. Eine andere ist die anhaltende Abholzung. 20 Prozent des Waldes sind bereits verschwunden und weitere 22 Prozent geschädigt. Brasilianische Wissenschaftler gehen davon aus, daß bei etwa 50 Prozent Waldverlust eine Schwelle überschritten sein wird, bei der sich das Klimasystem des Regenwaldes nicht mehr selbst erhält. Der Wald würde nicht mehr genug Feuchtigkeit speichern können. Einiges deutet darauf hin, daß dieser Punkt früher erreicht werden könnte als bisher angenommen. | Quelle: Wolfgang Pomrehn, Junge Welt, 2.8.06 |
| 27.7.2006 | Soja-Moratorium am Amazonas - "Soja-Industrie einigt sich mit Umweltschützern" | ... und einige ähnlich lautende Schlagzeilen geistern derzeit durch die Medien. Woher diese Euphorie stammt, ist für uns nicht nachvollziehbar (siehe dazu unten stehende Pressemitteilung von Greenpeace). Das zweijährige Soja-Moratorium wird nicht einen Regenwald-Baum retten - im Gegenteil: die Sojabauern reiben sich die Hände: | Sie können nun in Seelenruhe ihre Gebiete roden und für den Sojaanbau vorbereiten. Nach Ablauf der zwei Jahre wird das nun dort angebaute Soja mit gutem Gewissen verkauft. So die Situation, wenn sich die Großgrundbesitzer im günstigsten Falle an das "Moratorium" halten. Ob sie sich überhaupt daran halten, ist in diesem riesigen und dünn besiedelten Gebiet ohnehin nicht zu kontrollieren und Mc Donalds und all die anderen können weiterhin - jetzt mit reingewaschenem Gewissen - Nutznießer des Regenwald-Sojas sein! | Immerhin, einen positiven Aspekt hat der Wirbel sicherlich: Dem Verbraucher wird klar, was er mit seinem "täglich Schnitzel" und Chicken Mc-Nuggets anrichtet. Der einzig Erfolg versprechende Hebel ist in den Händen der Konsumenten. Sie haben es letztlich in der Hand durch entsprechendes Verhalten zum Schutz der Regenwälder beizutragen... |
Pressemitteilung von Greenpeace: Atempause für den Amazonas-Regenwald Greenpeace handelt mit internationalen Agrarfirmen befristeten Stopp für Sojaanbau aus |
Im Kampf um die Rettung der letzten Urwälder Brasiliens hat Greenpeace einen Teilsieg errungen. Die weltweit führenden Agrarfirmen und Soja-Händler Cargill, Bunge, ADM und A.Maggi stimmten gestern einem zweijährigen Moratorium für brasilianische Urwald-Soja zu. Die Unternehmen werden zwei Jahre auf den Kauf von Soja von neu angelegten Feldern innerhalb des Amazonas-Regenwaldes verzichten. Die Entscheidung der Agrar-Riesen ist das Ergebnis einer internationalen Kampagne von Greenpeace unter dem Motto Der Regenwald brennt für unser Essen. | Die Umweltorganisation hatte zum Schutz Amazoniens auch von führenden Lebensmittelverarbeitern in Europa wie McDonald's gefordert, dem meist illegalen Anbau von Soja mitten im Regenwald und der Beschäftigung von Arbeitern unter menschenunwürdigen Bedingungen auf den Feldern ein Ende zu setzen. | Wir hoffen, dass dieses Moratorium ein erster wichtiger Schritt ist, die Urwaldzerstörung durch den Soja-Anbau zu stoppen, sagt Oliver Salge, Waldexperte bei Greenpeace. Dann könnte man zumindest diese Gefahr für die Schatzkammer der Artenvielfalt auf lange Sicht wirksam bannen. Das ist die Herausforderung für die Soja-Händler. Der in Brasilien weit verbreitete Anbau von Soja auf illegalen Feldern unter Einsatz von Sklaven muss endlich beendet werden. | Nach der Veröffentlichung eines Reports im April 2006, der illegalen Soja-Anbau in Brasilien mit in Europa hergestellten Lebensmitteln in Verbindung brachte, haben McDonald's und europäische Lebensmittelhändler (u.a. Marks&Spencer, El Corte Ingles, Ritter-Sport, Tegut) eine Greenpeace-Initiative zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes unterstützt. Sie haben von den Soja-Händlern Maßnahmen gefordert, die Urwaldzerstörung für den Anbau von Soja zu stoppen und damit gedroht, sich andere Lieferanten zu suchen. Außerdem haben die Unternehmen deutlich gemacht, auch künftig nur gentechnikfreie Soja von ihren Lieferanten zu beziehen. | Nachdem McDonald's vor Jahren beschlossen hatte, kein Rindfleisch zu kaufen, für das der Amazonas-Regenwald gerodet wurde, will der Konzern nun auch keine Soja aus Urwaldzerstörung (z.B. für Hühnerfutter/ChickenMcNuggets) beziehen. Er hat vor, mit Lieferanten und der brasilianischen Regierung den Amazonas-Regenwald und das Land indigener und lokaler Gemeinschaften vor Zerstörung zu bewahren. Der Druck der Fast-Food-Kette war ein Grund, weshalb Agrar-Riesen wie Cargill schließlich einlenkten, obwohl sie gut an der Urwald-Soja auch aus Indianer-Gebieten verdienen, die unter anderem über einen illegal gebauten Hafen in Santarem im brasilianischen Bundesstaat Pará nach Europa verschifft wird. | Das auf zwei Jahre befristete Soja-Anbau-Moratorium verkommt allerdings zur Geste, wenn die Händler nicht sofort Maßnahmen ergreifen, die den Schutz des Urwaldes sicher stellen, sagt Oliver Salge. Jede Minute wird eine Urwaldfläche in der Größe von fünf Fußballfeldern vernichtet - meist für den Soja-Anbau. Das Anbau- und Handelsverbot muss so lange in Kraft bleiben, bis ein Konzept für Schutzgebiete für den Amazonas-Regenwald von der brasilianischen Regierung entwickelt und umgesetzt wurde. Brasilien ist der größte Soja-Exporteur der Welt. |
| 14.7.2006 | Handyboom bedroht Menschenaffen | Worldwatch: Ungehemmter Handyboom bedroht Menschenaffen im Kongo Washington (dpa) - In den USA liegen nach einer neuen Studie des Worldwatch-Instituts eine halbe Milliarde ausgemusterter Handys herum. Der elektronische Müll werde ein immer größeres Problem, schreibt das Umwelt-Institut in seiner neuesten Ausgabe weltweiter Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialtrends («Vital Signs 2006-07»). | Gleichzeitig bedrohe der weltweite Handyboom und die Unlust zum Recyclen die Menschenaffen in Afrika. Das für die Mikrochips in Handys notwendige Erz Coltan wird praktisch nur in der Demokratischen Republik Kongo abgebaut. Dabei werden die Lebensräume der Menschenaffen zerstört. 46 Zoos haben deshalb nach Angaben von Worldwatch weltweit Recycling-Programme für Handys aufgelegt. | Im vergangenen Jahr wurden nach der Studie weltweit gut 815 Millionen Handys verkauft, 20 Prozent mehr als 2004. Der größte Markt ist der chinesische, wo jedes 5. Mobiltelefon angemeldet ist. Insgesamt habe sich die Zahl der Handybenutzer innerhalb von fünf Jahren verdreifacht, auf 2,1 Milliarden 2005. Ein Handy wird im Schnitt nach 14 Monaten ausgesondert. | Worldwatch warnt in seiner Studie, dass Handel und Konsum zwar weltweit auf Rekordniveau stiegen, die Umweltzerstörung aber gleichzeitig voranschritt. Während im vergangenen Jahr Produktionsrekorde bei Stahl (gut eine Milliarden Tonnen), Aluminium (31 Millionen Tonnen) und Autos (45,6 Millionen) erreicht wurden, stieg die durchschnittliche Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre um 0,6 Prozent. 20 Prozent der Korallenriffe sind zerstört, und 20 Prozent der Mangrovenwälder. | «So weiter machen wie bisher schädigt die Ökosysteme und die Menschen, die darauf angewiesen sind«, sagte der Autor der Studie, Erik Assydourian. «Wenn jeder so leben würde wie die Durchschnittsbevölkerung in den reichen Ländern, könnte der Planet nur 1,8 Milliarden Menschen tragen, nicht die 6,5 Milliarden, die heute leben. Und die Bevölkerung wächst noch, auf 8,9 Milliarden bis 2050.» |
| 4.7.2006 | Millionen unbekannter Bakterien im Regenwald | Sao Paulo (pte/03.07.2006/13:50) - Wissenschafter der Universität von Sao Paulo entdeckten, laut einer in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science veröffentlichte Studie, vermutlich 13 Millionen neue Bakterienarten. Bei Forschungen im brasilianischen Regenwald konnte deren Existenz anhand von analysiertem Blattmaterial nachgewiesen werden. Dieser Fund spielt nicht nur eine wichtige Rolle für die Stabilität des Ökosystems, sondern stellt auch eine neue Möglichkeit für die Produktentwicklung der Pharmazie-Industrie dar. | Das Team um den Wissenschafter Marcio Lambais nahm für die Studie Proben von neun verschiedenen Baumarten, deren Blätter im Labor untersucht wurden. Aus der gewonnenen DNA konnte ein Vergleich zwischen der bakteriellen Zusammensetzung der Baumgruppen angestellt werden. Dabei wurde einerseits festgestellt, dass jeder Baum zwischen 95 und 671 verschiedene Bakterienarten beheimatet. Andererseits erkannte man, dass sowohl zwischen den unterschiedlichen Baumarten, als auch innerhalb einer Art, Unterschiede in der Bakterienzusammensetzung bestehen. | Die gefundenen Bakterien spielen laut Lambais nicht nur eine wichtige Rolle für die Stabilität des Ökosystems. Der Wissenschafter hält es ebenso für möglich, dass sie als Grundlagen für pharmazeutische Produkte verwendet werden können. Zurzeit führt das Team die Untersuchungen im Brasilianischen Regenwald fort. Dabei werden weitere Baumarten untersucht, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen und unter anderen einen möglichen Zusammenhang zwischen Standort und bakterieller Zusammensetzung zu erklären. |
| 26.6.2006 | Regenwaldzerstörung fordert Todesopfer | Nach den Überschwemmungen und Erdrutschen in Indonesien ist die Zahl der ums Leben gekommenen Einwohner auf 167 gestiegen. Wie die Behörden weiter mitteilten, wurden 123 Menschen vermisst. Am schlimmsten betroffen ist die Insel Sulawesi, wo am Montag und Dienstag schwere Regenfälle niedergingen. Die meisten der Opfer ertranken, nachdem das Wasser extrem schnell angestiegen war, oder wurden von Erdrutschen an zahlreichen Orten der Insel begraben. | Die Regenfälle halten unterdessen an, was die Rettungsarbeiten erschwerte. Vor knapp einem Monat erst waren in Indonesien bei einem Erdbeben mehr als 5800 Menschen ums Leben gekommen. | In Indonesien kommt es besonders auf dem Höhepunkt der Regenzeit immer wieder zu tödlichen Erdrutschen und Überschwemmungen. Anfang Januar waren durch Unwetter auf der Insel Java mehr als 150 Menschen getötet worden. Als Hauptgrund für die schweren Folgen der Niederschläge gilt die Abholzung der Wälder in Indonesien. Auch auf Sulawesi werden große Flächen gerodet, oft von illegalen Banden. |
| 15.5.2006 | Abholzen für Olympia? | China will für die Olympischen Spiele 2008 rund 800.000 Kubikmeter indonesisches Merbau-Holz in Sportanlagen einbauen. Das Tropenholz wächst fast nur noch in den Regenwäldern von West-Papua. Mindestens drei Viertel des gehandelten Merbau-Holzes stammen aus illegalem Raubbau. | Fordern Sie noch heute vom deutschen Nationalen Olympischen Komitee und seinen Sponsoren, gegen die chinesischen Pläne zu protestieren. | Dass China eigens für die olympischen Bauvorhaben eine Großinvestition in die indonesische Holzindustrie plant, gab der indonesische Forstminister Malem Sambat Kaban kürzlich in Jakarta bekannt. Eine chinesische Firma hat dazu bei indonesischen Behörden die Errichtung eines Sägewerks im Wert von über einer Milliarde US-Dollar in der Provinz Papua beantragt. | Das luxuriöse, dunkelrote Merbau wächst hauptsächlich auf der Insel Neuguinea, deren westlicher Teil West-Papua (mit den Provinzen Papua und Irian Jaya Barat) zu Indonesien gehört. Merbau wird vor allem für die Herstellung von Holzfußböden verwendet. Das indonesische Forstministerium beteuert zwar, dass das verwendete Holz ausschließlich aus Plantagenwirtschaft stammen soll, doch dieses Versprechen kann unmöglich eingehalten werden. | Tatsächlich wächst Merbau im tropische Regenwald. Mindestens drei Viertel des weltweit gehandelten Merbau-Holzes stammen aus illegalem Raubbau. Selbst wenn heute mit der Anlage neuer Plantagen begonnen würde, könnten diese niemals bis 2008 das benötigte Holz liefern. | Fordern Sie noch heute von den Sponsoren der Olympischen Spiele und dem deutschen Nationalen Olympischen Komitee von China zu verlangen, dass für die Olympischen Spiele 2008 keine Regenwälder zerstört werden und China eine entsprechende Garantie abgibt. | Bitte schreiben Sie einen Protestbrief an: | NOK für Deutschland, Präsident Dr. Klaus Steinbach, Otto-Fleck-Schneise 12, 60528 Frankfurt, Fax: 069 - 677 1229, E-mail: franke-mittrenga@nok.de |
| 14.5.2006 | Landnahme und Waldzerstörung zur Produktion von Klopapier | "Aracruz zerstörte unser soziales Leben, hat uns die Freiheit genommen und die intakte Natur, die unsere Lebensgrundlage bildete." Das sagt Werá Kwaraí vom Stamm der Guarani. Zusammen mit Paulo Henrique Vicente de Olivira, Anführer einer Tupinikim-Gemeinschaft, kämpft Kwaraí für die traditionellen Landrechte der Ureinwohner gegen den Zellstoffkonzern Aracruz im Südosten Brasiliens. | Als Aracruz sich 1967 im damaligen Küstenregenwald niederließ, nahm er sich große Landflächen und wandelte den Wald in Eukalyptus-Plantagen um. Doch die Gegend war nicht menschenleer. Hier lebten indianische Ureinwohner, in 40 Dörfern. Heute sind es noch sieben. Aracruz, weltgrößter Hersteller von Eukalyptuszellstoff, betreibt hier zudem die größere seiner beiden Zellstoffabriken. | Etwa 2200 Tupinikim und Guarani leben in unmittelbarer Nähe der Zellstoffabrik. Plantagen und Fabrik zerstörten nach und nach ihre Umwelt. Flüsse trockneten aus, weil die durstigen Bäume den Wasserhaushalt überstrapazierten. Andere Flüsse litten unter dem Wasserbedarf und dem Abwasser des Zellstoffwerkes. De Olivira erzählt: "Wir können nicht mehr jagen und fischen. Selbst Acker- und Kaffeeanbau sind wegen des Wassermangels kaum möglich." Doch das Hauptproblem sei das fehlende Land, dadurch habe die nachwachsende Generation keine Zukunft mehr in der Region. | Seit Anfang Mai bereisen die beiden Stammesführer Europa, hauptsächlich Deutschland. Aus ihrer Sicht tragen die Konsumenten in den Industriestaaten Mitschuld an ihrer Misere: Eukalyptus-Zellstoff liefert besonders flauschiges und weiches Papier. Es wird deshalb hauptsächlich zu Hygienepapieren verarbeitet. "Mit Tempo in die Armut" hieß entsprechend eine öffentliche Veranstaltung in Hamburg, die der Umweltverband Robin Wood in Hamburg organisierte. | Tatsächlich gibt es eine Verbindung zwischen der Marke "Tempo" und den Problemen der Ureinwohner. "Die Taschentücher produziert der US-Konzern Procter & Gamble", erklärt Ute Bertrand, Sprecherin von Robin Wood. "Der Konzern ist ein Hauptkunde von Aracruz. Wir haben die Herkunft des im Werk in Neuss verarbeiteten Zellstoffs zurückverfolgen können bis nach Brasilien." | Ein weiterer Großkunde sei Kimberly-Clark (Hakle, Kleenex). Ute Bertrand appelliert an die Verbraucher, gezielt Hygienepapiere aus Recyclingware zu kaufen. Sie seien am Umweltzeichen "Blauer Engel" gut zu erkennen. |
| 30.3.2006 | Regenwald sprießt in der Trockenzeit | Große Teile des südamerikanischen Regenwalds folgen nicht dem herkömmlichen Wachstumsmuster. Ausgerechnet während der Trockenzeit gedeihen die Bäume im Amazonasbecken besonders gut. | Das belegt eine Analyse von Satellitendaten, die eine amerikanisch-brasilianische Forschergruppe im Fachblatt "Geophysical Research Letters" vorstellt. | "Sobald der Regen versiegt und die Trockenperiode beginnt, erwacht das Amazonasbecken zu neuem Leben", erläutert Alfredo Huete von der University of Arizona in Tucson. "Neue Blätter entfalten sich und allerorten grünt es, solange die Trockenzeit anhält." Ganz offenbar sei Wassermangel für diese Wälder nicht das Problem - im Gegensatz zu den Verhältnissen in anderen Teilen der Welt. | Huete und Kollegen analysierten Daten des MODIS-Spektrometers an Bord des amerikanischen Satelliten Terra. Aus dem Spektrum des von Boden und Vegetation reflektierten Sonnenlichts berechneten die Forscher für verschiedene Gebiete und Jahreszeiten den Enhanced Vegetation Index, eine Maßzahl für die Intensität des Pflanzenwachstums. Während Weiden und andere vom Menschen veränderte Flächen während der Trockenzeit förmlich zu verdorren schienen, stellte sich in altem Regenwald erst jetzt das stärkste Wachstum ein. | Die Ursache vermutet Huete in tief reichenden Wurzeln älterer Bäume. Diese könnten auch während der niederschlagsarmen Zeit genügend Wasser liefern, sodass das Laub die stärkere Sonneneinstrahlung voll ausnutzen könne. "Wir können diese starke Ergrünung auch als Maß für den Zustand des Amazonas-Regenwalds betrachten", so der Forscher. Ein solches Maß sei umso wichtiger, als jede Veränderung der Wachstumsaktivität im Regenwald sich auf den globalen Kohlenstoffkreislauf auswirke. |
| 12.3.2006 | Umstrittene Privatisierung des Amazonas-Regenwaldes in Brasilien | Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat in Brasilia ein umstrittenes Gesetz zur Nutzung des Amazonas-Regenwaldes unterzeichnet. Damit wird ein Teil des Umweltgebietes faktisch privatisiert. | Mit dem Gesetz soll in erster Linie die Holzgewinnung geregelt werden. Gleichzeitig soll nach dem Willen der brasilianischen Regierung auch die nachhaltige Entwicklung der Urwaldregion gefördert werden. | Das brasilianische Umweltministerium teilte mit, in den nächsten zehn Jahren wolle man für rund drei Prozent der Gesamtfläche des Amazonas-Urwaldes Lizenzen verteilen. Das entspricht in etwa fünf Millionen Quadratkilometer Wald. | Die linksgerichtete Regierung versichert, dass dadurch der illegalen Landaneignung und Holzgewinnung Einhalt geboten werde. Kritiker des Gesetzes meinen dagegen, die Regierung könne das Geschäft in dem Riesenland nicht kontrollieren. | Im Rahmen des "Gesetzes zur Verwaltung der öffentlichen Wälder" sollen Ausbeutungslizenzen mit 5- bis 40-jährigen Laufzeiten gewährt werden. Es sollen jedoch nach Zusicherung aus Brasilia nur jene Aktivitäten zugelassen werden, die nicht zur dauerhaften Zerstörung des Regenwaldes führen. | Holzfirmen müssten sich zur umweltfreundlichen Verwaltung ihres jeweiligen Gebietes verpflichten. Alle fünf Jahre solle diesbezüglich eine unabhängige Kontrolle durchgeführt werden. |
| 2.3.2006 | Illegale Abholzung gefährdet Papua Neuguineas Regenwald | Port Moresby/London (pte/02.03.2006) - Der Regenwald auf der Insel Neuguinea ist nach Angaben der Umweltorganisation Forest Trends http://www.forest-trends.org massiv von illegalen Rodungen betroffen. Laut einem gestern, Mittwoch, veröffentlichten Bericht zufolge, sind es vor allem malaysische Holzunternehmen, die auch vor geschützten Regionen nicht halt machen. Die wertvollen Edelhölzer werden nach China exportiert und dort für den europäischen und US-amerikanischen Markt weiterverarbeitet. | Dem Report "Logging, Legality and Livelihoods in Papua New Guinea" zufolge werden von der Regierung in Port Moresby nachhaltige Regenwaldprojekte nicht unterstützt. Waldmanagement biete keine langfristigen Vorteile für das Land und seine Leute, so die Antwort der Regierung. Umweltverbände haben schon in den vergangenen Jahren große Sorge über den Regenwald auf der Insel zum Ausdruck gebracht. 65 Prozent der Landfläche Papua Neuguineas ist von Regenwald bedeckt. Insgesamt sind es 29,6 Mio. Hektar Waldfläche. Die Regenwälder der tropischen Insel sind Heimat von Pflanzen und Tieren, die bisher zum Teil nicht erforscht sind. Erst vor zwei Jahren hatten Wissenschaftler des College of Pharmacy der University of Utah in den Wäldern nach neuen Heilmitteln gegen Infektionskrankheiten gesucht. | Nach dem Bericht der Experten ist die Art und Weise wie der Kahlschlag in Neuguinea derzeit stattfindet, allerdings mehr als bedenklich: Die Arbeiter, die die Bäume fällen, kommen als Gastarbeiter ins Land. Die Erlöse für die Landbesitzer fallen äußerst dürftig aus. "Einzig und allein die Konsumenten können Druck ausüben und derartige Methoden stoppen", so der Bericht. Die in Papua Neuguinea existierenden Gesetze zum Schutz der Umwelt würden ausreichen, die Regenwaldbestände zu sichern. Allerdings müssten die Gesetze vollzogen werden, argumentiert Forst Trends. Falls der derzeitige Trend weiter anhält, könnte der Regenwald in Papua Neuguinea in nur einer Dekade zerstört sein. Und damit würde die natürliche Ressource "Wald" verloren gehen. |
| 8.2.2006 | Dutzende von neuen Tier- und Pflanzenarten in Indonesien entdeckt | Jakarta (AP) In einem abgelegenen Dschungel auf Neuguinea haben Naturforscher Dutzende von bislang unbekannten Tier- und Pflanzenarten entdeckt. Die Expedition stieß in den Foja-Bergen im indonesischen Teil der Insel auf neue Arten von Fröschen und Schmetterlingen. Teilnehmer äußerten sich am Dienstag begeistert über eine einzigartige «verlorene Welt». | Die elf Forscher aus Indonesien, den USA und Australien seien Tieren begegnet, die erstaunlich wenig Angst vor den ungewohnten menschlichen Besuchern gehabt hätten, sagte Bruce Beehler, einer der Expeditionsleiter des gemeinsamen Projekts der Umweltschutzorganisation Conservation International mit dem Indonesischen Institut der Wissenschaften. So trafen sie auf zwei Langschnabeligel (Zaglosus), die sich von den Wissenschaftlern furchtlos aufheben ließen. Die Forscher brachten die vom Aussterben bedrohten urtümlichen Säugetiere zur eingehenden Untersuchung in ihr Stammlager. | Die Expedition erkundete ein mehr als eine Million Hektar großes Dschungelgebiet im Westen der Insel Neuguinea. «Es gab dort keinen einzigen Pfad, kein Zeichen von Zivilisation oder Hinweise auf Dorfgemeinschaften», sagte Beehler. Begleitet wurden die Forscher von zwei Führern des Kwerba- und des Papasena-Stammes, die als Eigentümer des Landes gelten. «Sie waren so erstaunt wie wir darüber, wie isoliert es dort ist», sagte Beehler. «Soviel sie wissen, war keiner von ihren Clans jemals in diesem Gebiet gewesen.» | Die Wissenschaftler registrierten 20 neue Froscharten, darunter ein winziger Engmaulfrosch mit einer Länge von weniger als 14 Millimetern, vier bislang unbekannte Schmetterlingsarten und mindestens fünf neue Arten von Palmen. Vor der offiziellen Anerkennung als neue Arten müssen die Ergebnisse der Expedition noch publiziert und von anderen Wissenschaftlern anerkannt werden - ein Prozess, der mitunter mehrere Jahre dauern kann. | Ebenfalls neu entdeckt wurde ein zu den Honigfressern gehörender Vogel mit einem hellen orangefarbenen Lappen unter jedem Auge. Zu den besonders wertvollen Entdeckungen gehörte auch Goodfellow-Baumkänguru (Dendrolagus goodfellowi pulcherrimus), der bislang als nahezu ausgestorben galt. Die Forscher machten die ersten bekannten Fotos eines Carola-Paradiesvogels (Parotia carolae berlepschi), der im 19. Jahrhundert von Jägern auf Neuguinea beschrieben wurde. | Die Naturforscher entfernten sich im Dezember 2005 nur wenige Kilometer von ihrem Basislager. «Wir haben nur an der Oberfläche gekratzt», sagte Beehler. Der stellvertretender Leiter eines Artenschutzzentrums von Conservation International hofft, später in diesem Jahr in die Foja-Berge zurückkehren zu können. | Einer der Gründe für die Isolierung des Regenwalds in den Foja-Bergen ist nach Angaben Beehlers die geringe Besiedlung von nur wenigen hundert Menschen in der Region. Außerdem gebe es am Fuß der Berge so viel Wild zum Jagen, dass niemand bislang eine Veranlassung gesehen habe, in das Innere des Dschungels vorzustoßen. Beehler hält das wertvolle Biotop für derzeit nicht gefährdet, da es noch nicht einmal eine Straße dorthin gebe. Allerdings kann sich dies nach seiner Einschätzung ändern, wenn die Nachfrage nach Tropenholz vor allem aus China und Japan weiter steigt. |
| 5.2.2006 | Sojaanbau im brasilianischen Bundesstaat Pará | Innerhalb eines Zeitraumes von drei Jahren wurden im brasilianischen Bundesstaat Pará 80.000 Hektar Regenwald für den Anbau von Soja vernichtet. Die hier geernteten 4 Millionen Sack Soja haben einen Wert von etwa 300 Millionen Real, was dem dreifachen Budget der Hauptstadt Belém entspricht. | Dabei handeln illegale Landräuber wie Eigentümer. Sie sperren Straßen und errichten Kontrollpunkte. Sie zerstören die Wälder und vertreiben die traditionellen Bewohner unter Gewaltanwendung. Nur einige wenige, organisierte Bewohner lehnen sich gegen die Verteibungen auf. | Diejenigen, welche sich der Vertreibung widersetzen, werden von den Landräubern auf eine Todesliste gesetzt. Diesem Druck halten nicht viele Menschen stand, einige wurden bereits von Todeskommandos liquidiert. |
| 21.01.2006 | Malaria-Epidemie bei den Yanomani | Der Indio-Stamm der Yanomami im Amazonas-Becken ist zunehmend von Malaria betroffen. Die Fieberkrankheit habe im vergangenen Jahr rund 1.400 der rund 15.000 Stammesmitglieder erfasst, teilte die brasilianische Menschenrechtsgruppe für die Rechte der Yanomami mit. | 2004 seien es lediglich 622 Fälle gewesen -weniger als die Hälfte. Zu früheren Zeiten sei die Zahl ständig gesunken bis auf 418 im Jahre 2003. Seitdem sei ein rasanter Anstieg zu verzeichnen. | "Wir sind mit einer Malaria-Epidemie konfrontiert", warnte der Arzt Claudio Esteves. Hinzu komme, dass sich die Krankheit auf Gebiete ausgebreitet habe, in denen sie zuvor als bekämpft gegolten habe. Die Indio-Bevölkerung werde dadurch stark geschwächt, so dass viele nicht mehr für ihren Lebensunterhalt sorgen könnten. | Der Regierung in Brasilia warf Esteves vor, den Ureinwohnern keine angemessene Gesundheitsversorgung zur Verfügung zu stellen. Die Yanomami führen noch heute in abgeschiedenen Gegenden ein Leben fast wie in der Steinzeit. |
| 6.01.2006 | Baumpflanzen kann Umwelt mehr schaden als nutzen | (dpa) Das Pflanzen von Bäumen aus Klimaschutzgründen kann einer US-Studie zufolge der Umwelt mehr schaden als nutzen. Vor allem Kiefern und Eukalyptus-Bäume verbrauchen so viel Wasser, dass viele Flüsse in ihrer Nähe flacher werden oder gar austrocknen. Das berichten US-Forscher im Fachjournal «Science». | Zudem mache der große Nährstoffhunger der aufgeforsteten Wälder den Boden in ihrer Umgebung sauer und salzig. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnten diese Umweltbelastungen in vielen Regionen nicht damit aufgewogen werden, dass die neuen Bäume das Treibhausgas Kohlendioxid aus der Luft aufnehmen. | Das Team um Robert Jackson von der Duke University in Durham (North Carolina) hat für seine Studie mehr als 600 Beobachtungen zusammengefasst. Demnach verursachen neu angelegte Baumplantagen, dass die Wasserpegel der umliegenden Flüsse um durchschnittlich mehr als 50 Prozent absanken. Jeder zehnte Wasserlauf trocknete sogar für mindestens ein Jahr komplett aus. Für manche Länder könne dieser Wasserverlust negative Auswirkungen auf die Wasserversorgung haben, schreiben die Forscher. Die steigende Zahl der Bäume führe meist nicht - wie zum Beispiel in tropischen Regionen - zu einer Zunahme beim Niederschlag - dafür sei es vielerorts nicht warm genug. | Diese neuen Erkenntnisse über den hohen Wasserverbrauch und der Vergiftung der Böden mache es leichter, die ökologischen Kosten der Aufforstung zu ermitteln und gegen den Nutzen aufzurechnen, schreiben die Forscher. In vielen Fällen zeige der Vergleich, dass das Pflanzen von Bäumen aus Klimaschutzgründen sich nicht rechne. |
| 7.12.2005 | Raubbau an Brasiliens Wald scheint sich zu verlangsamen | Im brasilianischen Teil des Amazonas- Beckens ist 2004/2005 knapp ein Drittel weniger Wald zerstört worden als im Vorjahr. Die brasilianische Umweltministerin Marina Silva feierte den Rückgang der Rodungen als Folge besserer staatlicher Überwachung. | Rio de Janeiro · Mit 18 900 Quadratkilometern übertrifft die Waldfläche, die 2004/2005 den Motorsägen zum Opfer fiel, zwar immer noch die Fläche Sachsens, aber verglichen mit den vergangenen Jahren ist das schon ein beträchtlicher Erfolg. Denn 2003/2004 sind in Brasilien noch 27 200 Quadratkilometer Amazonas-Wald vernichtet worden. | Die aktuelle Zahl ist die niedrigste seit 2000/2001, aber vor allem stellt sie zum ersten Mal seit neun Jahren eine deutliche Verringerung der jährlich zerstörten Fläche dar, die seit 1996/97 stetig gewachsen war. Brasilien überwacht die Entwaldung im Amazonas-Gebiet seit 1988 per Satellit. Seitdem ist die Waldfläche um 317 000 Quadratkilometer geschrumpft. | Die brasilianische Umweltministerin Marina Silva, die die neuen Zahlen noch verkündete, bevor sie zur Klimakonferenz nach Montreal flog, bewertete die Zahl als Erfolg der Regierung. Die Geldstrafen für Waldfrevel seien erhöht und die Patrouillen verstärkt worden. Außerdem wirke sich die Ausweisung von Schutzgebieten und Indianer-Reservaten positiv aus. Entlang der Straße in Zentralbrasilien, die die Soja-Anbaugebiete im Südwesten mit dem Amazonas-Hafen Santarém verbindet, sei der Staat präsenter und unterbinde die schlimmsten Rodungsexzesse. | Die Überlandverbindung wird derzeit ausgebaut, um die Transportwege für Soja zu verkürzen. Es ist deutlich billiger, das Hauptexportprodukt Brasiliens auf einer neuen Straße nach Norden zu transportieren und in Santarém nach Europa und die USA zu verschiffen. Bisher wird Soja rund 2000 Kilometer nach Süden gefahren und dort verschifft. Verbesserte Straßenverbindungen erhöhen erfahrungsgemäß den Druck auf den Wald, weil sie Siedler, Farmer und Holzfirmen anziehen. | Umweltschutzorganisationen lobten zwar, dass der Staat mehr Präsenz zeige als vorher. Aber sie wiesen auch darauf hin, dass brasilianisches Soja nicht mehr so konkurrenzfähig sei wie noch vor kurzem. Somit würde sich die zurzeit starke nationale Währung waldschützend auswirken. | Während in manchen Gegenden die Rodungen deutlich zurückgegangen sind, kommen die Motorsägen in anderen Gebieten noch stärker als früher zum Einsatz. In Mato Grosso beispielsweise wurde im vergangenen Juni ein Korruptionssystem gesprengt, in das auch Beamte der Naturschutzbehörde verwickelt gewesen waren - prompt nahm noch im Juni die Abholzung in der Gegend um 92 Prozent ab. | Dagegen verzeichnet São Félix de Xingu, wie schon im Vorjahr, die radikalste Entwaldung im Amazonas-Becken. Die Gegend ist ein prosperierendes Zentrum der Viehzucht und Fleischerzeugung - klassische Gründe für die Umwandlung von Urwald in Weidefläche. | Wolfgang Kunath, Frankfurter Rundschau, 6.12.05 |
| 21.11.2005 | SPD fordert Importstopp für tropisches Bauholz | Die deutsche SPD hat sich für ein EU-weites Importverbot für tropisches Bauholz ausgesprochen. Ein entsprechender Antrag wurde am vom Bundesparteitag in Karlsruhe beschlossen. Die Bundesregierung wird damit aufgefordert, "dafür Sorge zu tragen, dass der Import von Tropenhölzern aus möglicherweise illegalem Einschlag stärker kontrolliert wird und entsprechend unter Strafe gestellt wird". |
| 12.11.2005 | Deutsche Bank kooperiert mit Tropenwaldvernichtern in Indonesien | Die Deutsche Bank macht Geschäfte auf Kosten des Regenwaldes in Indonesien. Das hat ROBIN WOOD aufgedeckt. Um dies öffentlich anzuprangern, sind AktivistInnen der Umweltorganisation heute Vormittag auf das Vordach der Deutsche Bank-Zentrale in Frankfurt am Main geklettert und haben dort ein Transparent entrollt. Aufschrift: "Deutsche Bank: Aktienkurs oben, Tropenwald platt!" | Holz- und Zellstoffkonzerne in Indonesien haben in den vergangenen 20 Jahren maßgeblich daran mitgewirkt, zwei Drittel der Waldfläche des Landes zu zerstören. Die Folgen sind dramatisch: Eine besonders artenreiche Tier- und Pflanzenwelt ging verloren. Gewässer wurden verschmutzt, Böden erodierten, klimaschädliche Gase gelangten in die Atmosphäre. | Trotz des fortgeschrittenen Raubbaus will das an der Börse in Singapur notierte Unternehmen United Fiber System (UFS) seine Zellstoffproduktion in Indonesien weiter ausbauen. Zu diesem Zweck plant UFS, das Zellstoffwerk Kiani Kertas in Südkalimantan zu übernehmen sowie dort ein weiteres Zellstoffwerk und eine Hackschnitzelfabrik zu bauen. Die Deutsche Bank koordiniert die Transaktion und hat als "financial advisor" eine Schlüsselrolle bei dem Geschäft übernommen. Kalimantan, einst das waldreichste Gebiet Indonesiens, ist inzwischen soweit gerodet, dass die dortige Holzindustrie gezwungen ist, Holz zu importieren. Auch das Zellstoffwerk Kiani Kertas, das seit 1997 in Betrieb ist, musste wiederholt die Arbeit unterbrechen, weil nicht genügend Holz geliefert werden konnte. | ROBIN WOOD hat gemeinsam mit den Organisationen Urgewald und Watch Indonesia! am 26.September 2005 die Deutsche Bank mit der Kritik an dem Projekt konfrontiert und um ein Gespräch gebeten. Doch bislang verweigert die Deutsche Bank jegliche Gespräche. Dabei hat sich das Geldinstitut nach eigenen Angaben der Nachhaltigkeit verschrieben und zählt zu den Unterzeichnern der UNEP- Erklärung (United Nations Environment Programme) zu Umwelt und nachhaltiger Entwicklung. Darin verpflichtet sich die Deutsche Bank, regionale, nationale und internationale Umweltauflagen zu erfüllen. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass in Indonesien bei der Vergabe von Konzessionen zur Umwandlung von Regenwald in Plantagen die Korruption regiert und Gesetze zum Schutz des Waldes missachtet werden. | "Die Deutsche Bank macht sich mitschuldig am Raubbau im Regenwald und weigert sich, öffentlich darüber Rechenschaft abzulegen", sagt Jule Naundorf, die für ROBIN WOOD recherchiert hat. "Wir appellieren an Kunden und Aktionäre der Bank, ihrem Geldinstitut dafür die Quittung zu geben." | ROBIN WOOD fordert von der Deutschen Bank, ihre Zusammenarbeit mit UFS als "financial advisor" nieder zu legen und keine Geschäfte mehr zu unterstützen, die zu Raubbau an den letzten Regenwäldern dieser Erde führen. |
| 1.10.2005 | Klima wird sich in den nächsten Jahren so schnell wie nie verändern | Hamburg (AFP) - Das Klima auf der Erde wird sich nach neuen Modellrechnungen in den kommenden hundert Jahren so schnell wie noch nie ändern. Nach der am Donnerstag in Hamburg vorgestellten Prognose des Max-Planck-Instituts für Meteorologie könnte die globale Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zur vier Grad steigen. Der Meeresspiegel würde sich dadurch durchschnittlich um bis zu 30 Zentimeter erhöhen. Die Forscher rechnen zudem damit, dass sich im Zuge der Erwärmung auch in Europa extreme Wetterereignisse wie Hochwasser weiter häufen und verstärken werden. | Im Sommer rechnen die Wissenschaftler unter bestimmten Bedingungen sogar mit dem vollständigen Abschmelzen des Meereises in der Arktis. Für Europa erwarten sie eine Zunmahme von trockeneren und wärmeren Sommern. Die Winter werden dagegen wärmer und feuchter. Die Modellrechnungen bestätigen zudem die Vermutung, dass der Mensch "einen großen und bislang nie da gewesenen Einfluss auf unser Klimageschehen hat und die globale Erwärmung fortschreitet". | Das "wesentliche Ereignis der Zukunftsszenarien" sei die fortschreitende Erhöhung der Temperatur und die damit verbundene Verschiebung von Klimazonen, erklärte der Projektleiter der Modellrechnungen, Erich Roeckner. Die Forstwirtschaft werde so in fast allen Teilen der Erde andere als die bislang üblichen Baumarten bewirtschaften müssen. Die Ergebnisse der Hamburger Klimaforscher werden in den Bericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Kilmaänderungen einfließen, der alle fünf Jahre im Auftrag der Weltorganisation für Meteorologie und des Umweltprogramms der Vereinten Nationen erstellt wird und den Regierungen als unabhängige Information zur Verfügung steht. | (Anm. d. Red.: Ein ebenfalls unlängst vom Potsdamer MPI veröffentliches Modell sagt voraus, dass auch die Regenwälder am Amazonas vom weltweiten Klimawandel stark betroffen sein werden - danach könnten die dortigen Regenwälder vertrocknen(!) - mit weiteren dramatischen Konsequenzen für das Weltklima). |
| 19.9.2005 | Tag der Tropenwälder: Jürgen Trittin: Wenn wir Wälder schützen, schützen die Wälder uns | Zum Tag der Tropenwälder am 14. September wies Bundesumweltminister Juergen Trittin auf die Bedeutung der Wälder für den Schutz des Klimas und den Schutz vor durch den Klimawandel verursachten Extremereignissen hin. Trittin: "Diese Generation wird Augenzeuge, wie weltweit die Wälder in einem atemberaubenden Tempo vernichtet werden. Allein in den Tropen werden jedes Jahr 15 Millionen Hektar Wald abgeholzt, eine Fläche halb so groß wie Italien. Dabei verursacht die Entwaldung 20 Prozent der globalen CO2-Emissionen." Die Waldbrände dieses Sommers in Indonesien vernichteten nicht nur Lebensräume für Tiere und Pflanzen und führten zu gesundheitlichen Schäden in der Region, sondern sie trugen auch zur Erhöhung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre bei. Hinzu kommt, dass steigende Temperaturen die Gefahr von Waldbränden noch vergrössern. "Diesen Teufelskreis müssen wir durchbrechen", so der Minister. Trittin hob hervor, dass bei Naturkatastrophen - seien sie durch den Klimawandel ausgelöst oder nicht - Wälder zur Abmilderung der Folgen dieser Katastrophen beitragen können. "Dort, wo an den Küsten der Tropen schützende Mangrovenwälder zerstört wurden, haben Ueberflutungen schlimmere Folgen als an Küsten mit intakten Mangrovenwäldern. Bei Überflutungen im Binnenland verhindern Wälder Bodenerosion durch Abschwemmungen. Auch deshalb müssen wir weiter auf allen Ebenen - in Deutschland, in der EU und weltweit - Waldschutzmassnahmen entschieden vorantreiben." Die Bundesregierung fördert in großem Massstab Waldschutzprojekte in Entwicklungsländern und setzt sich aktiv für international abgestimmte Waldschutzprogramme ein. Der Bundesumweltminister: "Wir werden auch die Arbeiten an einem deutschen Urwaldschutzgesetz weiter vorantreiben, mit dem Besitz und Vermarktung von illegal in Urwäldern eingeschlagenem Holz und daraus hergestellten Holzprodukten in Deutschland verboten wird." |
| 29.8.2005 | Rückgang der Waldzerstörung am Amazonas | Gute Nachrichten für den Regenwald im Amazonasgebiet: Die Zerstörung hat sich in jüngster Zeit offenbar deutlich verlangsamt. Die brasilianische Regierung führt das auf verstärkte Überwachung, aber auch auf die gesunkene Preise für Soja zurück. Die Abholzung für neue Ackerflächen nehme daher ab. | Die brasilianische Umweltministerin Marina Silva sagte, Schätzungen zufolge seien in den letzten elf Monaten etwa 9 100 Quadratkilometer Wald zerstört worden. Im Vergleichszeitraum 2003/2004 war es mehr als doppelt so viel. Die Ministerin warnte jedoch davor, von einer Verringerung um 50 Prozent zu sprechen: Die Daten stammen von einem Satellitenüberwachungssystem, das die Zerstörungen in Echtzeit erfasst, um die Bekämpfung von großflächigen Waldfreveln zu verbessern. Die Schnelligkeit gehe jedoch zu Lasten der Präzision: Das System registriere nur Zerstörungen von über 65 Hektar. | Die aktuellen Zahlen würden also lediglich einen Trend andeuten. "Sicher ist nur, dass sich die Zerstörung bedeutend verringert", sagte ein Beamter des Umweltministeriums. Wie viel Wald wirklich verschwunden ist, wird erst zum Jahresende genau zu sagen sein. Dann präsentiert die Regierung die Ergebnisse eines anderen Beobachtungssystems, das zwar langsamer, aber genauer arbeitet. 2003/2004 lagen die von diesem System ermittelten Zahlen deutlich höher als die des schnellen Satellitensystems, und zwar um rund ein Drittel. | Die Umweltministerin führte den Rückgang auf verschärfte Überwachung sowie ein Schutzprogramm zurück, das die Regierung Anfang letzten Jahres einführte. Seit 2003 sind 8,5 Millionen Hektar als geschütztes Gebiet ausgewiesen worden, bis Ende 2006 sollen weitere 24 Millionen Hektar folgen. | Die Umweltschutzorganisation WWF und Greenpeace begrüßten die Entwicklung und lobten die verstärkten Anstrengungen des Staates. Ein WWF-Sprecher sagte jedoch, es wäre "naiv und unverantwortlich", allein die staatliche Überwachung und Bekämpfung als Ursache zu nennen und den wirtschaftlichen Hintergrund zu übersehen. Die in jüngster Zeit eingebrochenen Soja-Preise habe die Abholzung zu Gunsten neuer Anbauflächen und damit den Druck auf den Wald verringert. Erfahrungsgemäß nehme die Abholzung aber zu, wenn die Preise wieder anziehen. Am stärksten ist die Waldvernichtung im Bundesstaat Parà gebremst worden, nämlich um 81 Prozent. Im Soja-Staat Mato Grosso ist ein Drittel weniger Wald eingeschlagen worden als im Vergleichszeitraum. (Quelle: Berliner Zeitung 29.8.2005). |
| 16.8.2005 | Waldrodung und Luftverschmutzung gefährden indischen Monsun | Zunehmende Luftverschmutzung und Waldrodung in Südasien könnten zu einem Ausbleiben des indischen Monsuns führen. Dies zeigen Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in einer Studie, in der sie die Stabilität des indischen Monsuns untersuchten. Die Ergebnisse der Studie sind in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Geophysical Research Letters" erschienen. | Die jährlich wiederkehrenden Monsunniederschläge bestimmen maßgeblich die Lebensumstände der indischen Bevölkerung. Mit einem schwachen Monsun gehen häufig Dürren einher; hierdurch können Ernten ausbleiben und Hungersnöte unter der ländlichen Bevölkerung entstehen, die zwei Drittel der Gesamtbevölkerung Indiens ausmacht. Monsunniederschläge, die stärker ausfallen als gewöhnlich, können ähnlich verheerende Folgen haben, wie die Jahrhundert-Regenfälle der letzten Wochen in Mumbai (Bombay) gezeigt haben. | In der aktuellen PIK-Studie haben Wissenschaftler anhand eines einfachen Modells einen Mechanismus entdeckt, der zu einem Ausbleiben des indischen Sommermonsuns führen könnte: Durch die zunehmende Luftverschmutzung mit Schwebeteilchen (Aerosolen) über Indien - verursacht durch Brände und den Verbrauch fossiler Brennstoffe - sowie Waldrodungen, die regional zu einer helleren Landoberfläche führen, wird mehr Sonnenlicht reflektiert (Zunahme der "Albedo"). Hierdurch sinkt die Temperatur über der Landmasse, da weniger Sonnenlicht die Erde erreicht. Die Zufuhr feuchter Luftmassen vom Indischen Ozean, die den Monsunregen speisen, wird gestoppt und die Niederschläge nehmen dramatisch ab. | Wie wahrscheinlich das Ausbleiben des Sommermonsuns tatsächlich ist, kann aus der Studie nicht geschlossen werden. Hierzu wären Analysen notwendig, die realistische Prognosen (so genannte "Szenarien") berücksichtigen - von der Entwicklung der Luftverschmutzung sowie der Veränderung der Landnutzung in Südasien. Auch ein weiterer Effekt müsste beachtet werden: die steigenden Konzentrationen von Treibhausgasen. Letztere haben einen entgegengerichteten Effekt auf den Sommermonsun: Mehr Treibhausgase in der Atmosphäre führen zu einer Temperaturzunahme über der Landmasse und dadurch zu stärkeren Niederschlägen. Welcher der beiden Effekte letzendlich dominieren wird, ist derzeit offen. | Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) wurde 1992 gegründet und beschäftigt rund 110 Wissenschaftler. Seine Forschungen zu Klimawandel, Klimafolgen und nachhaltiger Entwicklung sind international anerkannt. Das PIK ist Mitglied der Leibniz- Gemeinschaft. | Quelle/Text: Informationsdienst Wissenschaft |
| 13.8.2005 | Malaysia ruft den Notstand aus | Kuala Lumpur/Jakarta (AFP) - Durch Brandrodungen auf der Insel Sumatra haben indonesische Bauern die Luft so stark verschmutzt, dass im benachbarten Malaysia in einigen Landesteilen der Notstand ausgerufen werden musste. Während die malaysische Regierung für Kuala Selangor und die Hafenstadt Port Klang den Notstand erklärte, zog auch durch die Straßen der Hauptstadt Kuala Lumpur ein gelblicher Nebel, der die Luftverschmutzung auf alarmierende Werte ansteigen ließ. Der malaysische Umweltminister Adenan Satem bot Indonesien Hilfe bei der Löschung der Brände an. Satellitenbilder zeigten 993 verschiedene Brandherde. | In den Notstandsgebieten wurde das gewöhnliche Arbeitsleben unterbrochen, nur Lebensmittelläden durften öffnen. Im Gegensatz zur malaysischen Regierung, die Spannungen mit Indonesien zu vermeiden sucht, kündigte die Opposition für Freitag eine Demonstration vor der indonesischen Botschaft in Kuala Lumpur an. Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono rief die Regierung in Jakarta auf, verstärkt gegen die Brandrodung einzuschreiten. Strafen für die Landwirte sind jedoch bislang nicht vorgesehen. | "Im Interesse gut nachbarschaftlicher Beziehungen müssen wir uns zusammensetzen und verhandeln", sagte der malaysische Außenminister Syed Hamid Albar. Die indonesische Regierung erklärte, hunderte Feuerwehrleute seien im Einsatz. Eine Auswertung der Satellitenbilder ergab, dass mehr als 60 Prozent der Brände von Landwirten gelegt wurden, um Waldgebiete niederzubrennen und für den Ackerbau nutzbar zu machen. Wegen der schlechten Sichtverhältnisse musste einer der beiden Flughäfen von Kuala Lumpur geschlossen werden. Auch Hunderte von Schulen wurden vorsichtshalber geschlossen. |
| 8.8.2005 | Kohlenstoffkreislauf am Amazonas läuft viel schneller - Kohlendioxid bleibt nur etwa fünf Jahre gespeichert | (pte) - Einem US-Forschungsteam ist es gelungen zu zeigen, dass der Kohlenstoffkreislauf im Amazonas wesentlich schneller vor sich geht als bisher angenommen. Der größte Teil des Kohlenstoffs, der als CO2 von den Flüssen abgegeben wird, stammt von Bäumen und Pflanzen und war dort nur etwa fünf Jahre gespeichert, berichtet die National Science Foundation NSF. | Die Forscher waren nicht davon ausgegangen, dass die Kohlenstoffkreisläufe so schnell vor sich gehen. "Das wirft ein völlig neues Licht auf das globale Kohlenstoff Puzzle", meint James Morris, Direktor des NSF-Programms, das gemeinsam mit dem Center of Accelerator Mass Spectrometry am Lawrence Livermore National Laboratory, der NASA und der Research Support Foundation für den Staaat San Paulo in Brasilien durchgeführt wurde. "Bisher war man davon ausgegangen, dass Regionen wie das Amazonas Becken mit seiner Fläche von 3,8 Mio. Quadratkilometern, CO2 während der Photosynthese schluckt und Dekaden oder sogar Jahrhunderte speichert", so Studienleiter Emilio Mayorga von der University of Washington. | Das bedeutet, dass die Annahmen dahingehend waren, dass das aufgenommene CO2 in einem langsamen Prozess wieder abgegeben wird. "Die bisher größte Radiocarbon-Studie an einem einzelnen Flusssystem hat ergeben, dass die enormen Mengen von CO2, die leise in die Atmosphäre abgegeben wird, viel jünger ist als der Kohlenstoff, der mit den Flüssen hinunterfließt", erklärt Anthony Aufdenkampe vom Stroud Water Research Center in Pennsylvania. Kohlenstoff entsteht beim Zerfall von organischem Material wie Blättern und Holz und wandert über Regen und Grundwasser ins Flusssystem. Mikroorganismen und Fische nehmen es auf und scheiden es als CO2 aus. | "Da sich aber die Landnutzung und auch die Vegetation durch Menschenhand ändern, ändern sich auch die Parameter. Das System antwortet sehr schnell", führt Mayorga aus. "Menschen wie auch natürliche Systeme werden dadurch beeinträchtigt." |
| 18.7.2005 | Taiga filtert weniger Kohlendioxid als angenommen | Die Pflanzen der sibirischen Taiga filtern nach Erkenntnissen von Klimaforschern weniger Treibhausgase aus der Luft als bisher angenommen. Die Wälder nähmen weniger als 20 Prozent des menschengemachten Kohlendioxid-Ausstoßes Russlands auf. | Das sagte der Wissenschaftler Martin Heimann vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie am Donnerstag auf einer Tagung zu zwei internationalen Klimaforschungsprojekten in Jena. Das sei weniger als allgemein vermutet. | Einige Wälder könnten die Konzentration von Kohlendioxid weniger reduzieren als allgemein erhofft, sagte der Potsdamer Wissenschaftler Wolfgang Lucht. Umso wichtiger sei eine drastische Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes. Forscher aus neun Ländern hatten in den vergangenen fünf Jahren klimatische Vorgänge in einem 3,2 Quadratkilometer großen Gebiet der sibirischen Taiga untersucht. Sie sammelten dafür Daten von Satelliten der europäischen, amerikanischen und japanischen Weltraumbehörden und von Bodenmessstationen vor Ort. | Die Wissenschaftler betrachten die sibirische Taiga wegen der großen Fläche und der kalten Temperaturen als einen besonders geeigneten Indikator für den Klimawandel. In dem untersuchten Gebiet sei die durchschnittliche Oberflächentemperatur seit 1960 um drei Grad gestiegen. Die deshalb zeitiger einsetzende Tauperiode führt nicht nur zu einem vermehrten Pflanzenwachstum. Die Bodenerwärmung führe auch zu beschleunigten Zersetzungsprozessen im Boden, bei denen Kohlendioxid frei werde. Nach Ansicht der auf Fernerkundungen spezialisierten Forscherin Christiane Schmullius von der Universität Jena können diese Erkenntnisse möglicherweise auch auf andere Wälder der nördlichen Erdhalbkugel übertragbar sein, dafür seien aber Langzeitdaten nötig. | Aus Sicht der Klimaforscher müsste der Ausstoß von Kohlendioxid in den nächsten 50 Jahren um bis zu 40 Prozent verringert werden. Nach dem Kyoto-Protokoll müssen die Industrieländer den Ausstoß ihrer Treibhausgase bis 2010 im Schnitt um 5,2 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. Einige Länder dürfen sich einen Teil ihrer Wirtschaftswälder für ihr Klimaschutzziel anrechnen lassen. Ende November soll auf der Klimakonferenz in Montréal über eine weiter gehende Treibhausgasreduktion verhandelt werden. | Quelle:dpa |
| 8.7.2005 | Verstärkte Waldzerstörung jetzt auch im Bundesstaat Amazonas | Im brasilianischen Bundesstaat Amazonas, der bisher von Regenwaldzerstörungen weitgehend verschont blieb, wurde zwischen 2003 und 2004 ebenfalls eine starke Waldzerstörung festgestellt. Wie das brasilianische Institut für Weltraumforschung mitteilt, nahm die Waldzerstörung in 2004 am südlichen Rand Amazoniens, wo sich der "Sojagürtel" nach Norden frisst, um 16 Prozent im Vergleich zum Jahr 2003 zu. Das entspricht einer Zerstörung von 8223 Quadratkilometern im Vergleich zu 6926 im Jahre 2003. |
| 7.6.2005 | Schwerer Schlag gegen die Holzmafia in Amazonien | Brasilien hat am Donnerstag zum größten Schlag seiner Geschichte gegen den illegalen Holzeinschlag ausgeholt. Die Bundespolizei nahm 89 Beamte und Holzfäller fest, darunter Mitarbeiter der Umweltbehörde IBAMA. Die Bande hatte 14 Jahre lang illegale Einschlagkonzessionen im Mato Grosso erteilt, genutzt oder zum eigenen Vorteil geduldet. | Die Festgenommenen werden beschuldigt, für 1,9 Millionen Kubikmeter illegal geschlagenen Holzes verantwortlich zu sein - eine Menge, die 76.000 Lastwagen füllen würde. Aneinandergereiht würden diese LKWs die Route von Rio de Janeiro bis Brasilia abdecken. | Im Laufe der Untersuchungen enttarnten Bundespolizei und IBAMA-Beamte 431 Briefkastenfirmen. 283 Forstpläne wurden vorläufig ausgesetzt, 36 weitere ersatzlos gestrichen und vorgetäuschte Transportgenehmigungen aus dem Verkehr gezogen. | Der brasilianische Greenpeace-Experte Paulo Adário begrüßte das Vorgehen gegen die Holzmafia. Er betonte aber, dass Korruption und ungenehmigter Einschlag nicht nur im Mato Grosso an der Tagesordnung seien. "Die Bundespolizei und die IBAMA sollten ihre Untersuchungen auch auf die anderen Amazonas-Bundesstaaten ausweiten - auf Pará und Rondonia beispielsweise, wo Entwaldung und illegaler Einschlag grassieren." | Adário wünscht sich, dass Polizei, Umweltbehörde und die brasilianische Behörde für Besiedlungspolitik und Landreform personell aufgestockt werden. "Die drei Institutionen müssen gestärkt und besonders geschult werden, um gegen illegalen Einschlag, Landraub und Menschenrechtsverstöße vorgehen zu können." |
| 19.5.2005 | Entwaldungsrate in Amazonien steigt um 6 Prozent im Zeitraum 2003-2004 | Laut dem brasilianischen Institut für Weltraumforschung (INPE), das Amazonien mit Satelliten überwacht, ist die Waldzerstörungsrate im brasilianischen Amazonasgebiet im Erhebungszeitraum 2003-2004 um 6 Prozent auf nunmehr 26130 Quadratkilometer (von offiziell 23750 km² im Jahr davor) angewachsen. Damit entspricht die jährliche Waldzerstörung etwa der Fläche des Bundeslandes Brandenburg und der Zerstörung einer Waldfläche von 8.600 Fußballfeldern pro Tag. Durch eine Umstellung bei der Datenerhebung ist jedoch davon auszugehen, dass diese Zahl in Wirklichkeit noch erheblich höher ausgefallen ist: | Wurden bisher Regionen, welche auf den Satellitenbildern mit Wolken bedeckt waren entsprechend der im Umfeld bekannten Entwaldungsraten geschätzt, so ging man in der aktuellen Erhebung davon aus, dass die Wälder in den von Wolken bedeckten Regionen völlig intakt seien. Es wird angenommen, dass dadurch die wirklichen Entwaldungszahlen um 15-20 Prozent höher liegen als offiziell bekannt gegeben. | In den vergangenen vier Jahrzehnten wurden dei Regenwälder am Amazonas auf einer Fläche von 680.000 Quadratkilometern zerstört. Das sind rund 18 Prozent der Gesamtfläche des brasilianischen Regenwaldes. | Genaue Zahlen, verteilt auf die einzelnen brasilianischen Bundesstaaten können Sie den Tabellen im (allerdings potugiesischen Text) entnehmen und hier als .pdf-Datei herunterladen. |
| 18.4.2005 | Nach 30 Jahren: Umstrittenes Indianerreservat in Amazonien anerkannt | Brasiliens Präsident Luíz Inacio Lula da Silva hat am Freitag Abend in Brasilia das Dekret zur Anerkennung des Indianergebietes Raposa/Serra do Sol unterzeichnet. Für die über 15.000 Indianer des 1,74 Millionen Hektar großen Gebietes, das im nördlichsten Teil Brasiliens an der Grenze zu Venezuela und Guayana liegt, endet damit ein über 30 Jahre dauernder Kampf um traditionelle Landrechte. | Raposa/Serra do Sol ist eines der größten und das umstrittenste Indianergebiet Brasiliens. Die Gegner der Landrechtsvergabe wollten landwirtschaftlich nutzbare und rohstoffreiche Ländereien aus dem Indianergebiet ausgespart sehen. Die Militärs fürchteten, dass sie nach Anerkennung ihren Grenzsicherungsaufgaben nicht nachkommen könnten. Zahlreiche Indianer bezahlten den Kampf um das verfassungs- gemäß ihnen zustehende Land mit ihrem Leben. Mehrere Präsidenten schieden aus dem Amt, ohne diesen Konflikt durch ihre Unterschrift zu beenden. Selbst die Regierung Lula ließ sich durch immer neue Einsprüche und Klagen fast zweieinhalb Jahre aufhalten, bis der Oberste Bundesgerichtshof nun am Donnerstag den Weg für die Anerkennung freigemacht und alle Klagen gegen das Indianergebiet abgewiesen hat. | Mit der Unterzeichnung der Homologationsurkunde durch Präsident Lula da Silva tritt das Dekret Nr. 534/05 in Kraft, welches am 15. April im offiziellen Mitteilungsblatt Brasiliens veröffentlicht wurde und das weitere Vorgehen regelt. Demnach werden nur eine Garnison und die Stadt Uiramutá an der Grenze zu Guayana sowie wichtige Straßen und Stromleitungstrassen zum Zwecke der Landesverteidigung und der Grundversorgung aus dem Gebiet ausgespart. Die Bewohner von drei Dörfern, 47 kleineren Farmen und 16 größeren Reisfarmen müssen innerhalb eines Jahres in andere Gebiete umgesiedelt und entsprechend entschädigt werden. Der Zugang ins Gebiet ist außer Beamten der Bundesregierung nur solchen Nicht-Indianern gestattet, die eine Sondergenehmigung haben und den Indianern keinen Schaden zufügen. |
| 13.4.2005 | Peru schützt ein großes Stück Amazoniens | Am Donnerstag hat in Lima der World Wide Fund for Nature (WWF) den Präsidenten Perus, Alejandro Toledo, mit der Auszeichnung «Gift of the Earth» bedacht, in Anerkennung seines Verdienstes um die Schaffung eines großen Schutzgebietes am Oberlauf des Rio Purús in der südöstlichen Ecke des Amazonas-Tieflandes in Nachbarschaft zu Brasilien. Das Reservat hat mit 2,7 Millionen Hektar beinahe die Ausdehnung von Belgien und wird damit zu einem der weltweit größten Schutzgebiete für indigene Völker. | Schutz der Ureinwohner | Mit der Publikation im Amtsblatt «El Peruano» am 24. November des vergangenen Jahres hatte Peru seinen größten Nationalpark gesetzlich abgesichert, was bisher aber in der Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommen wurde. Der Akt besitze jedoch für die Umweltpolitik des Anden- und Amazonas-Staates eine wegleitende Funktion. Insbesondere werde das Vordringen der Erdöl- und Erdgasindustrie in das Kerngebiet des Nationalparks verhindert. Im nahe gelegenen Gebiet von Camisea fördert Peru bereits den größten Teil seiner Gasproduktion, die mittels einer gigantischen Pipeline quer über die Anden an den Pazifik transportiert wird. In den hauptsächlichen Erdölfördergebieten, an den Flüssen Tigre und Corrientes im Grenzgebiet zu Ecuador, ist der Umwelt und den Ureinwohnern grosser Schaden zugefügt worden. | Das Besondere am Projekt Alto Purús ist die Rücksichtnahme auf die dort lebenden Ureinwohner. Im Gebiet leben etwas über 3000 Personen, die zu neun verschiedenen Völkern gehören. Unter ihnen befinden sich schätzungsweise 200 Mitglieder der Mashco-Piro, die sich den ausgestreckten Fängen der «Zivilisation» verschließen und die selbstgewählte Isolation vorziehen. Mitglieder einer Interessenvertretung von Indigenen haben quasi als ungefragte Beistände mit der Regierung die Verankerung eines geschützten Territoriums für die Mashco-Piro ausgehandelt. Laut Gesetz können nämlich in Nationalparks keine Landtitel vergeben werden, doch für die Mashco-Piro bedeutet die Verbriefung des speziellen Territoriums innerhalb des Parks eine Absicherung und gar eine Vergrösserung ihres bisherigen Lebensraumes. | Nur noch nachhaltige Nutzung | Laut Suito ist für die Angehörigen der anderen acht Völker angrenzend an den Nationalpark ein kommunales Reservat geschaffen worden, dessen Nutzung nur ihnen offen steht, wofür sie aber trotzdem einen Plan vorlegen müssen. Sie können Ökotouristen herumführen, jagen und sammeln sowie eine angepasste Landwirtschaft betreiben, wovon die Brandrodung ausdrücklich ausgenommen ist. | Das Reservat Alto Purús beherbergt seltene Tierarten wie Jaguare, Harpyie-Habichte, Riesen-Flussotter und Spinnenaffen. Das Reservatsgebiet ist reich an seltenen Pflanzen, darunter vor allem die von Holzfällern begehrten grossblättrigen Mahagoni-Bäume. In der Region des Alto Purús sollen auch die Grundlagen für die nachhaltige Nutzung der peruanischen Tropenwälder verfeinert und durchgesetzt werden. | Quelle: NZZ |
| 21.3.2005 | Trittin will Vermarktung von illegal geschlagenem Holz verbieten | Angesichts des Ausmaßes des illegalen Holzeinschlags und der dramatischen Konsequenzen für die biologische Vielfalt hat Bundesumweltminister Jürgen Tr ittin dringend Maßnahmen zum Schutz der Urwälder angemahnt. Trittin: "Maßnahmen gegen den illegalen Holzeinschlag können nicht länger warten, sondern müssen jetzt ergriffen werden. Wir haben deshalb ein Urwaldschutzgesetz erarbeitet, das die Vermarktung von Holz und Holzprodukten verbietet, wenn das Holz in Urwäldern illegal eingeschlagen wurde", erklärte Trittin aus Anlass des morgigen Tag des Waldes. | Obwohl die Bedrohungen für die Wälder und ihre biologische Vielfalt allgemein bekannt sind und eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit genießen, setzt sich der Waldverlust nahezu ungebremst fort. Eine wesentliche Ursache ist der illegale Holzeinschlag. Zum Ausmaß des illegalen Einschlags gibt es naturgemäß nur Schätzungen. Danach beträgt der illegale Holzeinschlag in den drei für Deutschland wichtigsten Importländern Brasilien 80 Prozent, für Indonesien 73 Prozent und Russland 20-30 Prozent. | Mit dem Gesetzentwurf kommt Bundesumweltminister Trittin entsprechenden Forderungen der Koalitionsfraktionen und auch der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag nach. Ende April soll der Entwurf mit Umwelt- und Wirtschaftsverbänden und mit den Ländern erörtert werden. | Jürgen Trittin: "Natürlich reicht es nicht, nur den illegalen Einschlag in Urwäldern zu stoppen. Wir müssen weltweit zu einem Umgang mit den Wäldern kommen, dass dieses Naturerbe für kommende Generationen bewahrt wird." In diesem Zusammenhang hob Trittin die Bedeutung des Übereinkommens zur biologischen Vielfalt (CBD) hervor. | Hinweis: Weitere Informationen zum Thema biologische Vielfalt sind im Internet unter www.bmu.de (Themen Natur und Arten) abrufbar. |
| 22.2.2005 | Reaktion auf Gewalt und Regenwaldzerstörung | Brasiliens Präsident Lula da Silva hat per Dekret mehr als fünf Millionen Hektar Regenwald im Amazonas zu neuen Naturschutzgebieten erklärt, eine Fläche größer als die Niederlande. Damit reagierte er auf die jüngste Gewaltwelle und die illegale Abholzung. In der von Gewalt erschütterten Ortschaft Anapu im Bundesstaat Pará war vor einer Woche die Nonne Dorothy Stang erschossen worden. Wenige Tage später wurden ein Kleinbauer und ein Landgewerkschaftler in Pará ermordet. Die Polizei vermutet illegale Landschieber und Großgrundbesitzer hinter den Gewalttaten. |
| 16.2.2005 | Brasilien will gegen illegale Rodungen vorgehen | Brasiliens Regierung hat mit unerwarteter Schärfe auf den Mord an der aus den USA stammenden Nonne und Umweltschützerin Dorothy Stang im Amazonas reagiert. So sollen Flugzeuge der brasilianischen Armee massive Aktionen der Umweltbehörde Ibama und der Bundespolizei gegen illegale Landnahmen und Rodungen unterstützen, teilte Umweltministerin Marina Silva mit. Silva und neun weitere Minister aus dem Kabinett von Präsident Luis Inacio Lula da Silva trafen sich am Dienstag zu einer Krisensitzung, um das weitere Vorgehen in dem Mordfall und gegen die ausufernde Gewalt in der Amazonas-Region zu beschließen. Die 74 Jahre alte Nonne war am Samstag von mutmaßlichen Auftragskillern nahe Anapu, einer Amazonasgemeinde etwa 2000 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro, erschossen worden. Seit den siebziger Jahren hatte sie sich vehement gegen die fortschreitende Abholzung des Regenwaldes und für landlose Bauern in der Amazonas-Region eingesetzt. Tausende Menschen kamen zur Totenwache für Stang. Am Dienstagnachmittag wurde sie in Anapu beigesetzt. | Brasiliens Generalstaatsanwalt Claudio Fonteles warf der Regierung des Bundesstaats Para unterdessen Nachlässigkeit vor. Stang hatte die Behörden bereits vor einem Jahr auf Todesdrohungen gegen Landarbeiter in Anapu hingewiesen. "Wir können keine weiteren Märtyrer in Amazönien hinnehmen", empörte sich auch Paulo Adario, der Leiter von Greenpeace im Amazonas, der selbst wiederholt Morddrohungen erhielt. | Quelle: SZ vom 16.2.2005 |
| 09.02.2005 | Zentralafrika auf dem Holzweg | Die Staaten des zentralafrikanischen Kongobeckens wollen ihre Regenwälder mit den Erlösen aus dem Tropenholzexport schützen. Umweltschützer wundern sich. | Von DOMINIC JOHNSON: Die Urwälder Zentralafrikas sollen zukünftig mit den Einnahmen aus dem Tropenholzexport geschützt werden. Auf diese paradoxe Konstruktion einigte sich am Samstag der Regenwaldgipfel in Kongo-Brazzaville, auf dem die Anrainerstaaten des Kongo-Flussbeckens zusammen mit Vertretern der reichen Industrienationen über den Schutz des nach dem Amazonasbecken zweitgrößten tropischen Regenwaldgebiets der Erde diskutiert hatten. "Der Gipfel hat das Prinzip eines Finanzmechanismus beschlossen, wonach Steuern auf die Erlöse des Exports von Wald- und Tierprodukten die Finanzierung des Konvergenzplans garantieren sollen", heißt es in der am Samstag verabschiedeten Abschlusserklärung des Gipfels. Der "Konvergenzplan" mit einem Umfang von 1,3 Milliarden Dollar beinhaltet ein Zehnjahreskonzept zum langfristigen Erhalt der afrikanischen Regenwälder. | Zuvor hatte Kongo-Brazzavilles Präsident Denis Sassou-Nguesso, Gastgeber des Gipfels, einen "gerechten Weg zwischen der notwendigen Erhaltung der Umwelt und den Überlebensnotwendigkeiten der Anwohner der zu schützenden Wälder" gefordert. Kongo-Brazzaville will mit einem länderübergreifenden Zertifikatssystem dafür sorgen, dass die Länder Zentralafrikas Tropenhölzer exportieren können, ohne dafür der Umweltzerstörung beschuldigt zu werden. Die Zertifikate sollen garantieren, dass nur solche Hölzer auf den Weltmarkt gelangen, für deren Einschlag es eine Regierungsgenehmigung gibt. | Weiterhin sagte die EU auf dem Gipfel 40 Millionen Euro zur Finanzierung der "Kongobecken-Initiative" zu, ein bereits vor mehreren Jahren beschlossenes 300-Millionen-Dollar-Programm zum Schutz der zentralafrikanischen Regenwälder, für das bisher nur Zusagen aus den USA in Höhe von 53 Millionen Dollar vorlagen; von diesen waren bisher auch nur 20 Millionen ausgezahlt. | Umweltschützer reagierten gespalten auf den Gipfelbeschluss. "Zentralafrika ist ein Vorbild für die gesamte Welt, wie grenzüberschreitende Umweltprobleme zu lösen sind", lobte Claude Martin, Direktor des World Wildlife Fund (WWF). Die britische "Rainforest Foundation" sowie "Greenpeace" kritisierten die Beschlüsse hingegen als Freibrief zum Abholzen. Die Korruption in der Rohstoffwirtschaft der Länder des Kongobeckens sei gigantisch, hieß es. "Schlechte Regierungsführung und mangelnde Transparenz müssen prioritär angegangen werden", forderte Jean-Luc Roux von Greenpeace. Außerdem müssten die Volkswirtschaften der Region ihre Abhängigkeit vom Holzexport eigentlich verringern und nicht erhöhen. |
| 22.01.2005 | Gen-Soja und die Zerstörung der Regenwälder | Lesen Sie einen Interessanten Beitrag von Elmar Getto über das Zusammenwirken von Soja-anbau, Politik und Regenwaldzerstörung. Der Bericht liegt hier als .pdf-Dokument zum herunterladen bereit. |
| 17.01.2005 | Ungebremste Regenwaldzerstörung | Bundestag: Tropenwaldzerstörung bisher nur in Ansätzen vermindert | Trotz internationaler Anstrengung auf vielen Ebenen ist es bisher nur in Ansätzen gelungen, die (Tropen-)Waldzerstörung zu bremsen. Das stellt die Bundesregierung in ihrem "Fortschrittsbericht zur deutschen bilateralen Entwicklungszusammenarbeit im Waldsektor" (15/4600) fest. Viele Erfolge seien durch Bevölkerungswachstum und den damit steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln, Boden und Süßwasser wieder ausgeglichen worden. Naturkatastrophen nähmen zu, ebenso wie Kriege und Krisen. | In vielen Tropenländern sei Holz immer noch einer der wichtigsten Devisenbringer. Weiter stellt die Regierung fest, dass die Unterstützung der Formulierung und Umsetzung nationaler Waldprogramme umso erfolgreicher sei, je ernsthafter die Regierung des Partnerlandes ihre Verpflichtungen zur Umsetzung der vereinbarten Aktionsfelder des Nationalen Waldprogrammprozesses wahrnehme. | Gleiches gelte, je gezielter die Strategien formuliert würden und wenn eine langfristige Zusage zur Unterstützung seitens der Gebergemeinschaft vorliege. Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Interessen im Waldbereich könne das Konfliktrisiko bei Waldvorhaben und damit der Bedarf an Konfliktlösung und Mediation phasenweise sehr hoch sein. | Die Regierung führt weiter aus, dass in vielen Ländern der Nutzen nachhaltiger Waldbewirtschaftung erkannt worden sei. Da diese aber sehr stark durch Rahmenbedingungen außerhalb des Sektors beeinflusst werde, gingen die Umsteuerungsprozesse nur sehr langsam vonstatten. Hierbei gelte es, die Partnerinstitutionen darin zu unterstützen, die Belange des Waldes auch in anderen Ressorts zu vertreten, Minimalstandards festzustellen und sie in übersektorale Entwicklungsprogramme einzubringen. | Die vielschichtigen Aufgaben beim Waldschutz seien nicht isoliert zu bewältigen. Dies koste angesichts der komplexen internationalen Regelwerke Zeit, Geld und Personal und binde so erhebliche Mittel. Viele Probleme reichten über die nationale politische Kraft hinaus. Zu diesem Zweck hätten immer mehr Staatengruppen und Regionen begonnen, regionale Initiativen ins Leben zu rufen und Strategien zur Waldwirtschaft zu entwickeln. Die zukünftige Herausforderung des internationalen Walddialogs, so die Regierung weiter, bestehe nun darin, eine Einigung darüber herbeizuführen, mit welchen Instrumenten und Prozessen die Prinzipien nachhaltiger Waldwirtschaft stärker und wirkungsvoller als bisher umgesetzt werden können. | Die Staaten müssten entscheiden, ob sie dazu ein eigenes rechtsverbindliches Regelwerk für den Wald verabschieden möchten oder ob die bereits bestehenden Regelwerke ausreichen. Daneben seien nationale Waldprogramme ein noch viel zu wenig genutztes Instrument der Politikgestaltung. | Deutschland werde sich weiterhin dafür einsetzen, nationale Waldprogramme zu fördern und die Partnerländer darin zu unterstützen, Wald zum Thema von Politik zu machen. | Quelle/Text: Deutscher Bundestag |
| 10.01.2005 | Fordern Sie ökologische Hermes-Kriterien! | Mit Hermes-Krediten sichert die Bundesregierung Exportgeschäfte deutscher Firmen im Ausland ab. Häufig wurden in der Vergangenheit Projekte gestützt, die katastrophale Auswirkungen für die Umwelt und die lokale Bevölkerung hatten. Schlimmstes Beispiel sind die Hermes-Bürgschaften für die indonesische Papierindustrie. In den neunziger Jahre gewährte die Bundesregierung Hermes-Deckungen in Höhe von über 350 Millionen Euro für den Ausbau der indonesischen Produktionskapazitäten. Zellstoff- und Papiergiganten wie APRIL haben seitdem den Raubbau an der Natur in Indonesien beträchtlich voran getrieben. Da ihnen eine nachhaltige Holzversorgung fehlt, bedienen sie sich in den heimischen Regenwäldern. Das hat fatale Folgen: Allein auf der Insel Sumatra wurden für die Papier- und Zellstoffproduktion schon über 830.000 Hektar Regenwälder vielfach illegal vernichtet - mit Hilfe deutscher Steuergelder. | In der rot-grünen Koalition ist jetzt ein Streit darüber entbrannt, ob die Hermes-Richtlinien sich künftig stärker am Umweltschutz orientieren sollen. Die Grünen wollen die Leitlinien schärfer formulieren, Minister Clement und SPD-Abgeordnete wollen das verhindern. Entschieden wird voraussichtlich Mitte Januar. | Unsere Kollegen von "Rettet den Regenwald" haben dazu einen Musterbrief entworfen, welchen wir Sie bitten zu unterstützen. Bitte fordern Sie die SPD-Abgeordneten aus den drei Ausschüssen für Wirtschaft, Entwicklungshilfe und für Auswärtiges mit dem Musterbrief auf, sich für ökologische und soziale Hermes-Richtlinien stark zu machen. | Den Musterbrief finden Sie hier. | Vielen Dank für Ihre Unterstützung! |
| 10.12.2004 | Brandrodungen verschlimmern Treibhauseffekt | Die Zerstörung des brasilianischen Regenwaldes durch Brandrodungen ist hauptverantwortlich für die schädlichen Gasemissionen des südamerikanischen Landes, die den so genannten Treibhauseffekt verursachen. | Das geht aus einer Regierungsstudie aus den Jahren 1990 bis 1994 hervor, die in Brasilien erstmals veröffentlicht wurde. Sie sollte auch bei der UNO-Klimakonferenz in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires vorgestellt werden. | Nach der in Brasilia veröffentlichten Studie war das grösste Land Lateinamerikas zwischen 1990 und 1994 für drei Prozent aller weltweiten Treibhaus-Gasemissionen verantwortlich. | Als überraschend werteten Experten die Tatsache, dass die Brandrodungen zur Vorbereitung von Anbauflächen im Urwald 1994 für drei Viertel aller Treibhausgasemissionen in Brasilien sorgten. Die Verbrennung fossiler Brennstoffe hatte nur einen Anteil von 23 Prozent. | Der brasilianische Ausstoss von Kohlendioxid (CO2), jenes Gases, das für den Treibhauseffekt und die globale Temperaturerhöhung hauptverantwortlich ist, erhöhte sich laut der Studie allein zwischen 1990 und 1994 um fünf Prozent auf 1,03 Milliarden Tonnen. | Brasiliens Umweltministerin Marina Silva versicherte, die Regierung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva tue alles, um die Zerstörung des Regenwaldes zu bremsen. Dazu müssten vor allem die illegalen Aktivitäten bekämpft werden, sagte sie. |
| 03.12.2004 | Nie wurde in Amazonien mehr Regenwald zerstört als im vergangenen Jahr | Brasiliens Regierung hat diese Woche aktuelle Zahlen zur Urwaldabholzung im Amazonas veröffentlicht. Demnach sind 2004 zwischen 23.000 und 33.000 Quadratkilometer Regenwald unwiederbringlich zerstört worden. Tatsächlich könnten die Zahlen noch höher liegen. Die brasilianische Presse berichtet über eine zerstörte Fläche, die so groß wie Belgien ist. Damit wäre ein neuer Rekord in Brasiliens Geschichte der Waldzerstörung erreicht. "Die Abholzungsstatistiken dieses Jahres liegen wahrscheinlich höher als die Regierung zugeben möchte. Es sind alarmierende Zahlen aber sie spiegeln nicht wider, wie grässlich die Situation wirklich ist. Das Vorhaben der brasilianischen Regierung, die Abholzung des Regenwaldes zu stoppen, ist fehlgeschlagen", sagt Paulo Adario, Amazonas-Experte von Greenpeace. Einer der Gründe für die Zerstörung ist der Straßenbau der B-163. Umweltschützer warnen davor, dass Straßen, Staudämme und Pipelines zu einer rasanten Urwalderschließung und Waldbesiedlung führen und somit profitgierigen Industriekonzernen den Weg ebnen. Sie stellen die größte Gefahr für den einzigartigen Regenwald dar, der 30 Prozent der weltweiten Tier- und Pflanzenarten eine Heimat bietet. |
| 16.11.2004 | Programm zur Bewahrung des Atlantischen Regenwaldes | Das Staatssekretariat für Biodiversität und Wälder des brasilianischen Umweltministerium will noch im Jahre 2004 die Weichen für ein Programm zur Bewahrung des Atlantischen Regenwaldes Brasiliens stellen. Diese Initiative wird von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ausdrücklich begrüßt und untertützt. Damit soll dem Atlantischen Regenwald Brasiliens, als einem der bedrohtesten Naturräume der Welt und der zu einem der "Hotspots" der internationalen Strategie zum Biodiversitätserhalt erklärt wurde, mehr Gewicht als bisher beigemessen werden. | In einem ersten Seminar, das für Ende November angesetzt wurde, sollen Spezialisten der brasilianischen Bundesregierung, der betroffenen Bundesstaaten, der schon bestehenden EZ-Vorhaben sowie von NROs eine Bestandaufnahme machen, was zur Zeit an Projekten und Programmen zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung des Atlantischen Regenwaldes läuft und wie diese Anstrengungen gebündelt und in einem Programm zusammengefaßt werden können, das klare Leitlinien für eine Politik der nachhaltigen Entwicklung vorsieht. | Eine wichtige Rolle werden bei dieser Diskussion die sogenannten bilateralen Projekte spielen, wobei es sich in der Hauptsache um Projekte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit den brasilianischen Bundesstaaten des Südens und Südostens handelt, die erstmalig in ihrer Gesamtheit vorgestellt und zur Diskussion gestellt werden. Hierin liegt die Chance, den Projekten, von denen jedes unter spezifischen Vorgaben und in verschiedenen Epochen mit den einzelenen Bundesstaaten verhandelt worden sind, einen übergordneten Programmcharakter zu verleihen und die Synergieeffekte und den Austausch zwischen den einzelnen Projekten zu fördern. | Als Ergebnis dieses ersten Gedankenaustausches in Form eines zweitägigen Seminars wird die Erstellung eines Arbeitsplanes erwartet, der das weitere Vorgehen im Hinblick auf die Ausgestaltung des "Programms Atlantischer Regenwald" und die Stärkung dieses Naturraums innerhalb der brasilianischen Umwelt- und Entwicklungspolitik orientieren soll. | Von Armin Deitenbach, Tropenwaldnetzwerk |
| 01.11.2004 | Regenwald-Institut mit neuer Geschäftsführung | Der Vorstand des Regenwald-Instituts hat mit Wirkung zum 1. November 2004 die Diplom-Biologin Dr. Susann Reiner als neue Geschäftsführerin bestellt. Frau Dr. Reiner löst damit Herrn Dr. Putz ab, welcher während der ersten sieben Jahre seit Bestehen des Institutes als geschäftsführender Vorstand tätig war. Er bleibt dem Institut als Vorstand weiterhin verbunden und stellt seine volle Arbeitskraft nun dem Regenwaldladen zur Verfügung. Wir heissen Frau Dr. Reiner herzlich willkommen und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit. |
| 28.10.2004 | Politiker im Regenwald | Die Münchner Stadträtin Sabine Krieger reist mit dem Klima-Bündnis ins Amazonasgebiet | Seit Samstag sorgt RTL mit einer Neuauflage seiner umstrittenen Dschungel-Show wieder für hohe Einschaltquoten. Ein weltweit bedrohtes Ökosystem dient als Kulisse für einen fragwürdigen Medien-Zirkus. Gleichzeitig fallen andernorts große Regenwaldgebiete und mit ihnen die dort lebenden indigenen Völker den Interessen von Erdölfirmen zum Opfer - und das ganz im Stillen, ohne viel Aufmerksamkeit. Sabine Krieger, Stadträtin für Bündnis 90/Die Grünen in München, will sich nun selbst ein Bild von den Folgen unseres industriellen "Energiehungers" machen. Am Samstag packt sie ihre Koffer und besucht zusammen mit österreichischen Politikern, Journalisten und Mitarbeitern des Klima- Bündnis e.V. ein schwer zugängliches Regenwaldgebiet in Peru. | Erdölfirmen dringen tief in abgelegene Regenwaldgebiete vor, Waldflächen werden abgeholzt, Menschen müssen Baggern weichen und Pipeline-Lecks vergiften immer wieder Flüsse und Grundwasser. Auch die Bundesrepublik hat durch die Einfuhr von Erdöl und Erdgas sowie die Beteiligung deutscher Firmen und Banken an Pipeline-Projekten Einfluss auf diese Situation. Das Klima-Bündnis, ein europäisches Städtenetzwerk zum Klimaschutz, will politischen Entscheidungsträgern nun die Möglichkeit geben, sich persönlich von den ökologischen und sozialen Folgen der Erdölförderung zu überzeugen. | "Die Reise bietet eine einmalige Chance, die Münchner Bevölkerung darüber zu informieren und sie zu sensibilisieren, dass unser Energieverbrauch nicht nur die Umwelt vor Ort schädigt, sondern auch weitreichende Folgen für das Leben der Menschen und die Natur in den Erdölfördergebieten hat", begründet Sabine Krieger, Städträtin in München für Bündnis 90/Die Grünen, ihre Teilnahme. München treibe den Klimaschutz seit Jahren voran, nicht nur mit Aktivitäten vor Ort, so Krieger. | Seit elf Jahren ist München Mitglied im Klima-Bündnis, dem deutschlandweit fast 400 Städte und Gemeinden angehören, darunter auch Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Bremen und Stuttgart. Stellvertretender Vorsitzender des Klima-Bündnis ist der Münchner Umweltreferent Joachim Lorenz. Schon seit längerem unterstützt München Projekte mit den Asháninka-Indianern in Peru. Erst vor wenigen Wochen folgte einer ihrer Vertreter, Guillermo Ñaco Rosas, einer Einladung der Stadt und besuchte Schulen in bayerischen Klima-Bündnis-Kommunen. Nun soll diese Verbindung auch in die andere Richtung genutzt werden. | Die zweiwöchige Reise führt am Samstag zunächst über die peruanische Hauptstadt Lima nach Iquitos, einer Stadt im nördlichen Amazonasbecken. Nach letzten Vorbereitungen geht es dann per Boot weiter auf dem Río Corrientes in ein schwer zugängliches Regenwaldgebiet. Buchstäblich "mit im Boot" sitzen dabei auch Bürgermeister österreichischer Kommunen und Journalisten. Neben dem Besuch indigener Dorfgemeinschaften ist die Besichtigung von Ölfeldern und Umweltschäden in der Region rund um Trompeteros, dem Stützpunkt der argentinischen Erdölfirma Pluspetrol, geplant. |
| 10.10.2004 | Friedensnobelpreis für Wangari Maathai | Der Friedensnobelpreis 2004 geht an die Kenianerin Wangari Maathai. Die Umweltaktivistin und Menschenrechtlerin gehört seit vielen Jahren zu den prominentesten Frauen Afrikas. 1977 gründete sie die Umweltbewegung "Grüner Gürtel" (Green Belt Movement) - ein Projekt gegen den Kahlschlag. Mittlerweile wurden im Rahmen dieses Projektes weit über Kenia hinaus rund 30 Millionen Bäume gepflanzt. | In einem Interview mit dem Greenpeace Magazin Ende 2002 begründete die heute 64-Jährige ihre Initiative: "Bäume verhindern Erosion, erhalten die Artenvielfalt, garantieren Schatten, sind notwendig als Trinkwasserspeicher, liefern Brennholz und schaffen Einkommensquellen. In armen Ländern sind Wälder noch bedeutender als in reichen. Wir in Afrika sind auf sie angewiesen, ohne Wälder können wir nicht existieren." | Die promovierte Biologin legte sich mit dem kenianischen Regime unter Daniel arap Moi an, prangerte Korruption an, setzte sich für Demokratie und Bürgerrechte ein. Während sie im eigenen Land geschmäht, verfolgt und mehrmals inhaftiert wurde, genoss sie im Ausland hohes Ansehen. 1984 wurde sie mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. | Die Wende in ihrem Leben kam mit dem Regierungswechsel im Dezember 2002. Maathai wurde ins Parlament gewählt und zur stellvertretenden Umweltministerin ernannt. Im April 2004 nahm sie den Petra-Kelly-Preis der Heinrich-Böll-Stiftung entgegen. Wangari Maathai ist die erste Afrikanerin, deren Engagement mit dem Friedensnobelpreis geehrt wird. |
| 02.10.2004 | Trittin kündigt Gesetz zum Urwaldschutz an | Berlin (ddp). Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat am Donnerstag ein Gesetz zum Urwaldschutz angekündigt. Es soll die Vermarktung und den Besitz von illegal geschlagenem Holz und daraus gefertigten Produkten verbieten. Das Naturerbe Urwald dürfe nicht verspielt werden. «Raubbau und illegaler Holzeinschlag müssen beendet werden», sagte Trittin im Bundestag in Berlin. | Zu den Kernpunkten des neuen Gesetzes gehört ein Recht der Abnehmern auf Informationen zur Herkunft des Holzes. Holz, das illegal in Urwäldern geschlagen wurde, und Produkte, die aus solchem Holz hergestellt wurden, sollen beschlagnahmt werden können. | Trittin verwies darauf, dass Urwälder nicht nur Naturräume, sondern auch Lebensräume für Völker seien, die seit Jahrhunderten ein Miteinander von Mensch und Natur praktizierten. Er begrüßte, dass die EU-Kommission im Juli dieses Jahres Vorschläge für eine Verordnung vorgelegt hat, die auf ein Importverbot von illegal geschlagenem Holz abzielt. Am wirksamsten seien Bemühungen zum Urwaldschutz, wenn Maßnahmen auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene zusammenwirkten, sagte Trittin. |
| 25.09.2004 | Wir essen Amazonien auf | Konrad Adenauer Stiftung - Focus Brasilien Nr. 11, September 2004: | Die Vernichtung des tropischen Regenwaldes schreitet in Brasilien auch unter der Regierung Lula ungebremst voran. Der weiterhin ungezügelte Appetit der Konsumenten in Südamerika, Europa und den Vereinigten Staaten auf billiges Fleisch aus Brasilien ist letztlich für die Zerstörung des tropischen Regenwaldes verantwortlich. | Den gesamten Bericht lesen Sie unter: http://www.adenauer.com.br/focusbrasilien/11_2004.zip (gepackte PDF-Datei, 6 Seiten A4, 450 kb) |
| 10.09.2004 | Artentod löst Kettenreaktion aus | Washington (dpa) - Das Aussterben von Tieren und Pflanzen setzt eine Kettenreaktion in Gang und ist damit weitaus dramatischer als bisherige Prognosen vermuten lassen. | So kann das Verschwinden einer einzigen Tierart wie der südamerikanischen Wanderameise Eciton burchelli bis zu 100 Vogel-, Käfer- und Milbenarten ihrer Existenzgrundlage berauben und viele von ihnen verschwinden lassen. | Diese Berechnungen stellt ein internationales Forscherteam im US- amerikanischen Wissenschaftsmagazin «Science» (Bd. 305, S. 1632) vom Freitag vor. | Die Wissenschaftler warnen, dass die bisherigen Zahlen bedrohter Arten nicht das Gesamtbild reflektieren. Nach ihren Kalkulationen muss die Welt zusätzlich mit dem Verschwinden von 6300 «abhängigen» Arten rechnen. Im Jahr 2003 hatte die Weltnaturschutzunion (IUCN) 12 259 Arten als gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht aufgelistet. | Insbesondere in komplexen Lebensräumen wie dem tropischen Regenwald seien viele Tierarten voneinander abhängig, schreibt die Gruppe um den Biologen Lian Pin Koh von der Universität Singapur. Sterbe eine «Schlüsselart» aus, ziehe sie oft viele abhängige Arten nach sich. Derartige Abhängigkeiten bestehen beispielsweise zwischen Beute- und Raubtier, Wirt und Parasit oder Pflanzen und auf sie spezialisierte Pflanzenfresser. | Die Kettenreaktion nach einem Artentods hat laut «Science» bisher wenig Beachtung gefunden. So habe es lange gedauert, bis der Verlust tropischer Schmetterlinge in Singapur mit dem Aussterben jener Pflanze in Verbindung gebracht wurde, von der sich die Raupen der Falter ernähren. | Ein anderes Beispiel liefert die Bedrohung eines Parasites, der Taubenlaus Columbicola extinctus, durch das Aussterben der Wandertaube Ectopistes migratorius. Allerdings sei diese Laus auch eine Ausnahme. Sie habe ihr Schicksal inzwischen selbst in die Hand genommen und nach dem Aussterben der Taube andere Arten gefunden, die ihr Nahrung «frei Haus» bieten. |
| 03.09.2004 | Menschen ignorieren Warnungen der Erde - Forscher beklagt Ignoranz des Homo sapiens | London/Stockholm (pte) - Bereits irreversible Schäden in einigen Regionen der Erde werden von den Bewohnern des Blauen Planeten kaum ernst genommen. Zu diesem Schluss kommt ein renommierter Experte beim Euroscience-Forum in Stockholm. Der Wissenschaftler John Schellnhuber, Forschungsdirektor am Tyndall Centre for Climate Change Research, kritisiert vor allem die Tatsache, dass die wichtigsten Umweltprobleme am wenigsten verstanden werden. Der Forscher hat 12 so genannte Regionen, die massive Regulatoren der Umwelt sind, identifiziert. | Eines der gravierendsten Probleme wäre zum Beispiel der Ausfall des Monsun in Asien. Ein Problem, das sehr schnell passieren könne, wie der Fachmann bestätigt. "Ein besseres Verständnis für das Risiko wäre dringend erforderlich", so Schellnhuber. Das komme ungefähr der Gefahr der Kollision mit einem Asteroiden gleich. Wenn die kritischen Regionen der Erde weiter geschädigt werden, könnte es auf dem Planeten zu einer Art Kettenreaktion kommen, befürchtet der Forscher. Das Risiko sei bisher bei weitem unterschätzt. Zu den kritischen Regionen zählen unter anderem auch die Meeresströmungen im Nordatlantik wie etwa der Golfstrom. Eine Veränderung oder ein Ausfall hätten weitreichende Konsequenzen für das Klima Europas. | Die Welt reagiert aber auch kaum auf die Gefahren, die von der Veränderung der westantarktischen Eisdecke, der Sahara und dem Abholzen des Regenwalds im Amazonas-Becken ausgehen. Der Forscher kritisiert, dass in die Wettervorhersage zuviel Geld investiert wird, umgekehrt werden die vitalen Elemente des Planeten immer noch ungeklärte Phänomene darstellen. "Wir müssen endlich begreifen, wo die wirklichen Gefahrenzonen, sozusagen die Achillesfersen des Planeten liegen", so Schellnhuber. Denn andere Forscher haben bereits erkannt, dass die plötzlichen Wechsel, innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten stattfinden werden. | Weitere Informationen: www.igbp.kva.se |
| 05.08.2004 | Zweitgrößter Regenwald der Welt soll gerodet werden: Weltbank gefährdet größte Urwälder Afrikas | Nach Angaben der Naturschutzorgansiation Pro Wildlife will die Weltbank 60 Millionen Hektar Regenwald der Demokratischen Republik Kongo für den kommerziellen Holzeinschlag öffnen. Von diesem Wald seien 35 Millionen Menschen abhängig, betont Sandra Altherr, Sprecherin von Pro Wildlife. Die Weltbank und die Interimsregierung des Kongo vereinbarten, die gesamte Waldfläche des Landes in Nutzungskategorien aufzuteilen. Dieser Prozess soll bereits im Oktober 2004 abgeschlossen sein. Bis dahin ist ein Rodungsmoratorium vereinbart. | Die ganze Nachricht im Internet: bitte hier klicken |
| 26.07.2004 | Indigene Völker schützen Wälder effektiver | Das Potenzial indigener Völker gegen die Zerstörung und zum Schutz der Wälder bezeichnet die Internationale Non-Profit-Organisation Forest Trends http://www.forest-trends.org in einer jüngst veröffentlichten Studie als besonders hoch. Beispiele aus drei verschiedenen Staaten, Brasilien, Indien und Thailand, haben gezeigt, dass lokale Verwaltungseinheiten mindestens genauso effektiv schützen wie staatliche Regierungen. | Nach der Studie fordern Experten mehr Kompetenzen und finanzielle Unterstützung im Bemühen zum Schutz der lokalen Wälder für lokale Dörfer. Dass der Schutz der Wälder von den Gemeinden ernst genommen wird, hat nach Ansicht der Fachleute auch damit zu tun, dass Flora und Fauna in zahlreichen Kulturen als Heiligtümer angesehen werden. Zusätzlich dazu liefern Wälder einen Großteil von lokalen Heilpflanzen, die zur Versorgung der Dörfer notwendig sind. Hingegen existierten staatlich unter Schutz gestellte Areale wie Nationalparks häufig nur auf dem Papier. Vielfach fehlt das Personal zum Schutz der Naturgebiete und es kommt immer wieder zu illegalen Rodungen und Wildereien. | Anhand der Studie konnten die Forscher 80 indigene Gebiete von Indianern am Amazonas miteinander vergleichen. Anhand von Satellitenbeobachtungen konnten in den untersuchten Arealen keine groben Zerstörungen festgestellt werden. Nach der Studie waren insbesondere jene Gebiete optimal genutzt, in denen die lokale Bevölkerung auch finanzielle Vorteile aus der Bebauung ihrer Ländereien ziehen konnte. Dazu zählten eben botanische Produkte oder die Vermarktung von Holz, die im Rahmen einer nachhaltigen Nutzung exportiert werden können. | Der Report der Organisation kommt genau zeitgerecht, da 59 Staaten über eine Erneuerung des so genannten International Tropical Timber Agreement nachdenken. Darin sollten mehr Rechte für die indigenen Völker einbezogen werden, fordern die Umweltforscher. Bisher wären diese von den wichtigsten Vertragswerken ausgeklammert worden. | Diese Studie ist eine eindrucksvolle Bestätigung unserer Arbeit zum Schutz der Regenwälder in Amazonien. Durch unser Fair-Handels-Projekt "Regenwaldladen" www.regenwaldladen.de unterstützen wir neben indigenen Bevölkerungsgruppen auch andere traditionelle Bevölkerungsgruppen im brasilianschen Amazonasgebiet. Der Regenwaldladen importiert verkaufsfertige Nicht-Holz-Waldprodukte, welche über die Weltläden in Deutschland vermarket werden. |
| 12.07.2004 | Verschärfter Raubbau in Amazonien | In Brasilien, wo es noch den größten Regenwald gibt, geht der Kahlschlag weiter. Die neue linke Regierung unter Präsident Lula hat zwar mehr Schutz für den Regenwald am Amazonas versprochen, aber auch dieser Regierung ist die Entwicklung der Wirtschaft und der Export brasilianischen Rindfleischs wichtiger als der Schutz der Regenwälder am Amazonas. Riesige Flächen werden vernichtet, weil Großbauern immer größere Rinderherden für den Fleischexport züchten. | Von August 2002 bis August 2003 wurden in Brasilien 23.000 Quadratkilometer Wald vernichtet - von 1999 bis 2000 waren es insgesamt 170.000 Quadratkilometer - das ist eine Fläche, die doppelt so groß ist wie Portugal. Um den erhöhten Fleischbedarf der US- und europäischen Fast-Food-Ketten zu befriedigen werden immer mehr und immer schneller Regenwälder abgeholzt. | In den letzten 12 Jahren hat sich die Zahl der Rinder in Brasilien von 25 Millionen auf 50 Millionen verdoppelt. Seit der BSE-Krise in Europa wirbt die brasilianische Fleischindustrie mit "Rindfleisch aus Brasilien ohne Tiermehl". |
| 05.07.2004 | Grangel um Tropenholz wird härter | Allein in die EU werden jährlich Holzprodukte im Wert von 1,2 Milliarden Euro importiert, die aus illegalen Quellen stammen. Die Brennpunkte des Raubbaus sind die großen Waldgebiete in Zentralafrika, Südostasien und in Amazonien. Noch immer ist illegal geschlagenes Tropenholz weder in der Europäischen Union noch in Deutschland verboten. Und auch die Pläne der EU-Kommission zu diesem Thema sehen lediglich vor, dass sich Länder freiwillig verpflichten, schärfere Waldgesetze und Forstkontrollen zu etablieren und ihre Holzprodukte mit entsprechenden Zertifikaten ausgezeichnet werden. | Deshalb landen, wie die Zeitschrift natur+kosmos in ihrer neuesten Ausgabe berichtet, immer wieder illegal geschlagene Hölzer aus dem Regenwald als Gartenmöbel, Fensterläden oder Parkettböden in Kaufhäusern, Gartencentern oder Baumärkten. Selbst das von verschiedenen Umweltverbänden anerkannte FSC-Siegel, das eine ökologische und sozial akzeptable Produktion sichern soll, kann bislang keine absolute Sicherheit garantieren. | Das Bundesumweltministerium arbeitet allerdings derzeit an einem Urwaldschutz-Gesetz, das den Besitz, Kauf und Verkauf von illegalen Hölzern verbietet. Sowohl das Rohmaterial als auch die daraus hergestellten Produkte sollen beschlagnahmt werden können. | Etwas harschere Töne kommen derzeit aus Indonesien. Die Regierung überlegt, den Tätern mit der Todesstrafe zu drohen. "Sie sind Umweltterroristen. Sie stehlen dem Staat Millionen und zerstören die Natur", sagt Fachnir Fathoni, ein hoher Beamter aus dem Forstministerium. Eine "schnelle Eingreiftruppe" soll künftig die Polizei bei der Ergreifung der Täter unterstützen. Umweltschutzorganistionen empfehlen Kunden für den Besuch im Baumarkt: "Fragen Sie nach, ob das Holz aus verantwortungsvoller Waldnutzung stammt, oder ob dafür Wälder und der Lebensraum für Wildtiere zerstört wurden." |
| 29.06.2004 | Kampf um Diamanten im brasilianischen Regenwald | Unschätzbaren Reichtum verhieß das Diamantenvorkommen, auf das Antonio José Alves dos Santos tief im brasilianischen Regenwald stieß. Dass es in einem indianischen Reservat lag, kümmerte ihn wenig. Die Ureinwohner aber wohl: Statt reiche Beute zu machen, rettete Dos Santos mit Mühe seine nackte Haut. | Dos Santos ist einer der Überlebenden eines Massakers, das die brasilianische Gesellschaft schockierte. Der Tod von 29 Diamantenschürfern, erschossen oder erschlagen vom Stamm der Cinta Larga, brachte einen seit langem schwelenden Konflikt ins öffentliche Bewusstsein: Wem gehören die Bodenschätze im Amazonasgebiet, das die größten bekannten Diamantenvorkommen Südamerikas beherbergt? | Der blutige Überfall der Indianer am 7. April setzte dem vierjährigen Ansturm von Schatzsuchern aus ganz Brasilien auf das Roosevelt-Reservat im Nordwesten des Landes vorläufig ein Ende. «Sie haben zwei Männer sofort getötet - Peng! Peng! Dann haben sie die anderen aneinandergefesselt und sie wie Tiere abgeschlachtet», berichtet Dos Santos. | Der Indianerhäuptling Pio Cinta Larga bestreitet den Überfall nicht. «Die Tötungen waren eine Warnung. Wir wollen keine Weißen hier.» Er weist auf die Vorgeschichte hin: Wieder und wieder seien die «Garimpeiros», wie die Diamantenschürfer in Brasilien heißen, widerrechtlich in das Reservat eingedrungen. | Schon die Anwesenheit auf indianischem Gebiet ist Nicht-Indianern in Brasilien mit wenigen Ausnahmen verboten, der Abbau von Bodenschätzen erst recht. Doch das schreckte die überwiegend bettelarmen Garimpeiros nicht davon ab, in dem rund 27.000 Quadratkilometer großen Gebiet ihr Glück zu suchen. Mit schlimmen Folgen für die Cinta Larga: Die Garimpeiros brachten Alkohol, Drogen und Geschlechtskrankheiten mit, die den nur 1.300 Köpfe zählenden Stamm in seiner Existenz bedrohten. | Außerdem wollen die Ureinwohner, die den Schürfern anfangs gegen eine Gebühr bei der Suche nach Diamanten geholfen hatten, die Bodenschätze selbst abbauen. Um Konflikte zu verhindern, vertrieb die brasilianische Bundespolizei vor zwei Jahren mehrere tausend Zugewanderte aus dem Roosevelt-Reservat - aber zahlreiche kehrten zurück. Seit 1999 wurden nach Schätzungen der Regierung Diamanten im Wert von umgerechnet rund zwei Milliarden Euro aus dem Gebiet geschmuggelt. | Am 7. April riss den Indianern offenbar endgültig der Geduldsfaden. Den Konflikt regelten sie so, wie sie es nach Angaben von Häuptling Pio Cinta Larga gewohnt sind: «Wir sind Krieger. Ehe der weiße Mann kam, war keiner der Stämme hier mit dem anderen befreundet.» | Die Anthropologin Carmen Junqueira weist zudem darauf hin, dass die Weißen den Cinta Larga früher ausschließlich mit Gewalt begegneten: «Für sie ist das unsere politische Sprache. Wir haben es ihnen vorgemacht.» Blutige Überfälle auf Dörfer des Stammes gab es noch bis in die 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, das Reservat wurde erst 1976 eingerichtet. | Dieser geschichtliche Hintergrund stellt die brasilianische Polizei nun vor ein Problem. Sie will Pio Cinta Larga und elf seiner Stammesbrüder wegen der Ermordung der Garimpeiros vor Gericht bringen. Sie könnten jedoch für nicht schuldfähig befunden werden, wenn sie als der heutigen Kultur nicht hinreichend angepasst eingestuft werden. | Der Garimpeiro Dos Santos hält dies für unangebracht. Die Cinta Larga seien modern gekleidet, führen Auto und schössen mit Gewehren statt mit Pfeil und Bogen, sagt er. Die meisten Opfer vom 7. März wurden laut gerichtsmedizinischer Untersuchung allerdings sehr wohl mit Pfeilen getötet - oder niedergeknüppelt. | Einige Beobachter sehen in dem Massaker noch mehr als einen plötzlichen Gewaltausbruch seit Jahren gereizter Ureinwohner. Der Lokalpolitiker Celio Renato da Silveira glaubt, dass «organisierte Verbrechen» habe seine Hand im Spiel und verstecke sich hinter dem Sonderstatus der Indianer. Auch Carlos Fantim von der Vereinigung der Garimpeiros hält weiße Verbrecher, die die Diamanten für sich beanspruchten, für die Hintermänner. Solche Gerüchte über eine «Diamantenmafia» erhielten kürzlich neue Nahrung, als 15 Personen wegen Diamantenschmuggels verhaftet wurden - darunter drei Polizisten. |
| 16.06.2004 | Metro verkauft Regenwaldpapier | METRO verkauft Papier, in dem Zellstoff aus tropischen Naturwäldern steckt. Das belegt eine Laboranalyse des Papiers, die ROBIN WOOD in Auftrag gegeben hat. | Bei dem beanstandeten Produkt handelt es sich um Kopierpapier der Marke Sigma Universal, das in den zur METRO-Gruppe gehörenden Real-Märkten angeboten wird. Laut Faseranalyse, die ein renommiertes Forschungsinstitut in den USA vorgenommen hat, enthält das Produkt "mixed tropical hardwood". | "Die METRO ist einer der einflussreichsten Handelskonzerne und steht in der Verantwortung, nicht zur Zerstörung der letzten Regenwälder beizutragen", sagt Jens Wieting, Tropenwaldreferent bei ROBIN WOOD. "Wir fordern den Vorstand auf, öffentlich und verbindlich zu erklären, dass die Metro Gruppe aus dem Handel mit Produkten aus Urwaldzerstörung aussteigt." | Insbesondere soll Metro seine Handelsbeziehungen zu dem als Regenwaldzerstörer berüchtigten Konzern Asia Pulp & Paper (APP) abbrechen. Galeria Kaufhof - ebenfalls zum Metro-Konzern gehörend - bietet beispielsweise Papier der Marke Sinar Spectra von APP an. Produziert wurde es in der Zellstoff-Fabrik Indah Kiat auf der indonesischen Insel Sumatra. | Allein der Konzern APP hat bisher rund 300.000 Hektar Regenwald auf Sumatra vernichtet. Das entspricht einer Fläche, die größer ist als die des Saarlands. Proteste der Bevölkerung gegen die Vertreibung von ihrem Land hat APP mehrfach mit Gewalt niederschlagen lassen. Alle Versuche von indonesischen Umweltorganisationen, zumindest die wertvollsten Wälder vor der Zerstörung durch APP zu bewahren, scheiterten bislang. Selbst Schutzgebiete sind nicht vor den Holzfällertrupps sicher. | ROBIN WOOD hat hierzulande andere Unternehmen wie Karstadt und die Deutsche Post bereits davon überzeugen können, Papier von Konzernen, die Regenwald auf Sumatra vernichten, aus dem Sortiment zu nehmen. |
| 09.05.2004 | Papier Union mitverantwortlich für Waldzerstörung | Vetreter indonesischer Umweltorganisationen haben das führende deutsche Papierhandelsunternehmen Papier Union aufgefordert, seine Geschäfte mit dem Zellstoffkonzern April abzubrechen. April ist auf Sumatra für massive Waldzerstörung und Vertreibungen verantwortlich. Um die Forderung zu unterstützen, wandten sich heute 50 Umweltorganisationen aus aller Welt mit einem Offenen Brief an die Geschäftsführung des Papierunternehmens. | Longgena Ginting, Direktor des indonesischen Umweltforums Walhi, machte im Gespräch mit Papier Union deutlich: "Wer Produkte von April kauft, macht sich mitschuldig an Menschenrechtsverletzungen und an der Zerstörung unserer Wälder." Rivani Noor von der Allianz der Opfer der Zellstoffindustrie CAPPA war entrüstet über Äußerungen des Marketingdirektors der papier Union David Wischmann. Dieser hatte erklärt, Papier Union verfüge über keine schriftlich festgehaltenen Umwelt- und Sozialstandards für den Papiereinkauf, aber man habe volles Vertrauen in die Redlichkeit des Geschäftspartners April. | April betreibt auf Sumatra eine der größten Zellstofffabriken der Welt und verbraucht rund sechs Millionen Kubikmeter Holz aus Naturwald jährlich. Kein anderes Land weltweit verliert so schnell so viel Wald wie Indonesien. Um dies zu stoppen, macht Robin Wood Druck auf deutsche Unternehmen, die mit Regenwaldzerstörern zusammenarbeiten. Im vergangenen Jahr hatte daraufhin die Deutsche Post Papier von April aus dem Sortiment genommen. | Papier Union jedoch ignoriert seit über einem Jahr die Forderungen von Umweltorganisationen, das Geschäft mit April zu beenden und kauft weiter jährlich 15.000 Tonnen Papier der Marke "Paper One" des Konzerns. Für die Produktion dieses Papiers verwandelt April Jahrtausende alte Torfwälder, die Lebensraum des seltenen Sumatra-Tigers sind, in Monokulturen. |
| 27.04.2004 | Katastrophen im Regenwald vorprogrammiert | Heftige Kritik an Erschließungsmanahmen, die die neue brasilianische Regierung unter Staatspräsident Lula in den Regenwäldern Amazoniens plant, übt die Internationale Expertenkommission (International Advisory Group-IAG ), die das "Pilotprogramm zur Rettung der Wälder Brasiliens" begleitet. | Sie übergab ihr Gutachten im letzten Jahr dem brasilianischen Umweltministerium. Die fünf brasilianischen und zwei deutschen Wissenschaftler befassten sich mit dem im Mehrjahresplan 2004 - 2007 der Regierung Lula vorgesehenen Ausbau des Rio Madeira als Wasserstraße, der Asphaltierung der Bundesstraße BR 163, die von Cuiaba nach Belem quer durch Amazonien führen soll, einer Gaspipeline von Urucu nach Porto Velho sowie zwei großen Staudammvorhaben zur Stromgewinnung. "Wir mussten in unserem Gutachten die Regierung Lula auffordern, alle diese Vorhaben grundlegend zu überdenken, denn wir konnten nachweisen, dass im Falle der Realisierung katastrophale Folgen für die dort lebende Bevölkerung und für die Wälder Amazoniens vorprogrammiert sind" begründet Prof. Dr. Manfred Niekisch, Mitglied der Kommission und Vizepräsident des Deutschen Naturschutzrings (DNR), die ungewöhnlich scharfe Formulierung des Gutachtens. | Bedrohte Existenzen | Als Beispiel für die Unsinnigkeit der Vorhaben führt Niekisch den Ausbau des Rio Madeira zur Wasserstraße an. "Das brasilianische Konsortium begründet die Pläne unter anderem damit, bei verbesserten Transportmöglichkeiten könne die Sojaproduktion von derzeit drei auf dann 28 Millionen Tonnen gesteigert werden. Dazu benötigt man bei den vorgesehenen 500 Quadratkilometern Staufläche weitere 80000 Quadratkilometer Anbaufläche. und zwar vor allein in bisher intakten Waldgebieten. Davon ist nirgends die Rede. | Sogar Indianerschutzgebiete wären betroffen-, rechnet Niekisch vor. Die Experten wiesen auch darauf hin, dass zehntausende von Kleinbauern. die bisher an den Flussufern wirtschaften, und viele Dörfer, die vom Fischfang leben, durch die Staumaßnahmen ihre Lebensgrundlage verlören und dann in neu zu erschließende Waldgebiete ausweichen müssten. | Kahlschlag außer Kontrolle | "Die Lage vor allem im Süden Amazoniens ist schon jetzt völlig chaotisch", charakterisiert Prof. Nickisch, der an der Universität Greifswald internationalen Naturschutz lehrt, die aktuelle Situation. "Allein die Aussicht auf die geplanten Maßnahmen führt in großem Stil zu illegaler Landbesitznahme und zum Kahlschlag auch geschützter Primärwälder. Bei Überflügen in den Bundesstaaten Amazonas und Rondonia stellten wir fest, dass es nicht arme Kleinbauern sind, die dort die Wälder zerstören, sondern agroindustrielle Großbetriebe, die mit schwerem Gerät große Waldflächen illegal freischlagen." In Gesprächen mit den Experten bestätigten die staatliche Naturschutzbehörde IBAMA und die Landvergabe- und Katasterbehörde INCRA, dass sie kaum über genügend Mittel verfügen, um die Lage auch nur einigermaßen unter Kontrolle zu halten. "In Brasilien gibt es noch nicht einmal ein funktionierendes amtliches Grundstücksverzeichnis" ergänzt Niekisch. | Ein weiteres Beispiel für Fehlplanung ist die geplante Gaspipeline zur Versorgung der 400.000-Einwohner-Stadt Porto Velho mit Strom. "Die Pipeline würde durch noch ungestörten Regenwald führen, ist aber völlig unsinnig. Es gibt Alternativen, beispielsweise die Verlängerung einer schon bestehenden Stromleitung." Im übrigen sei hierbei nicht einmal geklärt, wem die Flächen an der 520 km langen Trasse gehören. Ähnlich schlampig sei die erste Umweltverträglichkeitsstudie zu den Staudämmen durchgeführt worden. "Hier werden Fischarten genannt, die nur noch mehr als tausend Kilometer entfernt in den Küstenwäldern vorkommen, aber sicher nicht in Zentralamazonien, wo man die Staudämme plant", kritisiert der Biologe Niekisch. | Rückzug ist die falsche Lösung | Die brasilianische Umweltministerin Marina Silva versicherte dem Expertenteam, dass sie sich der Problematik bewusst sei und die Vorschläge intensiv prüfen werde. "Wir wünschen Frau Silva. dass sie sich in der Regierung Lula durchsetzen kann, doch ist Eile geboten", fasst Niekisch die Stimmung des Teams zusammen, das im Rahmen des "Pilotprogramms zur Rettung der Wälder Brasiliens" tätig ist. Deutschland ist an der Finanzierung dieses seit zehn Jahren bestehenden Programms mit rund 350 Millionen US-Dollar beteiligt. | "Nach brasilianischen Regierungsangaben ist die Abholzungsrate in den Regenwäldern des Amazonas in den letzten Jahren weiter stark angestiegen. 16 Prozent der Wälder gelten offiziell als vernichtet" führt Niekisch aus - doch ohne dieses Programm wäre die Situation wohl noch viel schlimmer." | Gerade jetzt dürften sich die internationalen Geber nicht aus Brasilien zurückziehen. "Aber natürlich wollen wir einen auf Dauer funktionierenden, innerbrasilianischen Finanzierungsmechanismus für den Schutz der Amazonaswälder entwickelt sehen. Deshalb schlagen wir eine Amazonas-Steuer auf alle Produkte von dort vor. Damit könnte Brasilien seine Tropenwälder erhalten. Dies liegt im brasilianischen und internationalen Interesse." |
| 11.04.2004 | Amazonas-Regenwald verschwindet immer schneller | Rasches Handeln im Kampf gegen die immer schnellere Vernichtung der Regenwälder Amazoniens ist wichtiger denn je. Nach einem gerade veröffentlichten Bericht der brasilianischen Regierung ist der Regenwald 2003 um weitere 23.750 Quadratkilometer geschrumpft. Das entspricht etwa der Fläche vom Jahr 2002. | Zwar sind die zerstörten Flächen nicht mehr so groß wie etwa Mitte der 90-er Jahre, dennoch geht das größte zusammenhängende Waldbiotop der Erde rapid zurück. Steigende Exporte von Rindfleisch und Soja aus dem südamerikanischen Land machen immer neue Anbauflächen auf Kosten der Regenwälder notwendig. Dadurch verschwinden auch jährlich tausende Pflanzen- und Tierarten, die zum Teil bisher noch nicht wissenschaftlich erfasst wurden. |
| 10.04.2004 | Rodungseffekte bleiben in Regenwäldern lange erhalten | Auch 150 Jahre nach der letzten Nutzung und seitdem ungestörter Entwicklung dominieren in ehemals gerodeten Waldflächen nicht heimische Arten, zeigt eine Studie aus Madagaskar. Zudem wird die ursprüngliche Artenvielfalt selbst in sich selbst überlassenen Waldstücken nicht mehr erreicht. | Kerry Brown und Jessica Gurevitch von der Stony Brook University hatten verschiedene Waldstücke untersucht, die nach ihrer Rodung um 1855 oder um 1947 verlassen wurden. Zum Vergleich wählten sie einen Abschnitt, der durch einen Wirbelsturm vor drei Jahren stark überprägt wurde und Flächen, die nie gerodet wurden. | Selbst in den seit 150 Jahren sich ungestört entwickelten, neu gewachsenen Wäldern dominierten nicht heimische, invasive Arten die Baumschicht, und auch in den unteren Schichten fanden die Wissenschaftler zahlreiche für ursprünglichen Wald untypische, eingewanderte Arten. Die Artenentwicklung der Sturmfläche ähnelte hingegen mehr der natürlichen Entwicklung, hier konnten fremde Arten offenbar schlechter Fuß fassen. |
| 24.03.2004 | Globale Kohlendioxidwerte erreichen neuen Höchststand | Forscher der amerikanischen Regierung haben bestätigt, dass die Kohlendioxid-Werte in der Erdatmosphäre auf ein Rekordniveau angestiegen sind. Die soeben im Wissenschaftsmagazin New Scientist http://www.newscientist.com veröffentlichten Daten der US National Oceanic and Atmospheric Administration NOAA http://www.cmdl.noaa.gov bestätigten, dass die CO2-Werte 2003 auf 376 ppm (Teilchen pro Million) gestiegen sind. | Die gesammelten Daten stammen unter anderem vom NOAA-Observatorium in Hawaii, das sich am Vulkan Mauna Loa befindet. Die CO2-Werte sind demnach von 2002 auf 2003 um 2,5 ppm gestiegen. Die Forscher erklären, dass es sich zwar nicht um die größte jährliche Steigerungsrate handelt, meinen jedoch eine kontinuierliche Steigerung seit 2001 um jeweils 2,5 ppm zu sehen. Im Vergleich dazu sind die Werte in den vergangenen Dekaden jährlich um etwa 1,5 ppm gestiegen. "Das große Bild zeigt nur, dass die CO2-Werte eben permanent nach oben gehen", so der NOAA-Experte Russell Schnell. Experten vermuten, dass die wirtschaftliche Entwicklung in China und Indien und die Zunahme der Verbrennung von fossilen Brennstoffen mit dem Anstieg der CO2-Werte in Korrelation steht. Die ersten Messungen in den 50-er Jahren ergaben einen durchschnittlichen CO2-Wert von 315 ppm. | Für Klimaforscher jenseits des "Großen Teiches" sind die veröffentlichten Daten keine großen Neuheiten: "Seit 1990 steigen die Treibhausgas-Werte in der Atmosphäre stetig an. Wir haben uns nichts anderes erwartet", so David Viner, Klimaexperte der University of East Anglia in Großbritannien. Der Wissenschaftler sieht weitreichende Folgen für die Entwicklung des Klimas auf der Erde. Auswirkungen seien bereits jetzt zu spüren. Kritisch äußerte sich Brian Hoskins, Wissenschaftler der UK Royal Commission on Environmental Pollution. Aus der Steigerungsrate den Schluss zu ziehen, dass die CO2-Werte am stärksten gestiegen sind, sei unrichtig. "Wir wissen wieviel CO2 wir produziert haben und das hat sich seit dem vergangenen Jahr nicht geändert", beschwichtigt der Experte. Dass die CO2-Werte sich leicht auf- und abbewegen sei nichts Neues. "Die globale Erwärmung kann aber selbst an einem Anstieg der Kohlendioxid-Menge in der Atmosphäre schuld sein", meint etwa der Forscher Charles Keeling vom Scripps Institution of Oceanography in San Diego. | Nach Angaben der Forscher des Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC könnten die Konzentrationen von Kohlendioxid bei ungebremster Kontinuität im Jahre 2100 zwischen 650 und 970 ppm betragen. Das würde sich in einer Erwärmung der Erde um sechs Grad seit 1990 auswirken. | Eine der größten Quellen für den Anstieg der globalen CO2-Gehalte sind die ungebremsten Brandrodungen in den tropischen Regenwäldern. Ein wirkungsvoller Beitrag, diese Brände einzudämmen wäre eine wichtige zusätzliche Maßnahme den Treibhauseffekt zu reduzieren. |
| 13.03.2004 | Klimageschädigter Amazonas-Regenwald nimmt weniger CO2 auf | Wissenschaftler aus Brasilien und vom Smithsonian Tropical Institute haben Zeichen dafür entdeckt, dass der Amazonas-Regenwald nicht mehr die volle Menge Kohlenstoffdioxid absorbiert wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Darüber hinaus haben die Experten auch Veränderungen im Wachstum und beim Absterben von Bäumen festgestellt, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature. In der 20-jährigen Studie wurden insgesamt 14.000 Bäume in einem Gebiet von mehr als 300 Quadratkilometer markiert und vermessen, um ihre Wachstumsrate zu untersuchen. Diese untersuchten Bäume standen nicht in einer Umgebung, in der menschliche Aktivitäten wie Einschlag oder Brandrodungen vorhanden waren. | Die vollständige Nachricht können Sie hier nachlesen. |
| 09.03.2004 | Erster Erfolg bei der Kampagne gegen Biopiraterie im Falle der Cupuaçu-Frucht | Das japanische Patentamt (JPO) hat nun endlich, wie unser brasilianischer Partner Amazonlink mitteilt, das Warenzeichen "Cupuaçu" in Japan gelöscht. Cupuaçu ist der Name einer amazonischen Frucht und wurde 1998 von der japanischen Firma "Asahi Foods" in Japan als Warenzeichen eingetragen. Die JPO-Prüfer stimmten nun in Gänze mit der Argumentation der Kritiker überein. | "Jetzt wird es auch für die europäischen Behörden Zeit zu handeln", forderte Jutta Sundermann von unserem hiesigen Kampagnen-Partner BUKO gegen Biopiraterie. "Das Markenamt im spanischen Alicante muss den Japanern folgen, um der Monopolisierung und kommerziellen Ausbeutung der Cupuaçu-Frucht Einhalt zu gebieten." | Gemeinsam wollen wir den Protest nunmehr gegen das "Copyright auf Pflanzen" ausdehnen und bieten entsprechende Plakate zur Bestellung an. Mit "illegalen" Cupuaçu-Pralinen protestieren wir in Zusammenarbeit mit vielen Weltläden seit ca. einem Jahr gegen die Patentierung der Frucht. | Bereits im Oktober hat die Kampagne zusammen mit dem Regenwaldladen aus Freiburg und Amazonlink aus Brasilien rund 5000 Einwendungen am europäischen Patentamt übergeben, denn Asahi Foods will auch in Europa den Patentschutz auf Cupuaçu. Wir hoffen nun, dass das EPA den Patentantrag zurückweist. | Wer sich an der Kampagne beteiligen will, kann im Regenwaldladen, wie auch schon oben hingewiesen, Pralinen und Infomaterial bestellen. |
| 02.03.2004 | Waldbrände in Amazonien verändern das Klima | Luftverschmutzung durch starken Rauch wie er bei Brandrodungen entsteht, verändert die Niederschläge eindeutig. Zwei unterschiedliche Studien von verschiedenen Forschungseinrichtungen kommen zum gleichen Ergebnis. Regen und Wolkenbildung werden durch die Abgase verändert, berichtet das Wissenschaftsmagazin Scientific American http://www.sciam.com. | Das Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz hat festgestellt, dass in Brasilien nach Brandrodungen im Amazonas-Regenwald die Rauchentwicklung die Niederschläge stark verändert. Die Rauchpartikel wirken wie Keime, an denen Wasser zu Tropfen kondensiert. Die Wassertröpfchen bleiben klein und verbinden sich nicht zu Regentropfen. Als Resultat steigen die Tröpfchen in große Höhen auf und transportieren dabei den Rauch weit über ganze Kontinente hinweg. Die dadurch entstandenen Wolken erreichen Höhen bis über zehn Kilometer. Dort frieren die Tröpfchen und führen zu gewaltigen Unwettern mit riesiggroßen Hagelkörnern, die in den Tropen allerdings zu gewaltigen Tropfen auf dem Weg zur Erdoberfläche schmelzen. "Diese Gewitterstürme entlassen die Hitze wesentlich höher in der Atmosphäre", erklärt Meinrat Andraea vom Max-Planck-Institut. Dieses Phänomen tritt aber nicht nur in den Gebieten auf, in denen mit Bränden Urwälder gerodet werden, sondern über gesamten Kontinenten. Das habe auch Auswirkungen auf globale Zirkulationen, führt der Experte aus. | In einer zweiten Studie des Wissenschaftlers Ilan Koren vom NASA Goddard Space Flight Center analysierte das Forscherteam Satellitendaten vom Amazonas während der Trockenzeit. Die Cumulus-Regenwolken-Decken gingen um 38 Prozent zurück, als die Luft durch Rauchentwicklung verschmutzt war. Das hat zur Folge, dass sich die Erde ohne Wolkendecke wesentlich schneller aufheizt. |
| 18.02.2004 | Entwicklungsländer beschuldigen Industriestaaten der "Bio-Piraterie" | (AP) Die Geschäfte westlicher Unternehmen mit Pflanzen und Tieren aus Entwicklungsländern stoßen in Afrika, Asien und Südamerika auf wachsenden Unmut. 15 Entwicklungsländer forderten die Industriestaaten am Dienstag zu einer gerechteren Verteilung der Gewinne auf, die im Westen zum Beispiel durch den Verkauf von Medikamenten aus exotischen Pflanzen erzielt werden. Anlass der Forderung ist die siebte Weltkonferenz für biologische Vielfalt in Malaysia, an der auch Bundesumweltminister Jürgen Trittin teilnimmt. | Vertreter der 15 Entwicklungsländer sprachen sich am Rande der Konferenz in Kuala Lumpur für ein internationales Regelwerk aus, dass die Aufteilung der mit Hilfe ihrer Tier- und Pflanzenwelt erzielten Gewinne klären soll. Die Industriestaaten, insbesondere die Europäische Union, haben sich bisher stets gegen die Aufstellung rechtlich verbindlicher Regeln hierzu gewehrt. Die Entwicklungsländer warfen ihnen deshalb «Bio-Piraterie» vor. | Nach Angaben der Entwicklungsländer finden ihre biologischen Ressourcen in einem Drittel der weltweit hergestellten Medikamente Verwendung. Allein die Patente für diese Medikamente seien Millionen Dollar wert, erklärten die Regierungsvertreter. «Wir wollen sicherstellen, dass die Entwicklungsländer am Ende nicht als Verlierer da stehen, obwohl wir reich an natürlichen Ressourcen sind», sagte der malaysische Umwelt- und Forschungsminister Law Hieng Ding. | An dem Treffen nahmen neben dem Gastgeberland Malaysia auch Bolivien, Brasilien, China, Costa Rica, Ecuador, Indien, Indonesien, Kenia, Kolumbien, Mexiko, Peru, die Philippinen, Südafrika und Venezuela teil. Die Weltkonferenz für biologische Vielfalt wird von mehr als 2.000 Regierungsvertretern aus 188 Staaten besucht. | Das Regenwald-Institut e.V. bereitet zusammen mit BUKO eine weitere Kampagne zum Thema "Biopiraterie" vor. Nach dem Kampf gegen die Cupuacu-Patent-Anträge der japanischen Firma Asahi gehen wir nun auch gegen die Markeneintragung vor. Dazu bald mehr an dieser Stelle. |
| 10.02.2004 | Nebelwälder unter ökologischem Druck | Zu den am meisten gefährdeten Regionen der Erde gehören nach Ansicht zahlreicher Experten die Nebelwälder. Die Warnung kommt vom Treffen des World Conservation Monitoring Centre http://www.unep-wcmc.org, einer Unterorganisation der United Nations Environmental Organisation UNEP, bei der Convention on Biological Diversity http://www.biodiv.org, die derzeit im malaysischen Kuala Lumpur stattfindet. Die Nebelwälder beherbergen nicht nur tausende seltener Tiere und Pflanzen, sondern sind auch notwendig für die Trinkwasser-Versorgung von Millionen von Menschen, berichtet BBC-Online http://news.bbc.co.uk . | Nach den jüngsten Berichten der Forscher, die sich auf Satellitendaten stützen, umfassen diese Wälder rund 400.000 Quadratkilometer und machen damit nur 2,5 Prozent der Gesamtfläche aller tropischen Regenwälder aus. 60 Prozent der Nebelwälder befinden sich in Asien, etwa 25 Prozent in Lateinamerika und die restlichen 15 Prozent in Afrika. Die meisten der Nebelwälder sind in Höhenlagen zwischen zwei und 3.000 Metern über dem Meeresspiegel, obwohl es in Küstenregionen auch Nebelwälder in Höhenlagen von 500 Metern gibt. Zu den typischen Nebelwäldern zählt etwa der La Tigra National Park in Honduras, der mehr als 40 Prozent der 850.000 Bewohner der Hauptstadt Tegucigalpa mit Trinkwasser versorgt. Die Nebelwälder bilden aber auch Genpools für Nutzpflanzen, da zahlreiche wildlebende Formen von Nahrungspflanzen in diesen Habitaten heimisch sind. | Die Nebelwälder sind durch Landwirtschaft, illegalen Holzeinschlag, Feuer, Straßenbau und die Einführung artfremder Spezies bedroht. Nach Angaben der Experten stellt aber die Klimaänderung die größte Bedrohung dar. "Einzigartig in diesen Wäldern ist die Tatsache, dass sie die Feuchtigkeit durch Kondensation der Wolken halten können", so Studienautor Philip Bubb von der UNEP. "Wenn die Temperaturen um nur einen Grad in den Niederungen steigen, bedeutet das einen Temperaturanstieg um zwei Grad in den Wäldern. Daraus resultiert das Aufsteigen der Wolken und das Austrocknen des Waldes", zeichnet der Forscher das Bild. Viele der Wälder sind daher rund um Berggipfel zu finden, da dort die Temperaturen kühler sind. Zunehmende Hitze sorgt aber dafür, dass die Wolken höher steigen und dass damit auch die höchstgelegenen Wälder austrocknen. (pte) |
| 05.02.2004 | Über die letzten Regenwälder Indonesiens | Nach einer dreiwöchigen Recherchereise auf Sumatra zieht der ROBIN WOOD-Tropenwald-Experte Jens Wieting ein bitteres Fazit: "Die beiden größten Zellstoffkonzerne Indonesiens, APP und APRIL, zerstören weiterhin in rasantem Tempo die verbliebenen Regenwälder. Trotz internationaler Proteste beziehen sie noch immer rund zwei Drittel ihres Rohstoffes durch Kahlschlag in artenreichem Regenwald. Das Ausmaß der Zerstörung ist bestürzend." ROBIN WOOD appelliert daher gemeinsam mit den indonesischen Umweltnetzwerken WALHI, CAPPA und Hakiki Foundation eindringlich an die Papierhändler, die zurzeit auf der Messe PAPERWORLD in Frankfurt zusammen kommen, auf Zellstoff und Papier aus Indonesien zu verzichten. | "Auf Sumatra in der Provinz Riau herrscht ökologischer Notstand", berichtet der soeben von der Reise zurückgekehrte Wieting. "Städte und Flüsse sind stark verschmutzt, die Wälder fast vollständig abgeholzt. Große Flächen liegen brach oder sind von öden Ölpalmen- und Akazienplantagen bedeckt. Die staatliche Kontrolle funktioniert nicht. So können Papier-, Palmöl- und Holzindustrie ungehindert den letzten Regenwald der Insel zerstören. Militär und Polizei bereichern sich an den illegalen Holzgeschäften." | APP und APRIL haben den größten Holzhunger. Mit Krediten der Weltbank, privater Geber und Hermesbürgschaften aus Deutschland haben die beiden Konzerne riesige Zellstofffabriken aufgebaut. Um sie auszulasten, machen sie selbst vor wertvollen Naturwäldern nicht halt. Eine Praxis, die sie auch künftig beibehalten wollen: Laut Zahlen aus dem Forstministerium, die ROBIN WOOD vorliegen, will APP bis 2009 weitere 160.000 Hektar und APRIL 200.000 Hektar Naturwald abholzen. Auch in Schutzgebieten und Wäldern wie dem Tesso Nilo-Gebiet, für die APP und APRIL auf Druck von Umweltschützern ein Einschlag-Moratorium akzeptiert haben, schlagen illegale Holzfäller weiterhin Holz ein. | "Die Zellstoffkonzerne müssen ihre Überkapazitäten soweit reduzieren, dass sie ihren Bedarf mit Holz aus den bestehenden Plantagen decken können", fordert Wieting. "APP und APRIL werden sich nur bewegen, wenn sie spüren, dass die Nachfrage ausbleibt, solange sie weiter Regenwald zerstören." | Indonesische Umwelt- und Menschenrechtsgruppen fordern ebenfalls ein Einschlagmoratorium in ihrem Land. Rully Syumanda vom Umweltnetzwerk WALHI in Riau: "The pulp and paper industries must stop immediately to cut the Indonesian rain forest and to pollute our environment. Don't buy paper from our forest!" |
| 26.01.2004 | Kondom-Fabrik zur Rettung des Regenwaldes | Eine Fabrik in der entlegenen brasilianischen Provinz Xapuri soll bis 2005 jährlich 100 Mio. Kondome herstellen. Mit der Fabrik soll Aids in Brasilien bekämpft und die Zerstörung des Regenwaldes eingedämmt werden, denn das Grundprodukt Gummi soll direkt aus der Provinz kommen, berichtet BBC-World Service Science in Action. "Brasilianer brauchen etwa 1,2 Mrd. Kondome jährlich um Aids einzudämmen", meint Alessandro Grangeiro, Direktor des Aids-Programms von Brasilien. Für 700 Mio. Kondome kommt die brasilianische Regierung auf", erklärt Grangeiro. Die Beschaffung der Verhütungsmittel stellt für einen großen Teil der Bevölkerung einen erheblichen Kostenteil dar. Die meisten Kondome müssen derzeit importiert werden. Der Initiator der Kampagne sieht in der Errichtung der heimischen Fabrik jedenfalls große finanzielle Chancen. Bis 2006 könnten in der Fabrik sogar bis zu 200 Mio. Kondome erzeugt werden. Auch der Standort in Xapuri, im nordwestlichen Teil Brasiliens, einer Region, die besonders von Urwald- Rodungen betroffen ist, ist gut gewählt. Die Region ist seit vielen Jahren Lieferant von hochwertigem Naturkautschuk. | In ersten Untersuchungen eignet sich das Produkt auch zur Herstellung von Kondomen. Bisher wurde Kautschuk aus Xapuri für die Reifenherstellung verwendet.Lokale Kautschukproduzenten sind über die Nachrichten erfreut. Im Unterschied zu den Kautschuklieferanten aus Ostasien wird der brasilianische Rohstoff aus nativen Kautschukbäumen gewonnen. Dieser hat andere Eigenschaften als die kultivierten Bäume. Außerdem wird dadurch der Marktwert des Rohstoffes erhöht und eine Sicherung des Baumbestandes ist gewährleistet. "Das bedeutet Profit durch die Erhaltung der Baumbestände", erklärt Jose Maria Barbossa Bakierno vom National Rubber-Tappers Council. Die natürlichen Kautschukbäume, die nicht in Plantagen gepflanzt wurden, bedeuten für die Produzenten aber auch mehr Arbeit: zum Teil stehen Bäume weit auseinander und der Boden ist nicht überall gleich gut, was sich auch auf den Ertrag auswirkt. "Diese Probleme zu lösen, ist eine große Herausforderung, aber die lokale Bevölkerung steht hinter dem Projekt", so Maria Christinabo vom brasilianischen National Insitute of Technology. |
| 17.01.2004 | Orang-Utans bis 2025 ausgestorben? | Die Umweltorganisation WWF warnt vor dem völligen Ende der Orang-Utan Population in der freien Wildbahn bis 2025. Nach vorsichtigen Schätzungen des WWF leben heute nur noch zwischen 25.000 und 30.000 Orang-Utans in den Wäldern Sumatras und Borneos. Die Zerstörung ihres Lebensraumes schreitet aber immer rascher voran. | Noch 1987 schätzten Experten die Population des "Waldmenschen", so die Übersetzung des Wortes Orang-Utan, auf 45.000 bis 60.000. Die Menschenaffen leben als zwei verschiedene Spezies, Borneo-Orang (Pongo pygmaeus) und Sumatra Orang (Pongo abelii), nur auf diesen beiden Inseln in Südostasien. Experten schätzen den Bestand des Sumatra-Orangs auf etwa 9.000. Sumatras Menschenaffen sind durch die zunehmende Rodung des Urwalds für Palmplantagen massiv bedroht. Mehr als 80 Prozent der ursprünglichen Regenwälder Indonesiens und Malaysias sind seit dem vorigen Jahrhundert bereits gerodet worden. Außerdem werden die Menschenaffen auch wegen ihres Fleisches gejagt. | "Mehr als 60 Prozent der Orang-Utans leben außerhalb der Reservate, daher wird der Bestand in den kommenden Jahren noch weiter schrumpfen", argumentieren Umweltexperten. Gründe dafür liegen auch darin, dass die Tiere erst mit 12 Jahren geschlechtsreif werden und ein Alter von rund 40 Jahren erreichen. Orang-Utans haben den langsamsten Reproduktionszyklus aller großen Menschenaffen. Zwischen den Geburten der Nachkommen liegen durchschnittlich acht Jahre. Während eines Lebens kann ein Weibchen maximal vier bis fünf Junge zur Welt bringen. "Nach einer Studie verträgt die Orang-Utan Population nur einen Verlust von etwa zwei Prozent jährlich", so WWF-Experte Stuart Chapman. Größere Zahlen wie etwa 50 Prozent in nur 15 Jahren führen definitiv zum Aussterben. In Indonesien werden die Orang-Utan vielfach als Haustiere gehalten. |
| 06.01.2004 | Das Jahr 2003: Wieder ein Jahr der Brände in Amazonien | Das vergangene Jahr geht in Amazonien wieder als Rekordjahr ein: Wie die staatlichen Institute IBAMA und INPE mitteilen, wurden im Jahre 2003 138.665 Brände in Amazonien registriert. Lediglich im Jahre 2002 wurden mit 160.000 Bränden mehr verzeichnet als im vergangenen Jahr. Im Jahre 2000 waren es noch 67.000 Brandherde, im folgenden Jahr 2001 bereits 100.000. |
Die Institute teilen weiterhin mit, dass sich das Abbrennen der Regenwälder auch schon einige Tausend Kilometer weiter in den südlichen Bundesstaaten Brasiliens bemerkbar macht. Die bei den Bränden bis in 7000 Meter Höhe getragenen Ascheteilchen verändern die Wolkenbildung und damit das Niederschlagsregime, so dass ernsthafte Konsequenzen für die dortige Landwirtschaft drohen. |
| 01.01.2004 | Neujahrswünsche | Wir wünschen unseren Mitgliedern und Förderern ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2004!! | Wir werden unsere angewandten Arbeiten zum Schutz der Regenwälder forcieren und hoffen, dass die Versprechungen der brasilianischen Regierung, sich verstärkt für die Regenwälder einzusetzen, wenigstens ansatzweise erkennbar werden. |
| 26.11.2003 | Banken-Rating für den Regenwald | VON KATHARINA KOUFEN, taz. Wer ist schuld, wenn in Brasilien oder Indonesien die Regenwälder abgeholzt werden? Die Papierindustrie, sagen die einen. Weil die so viel Holz braucht. Die Zeitungen, sagen die anderen. Weil die so viel Papier nachfragen. Die Regierungen in Brasilien und Indonesien, lautet eine dritte Meinung. Weil die skrupellos Geschäfte machen, Hauptsache, sie kommen an Devisen. | Jetzt setzt ein Umweltverband an einer vierten Stelle an, um das Abholzen von Wäldern zu verhindern: bei den Banken. Die finanzieren schließlich die Geschäfte mit dem Holz. Der World Wide Fund for Nature (WWF) beauftragte die Münchner Rating-Agentur oekom research, elf europäische Banken einem Umweltranking zu unterziehen. Alle seien in der Vergangenheit durch "kontroverse Finanzierungen" aufgefallen, so der WWF. | "Bei Investitionen, die zu Lasten von Wäldern gehen, haben nur wenige Banken ausreichende Umwelt- und Sozialkriterien", so das Ergebnis der Studie, die der taz vorliegt und die heute in Frankfurt vorgestellt wird. Den Wald schädigen Projekte wie Papiermühlen, Rohstoffplantagen zur Produktion von Palmöl, Ölpipelines und Staudämme. Prominentestes umstrittenes Beispiel ist der Dreischluchtenstaudamm in China, der vor kurzem seinen Betrieb aufnahm. | Oekom research untersuchte bei den Banken, ob Sozial- und Umweltstandards exisitieren, wie konsequent sie angewandt werden und wie transparent die Kriterien sind. Die meisten Banken hätten keine eigenen Standards für Finanzierungen entwickelt, fanden die Ratingexperten heraus. In der Regel erkennen die Geldinstitute international gängige Standards an, am häufigsten die Weltbankrichtlinien. | Einige Banken, u. a. die niederländische ABN Amro, die Dresdner Bank, die Hypovereinsbank und die West LB, haben diesen Sommer die so genannten Äquatorrichtlinien unterschrieben, die sich ebenfalls an die Standards der Weltbank anlehnen, etwa "Schutz gefährdeter Arten", "kein Gebrauch gefährlicher Substanzen" und "keine Umsiedlung von Menschen". | Wie beim Firmenrating wurden dabei Noten von A plus bis D minus vergeben. Mit "B plus" am besten schnitten die ABN Amro, die Deutsche Investitionsgesellschaft sowie die Hypovereinsbank ab. Die Dresdner Bank erhielt ein "C plus", ebenso die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die Entwicklungsprojekte der Bundesregierung finanziert und daher eigentlich besonders sensibel für Umwelt- und Sozialaspekte sein sollte. Die - in jüngster Zeit wegen der Finanzierung einer Ölpipeline in Ecuador besonders umstrittene - West LB wurde immerhin noch mit "C" bewertet. Schlusslicht ist die Commerzbank mit einem "C minus". | Drei der anvisierten elf Banken, darunter die Deutsche Bank, waren laut WWF nicht zur Zusammenarbeit bereit. Bei der Deutschen Bank hieß es gestern allerdings, man habe ausführlich mit dem WWF gesprochen. Im Übrigen sei die Deutsche Bank eines der ersten Finanzinstitute gewesen, die das Thema Umwelt auf der Agenda gehabt hätten. | Der Umweltverband hofft, mit dem Ranking den Anstoß für einen Strategiewechsel bei den Banken geben zu können. "Die Verankerung von Nachhaltigkeit soll als Instrument des Risikomanagements anerkannt werden und nicht als extern aufgezwungene Einschränkung von Finanzierungsaktivitäten", heißt es in der Studie. Und das liege doch durchaus im Eigeninteresse der Banken. |
| 05.11.2003 | Nach Flutkatastrophe: Indonesische Regierung kritisiert illegale Rodungen | Bukit Lawang/Indonesien (AP) Nach der Flutkatastrophe auf Sumatra hat der indonesische Umweltminister Nabiel Makarim den Raubbau an der Natur scharf kritisiert. Die an den illegalen Rodungen beteiligten Holzfäller seien «Terroristen», sagte er am Mittwoch in Jakarta. Sie strafrechtlich zu verfolgen sei jedoch fast unmöglich, «weil wir es mit korrupten Beamten und Geschäftsleuten zu tun haben», räumte der Minister ein. Der Flutkatastrophe sind wahrscheinlich mehr als 200 Menschen zum Opfer gefallen. | Unkontrollierte Rodungen verhindern Umweltschützern zufolge ein natürliches Absickern von Regenwasser, so dass es nach heftigen Regenfällen zu Sturzfluten und Erdrutschen kommt. Regierungsmitarbeiter räumten ein, dass während der starken Regenfälle am Sonntag hunderttausende gefällter Bäume im Leuser-Nationalpark den aus den Bergen kommenden Fluss Bahorok blockierten. Als der Wasserdruck zu gross wurde, ergossen sich die Fluten über das Dorf Bukit Lawang im Norden der Insel. | Rettungskräfte bargen bis Mittwoch 92 Leichen aus den vom Wasser mitgerissenen Trümmern. Mehr als 150 Menschen würden noch vermisst, wie der Fernsehsender Metro TV unter Berufung auf den Bürgermeister von Bukit Lawang, Yusmaidah, berichtete. Unter den Opfern waren laut Behördenangaben auch fünf Ausländer: zwei Deutsche, zwei Österreicher und ein Singapurer. Deren Leichen sind entgegen anders lautender Bericht noch nicht geborgen, hiess es. «Sie liegen entweder unter den Baumstämmen begraben oder wurden den Fluss hinuntergerissen», erklärte ein Sprecher der Provinzregierung. | Die indonesische Präsidentin Megawati Sukarnoputri sprach den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. Sie entsandte ein Team ranghoher Beamter in die Region, um den Schaden entstandenen Schaden auszumachen. Unterdessen begannen Hilfsorganisationen damit, Reis und abgepackte Lebensmittelrationen an die Überlebenden zu verteilen. | Der Abholzung ist bereits bis zu einem Fünftel der Fläche des Leuser-Nationalparks zum Opfer gefallen, wie der Leiters der grössten indonesischen Umweltschutzorganisation Walhi, Longgena Ginting, mitteilte. Weite Teile des Dschungels wurden für den Bau einer Strasse abgeholzt, die in den benachbarte Provinz Aceh führen soll. Die grösstenteils illegalen Rodungen gefährden auch die in Nationalparks auf Sumatra lebenden Tiger, Elefanten und Orang-Utans. |
| 17.10.2003 | Appell für Maßnahmen gegen illegalen Holzhandel | Die Bundesregierung und der Deutsche Bundestag müssen den Import illegaler Hölzer endlich verbieten! | Illegaler Holzeinschlag und Handel ist - neben dem legalisierten Raubbau - eine der Hauptursachen für die Zerstörung von Wäldern, insbesondere Urwäldern. Die Weltbank schätzt, dass den Holzexportländern durch die illegalen Machenschaften jährlich 10-15 Milliarden Euro an Steuereinnahmen entgehen. Illegaler Holzeinschlag zerstört riesige Waldgebiete, bedroht die Biodiversität und vernichtet die Lebensgrundlagen der örtlichen Bevölkerung. Forst- und Holzindustrie sind der Motor und verantwortlich für Korruption, massive Menschenrechtsverletzungen und Repression. | Schätzungen zufolge stammt etwa die Hälfte der Tropenholzimporte in die EU aus illegalem Holzeinschlag und -handel. So gelten z.B. in Indonesien offiziell über 70% der Hölzer als illegal, in Brasilien sind es über 60%. Dasselbe gilt für ein Viertel der Holzimporte aus Nordwest-Russland. Die EU als weltgrößter Holzimporteur bezieht jährlich illegales Holz im Wert von 1,2 Milliarden Euro! Deutschland ist als großer Holzimporteur mitverantwortlich für diese Missstände. | Im letzten Jahr wurden sofortige Maßnahmen gegen den Handel mit illegal geschlagenem Holz in der völkerrechtlich verbindlichen Biodiversitäts-Konvention (CBD) im Arbeitsprogramm zur Biologischen Vielfalt von Wäldern beschlossen. Deshalb hat die Europäische Kommission im Mai 2003 ihren Mitgliedsstaaten einen Aktionsplan (FLEGT Forest Law Enforcement, Governance and Trade) vorgelegt, mit dem sie den illegalen Holzeinschlag und Handel bekämpfen will. | Die Bundesregierung hat sich zum Schutz der letzten Urwälder verpflichtet. Der vorgeschlagene EU Aktionsplan ist allerdings weder ausreichend, um den Schutz der letzten Urwälder zu erreichen, noch eine nachhaltige Nutzung von Wirtschaftswäldern sicherzustellen. Die Unterzeichner fordern deshalb die Bundesregierung auf: |
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Erstunterzeichner: AG Wald im Forum Umwelt und Entwicklung Allwetterzoo Münster Arbeitsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz Berggorilla & Regenwald Direkthilfe Brasilieninitiative Freiburg Bundeskoordination Stud. Oekologiearbeit BSOe e.V BUND Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre EarthLink Eine Welt Forum Mönchengladbach Faszination Regenwald e.V. Gesellschaft für ökologische Forschung Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere GREENPEACE IMBAS Indio -Hilfe KLIMA - BÜNDNIS / ALIANZA DEL CLIMA e.V. Kooperation Brasilien - KoBra e.V. NABU Naturschutzjugend im Landesbund für Vogelschutz Patuca e.V. Pro REGENWALD Regenwald-Institut Rettet den Regenwald Robin Wood Stiftung Artenschutz Stiftung eine Welt - Eine Zukunft Tropica Verde Urgewald Vamos e.V. Watch Indonesia! WEED Westfälische Gesellschaft für Artenschutz WWF Deutschland Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz |
| 26.09.2003 | Fast alle Holzkonzerne in Indonesien arbeiten illegal | Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 90 Prozent aller Holzfällerfirmen in Indonesien illegal arbeiten. Indonesien ist der zweitgrößte Exporteur von Tropenholz weltweit nach Malaysia. Seit mehreren Jahren verschwinden die Regenwälder des asiatischen Landes so schnell wie sonst nirgendwo auf der Erde. | Die von der britischen Rainforest Foundation unterstützte Studie wollte heraus finden, ob indonesische Holzfirmen den Anforderungen des Forest Stewardship Council (FSC) genügen. Eine wichtige Bedingung für eine Zertifizierung nach FSC-Kriterien ist die absolute Einhaltung von Recht und Gesetz durch die Holzkonzerne. Das Wissenschaftler-Team, das die Studie im Auftrag von Indonesiens führender Umweltorganisation WALHI und der nationalen Indigenenvereinigung AMAN durchgeführt hat, fand heraus, das neun von zehn Holzkonzessionen ohne die vorgeschriebenen Genehmigungen ausgebeutet werden. | Die Studie kommt weiter zu dem Schluss, das in Indonesien tätige Holzkonzerne häufig indigene Rechte verletzen und Konzessionsrechte ohne Zustimmung der betroffenen Lokalbevölkerung vergeben wurden. |
| 18.09.2003 | Brasilien nimmt Holzfäller fest | Die brasilianische Polizei hat am Dienstag 17 Männer festgenommen, die illegal Tropenholz auf einer Fläche von 10.000 Hektar abgeholzt haben sollen. Die Festnahme erfolgte im brasilianischen Bundesstaat Rondonia, einem der am meisten bedrohten Urwaldgebiete des Amazonasbeckens. "Ich glaube, das ist die größte Festnahme einer Bande von illegalen Holzfällern in Brasilien. Zumindest ist es die größte in Rondonia", sagte Osvaldo Pitaluga, der Leiter der brasilianischen Umweltbehörde Ibama. | Die über zwei Monate laufenden Ermittlungen der Ibama ergaben, dass die Holzfäller über Lizenzen verfügten, mit denen sie das Holz ungehindert aus dem geschützten Wald transportieren konnten. Die Lizenzen sollen Osvaldo Pitaluga zufolge von fünf Mitarbeitern der Ibama illegal ausgestellt worden sein. Umweltschützer bemängeln schon länger, dass die Korruption innerhalb der unterfinanzierten Umweltbehörde das illegale Abholzen fördert. Die Ibama ist dafür zuständig, das Abforsten des weltweit größten Tropenwaldes zu überwachen und durch strikte Lizenzvergabe die Rodung auf dafür vorgesehene Gebiete zu begrenzen. | Illegaler Holzeinschlag und Brandrodung sind die beiden Hauptursachen für die Entwaldung des Amazonasgebiets. Sie ist im vergangenen Jahr um 40 Prozent auf rund 14,5 Millionen Quadratkilometer angestiegen. Die Mitglieder der Bande, die über mehrere Jahre in Rondonia illegal gerodet hat, sind zurzeit in Untersuchungshaft. Ihnen droht eine mehrjährige Gefängnisstrafe und eine Geldstrafe von bis zu einer Million US-Dollar. |
| 08.09.2003 | ZDF zur Regenwaldzerstörung | Raubbau an der "Grünen Lunge" Für Soja, Öl und Gartenmöbel | ZDF-Online, Ruth Kuczka | Irgendwie wissen wir es alle: Seit den 80er Jahren ist das Ausmaß der Umweltzerstörung in den Regenwäldern bekannt. Nach einer Welle der Erregung, nach Untersuchungen und Projekten ist es in der Öffentlichkeit wieder still geworden, der Regenwald aber wird weiter fröhlich abgeholzt. | Sie sind das artenreichste Ökosystem der Erde. Sie haben über 100 Millionen Jahre gebraucht, um diese biologische Vielfalt hervorzubringen und in ungefähr 30 Jahren hat der Mensch über die Hälfte bereits vernichtet: Die tropischen Regenwälder schwinden in atemberaubenden Tempo. Jedes Jahr werden zurzeit 150 000 km² Regenwald abgeholzt - für die Vorstellungskraft: jede Minute sind das 6000 Bäume. Umweltverbände und Regenwaldschützer machen mobil: Wenn nicht bald diese Entwicklung gestoppt wird, wird der gesamte Bestand bis auf einige Nationalparks in 30 bis 40 Jahren verschwunden sein. | Grüne Lunge ohne Luft | Die Auswirkungen sind bekannt. Unzählige Tier- und Pflanzenarten, zu einem großen Teil noch unbekannt, sterben aus, Waldvölker sind in ihrer Existenz bedroht und die Auswirkungen auf das regionale und globale Klima noch gar nicht abzusehen. | Globalisierung einmal anders: Circa 600 Milliarden Tonnen Wald wurden bei Raubrodungen verbrannt und belasten mit dem freigesetzten Kohlendioxid (CO2) die Erdatmosphäre. Umgekehrt fehlt der gerodete Wald zum CO2-Abbau. Auch der Wasserkreislauf wird empfindlich gestört. Der verbleibende Wald kann die großen Regenmengen nicht mehr speichern und wieder abgeben, Boden erodiert. | Brandrodung für Schokolade | Das sind Fakten, die schon seit Mitte der 80er Jahre sowohl den Fachleuten als auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt sind. Eine Vielzahl von Projekten konnte in den bedrohtesten Gebieten tatsächlich die Abrodung begrenzen, doch kaum war das öffentlich schlechte Gewissen wieder beruhigt, nahm der Raubbau mit anderen Methoden und an anderen Orten wieder zu: Nach dem Raubbau für Weideland in den 80er Jahren sind es heute Gartenmöbel aus tropischen Hölzern zu Schleuderpreisen und Monokulturen wie Palmöl und Soja, für die der Regenwald stirbt. | In Brasilien breitet sich Soja statt des Urwaldes aus: als Futtermittel für Schweine und Rinder wird es vor allem in EU-Länder ausgeführt. In Indonesien und Malaysia sind von ursprünglich 22 Prozent der Landesfäche nur noch 7 Prozent Regenwald, die geschlagenen Bäume waren insbesondere dieses Jahr als billige, aber sehr beliebte Gartenmöbel in den Kaufhäusern zu bewundern. Auch für das begehrte Palmöl müssen die Urwaldriesen weichen: Palmöl ist Rohstoff für eine ganze Produktpalette, vom Waschmittel über Kosmetika bis zur Schokolade. Der Konsum steigt - und damit der Bedarf: Indonesien und Malaysia planen, die Anbaufläche von 2,4 Millionen Hektar auf 5,5 Millionen Hektar zu vergrößern - auf Kosten des Regenwaldes. Deutschland ist der zweitgrößte Handelspartner für indonesisches Palmöl. | Schutz vor dem Raubau | Vordringlichstes Problem scheint eine weltweit schlafende Öffentlichkeit zu sein, die keinen Druck auf Politik und Wirtschaft ausübt und auch beim eigenen Konsumverhalten keinen Handlungsbedarf sieht: Während beim Kauf von Waschmittel oder Schokolade der Verbraucher wohl kaum in der Lage ist, den Zusammenhang zwischen Brandrodungen, Palmöl und Endprodukt zu erkennen, könnte er gut und gerne bei der Möbelauswahl mehr Sorgfalt walten lassen. | Teakholzmöbel erfreuen sich großer Beliebtheit bei fallenden Preisen. In diesem Sommer gab es eine regelrechte "Gartenmöbel-Schwemme" - die meisten aus tropischen Hölzern. Wer kennt und achtet schon auf das FSC-Siegel (Forest Stewardship Council), das Holz aus nachhaltiger - sozial und ökologisch verträglicher- Waldbewirtschaftung kennzeichnet? Der Verbraucher kann selbst dazu beitragen, dass der Regenwald nicht weiter verschwindet: Mit Sorgfalt bei der Auswahl der Produkte und mit Druck auf die Entscheider in Politik und Wirtschaft. |
| 03.09.2003 | Deutscher in Amazonien wegen Biopiraterie verhaftet | Ein Deutscher Staatsbürger, der nach einem Aufenthalt im Nationalpark Pico de Neblina mit Samen seltener Pflanzen angetroffen wurde, wurde wegen Biopiraterie verhaftet. Es wird ihm vorgeworfen, genetische Ressourcen zu schmuggeln und im Ausland pharmazeutischen Firmen zur Verfügung zu stellen. | Biopiraterie ist in Brasilien (berechtigter Weise) zur Zeit ein wichtiges innenpolitisches Thema. Bitte beachten Sie dazu auch unsere Kampagne zum Fall Cupuaçu. |
| 28.07.2003 | Kein Kontakt zu Indianern - Neue Strategie der Indianerbehörde FUNAI | Hamburg (ots) Die Indianerbehörde Brasiliens FUNAI verfolgt eine neue Strategie, um die Indianerstämme Amazoniens zu schützen. Auf den Kontakt zu isoliert lebenden Stämmen wird verzichtet, um die Kultur der Indianer zu bewahren und sie nicht der Gefahr tödlicher Krankheiten auszusetzen. Expeditionen der Behörde dienen lediglich dem Ziel, die territorialen Grenzen der Stämme zu erkunden. So weiss die Behörde, welche Gebiete auch künftig unberührt bleiben sollen, berichtet NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND in seiner August-Ausgabe (EVT 28.07.2003). | Zu Beginn des 16. Jahrhunderts lebten noch Millionen von Indianern im brasilianischen Amazonasbecken, vermuten Archäologen. Heute schätzt man die Zahl auf etwa 350'000. Darunter sind 18 Stämme isolierter Gruppen, die bis heute so gut wie keinen Kontakt zur Aussenwelt hatten. Über diese Stämme ist nicht viel bekannt. Man weiss nicht, welche Sprache sie sprechen, zu welcher Volksgruppe sie gehören oder welche Götter sie anbeten. "Um sie zu schützen braucht man das nicht zu wissen", erklärt der Menschenrechtler und Indianerexperte Sydney Possuelo, den NATIONAL GEOGRAPHIC bei einer Expedition begleitete. Es wäre unmöglich an diese Informationen heranzukommen, ohne die Indianer der Gefahr tödlicher Krankheiten auszusetzen oder sie mit Werten zu konfrontieren, die das Ende ihrer Traditionen bedeuten könnten. "Mit dem ersten Kontakt beginnt der Niedergang ihrer Welt" glaubt Possuelo. "Das Beste, was wir für die Indianer tun können, ist uns aus ihrem Leben herauszuhalten." | Die meisten Indianer der unberührten Stämme sind Nachkommen der Überlebenden von Massakern, die weisse Eindringliche im Laufe der Jahrhunderte begingen. Die Indianer zogen sich in zerklüftete Quellgebiete zurück und meiden seither den Kontakt zur Aussenwelt. Gewalt ist aber nur eine Todesursache, der Grossteil der Einheimischen starb an eingeschleppten Krankheiten wie Erkältungen, gegen die sie keine natürlichen Abwehrkräfte besitzen. | Mit dem Schutz der Indianer ist immer auch der Schutz des Regenwaldes verbunden. Wenn keine Eindringlinge zu den Indianern gelangen, wird auch der Urwald nicht berührt. "Wer die Indianer schützt, schützt die Artenvielfalt auf Millionen Hektar Urwald", sagt Possuelo. So sind die Indianer die besten Hüter des Regenwaldes. |
| 24.07.2003 | UN-Grünhelme | Töpfer fordert UN-Grünhelme gegen Umweltkatastrophen Bonn (AP) | Der Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Klaus Töpfer, hat sich für eine UN-Eingreiftruppe gegen Umweltkatastrophen ausgesprochen. «Es kann nicht nur Blauhelme geben, die erst bei Kriegsgeschehen eingreifen - wir brauchen mehr Vorsorge, also Grünhelme», sagte der ehemalige Bundesumweltminister in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview des «Rheinischen Merkurs». Darunter sei der Aufbau eines Frühwarnsystems zu verstehen sowie die Durchsetzung von gezielten Entwicklungs- und Investitionsprogrammen. | Angesichts der Zunahme von ökologischen Katastrophen mit ihren Folgen für das Klima, Wüstenbildung oder Artenvielfalt forderte der CDU-Politiker außerdem schärfere Instrumente für die UN, um das Recht auch durchzusetzen. So könne die Haftung als marktwirtschaftliches Instrument verstärkt auch auf den Umweltbereich übertragen werden. | Zu Spekulationen, dass er als Unions-Kandidat für die Wahl des Bundespräsidenten 2004 in Frage komme, wollte sich Töpfer in dem Interview nicht direkt äußern. «Es ist zwar ehrenvoll, genannt zu werden. Aber es gibt Ämter von einer solchen Bedeutung, dass sich jede Spekulation verbietet. Deshalb werde ich mich nicht daran beteiligen», erklärte Töpfer demnach wörtlich. |
| 15.07.2003 | Paranüsse aus Brasilien nicht gut genug für die EU | Neue EU-Sanktionen haben zur Folge, dass brasilianische Paranüsse in der Praxis wohl kaum noch auf den europäischen Markt kommen dürften. Grund dafür ist die angeblich bis zu hundertfach überhöhte Konzentration an potentiell Krebs erregenden Schimmelpilzgiften (Aflatoxinen), welche den Nüssen anhaften. Die EU verlangt fortan intensive und kostenaufwändige Kontrollen. Die Paranuss ist ein, vor allem für die kleinen amazonischen Produzenten wichtiges Exportgut, mit einen Jahresvolumen von 3,3 Millionen US$. | Als Folge dieser Verschärfung der Einfuhrbedingungen mussten wir auch auch im Regenwaldladen die qualitativ hochwertigen Nüsse aus dem bras. Bundesstaat Acre aus dem Sortiment nehmen. |
| 29.06.2003 | Amazonasregenwald schrumpft wieder schneller | Die Zerstörung des brasilianischen Amazonas-Regenwaldes hat voriges Jahr drastisch zugenommen. Nach Angaben der brasilianischen Regierung wurden rund 25.500 Quadratkilometer niedergebrannt, 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Das entspricht einer Fläche, die größer ist als Mecklenburg-Vorpommern. | Das ist nach 1995 der zweithöchste Wert der Waldzerstörung, den das Institut für Weltraumstudien durch Auswertung von Satellitenaufnahmen festgestellt hat. Mitverantwortlich sei die rasche Ausbreitung der Soja-Monokulturen, berichtet O Estado de São Paulo. São Paulos Umweltminister José Goldemberg nannte das Ausmaß der Zerstörung "alarmierend". Die Daten wurden durch eine Indiskretion früher als geplant verbreitet. Die Regierung will nächste Woche Maßnahmen gegen die Abholzung bekannt geben. | Quelle: taz Nr. 7089 vom 27.6.2003, Gerhard Dilger |
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Die Grafik zeigt die jährlichen Entwaldungsraten (km²) in Amazonien seit 1988. |
| 24.06.2003 | Brasilien und Deutschland unterzeichnen Abkommen zum Schutz der Wälder | Brasília (DF) - Die Bundesrepublik Deutschland wird mehr als 35 Millionen Euros, oder etwa 38 Millionen US$, für Umweltprojekte im Bereich des Atlantischen Regenwaldes und für die Demarkierung von 18 Millionen Hektar innerhalb des Arpa-Projekts (Programa de Áreas Protegidas da Amazônia oder Sschutzgebietsprogramm für Amazonien) bereitstellen. Das neue Abkommen, das am 10/06 im brasilianischen Aussenministerium Itamaraty von den Regierungen Brasiliens und Deutschlands unterzeichnet wurde, wird nun an den Nationalkongress zur Ratifizierung weitergeleitet. Im April hatte Präsident Luiz Inácio Lula da Silva ein Abkommen sanktioniert, durch das die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW, 70 Millionen US$ für die Durchführung von Projekten zum Schutz der tropischen Wälder bereitstellt. Zu diesem Abkommen gehören neun Projekte die dem Atlantischen Regenwald und Amazonien zugute kommen. |
| 12.06.2003 | TV-Tipp zum Regenwald: Samstag, 14.6.03, 18.30-19.00, 3sat | Zum 'Tag der Artenvielfalt' zeigt 'nano' eine Reportage von Jana Lemme über die 'Natur-Inventur' im Amazonas-Gebiet Brasiliens: Wissenschaftler und Interessierte untersuchen und dokumentieren 24 Stunden lang die Tier- und Pflanzenwelt im Regenwald rund um Manaus/Brasilien, die artenreichste Region der Erde. Unter anderem besucht das 'nano'-Team dort den außergewöhnlichen brasilianischen Biologen und Artenschützer Ronis da Silveira in seiner Forschungsstation und begleitet ihn und seine Forschergruppe zum Zählappell des 'Tages der Artenvielfalt'. Sein Spezialgebiet: schwarze Kaimane, mit vier Metern Länge und einem Gewicht von 350 Kilo sind sie die größten Raubtiere des Amazonas. Die Fachwelt erwartet die Ergebnisse der Artenzählung mit Spannung, denn regelmäßig werden bei solchen 'Inventuren' verschollene Arten wiedergefunden und neue entdeckt; gleichzeitig sind sie ein Indikator für den Zustand von Flora und Fauna. Mit dieser 'nano'-Reportage erleben die Zuschauer, was Artenvielfalt in ihrer Schönheit und Komplexität bedeutet, und warum es dem Menschen wert sein sollte, jedem Tier, jeder Pflanze und jedem Menschen einen Platz zum (Über-)Leben zu sichern. |
| 25.05.2003 | Geschäfte auf Kosten des Tropenwaldes | Das Regenwald-Institut und mehr als ein Dutzend weiterer internationaler Umweltschutzorganisationen unterstützen die Forderung an das führende deutsche Papiergroßhandels-Unternehmen Papier Union, auf Produkte zu verzichten, deren Rohstoff aus gefährdeten Waldgebieten stammt. Insbesondere soll Papier Union das Geschäft mit dem Konzern APRIL aussetzen, da APRIL maßgeblich für die Zerstörung des Regenwaldes auf der indonesischen Insel Sumatra verantwortlich ist. Die WaldschützerInnen, die sich zur Zeit beim Forest Movement Europe im bayerischen Bendiktbeuern bei München treffen, unterzeichneten ein entsprechendes Schreiben an die Geschäftsführung von Papier Union. Vorausgegangen waren monatelange Proteste sowie eine Flut von Emails und Postkarten gegen die Geschäfte von Papier Union mit dem Tropenwald-Plünderer APRIL. | Auf Sumatra betreibt APRIL eines der größten Zellstoffwerke der Welt. Bisher bezieht der Konzern 75 Prozent des Rohstoffes aus natürlichen Wäldern. Seit Aufnahme der Produktion hat er bereits mindestens 220.000 Hektar Wald zerstört. APRIL plant, bis 2008 weitere natürliche Wälder zu plündern und in Plantagen umzuwandeln. Laut Weltbank wird es bereits 2005 keinen größeren Tiefland-Regenwald auf Sumatra mehr geben. Die Folgen sind fatal: Unzählige Menschen verlieren ihre Lebensgrundlage. Eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt geht verloren. Umweltkatastrophen wie Überschwemmungen und Erdrutsche häufen sich. | In dem Schreiben der WaldschützerInnen an den Vorsitzenden der Geschäftsführung von Papier Union, Arndt Klippgen, heißt es: "Um glaubwürdig eine umwelt- und sozialverträgliche Einkaufspolitik zu verfolgen, muss Papier Union die Geschäfte mit APRIL aussetzen, bis die Forderungen für den Schutz der letzten Regenwälder Sumatras durch den Konzern erfüllt werden." Die UnterzeichnerInnen fordern, dass die von APRIL und seinen Partnern kontrollierten Waldgebiete von unabhängiger Seite begutachtet und alle ökologisch wertvollen Flächen von der Nutzung ausgeschlossen werden. Papier Union soll generell auf Papierprodukte verzichten, deren Rohstoff aus gefährdeten Waldgebieten stammt und den Altpapieranteil in seinen Papierprodukten erhöhen. | Andere Unternehmen haben bereits erkannt, dass ein Umsteuern nötig ist. Vor einem Jahr verzichtete Karstadt nach Protesten von ROBIN WOOD auf den Einkauf von Papier des Konzerns APP (Asia Pulp and Paper), der ebenfalls großflächig Regenwald in Indonesien zerstört. Im Frühjahr dieses Jahres erklärten die Kaufhauskette Kloppenburg sowie die Deutsche Post gegenüber ROBIN WOOD, Produkte von APRIL auszulisten. |
| 21.05.2003 | Lernt auch die WestLB dazu? | DÜSSELDORF. Zur Jahresbilanz-Pressekonferenz der Westdeutschen Landesbank rollten 25 Aktivisten von "Greenpeace" vorige Woche dem Vorstandsvorsitzenden Jürgen Sengera noch einen roten Teppich aus - aus dem 150 Liter Öl sickerten. Ein Mitbringsel von Aktivistin Sandra Pfotenhauer, die es im April aus einem verseuchten Trinkwasserreservoir in Ecuador schöpfte. Greenpeace und 22 weitere Umweltschutzorganisationen fordern von der WestLB seit Jahren, den Kredit zum Bau der OCP-Ölpipeline in Ecuador einzufrieren und bei künftigen Krediten sicher zu stellen, dass Umwelt- und Sozialstandards eingehalten werden. Umso größer fiel die Verblüffung aus, dass die WestLB eben dies jetzt still und heimlich auf ihre Fahnen schreiben will. | Zusammen mit drei weiteren und keineswegs nur öffentlich-rechtlichen Großbanken, wie etwa der Citibank, startet die WestLB den Versuch, Ökonomie mit Ökologie zu versöhnen. "Banken entdecken den Umweltschutz", schrieb die Süddeutsche Zeitung dazu ebenso nüchtern wie erstaunt. Tatsächlich galten bislang Kapital und Naturschutz eher als Gegensätze; weit mehr als in anderen Wirtschaftsbranchen, die die Grundzüge von Nachhaltigkeit längst offensiv vermarkten. Und sei es beim Bier. | Das soll sich ändern. Nachhaltig. So will die WestLB als Grundsatz formulieren, dass bei Großprojekten in Entwicklungsländern künftig die Umwelt- und Sozialstandards der Weltbank Maßstab des Handelns sein sollen. Das entbehrt nicht der Pikanterie, werden doch Umweltschützer und Grüne nicht müde, der WestLB beim Engagement in Ecuador Versagen in eben diesen Punkten vorzuhalten. Und nicht nur die: Mit Robert Goodland kreidet ein langjähriger hochrangiger Weltbank-Mitarbeiter der WestLB gravierende Verstöße gegen alle Umweltstandards an. | Dass die Düsseldorfer Bank in der Öffentlichkeit stets behauptete, die Einhaltung der Weltbank-Standards sei Voraussetzung für die Kreditvergabe gewesen, und weitere Anwürfe ansonsten äußerst knapp als "Fehlinformation" abtut, scheint dabei die Stimmungslage im Hause nicht richtig wiederzugeben. Ganz offenbar hat der immense Druck Wirkung gezeigt. Auch wenn dies für die Pipeline in Ecuador wohl folgenlos bleiben wird. Die Ölröhre ist so gut wie fertiggestellt. | Vertrauen in den Sinneswandel haben Umweltschützer ohnehin noch nicht. Greenpeace reichte jetzt bei Bundeswirtschaftsminister Clement eine formelle Beschwerde gegen die Bank ein. Die WestLB, heißt es darin, missachte auch die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen. |
| 18.04.2003 | Tropische Waldbrände beeinflussen globales Klima stärker als bisher vermutet | Die Brände der tropischen Regenwälder beeinflussen das globale Klima weitaus stärker als bisher angenommen. Die Schadstoffe der Tropenwaldbrände belasten die vermeintliche saubere tropische Luft erheblich - mit Folgen für das globale Klimageschehen. Diese alarmierenden Ergebnisse haben Wissenschaftler der Universität Bremen und des Alfred-Wegener-Instituts Bremerhaven (AWI), Forschungsstelle Potsdam, bei Schiffsexpeditionen im Atlantik herausgefunden. Die Umweltforscher entdeckten über den sauberen Luftmassen der tropischen Ozeane eine Luftschicht, in der sich Verbrennungsprodukte ansammeln - weit entfernt von den Quellen auf dem Festland. Diese Forschungsergebnisse aus der traditionell guten Zusammenarbeit zwischen der Uni Bremen und dem Alfred-Wegener-Institut wurden am 11 April in der renommierten amerikanischen Wissenschaftszeitschrift "Science"-Ausgabe veröffentlicht. Dafür verantwortlich sind als Erstautor Professor Justus Notholt vom Institut für Umweltphysik im Fachbereich Physik / Elektrotechnik der Universität Bremen, als Co-Autor Dr. Markus Rex von der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, sowie weitere amerikanische und australische Wissenschaftler. | Bei zwei Atlantikexpeditionen nahmen die Wissenschaftler Messungen an Bord des Forschungsschiffs "Polarstern" vor. Sie wollten dabei die geographische Breitenverteilung einiger Luftschadstoffe in der Atmosphäre in Höhen bis zu 30 Kilometern herauszufinden. Als Messmethode diente ihnen die genaue Analyse des Sonnenlichtes; atmosphärische Gase schwächen es unterschiedlich ab. So können mit dieser Methode viele Gase gleichzeitig und in unterschiedlichen Höhenschichten vermessen werden. | Ein Schwerpunkt der Untersuchungen lag auf der äquatorialen oberen Troposphäre, dem Höhenbereich zwischen 14 und 18 Kilometern. Dieser Bereich ist von globaler Bedeutung, da die Luftmassen aus der unteren Atmosphäre diesen Bereich passieren müssen, um in die darüber liegende Stratosphäre, den Höhenbereich von 18 bis 50 Kilometern, zu gelangen. Von dort verteilen sie sich in großer Höhe über den gesamten Globus. Die Wissenschaftler aus Bremen und Potsdam wiesen in der äquatorialen oberen Troposphäre eine Ansammlung von Carbonylsulfid (COS) nach, die 20 - 50 Prozent größer ist als bisher angenommen. Eine Analyse der Windfelder ergab, dass die Luftmassen aus den tropischen Gebieten stammten, in denen eine intensive Verbrennung von Biomassen durch natürliche Savannenbrände oder Brandrodung für Ackerbau stattgefunden hatte. | COS ist ein Bestandteil der stratosphärischen Aerosolschicht, die sich vorwiegend aus kleinen Schwefelsäure- und Wassertröpfchen in 20 - 30 Kilometern Höhe zusammensetzt. Obwohl die Tröpfchen so klein sind, dass sie mit dem bloßen Auge nicht wahrgenommen werden können, sind ihre Auswirkungen beträchtlich. So streuen sie einen Teil des ankommenden Sonnenlichts zurück in den Weltraum und beeinflussen dadurch das Klima. Weiterhin kann auf ihrer Oberfläche eine Vielzahl chemischer Reaktionen ablaufen, die unter anderem zur Zerstörung des Ozons beitragen. | Die vorliegenden Untersuchungen legen nahe, dass Verbrennungsprodukte durch einen Schornsteineffekt im Bereich der Wald- und Steppenbrände direkt bis unter die Tropopause (eine Luftmassengrenze in etwa 18 Kilometern Höhe) aufsteigen, wo sie sich über längere Zeiten anreichern können und dabei von den vorherrschenden Winden um den Äquator verteilt werden. Diese Region direkt unterhalb der tropischen Tropopause steht nur in langsamen Austausch mit anderen Bereichen der Atmosphäre und wird daher zunehmend eigenständig als TTL (tropical tropopause layer) bezeichnet. Sie spielt eine besondere Rolle im Klimasystem der Erde: Die TTL ist weltweit die einzige Gegend, in der Luftmassen aus den unteren Bereichen der Atmosphäre langsam über 18 km hinaus aufsteigen können, dabei in die Stratosphäre (18 - 45 Kilometer Höhe) gelangen und die Ozonschicht erreichen. Die neuen Messungen zeigen nun, dass die Luft in der TTL - der Quellregion dieser Zirkulation - entgegen bisheriger Annahmen erheblich verschmutzt ist. | Waldbrände und Brandrodung in den Tropen besitzen damit einen größeren Einfluss auf das Weltklima und die Ozonschicht als bisher angenommen. Die Wissenschaftler befürchten, dass der positive Effekt der Abnahme industrieller Emissionen in der Nordhemisphäre durch eine Zunahme tropischer Brände wieder aufgehoben werden könnte. | Quelle/Text: Informationsdienst Wissenschaft |
| 29.03.2003 | Feuer im Norden Brasiliens endlich unter Kontrolle | Nach dem Einsetzen der ersehnten Regenfälle im nödlichsten brasilianischen Bundesstaat Roraima sind die Waldbrände endlich unter Kontrolle. Von über 400 Brandherden sind noch sieben übrig geblieben. Traurige Bilanz der Feuer: der Verlust von über 13.000 Hektar Regenwald - Teile davon in den Stammesgebieten der Yanomami. |
| 13.03.2003 | Der neue FAO-Waldbericht liegt vor | Alle zwei Jahre bringt die Welternährungsorganisation FAO einen Bericht über den Zustand der Wälder der Erde heraus. Auf dem derzeitigen UN-Waldtreffen in Rom wurde jetzt der Bericht "State of the World's Forest 2003" vorgestellt, der ab sofort als pdf-Datei hier heruntergeladen werden kann. |
| 12.03.2003 | Neue Waldbrände im Norden Brasiliens | Nachdem unten beschriebener Brand mittlerweile gelöscht ist und eine 300 Quadratkilometer große "Wüste" hinterlassen hat, gibt es neue Feuerkatastrophen aus Amazonien zu vermelden: Die brasilianische Regierung hat Teile der Armee zum Löschen zahlreicher Brände in den Norden des Landes geschickt. Dort wüten derzeit mindestens 86 verschiedene Feuer, die bislang rund 100 Quadratkilometer Wald und Busch vernichtet haben. Die meisten Brände wurden von Bauern gelegt, um Ackerland zu gewinnen. Wegen der trocknen Witterung gerieten sie außer Kontrolle. |
| 06.03.2003 | Riesiger Waldbrand in Amazonien | Seit Mittwoch vergangener Woche brennt der Regenwald nahe der kleinen Amazonas-Stadt Barcelos, ca. 400km westlich von Manaus. Nach 75 regenfreien Tagen ist die Luftfeuchtigkeit, die normalerweise bei 90 Prozent liegt, auf 45 Prozent gefallen. Mittlerweile sind über 300 Quadratkilometer Regenwald den Flammen zum Opfer gefallen. Das ist der größte, jemals in Amazonien registrierte Waldbrand. Eine effektive Brandbekämpfung ist wegen der Unzugänglichkeit des Gebietes praktisch unmöglich. Helfen kann nur der Wettergott. Die Ursache für das Feuer ist noch nicht bekannt. Die ökologischen Schäden sind gigantisch. |
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Eine Vorstellung von tropischen Waldbränden vermitteln diese Fotos - aufgenommen vor drei Monaten über dem Bundesstaat Rondonia. Ein vergleichsweise winziger Brandherd, doch bereits mit unglaublichen Auswirkungen auf die Atmosphäre. |
| 26.02.2003 | Costa Ricas Artenvielfalt | Um Wissenschaftlern und Laien einen Einblick in das vielfältige Leben des mittelamerikanischen Landes Costa Rica zu geben, hat das nationale Biodiversitäts-Institut Inbio ein Informationssystem namens Atta geschaffen. Atta ermöglicht einen Einblick in gefährdete Arten, die durch die Gewinnung neuer Anbauflächen durch Rodungen betroffen sind. | Costa Ricas Biodiversität zählt weltweit zu den Reichsten: die Wissenschaftler schätzen die Zahl der Pflanzen auf 12.000 bis 14.000 Arten. In den Wäldern des mittelamerikanischen Landes leben rund 40.000 Spezies von Käfern und 20.000 Spezies von Schmetterlingen. Vier Prozent aller Tier- und Pflanzenarten weltweit leben in dem knapp 52.000 Quadratkilometer großen Land. "Das große Problem der Artenvielfalt Costa Ricas liegt darin, dass weniger als zehn Prozent der vorkommenden Arten bekannt sind", so Erick Mata Montero, IT-Koordinator von Inbio. Der Experte drängt zu einer genaueren Erforschung der unbekannten Arten, da nicht mehr viel Zeit vorhanden sei. "Wenn eine Inventur der Arten nach herkömmlichen Methoden durchgeführt wird, dauert das zu lange, daher greifen wir zu modernen Technologien", erklärt der Fachmann.Inbio wurde 1989 als Non-profit Organisation gegründet, um die großartige Flora und Fauna des Landes zu schützen und die Arten in den Naturreservaten besser und genauer zu beschreiben. "Bisher haben wir nicht einmal an der Oberfläche gekratzt", meint Montero, der davon ausgeht, dass eine genaue Beschreibung der Arten mindestens 20 Jahre in Anspruch nehmen werde. Die Zeit dränge deshalb so, weil es auch in Costa Rica viele Gebiete gebe, in denen der Regenwald gerodet wird, um Platz für Weideland oder Siedlungen zu schaffen. Mit jedem Stück gerodeten Urwalds verschwinden tausende von Arten. Die Inbio-Wissenschaftler schätzen auch den Bestand der Insekten auf über 100.000 Spezies. Das Atta-System besteht aus einer Datenbank mit bereits zwei Mio. Einträgen, jede steht in Verbindung mit einer Tier- oder Pflanzenart. Darüber hinaus werden auch geographische Angaben in der Datenbank berücksichtigt. Montero hofft, dass auch andere Länder diese Art der Erfassung der Lebewesen nutzen könnten. "Früher oder später sollten alle diese Datenbanken zu einem großen System verschmelzen, so dass alle Informationen über das Netz erhältlich sind", meint Montero. Das werde aber noch ein paar Jahre dauern. Weitere Informationen zum Atta System finden Sie unter http://atta.inbio.ac.cr/attaing/atta03.html. |
| 16.02.2003 | Indonesien: Kein Schutz vor Überflutungen | Indonesien ist in den letzten zwei Wochen wiederholt von Überflutungen und todbringenden Erdrutschen heimgesucht worden. Zehntausende von Menschen auf den verschiedenen indonesischen Inseln Java, Süd-Sumatra, Kalimantan und Südost-Sulawesi sind durch die schweren Regenfälle obdachlos geworden. Als Ursache für die Unwetterkatastrophen wird die Vernachlässigung des Urwaldschutzes vermutet. | Die winterlichen Überflutungen sind im Grunde nichts Neues für die Menschen des Inselstaates. Doch - darin stimmen Regierung und Umweltschützer überein - durch die schrumpfenden Wälder sind die zerstörerischen Folgen der Wassermassen schwerwiegender geworden. Gerade am Donnerstag berichteten die indonesischen Medien, dass man in Jakarta von einem Verlust von fast sechs Millionen Hektar geschützter Urwälder ausgehe. Das entspricht fast der doppelten Fläche von Nordrhein-Westfalen. Zu den Hauptursachen für die Entwaldung zählen illegaler Kahlschlag, Rodung zum Landgewinn sowie Bergbau inmitten der Wälder. | Für das illegale Abholzen selbst unter Schutz stehender Urwälder spielt die Nachfrage nach Holzprodukten eine entscheidede Rolle. Sie beläuft sich in Indonesien auf rund 60 Millionen Kubikmeter Holz pro Jahr. Dem stehen jedoch nur 15 Millionen Kubikmeter aus der landeseigenen legalen Holzproduktion gegenüber. Umweltschützer warnen deshalb schon jetzt davor, dass die Holzfäller ihr illegales Treiben nach den indonesischen Urwäldern bald auf die noch unberührten Wälder in Papua ausweiten könnten. |
| 13.02.2003 | Indianer vertreiben Ölgesellschaft | Die argentinische Ölfirma CGC hat ihre Ölexploration im ecuadoriansichen Amazonasdschungel abgebrochen und gedroht, wegen ständiger Auseinandersetzungen mit indigenen Waldbewohnern das Land zu verlassen. Im Ölblock 23 200 Kilometer südöstlich von Quito besitzt CGC seit 1996 eine Konzession. Dort hatten kürzlich Indigene CGC-Angestellte gekidnappt und später der Polizei übergeben. Die Ureinwohner sehen in den Ölaktivitäten von CGC eine Bedrohung ihrer traditionellen Lebensräume. | Der argentinische Ölkonzern verlangte jetzt von der Regierung Sicherheitsgarantien und einen ausreichenden Schutz für seine Angestellten. Andernfalls werde man sich komplett aus Ecuador zurück ziehen. Was von dem Unternehmen als Drohung gemeint ist, feiern die betroffenen Indigenen als großen Sieg. | Vor wenigen Tagen berichtete die Zeitung "El comercio" über eine Gruppe von Indigenen in der Gemeinde Sarayacu, die sich für die Bohruntersuchungen und Erdölförderung aussprechen und sich daher in einer Auseinandersetzung mit der Mehrheit der Gemeinde befindet. Laut "El Commercio" benutzen die Erdölkonzerne fast immer die Strategie, einige Leute zu kaufen und dann zu behaupten, die Indigenen seien selbst für die Erdölförderung in ihrer Heimat. |
| 02.02.2003 | Kampf gegen Umweltkriminalität in Brasilien | Die neue brasilianische Umweltministerin Marina Silva hat zur effektiveren Bekämpfung der stark zunehmenden Umweltkriminalität eine offizielle Stelle in ihrem Ministerium eingerichtet. Die Stelle wird von Vertretern verschiedener Bundespolizeieinheiten und aus dem Amt für öffentliche Sicherheit koordiniert. Dadurch soll die Umweltkriminalität in Verbindung mit der weit verbreiteten Korruption innerhalb der Behörden entscheidend eingeschränkt werden. |
| 15.01.2003 | Zur Entwaldung in Indonesien: | Die Entwaldung in Indonesien schreitet immer schneller voran - waren es im Jahre 2001 noch 2 Millionen Hektar Regenwald, die für immer verschwanden, so wurden in 2002 bereits 2,4 Millionen Hektar abgeholzt. | Laut Forest Watch Indonesia (FWI) resultiert die Entwaldung aus korrupter Politik und einem Wirtschaftssystem, das die Wälder als eine Geldmaschine für politische und private Interessen betrachtet. Der FWI weist darauf hin, dass Indonesien nur noch über 98 Millionen Hektar Regenwald verfügt. Im Jahre 1950 waren es noch 162 Millionen Hektar. | Das FWI prophezeit, dass die Wälder auf den Sulawesi-Inseln in diesem Jahr ganz verschwinden werden, Sumatra wird sie im Jahre 2004 und Kalimantan bis ins Jahr 2010 verlieren. Die Indonesischen Umweltschützer weisen darauf hin, dass sich das Abholzen in diesem Jahr weiter beschleunigen wird, weil Wahlen anstehen und die politischen Parteien den Wahlkampf mit den Wäldern finanzieren. | Das Politmagazin Frontal 21 hat in seiner gestrigen Ausgabe ueber Holz aus Raubbau sowie das FSC-System berichtet. Auf der Internetseite www.frontal.de ist der Beitrag abrufbar. In dem Bericht wird dargestellt, dass illegales Tropenholz in Deutschland weit verbreitet angeboten wird und sich in der Regel nicht als solches erkennbar ist. Frontal 21 stellt leider den FSC als die Lösung vor, wie der Kunde nachweislich legales Holz kaufen kann. Der FSC lässt in den Tropen auch Abholzungen von Naturwäldern zu, weshalb wir den FSC als ökologisches Tropenholzsiegel nicht akzeptieren können. |
| 10.01.2003 | Von der Endlichkeit unserer Welt - Kritische Reflektionen von George Monbiot | Kapitalistische Systeme basieren auf der Annahme eines immerwährenden Wachstums. Der Glaube daran sitzt noch immer tief in den Köpfen fast aller politischer und wirtschaftlich verantwortlicher Menschen. In einer Welt mit endlichen Ressourcen mündet dies in eine letztlich fatale Situation. Die Wand gegen die wir im Begriffe sind mit hoher Geschwindigkeit zu rasen, rückt immer näher. Der bekannte Sozialkritiker George Monbiot hat darüber vor kurzem einen - wie wir meinen - beeindruckenden Artikel veröffentlicht, den Sie sich hier als .doc-File herunterladen können. Leider gibt es den Artikel nur in der englischen Originalfassung. |
| 09.01.2003 | Neuer Präsident der brasilianischen Umweltbehörde IBAMA will gegen illegale Abholzungen vorgehen. | Marcus Barros, ehemaliger Leiter des brasilianischen Amazonas-Forschungs-Institut INPA in Manaus, will als neuer IBAMA-Präsident gegen die Eigentümer der Holzfirmen vorgehen, die im Amazonasgebiet illegal abholzen. Die bisher meist ohne Folgen für die Betreiber gebliebenen Abholzungen sollen von nun an mit den gesetzlich möglichen Strafmaßen belangt werden. (Anm. d. Red.: Die brasilianischen Umweltgesetze gehören zu den besten der Welt. Es haperte bisher am Vollzug.) Wir werden die Entwicklung kritisch beobachten. |
| 17.12.2002 | Lula, Brasiliens neuer Präsident setzt hoffungsvolles Zeichen. | Kind des Urwalds - Marina Silva wird Brasiliens Umweltministerin - | Wie kaum eine andere verkörpert sie die Hoffnung auf eine neue Politik für Amazonien: Marina Silva, eine ehemalige Gummizapferin aus dem Bundesstaat Acre, wird neue Umweltministerin Brasiliens. Ihre Nominierung durch den gewählten Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva haben brasilianische Umweltschützer begeistert aufgenommen. Die 44-jährige Marina Silva stammt aus ärmsten Verhältnissen. Ihre Familie sammelte Kautschuk in einer abgelegenen Amazonasregion an der Grenze zu Bolivien. Drei ihrer sieben Geschwister starben noch im Kindesalter. Erst mit 14 Jahren lernte Marina Lesen und Schreiben. Wenig später überlebte sie ihre erste schwere Lebererkrankung. In der Provinzhauptstadt Rio Branco arbeitete sie als Hausangestellte, holte den Schulabschluss nach und engagierte sich in christlichen Basisgemeinden. Anschließend studierte sie Geschichte und schloss sich der Arbeiterpartei PT an. | Jahrelang arbeitete sie eng mit dem legendären Gummizapfer und Umweltaktivisten Chico Mendes zusammen. Mendes wurde 1988 im Auftrag von Großgrundbesitzern erschossen, Silva setzte ihr Engagement in Gewerkschaften und Parlamenten fort. 1994 wurde sie mit 36 Jahren zur jüngsten Senatorin Brasiliens gewählt. Im Senat erwarb sich die zierliche Frau schnell Respekt über alle Parteigrenzen hinweg. Für Urwaldbewohner und Umweltschützer wurde sie zur wichtigsten Verbündeten in der Hauptstadt. Seitdem die Arbeiterpartei 1998 die Landesregierung von Acre übernahm, gilt die Heimat von Marina Silva als Labor für die umweltschonende Nutzung des Regenwaldes. In Sammlerreservaten finden Gummizapfer und Indianer ein gesichertes Auskommen. Für Urwaldfrüchte gibt es immer neue Abnehmer. Zusammen mit den Betroffenen sorgen die Behörden dafür, dass nicht mehr unkontrolliert abgeholzt und der Fischfang geregelt wird. "Umweltschutz und wirtschaftliche Entwicklung können Hand in Hand gehen", sagt Roberto Messias Franco von der Umweltorganisation WWF-Brasilien. Und fügt hinzu: "Niemand verkörpert diesen Gedanken so gut wie Marina Silva." | Die neue Ministerin freut sich, dass Lula ihre Nominierung während eines Besuch in den USA bekannt gegeben hat. Sie sieht darin ein Zeichen an die Industrieländer. "Da wir ein Land mit einer großen Artenvielfalt sind, ist die Umweltpolitik für uns von strategischer Bedeutung", erklärte sie in einer ersten Stellungnahme. "Wir wollen eine ethische Beziehung zwischen jenen, die Technologie und Geld haben und jenen, die über traditionelles Wissen und natürliche Ressourcen verfügen." (von Gerhard Dilger) |
| 03.12.2002 | West Kalimatan in 40 Jahren Wüste? | Die Indonesische Provinz West Kalimantan hat in den letzten beiden Jahren 300.000 Hektar Regenwald verloren. Forscher der University of Tanjungpura in West Kalimantan berichten, dass bei einer Beibehaltung der Entwaldungsrate die noch existenten 6,3 Millionen Hektar Regenwald in 38 Jahren verschwunden sein werden. | Das Hauptproblem seien laut Gusti Hardiansyah, dem Autor der Studie, die illegalen Rodungen und die Waldbrände. Die hohe Arbeitslosigkeit liefere viele und willige Personen, um sich im illegalen Holzeinschlag ihr Brot zu verdienen. Dabei würden knapp 80 Prozent der illegal gerodeten Stämme nach China, Japan, Malaysia, Singapur und Taiwan geschmuggelt. Aus der Studie geht weiterhin hervor, dass von den 433.250 Sägewerken der Region die meisten illegal betrieben werden und darüber hinaus von Polizei und Militär gedeckt werden. |
| 24.11.2002 | Neue FSC-kritische Studie | Wer die FSC-Tropenholz-Zertifizierung mit kritischen Augen betrachtet, kann sich neue Argumente aus einer umfangreichen, soeben erschienenen Studie der britischen Rainforest Foundation holen. Die sehr empfehlenswerte Studie (ca. 1,3 MB) kann - leider nur in englischer Sprache - hier heruntergeladen werden. |
| 18.11.2002 | Stopp für illegalen Mahagoni-Handel | Santiago de Chile (pte) - Die Delegierten bei der internationalen Artenschutz-Konferenz CITES http://www.cites.org haben Verträge zur Unterbindung des Handels von Bigleaf-Mahagoni sowie von weiteren stark gefährdeten Tierarten wie Schildkröten unterzeichnet. Das berichtet BBC-Online http://news.bbc.co.uk . Das UN-Treffen hat auch Bestimmungen zum Schutz von Walen und Haien angekündigt. Die Konferenz ging zum Wochenende in Santiago de Chile zu Ende. | Als besonders erfolgreich bezeichneten die Umweltschützer aber den Schutz der Mahagoni-Bäume. Der internationale Handel mit Bigleaf-Mahagoni wird verboten, da diese Pflanze auf die Liste der gefährdeten Arten genommen wird. Dadurch werden auch Mahagoni-Bestände in den Urwäldern Amazoniens verstärkt vor illegalen Schlägerungen geschützt. Die Zahl der Bäume ist in den vergangenen Jahren durch eine Zunahme der Möbelproduktion rapide gefallen. In Zentralamerika sind die Bestände um 60 Prozent zurückgegangen, in Südamerika um 30 Prozent. Mit den Vereinbarungen hoffen die Umweltschützer, dass die Reegenwälder generell besser geschützt werden.Auch 26 Schildkröten-Arten, die hauptsächlich in Asien vorkommen, werden durch internationale Gesetze geschützt. Viele der Arten stehen bereits auf den roten Listen, dennoch blüht der internationale Handel, insbesondere nach China. Ein zentrales Anliegen der Umweltschützer ist auch das rasche Abnehmen der Schildkröten in Vietnam zu stoppen. In dem südostasiatischen Staat kommen 23 Schildkröten-Arten vor. Viele Tiere werden illegal gefangen, weil die Tiere in Luxus-Restaurants in China immens hohe Preise erzielen. Insgesamt soll allein der illegale Handel mit Schildkröten aus Vietnam um die fünf Mio. Dollar pro Jahr betragen. Dem Handel mit Seepferdchen, die als besondere Heilmittel in Ostasien gelten und als Aquarientiere beliebt sind, wurde der Riegel aber nicht vorgeschoben: Die Delegierten einigten sich aber dahingehend ein internationales Monitoring der 32 Spezies zu betreiben. "Ein Kilo Seepferdchen bringt auf dem Markt wesentlich mehr als ein Kilo Silber", erklärte Amanda Vincent, Wissenschaftlerin und Vorsitzende des "Project Seahorse". Rund 105 Staaten der Welt haben Ozeane vor der Türe, in denen Seepferdchen vorkommen. Die Menge der entnommenen Tiere sei aber im Hinblick auf das Nachwachsen der Population überproportional hoch, so Vincent. | Abgeblitzt sind die Anträge zum Schutz der Geckos in Neuseeland und der Sri Lanka "Pink-Schmetterlinge". Die Delegierten haben afrikanischen Ländern den Verkauf von Elfenbein aus den Lagerbeständen natürlich verendeter Elefanten gestattet. Damit wurde erstmals seit 13 Jahren das Handelsembargo mit dem wertvollen Tierprodukt teilweise aufgeweicht. Umweltschutzorganisationen warnen aber davor, dass dies zu einer Zunahme von illegalen Elfenbeinhandel führen könnte, da die Herkunft der Elefantenstoßzähne nur schwer nachvollziehbar ist. |
| 11.11.2002 | Flüchtige Flora | Weltweit scheinen deutlich mehr Pflanzenarten als angenommen vom Aussterben bedroht zu sein. Während man bisher von etwa 13 Prozent der bis zu 420.000 Arten ausging, haben US-Forscher jetzt eine Rate zwischen 22 und 47 Prozent berechnet (Science, Bd. 298, S. 989, 2002). In der früheren Schätzung sei die Zahl der gefährdeten tropischen Arten zu niedrig angesetzt worden. Die fehlenden Daten für die Tropen versuchten die Forscher in der neuen Berechnung durch die Zahl der in einem Land endemischen, auf bestimmten Regionen beschränkten Arten zu ergänzen. Solche Werte gäben eine leidlich genaue Basis ab, um das globale Artensterben zu berechnen, meinen die Forscher. |
| 06.11.2002 | Brasilianischer Minister beteiligt sich in Japan an Sitzung über Tropenholz | José Carlos Carvalho, brasilianischer Umweltminister, erklärte in Yokohama, Japan, bei der 33. Sitzung des Rats der Internationalen Organisation für Tropenholz (ITTO), dass die Prioritäten Brasiliens künftig in der Bekämpfung der illegalen Plünderung der Forstressourcen liegen werden. Gleichzeitig versuche die Regierung eine Verbesserung der Lebensbedingungen der örtlichen Bevölkerung zusammen mit verstärkten Umweltschutzbemühungen zu erreichen. | Der Minister fügte hinzu, dass Brasilien in den letzten 4 Jahren seine Forstpolitik verändert habe und die Forstgesetzgebung verschärft habe, wodurch nun 80% des Amazonas-Gebietes unter Schutz stünden. Darüber hinaus wurde das Gesetz gegen Umweltverbrechen gebilligt und das Nationalforstprogramm veröffentlicht, welches die nachhaltige Benutzung der Forstressourcen fördere. | Der Minister lobte auch das Pronaf-Forstprogramm, wodurch 80 Mio. Dollar für die Wiederaufforstung des Atlantischen Urwaldes zur Verfügung stünden. |
| 29.10.2002 | Abschwächung der Weltbank-Richtlinien zum Schutz der Wälder geplant | Umwelt- und Entwicklungsorganisationen haben gegen eine geplante Abschwächung der Weltbank-Richtlinien zum Schutz der Wälder protestiert. Wie die Umweltorganisation "Urgewald" mitteilte, wolle die Weltbank ihre Schutzrichtlinie für den Waldsektor neu fassen und die Bestimmungen lockern. In der bislang gültigen "forest policy" wurde jede Finanzierung von Holzeinschlag in tropischen Regenwäldern verboten. | Greenpeace stellte in einem Brief an Weltbank-Präsident Wolfensohn fest, dass die überarbeitete Waldpolitik der Weltbank "nicht nur die Wälder der Erde zerstört, sondern auch die Glaubwürdigkeit der Bank als Entwicklungsinstitution." Der WWF erklärte in einem Protestbrief an Wolfensohn, statt die Schutzbestimmungen auch auf die Wälder des Nordens auszuweiten, werde der Schutz der Regenwälder faktisch aufgegeben. Lediglich zerstörerische Praktiken sollten vermieden werden. | "Damit widerspricht die neue Weltbank-Politik nicht nur dem deutschen Waldsektor-Konzept. Sie fällt auch noch hinter die Ziele von Rio 1992 zurück", stellte Knud Vöcking von der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald fest. Der erste Weltumweltgipfel 1992 in Rio hatte klare Ziele zum Schutz von Klima und tropischen Wäldern formuliert (Agenda 21), die der diesjährige Johannesburg-Gipfel bekräftigte. "Wolfensohns schöne Rede in Johannesburg steht in direktem Gegensatz zum Handeln der Weltbank", so Vöcking. | Das Weltbank-Papier fordere zwar eine Zertifizierung der kommerziellen Nutzung. Anstatt aber international anerkannten Kriterien als Mindeststandard voraus zu setzen, könne nach den Vorstellungen der Weltbank jeder Kreditnehmer sein eigenes Zertifizierungssystem anwenden. NRO befürchten, dass damit dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet wird. | Weltweit ist ungefähr eine Milliarde Menschen direkt vom Wald und seiner Nutzung abhängig. Davon gelten nach den Schutzmassstäben der Weltbank 180 Millionen als Indigene (Ureinwohner). Ihr Schutz ist auch nach der neuen Waldpolitik vorgesehen. Die anderen 800 Millionen Menschen "fallen aber völlig durch das Raster", so Urgewald. So hätten etwa Kautschukzapfer, die die Regenwälder nachhaltig nutzen, keinerlei Möglichkeit, ihre(Überlebens-)Interessen geltend zu machen. "Statt Armut zu bekämpfen, werden so Arme ins absolute Elend gestürzt", erklärte Knud Vöcking. |
| 15.10.2002 | Neues zum Thema Artenschutz | Wie schlecht der Artenreichtum der Tropen bisher erforscht ist, zeigt eine Untersuchung über Baumfrösche auf Sri Lanka (Science, Bd. 298, S.379, 2002): Bisher waren auf der Insel gerade einmal 18 dieser Amphibienarten bekannt. Als die Wissenschaftler aber die Baumkronen in den letzten fünf Prozent des Regenwaldes, die noch nicht abgeholzt sind, genau untersuchten, entdeckten sie mehr als hundert weitere Baumfroscharten! Mit 140 Amphibien-Spezies auf knapp 66.000 Quadratkilometern ist Sri Lanka damit ein Zentrum der Artenvielfalt von Fröschen und Kröten, obwohl die Insel kleiner als Bayern ist. Auf Inseln wie Borneo, Madagaskar oder Neu-Guinea verteilt sich eine ähnliche Artenvielfalt auf die zehnfache Fläche. In den letzten Regenwaldgebieten Südostasiens könnten sich daher noch eine ganze Reihe weiterer Wirbeltierarten verbergen, vermuten die Forscher. |
| 28.09.2002 | Mit Fischerbooten gegen die Holzmafia - Brasiliens Urwaldbewohner wehren sich gegen den illegalen Raubbau am Amazonas | Von Gerhard Dilger (epd) | Vierzig kleine Fischerboote schaukeln entlang eines Stahlseils, das quer über einen gut 100 Meter breiten Fluss gespannt ist. Mitten im brasilianischen Amazonas-Bundesstaat Pará haben sich hunderte Urwaldbewohner zu einer Flussblockade zusammengefunden. Ziel ihres Protests ist die Holzmafia. | Monat für Monat, so schätzt die Landarbeitergewerkschaft der Gemeinde Porto de Moz, werden 50.000 Kubikmeter Tropenholz über den Jaraucu abtransportiert, einen Nebenfluss des Xingu, der seinerseits einige Kilometer weiter in den Amazonas mündet. In den vergangenen Jahren sind Dutzende Holzfirmen in die Region eingedrungen. Die meisten kommen aus dem Osten des riesigen Bundesstaates, wo sie kaum etwas vom Amazonasregenwald übrig gelassen haben. Drei Viertel von ihnen arbeiten ohne Lizenz. Das Holz geht in die EU, nach Japan und in die USA. | Bedroht ist aber nicht nur der Wald um Porto de Moz, sondern auch rund 15.000 Menschen, die hier seit Jahrzehnten von der Fischerei, der Jagd und der Nutzung von Urwaldfrüchten leben. 1997 haben die Urwaldbewohner von Porto de Moz mit der Hilfe von Kirchenleuten ein "Komitee zur nachhaltigen Entwicklung" gegründet. Sie fordern die Einrichtung eines 13.000 Quadratkilometer großen Naturreservats mit dem Namen "Immergrün" - es wäre das größte Brasiliens. | Verhindert haben dies bisher die Politiker aus Pará, darunter der örtliche Bürgermeister Gerson Campos, selbst Besitzer zweier großer Sägewerke. Deshalb hätten sich die Flussgemeinschaften zur Blockade entschlossen, sagt Claudio Barbosa, der Vorsitzende des Komitees. Aus Manaus hat Greenpeace ein modern ausgerüstetes Schiff geschickt. "Die traditionellen Gemeinschaften sind die ersten, die an einer nachhaltigen Nutzung des Waldes interessiert sind, denn er ist ihre Lebensgrundlage", sagt Marcelo Marquesini vom Greenpeace-Kampagnenteam. Ein staatlich geschütztes Reservat sei die beste Lösung für Mensch und Natur, denn bisher herrsche das "Recht des Stärkeren." | Groß war die Überraschung bei André Campos, als in der vergangenen Woche sein mit 117 riesigen Holzstämmen beladener Frachter von der Blockade aufgehalten wurde. Widerwillig traf der Bruder des Bürgermeisters ein Übereinkommen mit dem Blockierern, das er bereits nach einer Nacht brach: Campos ließ den Frachter auf die Bootskette zutreiben. "Als wir anfingen, um Hilfe zu rufen, schoben die Greenpeace-Leute ihr Schlauchboot zwischen uns und den Frachter", berichtet Letrizia Duarte, die zu den Blockieren gehört. "Dadurch haben sie uns das Leben gerettet." Stunden später beschlagnahmten eingeflogene Beamten der Umweltbehörde die illegale Fracht, Campos erhielt eine Strafe von umgerechnet 55.000 Euro. | In Porto de Moz entlud sich der Zorn der Holzunternehmer in regelrechten Jagdszenen. Auf dem Flughafen wurde eine Fernsehreporterin, die die Protestaktionen gefilmt hatte, von einer aufgebrachten Menschenmenge fast gelyncht. Unter den Angreifern, die sämtliches Filmmaterial zerstörten, befand sich auch Bürgermeister Campos. Claudio Barbosa wurde verprügelt, sein Boot auf dem Hauptplatz verbrannt. Etliche Aktivisten aus Porto de Moz, darunter der Priester, schweben nun in Lebensgefahr. Trotzdem werten sie die Aktion als Erfolg: "Wir haben der Welt gezeigt, welche Zustände bei uns herrschen," sagt Barbosa. "Das ist unsere letzte Hoffnung." |
| 22.09.02 | Nachlese zum Umweltgipfel in Johannesburg | Ausser Spesen nix gewesen? - Wir haben die wenigen nennenswerten Ergebnisse des Umweltgipfels nochmals für Sie zusammengetragen. Den Bericht können Sie sich als .pdf-File hier herunter laden. |
| 16.09.2002 | Brasiliens Urwald wird elektronisch überwacht | In Brasilien ging vor einigen Tagen ein riesiges System zur elektronischen Überwachung des Amazonas-Regenwaldes in Betrieb. Staatspräsident Fernando Cardoso nahm das so genannte Sivam-Projekt in der Amazonasmetropole Manaus feierlich in Betrieb. | Das 1,5 Milliarden Dollar (etwa 1,5 Milliarden Euro) teure System soll unter anderem zur Verbesserung des Umweltschutzes für das anfällige Amazonas-Gebiet beitragen. In einem Areal von 5,5 Millionen Quadratkilometern, das sind fast zwei Drittel des Staatsgebiets, sollen auch die Landnutzung und der Luftraum überwacht und die Aktivitäten von Drogen- und Waffenhändler-Mafia sowie von illegalen Holzfirmen eingedämmt werden. Sivam besteht aus einem Netz von 30 Flugzeugen und Radarsystemen, deren Sensoren mit 87 Bildempfangsstationen, Koordinationszentren und Monitoren verbunden sind. Voll funktionsfähig soll es allerdings erst in einigen Monaten sein. «Brasilien hat aber ab sofort erstmals eine völlige Kontrolle seines Luftraums», erklärte ein Sprecher der Streitkräfte. | Das neue System wird unterdessen von verschiedenen Seiten mit Misstrauen beobachtet. Indio-Verbände befürchten zum Beispiel eine größere Kontrolle durch das Militär. «Diese Kontrolle kann negative Folgen für die Urbevölkerung des Regenwaldes haben, denn Sivam basiert unter anderem auch auf der alten militärischen Doktrin für nationale Sicherheit, wonach die in den Grenzregionen lebenden Indios potenzielle Feinde Brasiliens sind», erklärte ein Sprecher des Missionar-Rates für die Indios der katholischen Kirche (Cimi). |
| 28.08.2002 | Weltbank ruft zu Umdenken auf | Die Weltbank (!) hat ein Umdenken in der globalen Wirtschafts- und Umweltpolitik gefordert. In ihrem Weltentwicklungsbericht 2003, der kürzlich veröffentlicht wurde, wies die Weltbank auf schwere politische Fehler in der Vergangenheit hin und mahnte größere Anstrengungen zur Bekämpfung der Armut sowie zum Schutz der Umwelt an. Dazu gehöre auch, die Märkte der Industrie-Nationen für die Produkte ärmerer Länder zu öffnen. (In der Praxis ist das leider noch(?) nicht der Fall - wie wir bei der Einfuhr von Produkten für den Regenwaldladen feststellen müssen. - Anm. der Red.) |
| 24.08.2002 | Brasilien weist weltgrößtes Regenwaldschutzgebiet aus | Brasilia (AP) Brasilien hat wenige Tage vor dem UN-Gipfel für nachhaltige Entwicklung das größte Regenwaldschutzgebiet der Erde geschaffen. Präsident Fernando Henrique Cardoso sagte am Donnerstag in Brasilia, mit der Ausweisung des Tumucumaque-Gebirgsnationalparks im Norden des Landes werde einer der unberührtesten Urwälder geschützt, der noch verblieben sei. | Das 3,8 Millionen Hektar große Gebiet, das in der Sprache der Ureinwohner «Felsen auf der Spitze des Berges» heißt, ist größer als Belgien. Es übertrifft den Slonga-Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo um 230.000 Hektar. Cardosos Erlass vier Tage vor dem Umweltgipfel von Johannesburg soll dort in eine noch größere Initiative eingebunden werden: Es wird erwartet, dass er dort insgesamt fast eine halbe Million Quadratkilometer Regenwald im Amazonas - inklusive Tumucumaque - unter den Schutz seiner Bundesbehörden stellen wird. | Das Gebiet an der Grenze zu Surinam und Guyana ist noch nicht mit Straßen erschlossen. Die zahlreichen Wasserfälle und Stromschnellen machen es auch in der Trockenzeit unpassierbar für Boote. Es beheimatet eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt, in der noch unbekannte Arten vermutet werden. | Für die Schaffung des Schutzgebietes hatten sich Organisationen wie der World Wildlife Fund for Nature (WWF) und Conservation International (CI) eingesetzt. Der CI-Direktor in Brasilien, Roberto Cavalcanti, sagte, mit dem Nationalpark werde die letzte straßenlose Wildnis der Welt geschützt. «Der Amazonas ist in vielen Teilen noch wild, aber er wird von Straßen durchschnitten.» Straßen beschleunigen das Vordringen von Menschen, die sich auf der Suche nach Bodenschätzen oder als Holzfäller in die Regenwälder begeben. | Jose Pedro de Oliveira Costa, Staatssekretär im brasilianischen Umweltministerium, hofft nun auf die von Weltbank und anderen Organisationen versprochenen Millionenhilfen für Tumucumaque. In anderen Amazonas-Schutzgebieten können die unterbesetzten Waldhüter das Vordringen illegaler Holzfäller und Bergleute kaum verhindern. Costa sagte, Tumucumaque solle zunächst den Forschern, später aber auch Ökotouristen zugänglich gemacht werden. | Brasilien will sich auf dem bevorstehenden UN-Gipfel in Johannesburg auch für eine stärkere Anwendung erneuerbarer Energien einsetzen. Die Entwicklungsländer sollten sich dazu verpflichten, zehn Prozent ihres Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen zu decken, forderte Außenminister Celso Lafer. Er rechne in Johannesburg allerdings mit starkem Widerstand gegen diesen Vorschlag. | Lafer erklärte ferner, sein Land werde am Rande des Gipfel ein Abkommen mit Deutschland unterzeichnen, in dem Berlin sich zur Finanzierung von 100.000 mit Alkohol betriebenen Autos in Brasilien verpflichte. Im Gegenzug werde Deutschland Anteile seines Schadstoffausstoßes gutgeschrieben bekommen, wie dies nach dem Kyoto-Protokoll von 1997 möglich sei. Dieses Protokoll zum Klimaschutz sieht eine Reduzierung der so genannten Treibhausgase vor. |
| 23.08.2002 | Der Weltgipfel in Johannesburg steht kurz bevor | Am 26. August beginnt nun in Johannesburg, Südafrika, der nächste Weltumweltgipfel. Über 120 Staats- und Regierungschefs werden erwartet. Sie müssen entscheiden, wie es nach der enttäuschenden Bilanz des Rio-Prozesses endlich vorwärts gehen soll. In vier globalen Verhandlungsrunden wurden die in Johannesburg zu verabschiedenden Texte über die letzten zwei Jahre erarbeitet. Zuletzt trafen sich die Bürokraten aller Länder im Juni in Bali, Indonesien. Doch geeinigt haben sie sich bisher nur auf etwa siebzig Prozent eines Textes, der "Aktionsprogramm" genannt wird. Aktionen, die die Ziele der Agenda 21 wirklich umsetzen könnten, sind darin jedoch kaum zu finden. Alle für die Zukunft des Planenten interessanten Punkte - vom Klimaschutz bis zum Welthandel - sind weiter strittig und müssen in Johannesburg noch zu Ende verhandelt werden. | Es sieht nicht gut aus. Die USA, tatkräftig unterstützt von Kanada, Australien und den ölexportierenden OPEC-Staaten, sträuben sich gegen jede neue internationale Verpflichtung. Ein globales Ziel für den Ausbau erneuerbarer Energien, für das sich Umweltminister Jürgen Trittin stark macht, ist für die USA genauso inakzeptabel, wie eine konkrete Zielsetzung für die weltweite Verbesserung der sanitären Grundversorgung bis zum Jahr 2015. US-Präsident Bush hat zwar nach den jüngsten Wirtschaftsskandalen schärfere Regeln z. B. für Bilanzprüfer eingeführt. Aber wenn globale Konzerne soziale und ökologische Regeln akzeptieren sollen, dann blockiert die amerikanische Regierung weiterhin. Und auch nach den Unwettern des Sommers sperren sich die USA dagegen, dass die globale Klimavereinbarung, das Kyoto-Protokoll, im Verhandlungstext auch nur lobend erwähnt wird. |
| 02.08.2002 | Brasilien ratifiziert Kyoto-Protokoll | Als erster südamerikanischer Staat hat nun Brasilien das Kyoto-Protokoll unterzeichnet. In der 1997 im japanischen Kyoto getroffenen Vereinbarung verpflichten sich die ratifizierenden Staaten, die Kohlendioxid-Emissionen aus fossilen Brennstoffen bis 2012 auf das Niveau von 1990 zu drücken, um dem Treibhauseffekt entgegen zu wirken. Bisher haben die EU und Japan ratifiziert. Die skandalöse Haltung des US-amerikanischen "Weltmeisters" der Kohlendioxid-Emission zur Kyoto-Vereinbarung hat sich bisher leider nicht geändert... |
| 23.07.2002 | Brasilien: Illegale Rodungen, organisierte Kriminalität und korrupte Staatsdiener | Der illegale Holzeinschlag in den Indianergebieten von Mato Grosso wird von organisierten kriminellen Vereinigungen kontrolliert. Ermöglicht wird er durch die Unterstützung von Funktionären staatlicher Kontrollinstanzen. Die Staatsanwaltschaft gab bekannt, dass sowohl Ministerien, die Polizei und die Umweltschutzbehörde IBAMA in die Aktionen verwickelt sind. | So wurden allein 30.000 Kubikmeter Edelholz aus dem Indianerreservat Cinta Larga beschlagnamt. Im Zentrum der Kritik steht die staatliche Gesundheitsorganisation FUNASA, die den extrem armen Indianern schon seit 1999 ein Gesundheitsvorsorgeprogramm vorenthält. Mit andauernd verschobenen Versprechungen wurden die Indianer gefügig und zu Handlangern bei den illegalen Fällaktionen gemacht. |
| 03.07.2002 | Indonesische Regierung plant Holzeinschlags-Moratorium | Die Pläne der Regierung, Holzeinschläge in Naturwäldern zeitweise auszusetzen wäre ein Balsam für die in den letzten Jahren arg geplünderten Regenwälder Indonesiens. Lautstarke Proteste in der Holz- und Papierindustrie folgten prompt. Die Betriebe würden dadurch indirekt gezwungen, auf bereits degradierten Flächen Plantagen anzulegen, um den Bedarf an Rohmaterial zu decken. Allein die Papierindustrie verbrauchte zwischen 1988 und 2000 120 Millionen Kubikmeter Holz. Davon stammten nur 10 Prozent aus Plantagen. Der Fehler, ausschließlich auf die billige Nutzung der Regenwälder zu setzen scheint nun bitter bestraft zu werden. Wir hoffen auf eine entsprechende Überwachung damit das Moratorium seinem Anspruch gerecht werden kann. |
| 07.06.2002 | Die Entwaldung in Amazonien hat das Land nicht weiter gebracht | Der in den letzten Dekaden erfolgte Raubbau an den amazonischen Regenwäldern hat weder neue Unternehmen hervorgebracht, noch Arbeitsplätze geschaffen und keinerlei Perspektiven für die ohnehin unter teilweise katastrophalen Bedingungen lebende lokale Bevölkerung eröffnet. Im Gegenteil: Die Entwaldung hat viele Menschen zu Vertriebenen gemacht und entwurzelt, hat große Latifundien entstehen lassen und somit dazu beigetragen, die Ökosysteme empfindlich zu stören und deren Reichtum, die einst unermessliche Biodiversität enorm zu reduzieren. | Soweit die Bilanz des brasilianischen Umweltministeriums in Brasilia, die gestern vorgelegt wurde. Allein in den 10 Jahren nach dem Umweltgipfel von Rio 1992 wurden in Amazonien 150.000 Quadratkilometer Regenwald vernichtet - offenbar für nichts und wieder nichts. Übrig geblieben ist ein unfruchtbares, meist völlig erodiertes Land, das nichts dazu beigetragen hat, den Teufelskreis der Armut in Amazonien aufzubrechen oder zu reduzieren. Lediglich sechs Prozent der brasilianischen Agrarproduktion kommt aus Amazonien. | Der unserer Meinung nach wichtigste Beitrag zur Erhaltung der Regenwälder und zur Verbesserung der Lebenssituation der Bevölkerung liegt in der Förderung und Unterstützung der traditionellen Lebensweise durch die Vergrößerung des Marktes für waldschonend (nachhaltig) erzeugte Nicht-Holz-Waldprodukte. Auf diesem Gebiet wird das Regenwald-Institut in Kürze eine umfangreiche Initiative starten. Wir werden Sie an dieser Stelle informieren. |
| 30.05.2002 | Neues vom WestLB-Pipeline-Bau in Ecuador: Reisebericht der WestLB-Parlaments-Delegation | Die NRW-Landtagsabgeordneten Ute Koczy (Grüne) und Bernhard von Grünberg (SPD) haben einen Bericht über ihre Reise nach Ecuador vorgelegt. In dem südamerikanischen Land hatten sich die beiden kürzlich über die Folgen der WestLB-Pipeline informiert. Fazit ihres Berichtes: Das von der WestLB maßgeblich finanzierte Ölprojekt verstößt eindeutig gegen verschiedene Weltbank-Standards. Den Bericht können Sie sich hier als .pdf-File herunterladen. |
| 23.05.2002 | UNEP veröffentlicht Umweltbericht "GEO-3" | Umfassende Studie über den Stand von Umwelt und Entwicklung | In der Studie wird ein eingehender Blick auf die Politik und Umweltauswirkungen der letzten 30 Jahren geworfen. Anschließend werden für die nächsten drei Jahrzehnte vier Politikansätze beschrieben und die wahrscheinlichen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt gegenübergestellt und verglichen. Die mehr als 1.000 am Bericht beteiligten Fachleute, von denen viele in einem weltweiten Netz kooperierender Forschungszentren arbeiten, sehen den Planeten an einem Scheideweg: Welche Entscheidungen heute getroffen werden, werde sich nachhaltig auf die Wälder, Meere, Flüsse, Berge, Tierwelt und auf andere lebenserhaltende Systeme auswirken, auf die heutige und künftige Generationen angewiesen sind. | Als eine der wichtigsten treibenden Kräfte wird in GEO-3 die wachsende Kluft zwischen den reichen und armen Teilen der Erde bezeichnet. Zur Zeit genieße ein Fünftel der Erdbevölkerung einen hohen wenn nicht gar exzessiven Lebensstandard. Dieses Fünftel vereinige auf sich beinahe 90 Prozent des weltweiten persönlichen Konsums. Gleichzeitig müssten etwa vier Milliarden Menschen mit weniger als 1-2 US-Dollar pro Tag auskommen. | Einzelheiten des GEO3 Berichtes finden Sie auf der Internetseite von UNIC Bonn, unter http://www.uno.de/umwelt/unep/geo3.htm. |
| 19.05.2002 | Schröder fordert Öffnung der Märkte für Entwicklungsländer | Berlin (Reuters) - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat dafür plädiert, den Entwicklungsländern den Zugang auf die Märkte der westlichen Industrieländer zu erleichtern. | Schröder sagte am Donnerstag in einer Regierungserklärung zur Nachhaltigkeitsstrategie seiner Regierung im Bundestag, die internationalen Regeln müssten so gestaltet werden, dass fairer Handel möglich werde. Die Entwicklungsländer müssten die Chancen der Globalisierung verstärkt nutzen können. Die reichen Länder hätten die Verantwortung, ihre Märkte zu öffnen für Produkte aus den Entwicklungsländern. Wer pauschal gegen die Öffnung der Märkte kämpfe, verbaue diesen Ländern den Weg aus der Armut. | Schröder fügte hinzu, es gebe keinen Zweifel, dass die Globalisierung Ängste auslöse und dass Bewährtes in Frage gestellt werde. Er warnte, diese Ängste könnten in politische Verhaltensweisen umschlagen, die zu einem Erstarken der extremen Rechten führen würden. Ein Beispiel dafür sei Frankreich, wo der Rechtspopulist Jean-Marie Le Pen in der ersten Runde der Präsidentschaftwahlen zweitstärkster Amtsanwärter geworden war. Die Politik müsse den Menschen klar machen, "dass Globalisierung mit Hilfe von Politik beherrschbar ist", forderte Schröder. | Für die Bundesregierung zog Schröder eine positive Bilanz der Nachhaltigkeitsstrategie. Im April hatte das Kabinett die deutsche Strategie beschlossen. Auf dem UN-Umweltgipfel 1992 in Rio de Janeiro hatten sich die Staaten darauf verständigt, Nachhaltigkeitsstrategien auszuarbeiten. Diese sollen auf dem Nachhaltigkeitsgipfel im September in Johannesburg vorgestellt werden. Die Strategie der Bundesregierung enthält 21 Indikatoren von Klimaschutz über Staatsverschuldung bis hin zu Mobilität, die Fortschritte bei der Nachhaltigkeit messbar machen sollen. | Schröder warnte davor, den Begriff der Nachhaltigkeit auf die Ökologie zu verkürzen. So seien die Steuerpolitik oder die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte Teil der Strategie. Der Union warf Schröder vor, Wahlversprechen in einer Dimension (Stockholm: DMSN.ST - Nachrichten) von 79 Milliarden Euro zu machen und zugleich die Staatsquote auf unter 40 Prozent drücken zu wollen, was noch einmal 170 Milliarden Euro kosten würde. Investitionen in Bildung und Infrastruktur seien dann nicht mehr möglich. Einen armen Staat könnten sich nur Reiche leisten, sagte Schröder. | Der Bundeskanzler nannte auch das unter seiner Regierung gewachsene internationale militärische Engagement Deutschlands Teil der Nachhaltigkeitsstrategie. "Es darf keine Tabuisierung des Militärischen geben", sagte Schröder. Mit Verweis auf seinen Besuch in der afghanischen Hauptstadt Kabul vergangene Woche sagte er, dort komme man in eine Stadt, die fast völlig zerstört sei und in der die Menschen bis vor kurzem ohne Hoffnung gelebt hätten. Die internationale Schutztruppe ISAF habe "die Basis für Hoffnung in dem Land geschaffen" und sei der einzige Schutz der Bevölkerung. In der ISAF dienen rund 1200 Bundeswehrsoldaten. |
| 17.05.2002 | Amazonas-Indianer nehmen Geiseln | Indios haben drei brasilianische Regierungsbeamte als Geiseln genommen und mit ihrer Verbrennung gedroht, falls Goldsucher nicht von ihrem Stammesterritorium entfernt würden. Das brasilianische Fernsehen zeigte am Mittwoch Bilder der Gefangenen in riesigen Holzkäfigen, die die Indios bei Nichterfüllung ihrer Forderungen anzünden wollten. Rund 300 Goldsucher waren vor gut einem Jahr in das Indioreservat im Westen der Amazonasprovinz Para eingedrungen, um nach dem Edelmetall zu schürfen. Die Regierung hat den Ureinwohnern seitdem mehrfach versprochen, die Eindringlinge zu entfernen, was jedoch bislang nicht geschah. Gleichwohl zeigten sich die Behörden von der Geiselnahme überrascht. «So etwas hätten wir nicht erwartet», sagte Cid Furtado vom für die Indios zuständigen Regierungsbüro. Er betonte aber, dass die Polizei nunmehr damit begonnen habe, die Goldsucher von indianischem Territorium wegzuschicken. Zugleich seien Verhandlungen für eine Freilassung der Geiseln aufgenommen worden. |
| 13.05.2002 | Straßenbau und Waldzerstörung in Amazonien | ...war Gegenstand einer Tagung des Instituts für Umweltforschung in Amazonien (IPAM), die gerade in Manaus stattfand. Im Mittelpunkt stand die Dabatte über die Asphaltierung der BR 163, Cuiaba-Santarém. Tausend Kilometer der Straße sind bereits asphaltiert, die restlichen 1000 km sollen demnächst im Rahmen des "Avanca-Brasil" (Vorwärts Brasilien) - Programmes der Regierung geteert werden. | Die Straße ist das Herz der Soya-Strategen, denn sie erschließt den "Tiefsee-Hafen" Santarém am Amazonas für den Export. Es wird (zurecht) befürchtet, dass die vollständige Asphaltierung eine beschleunigte Waldzerstörung und schwerwiegende soziale und gesundheitliche Probleme füer die anliegenden Kommunen bringen wird. |
| 20.04.2002 | Urwaldgipfel in Den Haag: Zahnlos und letztlich unbefriedigend | Die Ergebnisse der 6. Vertragsstaatenkonferenz über die Konvention zur biologischen Vielfalt in Den Haag waren aus unserer Sicht enttäuschend. Eine große Chance für einen Meilenstein beim Schutz der letzten Naturwälder wurde leichtfertig vergeben. Dabei lag im Vorfeld der Konferenz ein Arbeitsprogramm als Grundlage vor, das auch die Zustimmung internationaler Naturschutzverbände gefunden hatte. Vor allem Länder wie Brasilien und Kanada, die noch über bedeutende Urwaldflächen verfügen, hatten offenbar an einer Verabschiedung eines wirkungsvollen Arbeitsprogramms kein Interesse. | Immerhin verabschiedeten die Vertreter der 180 Vertragsstaaten zum Abschluss des zweiwöchigen Gipfels ein wässriges Arbeitsprogramm mit mehr als 130 Punkten zum Schutz der noch verbliebenen Urwälder und zur vertraglichen Nutzung der Holzvorräte. Wir bedauern zutiefst, dass es keine Einigung über einen Stopp der illegalen Waldzerstörung gegeben hat. Es wurde versäumt, dem Schutz der letzten Urwälder als Garanten der biologischen Vielfalt oberste Priorität einzuräumen. Erschütternd auch die mangelnde Bereitschaft der Industrienationen, sich beim Schutz der Wälder in den Entwicklungsländern finanziell stärker als bislang zu engagieren. Die Forderung der Entwicklungsländer nach Einrichtung eines bedeutenden jährlichen Budgets beim Global Environmental Fund (GEF) zum Schutz der Wälder und der biologischen Vielfalt verhallte beinahe ungehört. Dafür wären jährlich rund 15 Milliarden US-Dollar notwendig. |
| 08.04.2002 | In Den Haag beginnt das Gezerre um die letzten Urwälder | Die biologische Vielfalt der Wälder ist das Schwerpunktthema der vom 7. bis 19. April 2002 in Den Haag stattfindenden sechsten Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über die Biologische Vielfalt (COP-6 CBD) - soweit das Konferenzchinesisch. Über 2.000 Delegierte aus 182 Ländern treffen sich zu diesem "Urwaldgipfel". Verhandelt wir über verbindliche Schritte, um die weitere Abholzung der verbliebenen unersetzlichen Gebiete zu stoppen. Dazu ist vor allem eine effektive Bekämpfung des illegalen Holzeinschlag |